Paukenschlag in Mainz-Hechtsheim: Ortsvorsteherin Tatiana Herda Munoz legte am Freitag völlig überraschend und mit sofortiger Wirkung ihr Amt nieder. Als Begründung gab die SPD-Politikerin „familiäre Gründe“ an: „Meine Familie braucht mich jetzt, und ich bitte dafür um Verständnis“, schrieb Herda Munoz auf ihrem Facebook-Account: „Ich mache nun schnellstmöglich Platz für jemanden, der oder die Hechtsheim in den nächsten Jahren die Aufmerksamkeit widmen kann, die es verdient.“ Ein Nachfolger könnte nach Mainz&-Informationen womöglich bei der kommenden OB-Wahl gewählt werden.

Die SPD-Politikerin Tatiana Herda Munoz im Wahlkampf für das Ortsvorsteheramt in Mainz-Hechtsheim. - Foto: SPD Mainz
Die SPD-Politikerin Tatiana Herda Munoz im Wahlkampf für das Ortsvorsteheramt in Mainz-Hechtsheim. – Foto: SPD Mainz

Ungewöhnlich Entwicklung im Mainzer Stadtteil Hechtsheim: Mitten in der Legislaturperiode und nur drei Jahre nach ihrer Wahl ist die Ortsvorsteherin von Mainz-Hechtsheim, Tatiana Herda Munoz (SPD), am Freitag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Herda Munoz gab ihre Entscheidung am Freitagvormittag über ihren Facebook-Account bekannt – im Mainzer Stadthaus war die Entscheidung der Ortsvorsteherin am Mittag noch nicht einmal offiziell eingegangen.

„Liebes Hechtsheim, ich lege mein Amt als Ortsvorsteherin von Mainz Hechtsheim mit sofortiger Wirkung nieder“, schrieb Herda Munoz auf Facebook, und begründete ihren überraschenden Schritt mit persönlichen Gründen: „Meine familiäre Situation erlaubt es mir derzeit und absehbar nicht, mein Mandat als Ortsvorsteherin so auszuführen, wie es mein Anspruch ist und wie es Hechtsheim verdient“, schreibt Herda Munoz, und weiter: „Mit Bedauern, aber ohne Zweifel lege ich dieses schöne Amt nieder..“

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Herda Munoz war erst bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in das Amt der Ortsvorsteherin gewählt worden, damals eroberte die Nachwuchs-Politikerin den traditionell eher konservativ geprägten Mainzer Stadtteil Hechtsheim für die SPD. Von Anfang an gab es jedoch Streit um ihre Amtsführung: Herda Munoz befand ein Büro für die Ortsvorsteherin in der Kreisverwaltung für überflüssig und sah sich scharfer Kritik der Opposition ausgesetzt, weil sie persönliche Gratulationen bei Jubiläumsgeburtstagen oder Ehren-Hochzeiten vernachlässige.

Tatiana Herda Munoz in ihrem Popup-Bürgerstore im alten Ortskern von Mainz-Hechtsheim, der Umbau des Hauses war ohne Baugenehmigung und ohne Nutzungsgenehmigung erfolgt. - Foto: Herda Munoz
Tatiana Herda Munoz in ihrem Popup-Bürgerstore im alten Ortskern von Mainz-Hechtsheim, der Umbau des Hauses war ohne Baugenehmigung und ohne Nutzungsgenehmigung erfolgt. – Foto: Herda Munoz

Immer wieder hatte Herda Munoz darauf verwiesen, dass sie berufstätig sei und nicht so viel Zeit für solche repräsentativen Aufgaben aufwenden könne. Die Opposition warf ihr hingegen vor, wenn sie nicht die Zeit habe, ihr Amt auszufüllen, hätte sie sich nicht wählen lassen sollen. Ernsthafte Vorwürfe gegen die Ortsvorsteherin gab es, als Herda Munoz im Herbst 2019 einen Popup-Store für Bürgerbeteiligung im alten Hechtsheimer Ortskern eröffnete: Das Haus war zuvor ohne Baugenehmigung und ohne genehmigte Nutzung umgebaut worden.

Am Freitag dann der überraschende Abgang der Ortsvorsteherin: „Das Leben, wie es manchmal so ist, hat mich nun vor eine große und unschöne Entscheidung gestellt“, schrieb Herda Munoz auf ihrem Facebook-Account, ohne weitere Details zu nennen. „Die Ressourcen und die Zeit eines jeden Menschen sind begrenzt“, schrieb sie weiter: „Als abzusehen war, dass ich nicht mit derselben Zeit und Leidenschaft der letzten drei Jahre auch in Zukunft Ortsvorsteherin für Hechtsheim sein kann, war meine Entscheidung klar. “ Zu einer verantwortungsvollen Politik gehöre auch das Erkennen eigener Grenzen.

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Auf die vergangenen drei Jahre blicke sie „voller Freude“ zurück: „Ich erinnere mich an die großartige Gemeinschaft und den Zusammenhalt in Hechtsheim während der Pandemie“, schrieb Herda Munoz weiter: „Ich habe wochenlang mit hunderten Menschen in vielen WhatsApp-Gruppen, per Social Media und Telefon gesprochen, Hilfe koordiniert und Aktionen gestartet.“ Hechtsheim habe nun endlich wieder einen festangestellten Stadtteilhelfer, der den Ortskern sauber halte und für den Stadtteil da sei.

Wahlplakat Tatiana Herda Munoz bei der Kommunalwahl 2019. - Foto: SPD Mainz
Wahlplakat Tatiana Herda Munoz bei der Kommunalwahl 2019. – Foto: SPD Mainz

Mit der Feuerwehr seien Tonnen an Hilfsgütern im Bürgerhaus für das Ahrtal gesammelt und ins Katastrophengebiet gebracht worden. „Und nicht zuletzt haben wir mit dem Gewerbeverein und mit dem gesamten Ortsbeirat den Weg frei gemacht für die lang ersehnte Umgestaltung unseres Ortskerns – ein historischer Ortsbeiratsbeschluss für Hechtsheim“, nannte Herda Munoz weitere Bausteine ihrer Arbeit: „Das alles und vieles mehr, wie einen politischen Pop-up-Laden im Ortskern, Briefpatenschaften für Senior:innen oder Pizza & Politics im Jugendzentrum, habe ich in den letzten drei Jahren (mit)gestaltet.“

Wie es jetzt in Hechtsheim genau weiter geht, ist noch unklar. Vorerst werde ihre Stellvertreterin Birgit Zehe-Clauß (FDP) sie vertreten, kündigte Herda Munoz weiter an. Im Mainzer Stadthaus zeigte man sich überrascht: Eine offizielle Mitteilung liege im Stadthaus noch nicht vor, hieß es in der Pressestelle – ein solcher Rücktritt sei ausgesprochen selten. Vermutlich werde man nun versuchen, die Neuwahl des Ortsvorstehers in Mainz-Hechtsheim gemeinsam mit der anstehenden OB-Wahl am 12. Februar 2023 durchzuführen.

Info& auf Mainz&: Den ganzen Post von Tatiana Herda Munoz findet Ihr hier auf Facebook, die Geschichte um den Popup-Store in einem illegal umgebauten Wohnhaus in Mainz-Hechtsheim könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.

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