Panta Rei, „alles fließt“ hätte das Motto für den Auftakt des Lichterfestivals „Mainz leuchtet“ sein können: Die Eröffnung am Donnerstagabend versank im Regen und lockte deshalb deutlich weniger Menschen in die Stadt als im Vorjahr. Doch dem Leuchten an den Gebäuden tat das keinen Abbruch: Da zerflossen die Fassaden von Dom und Osteiner Hof, zuckten Laserbeams an der Rheingoldhalle und wuchsen Pilze aus der Fassade des Alten Doms St. Johannis. Das dritte Lichterspektakel fasziniert, die Veranstalter hoffen auf besseres Wetter.

Trotz Regens kamen einige Hundert Zuschauer zum Auftakt von "Mainz leuchtet 2025", hier ein Highlight am Dom. - Foto: gik
Trotz Regens kamen einige Hundert Zuschauer zum Auftakt von „Mainz leuchtet 2025“, hier ein Highlight am Dom. – Foto: gik

„Vielen Dank, dass so viele gekommen sind“, sagte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos), der Dank kam von Herzen: Bei tiefer Dunkelheit und vor allem strömendem Regen waren dennoch vielleicht 100 Besucher am Donnerstagabend auf den Jockel-Fuchs-Platz zwischen Rathaus und Rheingoldhalle gekommen, um den Auftakt der dritten Ausgabe von „Mainz leuchtet“ zu erleben. Das war schon lobenswert: Bei gerade einmal acht Grad und strömendem Regen, war der Start zu „Mainz leuchtet“ in diesem Jahr womöglich noch ungemütlicher als noch im Vorjahr – auch da hatte es in Strömen geregnet.

„Letztes Jahr haben wir ja schon ein bisschen Pech gehabt“, räumte Haase ein, die Stadt müsse dann schon noch „an einer besseren Wettertradition am ersten Abend arbeiten, das muss noch besser werden.“ Zumal das Wetter in diesem Jahr für deutlich weniger Zuspruch sorgte als im Vorjahr am ersten Abend, lediglich einige wenige Hundert Menschen wanderten mit Regenschirmen ausgestattet durch die nächtliche Innenstadt.

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Haase: „Die Stadt in neuem Licht erstrahlen lassen – fantastisch“

Die meisten dürfen auf besseres Wetter an den beiden kommenden Abenden warten, denn das Late Light Festival war bei seinen ersten beiden Ausgaben ein großer Erfolg: 165.000 Besucher seien in zwei Jahren zu „Mainz leuchtet“ gekommen, berichtete Haase: Die Vision, die man vor zwei Jahren gehabt habe, „die Stadt im neuen Licht erstrahlen zu lassen, das hat fantastisch funktioniert“. Licht wecke gerade in der dunklen Jahreszeit Hoffnung und lasse die Menschen zusammenwachsen. „Licht ist eben mehr als nur Beleuchtung, mit Licht kann man viel, viel mehr machen“, sagte Haase, „und das haben wir gezeigt.“

Los ging's am Donnerstagabend auf dem Jockel-Fuchs-Platz vor der Rheingoldhalle mit Beats und Laserbeams. - Foto: gik
Los ging’s am Donnerstagabend auf dem Jockel-Fuchs-Platz vor der Rheingoldhalle mit Beats und Laserbeams. – Foto: gik

Zu Danken ist das in erster Linie den Studierenden des Fachbereichs „Zeitbasierte Medien“ von der Hochschule Mainz, 20 von ihnen entwickelten in diesem Jahr die Projekte, um Mainzer Fassaden zum Leuchten zu bringen. Da zuckten Laserbeams im Takt zweier DJs vor der Rheingoldhalle und tauchten die Baustelle Rathaus in unirdisch-blaues Licht, am Markt gab es Fassadenspiele zu Orgelklängen, und sogar Johannes Gutenberg hatte ein LED-Leuchtband auf der Stirn.

Von der Rheingoldhalle bis zum Schillerplatz reicht die Lichtermeile, insgesamt zehn Gebäude werden von den Lichterspielen verwandelt. Besonders gut gelungen ist das erneut an der Fassade des Ostchors des Mainzer Doms, die im Regen zerfließt und auf der sich rasante Kreisel drehen. Das poetische Spiel mit Wolken und „Sinnbildern für Vergänglichkeit und Schönheit“ an der Sankt-Gotthard-Kapelle kam am Donnerstagabend hingegen nicht so richtig zur Geltung, zu blass die Farben und Konturen.

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Piepmätze und Kätzchen am Osteiner Hof, Pilze am Alten Dom

An der Deutschen Bank hingegen widmete sich die Kunstinstallation passenderweise dem Thema Kaufhaus, schräg gegenüber tanzten Manga-Mädchen auf der Fassade des Juweliers Leo Link, der erstmals dabei war. Ein Höhepunkt war wieder einmal der Osteiner Hof: Die Fassade des alten Barockpalais‘ wird in diesem Jahr von schnurrenden Kätzchen und rockenden Piepmätzen bevölkert, die in einem nostalgischen Computerspiel versinken – und auch die grafischen Fassadenspielereien dürfen hier einfach nicht fehlen, auch wenn sie im vergangenen Jahr beeindruckender ausfielen.

Ein Pilz wächst aus der Fassade des Alten Doms St. Johannis. - Foto: gik
Ein Pilz wächst aus der Fassade des Alten Doms St. Johannis. – Foto: gik

Das Mainzer Staatstheater erzählt derweil die Geschichte der Dreigroschenoper in Schriftzügen, eine witzige Idee, die in der charmanten Aufforderung gipfelte: „Gehen Sie doch mal wieder ins Theater – ab diesem Samstag läuft die Dreigroschenoper hier in diesem Haus.“ Zum heimlichen Star wird derweil der Kirschgarten: Die Spielereien mit der Fassade des alten Fachwerkhauses der Familie Schué sind wunderschön und entfalten den magischen Zauber der Lichterspiele so richtig. Wenige Schritte weiter wachsen Pilze aus der Fassade des Alten Doms St. Johannis – Pilze? Nun ja, nass genug war es dafür in jedem Fall, die Umsetzung durchaus beeindruckend.

Apropos nass: Für die Flüssigkeit von innen müssen die Besucher selbst sorgen – erneut gibt es keine Stände entlang der Lichtermeile. „Es geht eben auch ganz oben Weinstände“, sagte Haase – doch das war ein Stück weit gelogen: Direkt neben der Bühne auf dem Jockel-Fuchs-Platz steht in diesem Jahr, genau: Ein Weinstand, ein zweiter am Eingang zur Rheingoldhalle. Ansonsten aber bleibt die Innenstadt leer, ein „Rummel“ soll „Mainz leuchtet“ eben gerade nicht sein. Für die Besucher ist das zuweilen – vom Nass von oben abgesehen – eine trockene Angelegenheit, lediglich am Höfchen bieten zwei Federweißerstände Abhilfe.

Erneut ein Höhepunkt: Die Lichterspiele am Osteiner Hof am Schillerplatz. - Foto: gik
Erneut ein Höhepunkt: Die Lichterspiele am Osteiner Hof am Schillerplatz. – Foto: gik

Am Freitagabend und am Samstagabend kann man die Lichterinstallationen samt Sound noch einmal genießen, los geht’s jeweils um 20.00 Uhr, Ende ist um 23.00 Uhr. Samstagabend findet zudem die „Lange Nacht der Lichter“ statt, dann öffnen auch einige Geschäfte in der Innenstadt bis 22.00 Uhr ihre Türen. Dazu gibt es geführte Lichttouren und Stadtrundgänge, urbane Tanzflächen und Infos zu dem Studiengang der Hochschule im LUX-Pavillon – das ganze Programm haben wir hier auf Mainz& berichtet.

Info& auf Mainz&: Das dritte „Mainz leuchtet – Das Late Light Festival“ findet vom 25. bis 27. September 2025, jeweils von 20.00 bis 23.00 Uhr in der Mainzer Innenstadt statt. Der Eintritt ist frei, ausführliche Infos gibt’s hier im Internet. Und wer noch einmal die Lichterinstallationen von letztem Jahr vergleichen möchte – bittesehr: Hier auf Mainz& findet Ihr unseren Bericht samt Fotogalerien. Und hier kommt die Fotogalerie zu „Mainz leuchtet 2025“, viel Spaß! Übrigens: Bei den Fotos wurde KEIN Filter verwendet.