In einer Woche wird nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Priorisierung bei der Impfkampagne fallen, dann kann sich jeder in Deutschland ab einem Alter von 12 Jahren um einen Impftermin bemühen – und “bemühen” ist genau das Wort, das vielen Menschen Angst macht: Denn noch immer warten rund 420.000 Menschen allein im Terminpool des Landes Rheinland-Pfalz auf einen Impftermin. Viele von ihnen fürchten nun, trotz Registrierung in dem großen Run ab dem 7. Juni hinten herunter zu fallen, doch der neue Gesundheitsminister von Rheinland-Pfalz gibt nun ein Versprechen ab: “Wer sich bis zum 7. Juni in seiner Priorisierungsgruppe angemeldet hat, wird auch nach dem 7. Juni prioritär geimpft”, versprach Clemens Hoch (SPD) vergangenen Freitag in Mainz. Denn noch immer gibt es einen limitierenden Faktor: den Impfstoff.

Das Impfzertifikat in die Kamer halten, das wünschen sich auch viele Ältere in Rheinland-Pfalz - mehr als 400.000 warten noch immer auf einen Termin. - Foto: Stadt Wiesbaden
Das Impfzertifikat in die Kamer halten, das wünschen sich auch viele Ältere in Rheinland-Pfalz – mehr als 400.000 warten noch immer auf einen Termin. – Foto: Stadt Wiesbaden

Angesichts der näher rückenden Freigabe der Impf-Priorisierung am 7. Juni wächst die Unruhe bei vielen Menschen, die noch immer auf ihre Impftermine warten. 410.000 Menschen der Priorisierungsgruppe 3 waren vergangenen Freitag nicht nur nicht geimpft – sie hatten noch nicht einmal einen Impftermin. 42.000 Personen dieser Gruppe hätten inzwischen einen Termin zugeteilt bekommen, sagte der neue Impfkoodinator, Gesundheits-Staatssekretär Daniel Stich (SPD) und räumte ein: Man wisse um die Rückmeldungen von vielen, die sich fragten, wo ihr Impftermin bleibe. “Wir geben uns größte Mühe, sie zeitnah mit einem Impftermin beglücken zu können”, versicherte Stich.

Doch Mainz& erreichen noch immer praktisch jeden Tag Schilderungen von Rheinland-Pfälzern, die seit Wochen vergeblich auf ihre Impfungen warten. Vor sechs Wochen habe sie sich registriert, schrieb uns gerade heute ein 65-Jährige, gehört habe sie seither nichts – und ihr Hausarzt impfe nicht. Er sei seit fast acht Wochen registriert, 66 Jahre alt, doch einen Impftermin habe er noch immer nicht, schriebt ein weiterer Mainz&-Leser, und ärgert sich: “In der Nachbarschaft sind fast alle geimpft, obwohl sie im Schnitt 20 Jahre jünger sind und keiner Gruppe angehören. Die meisten haben höchstens zwei Wochen gewartet und sich einfach angemeldet, obwohl sie nicht an der Reihe sind”, schreibt er weiter: “Da stimmt doch was nicht bei dem System!”

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Der Wunsch nach einer Impfung ist weiter richtig hoch, diese Schlange stand vor ein paar Wochen vor dem Mainzer Impfzentrum. - Foto: privat
Der Wunsch nach einer Impfung ist weiter richtig hoch, diese Schlange stand vor ein paar Wochen vor dem Mainzer Impfzentrum. – Foto: privat

“Ich weiß, dass es in Rheinland-Pfalz noch eine zu große Anzahl von Menschen gibt, die ungeduldig auf ihren Impftermin warten”, räumte Stich vergangenen Freitag ein. So befänden sich im Wartepool derzeit auch noch 24.000 Menschen über 60 Jahren, die sich vor dem 23. April angemeldet hätten. das Land überlege nun, wie die Kommunikation mit den Registrierten verbessert werden könne – etwa durch eine Rückmeldung, sagte Stich, und betonte: “Die Botschaft ist angekommen.” Probleme auf technische Störungen habe man aber nicht, sagte der Impfkoordinator auf Mainz&-Frage weiter: “Wir haben keine Hinweise, dass wir irgendwo ein technisches Problem hatten”, sagte Stich, “wir haben ein sehr gutes und leistungsfähiges System etablieren können.”

Immerhin habe das Land in den Priorisierungsgruppen eins und zwei “gute Fortschritte gemacht”, betonte Stich weiter. So warteten in der Gruppe 1 der über 80-Jährigen derzeit nur noch 570 Personen auf einen Impftermin, rund 560.000 Menschen hätten hier bereits ihre Impfung erhalten. In der Priogruppe 2 der Menschen über 70 Jahre warteten derzeit etwa 3.500 Menschen auf einen Termin, 91.000 hätten derzeit einen Termin, aber noch nicht ihre erste Impfung erhalten.

Das liege auch daran, dass immer wieder Menschen aus der Priogruppe 3 in höhere Gruppen aufrutschten, sagte Stich. Da werde etwa festgestellt, dass sie die Altersgrenze überschritten oder auch eine neue Krankheitsdiagnose bekämen. “75 Prozent der Rheinland-Pfälzer über 60 Jahre konnten wir bereits impfen”, betonte Stich. Doch die Planer müssen auch einräumen: Die Priogruppe 3 sei größer als erwartet – und der limitierende Faktor sei weiter der knappe Impfstoff. Im Juni könne Rheinland-Pfalz mit 1,5 Millionen Impfdosen rechnen, sagte Gesundheitsminister Hoch, und zwar für die Impfzentren des Landes, die niedergelassenen Ärzte sowie die Betriebsärzte zusammen. An die Impfzentren gingen dabei pro Woche 120.000 Dosen, was darüber hinaus zur Verfügung stehe, gehe an die Ärzte.

Der neue rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). - Foto: rlp
Der neue rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD). – Foto: rlp

Am 7. Juni nun aber fällt die Priorisierung, nach der besonders vulnerable Gruppen zuerst geimpft werden sollten. “Es gibt Menschen, die gucken sorgenvoll”, weil sie befürchteten, sich nach dem Ende der Priorisierung “in einem größeren Topf hinten anstellen zu müssen”, sagte Hoch, und betonte: “Ich kann Ihnen versichern: Das ist nicht der Fall.” Auch nach dem 7. Juni würden diese Registrierten der Priogruppe 3 prioritär geimpft. Man wolle die 410.000 Wartenden “sehr zeitnah abarbeiten” und hoffe, allen bis Mitte Juni ihre Termine zuteilen zu können, sagte Stich.

Ab dem 7. Juni soll das Registrierungssystem nun so umgestellt werden, dass alle, die sich neu anmelden ihre Termine nach dem Eingangsdatum ihrer Anmeldung zugeteilt bekommen. Das derzeitige System schaue zuerst auf die Priorisierung, sagte Hoch. Wichtig für Menschen, die einer Priorisierungsgruppe angehören ist deshalb, sich noch vor dem 7. Juni anzumelden.

Ab dem 7. Juni können sich nun zudem auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren für eine Impfung anmelden, die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte am Freitag den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren zugelassen, am Montag gab die Europäische Kommission ebenfalls grünes Licht. “Wir haben die Zeichen, dass das Vakzin auch sicher ist für Kinder zwischen 12 und 16 Jahren”, sagte der Leiter der EMA-Impfstrategie, Marco Cavaleri, am Freitagnachmittag. Die Immunantworten bei Kindern ab 12 Jahren seien “ähnlich oder sogar besser” als bei jungen Erwachsenen, das Vakzin schütze sicher vor der Krankheit Covid-19 – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

Schüler bei einer Fridays for Fuuture-Demo in Mainz - auch sie sollen sich ab dem 7. Juni impfen lassen können. - Foto: gik
Schüler bei einer Fridays for Fuuture-Demo in Mainz – auch sie sollen sich ab dem 7. Juni impfen lassen können. – Foto: gik

Die Impfungen von Kindern sollten hauptsächlich bei niedergelassenen Ärzten und Kinderärzten durchgeführt werden, sagte Hoch. “Wir betrachten die Ärzte als Hauptsäule”, betonte der Minister, das gelte vor allem für den Fall, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung nur für Kinder mit Vorerkrankungen empfehle. Bislang hat sich die Stiko noch nicht geäußert, die Experten warten noch auf weitere Daten, vor allem aus den USA und Kanada, wo Kinder ab 12 Jahren bereits geimpft werden. Falle die Empfehlung der Stiko breiter pro Impfung für alle Kinder aus, könne das Land auch in den Impfzentren in die Impfungen einsteigen, betonte Hoch – die Impfzentren sind derzeit weiter nicht ausgelastet.

In Ludwigshafen und Worms will das Land zudem diese Woche eine Sonder-Impfaktion in sozialen Brennpunkten starten, wo die Wohnverhältnisse eng und die Corona-Inzidenzen hoch sind, bis zu 5.000 Impfdosen stellt das Land dafür bereit. In Mainz soll es entgegen erster Überlegungen eine solche Impfaktion aber nicht geben, sagte Sozialdezernent Eckart Lensch (SPD) vergangene Woche bei einem Termin in einer Mainzer Kita – in Mainz gebe es keine vergleichbaren Hotspots. “Wir wollen mobile Teams in Stadtteile schicken”, sagte Lensch, das werde aber erst der Fall sein, wenn es genug Impfstoff gebe “und wir schon alle geimpft haben, die wollen.” Dann sei auch denkbar, Impfmobile “quasi auf den Marktplatz zu stellen”, fügte Lensch hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Impfen bei Kindern lest Ihr ausführlich hier bei Mainz&, mehr zum Impfstau in Rheinland-Pfalz haben wir hier berichtet. Wichtig&: Wer zu einer der Priorisierungsgruppen 1 bis 3 gehört, sollte sich unbedingt noch diese Woche für einen Impftermin anmelden – ab dem 7. Juni wird das Registrierungssystem laut Landesregierung auf eine rein zeitliche Abfolge umgestellt. Dann gilt. Wer sich zuerst anmeldet, kommt auch zuerst an die Reihe. Anmelden kann man sich im Land Rheinland-Pfalz telefonisch unter 0800-5758100 oder online im Internet unter impftermin.rlp.de.  Das Impf-Telefonzentrum ist jeden Tag erreichbar: montags bis freitags von 7.00 bis 23.00 Uhr und samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr.

 

3 KOMMENTARE

  1. Ich arbeite nebenher als Helfer in einer Coronahausarztpraxis, erstelle und aktualisiere täglich seit Wochen eine Datenbank für Impfwillige. Mittlerweile stehen etwa 550 Personen auf der Warteliste, davon aktuell 110 über 60 Jahren alt. Wir bekommen diese Woche 18 Impfdosen Biontec, nächste Woche 48. Dosen. Letzteres ist aber in dieser Höhe die Ausnahme. Momentan führen wir Zweitimpfungen durch, es ist nicht genügend Impfstoff da, um auch nennenswert Erstimpfungen zeitgleich durchführen zu können. Das will heißen, die nächsten 6 Wochen sieht es mit Erstimpfungen eher mau aus. Das liegt einzig daran, daß wir nicht genug Impfstoff bekommen. Alleine in dieser Praxis sind letzten Monat 60 Überstunden für die Impfkoordination, Vor- und Nachbereitung, also Verwaltungsarbeiten, angefallen. Täglich beschweren sich Impfwillige, die schon lange auf der Warteliste stehen, die nicht verstehen können, daß sie noch immer keinen Termin haben. Die Politik verspricht etwas, was sie nicht halten kann. Wie schon so oft auf dem Rücken anderer.

    • Das ist schlicht falsch: Die Zusage von Gesundheitsminister Hoch gilt nur für die Impfzentren des Landes – eine andere kann er ja auch gar nicht machen. Bei der vom SWR beschriebenen Aktion sind hingegen ÄRZTE aktiv geworden und haben Impfstoff besorgt – das können sie, das dürfen sie. Und seit heute dürfen auch Kinder über 12 Jahre geimpft werden, das ist offiziell erlaubt. Und zwar über die Ärzte. Die Schüler-Impf-Aktion ändert also gar nichts an der Zusage des Ministers – und sie entwertet sie auch nicht. Bitte genau lesen…

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