Wenn die Ranzengarde marschiert – dann ist doch Rosenmontag, oder? Mainz machte am Sonntag eine Ausnahme, und ließ die älteste Mainzer Garde einfach den Festumzug des Rheinland-Pfalz-Tages eröffnen. Bei absolutem Traumwetter zogen mehr als 70 Zugnummern durch die Straßen von Mainz – und natürlich donnerte da ein gut gelauntes “Helau” durch die Straßen. Schließlich war der Rosenmontagszug auch dieses Jahr ausgefallen, der große Festumzug entschädigte nun ein wenig: Römer, Ritter und ganz viel Fastnacht waren da zu sehen, aber auch Winzer und allerlei Majestätinnen.

Der neu gestaltete Gutenberg-Biontech-Wagen rollte am beginn des Festzuges. - Foto: gik
Der neu gestaltete Gutenberg-Biontech-Wagen rollte am beginn des Festzuges. – Foto: gik

Pünktlich um 13.00 Uhr war der Festumzug an der Ecke Kaiserstraße-Rheinallee gestartet, nicht ganz so pünktlich zog er dann am Rhein entlang zur Rheingoldhalle und die Quintinsstraße hinauf zur Ludwigsstraße. Immer wieder nämlich kam der große Festumzug ins Stocken, gab es zwischendurch breite Lücken – den Bemühungen der MCV-Zugordner zum Trotz. Aber wen störte es? Die Sonne lachte von einem strahlend blauen Himmel, und damit war endgültig klar: Der Herrgott muss en Meenzer soi!

Rheinland-Pfalz feierte seinen 75. Geburtstag, der Festumzug war der Höhepunkt der dreitägigen Landesfestes in Mainz. Traditionell zeigen sich dabei Vertreter und Vereine aus allen Teilen des Landes, und so zogen Ritter und Römer, allerlei Winzer, und eine Vielzahl von Majestätinnen durch die Straßen von Mainz. Da gab es die Rotweinmajestäten aus Ingelheim am Rhein, die Eisweinkönigin samt Prinzessin, die Rheinhessischen Weinmajestätinnen natürlich – und ja: Es gibt auch eine Miss Strohhut, die kommt aus Frankenthal.

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Dazwischen immer wieder Musikzüge und Kapellen, Guggemusiker und auch einige Motivwagen: Rund 2.500 Teilnehmer in 73 Zugnummern zogen über die 2,2 Kilometer kurze Strecke, und hatten 39 Motivwagen dabei. Das klang schon nach Fastnacht – und es wurde ein Mini-Rosenmontagszug im Mai. Denn nach dem Start mit den Trifels-Herolden aus Annweiler und ihren Fahnenschwenkern, marschierte die Ranzengarde mit Klang und Schwung, gefolgt von Burggrafengarde, Draiser Carneval Club und Käsbachfinken.

Meenzer Schwellkopp vor Rathaus und Rheingoldhalle. - Foto: gik
Beliebtes Fotomotiv: Meenzer Schwellkopp vor Rathaus und Rheingoldhalle. – Foto: gik

Kinderprinz Finn I. winkte strahlend von seiner Lok, vor ihm sorgten die Meenzer Schwellköppe für begeisterte Zuschauer und viele, viele Selfie-Wünsche. Eine große Zugnummer: Der Karneval Club Kastel. Der KCK feiert in diesem Jahr ebenfalls sein 75. Jubiläum, und so durfte der Club, der ja eigentlich aus dem hessischen Mainz-Kastel kommt, im Rheinland-Pfalz-Umzug mitmarschieren. Rechts des Rheins ist nun also ganz amtlich auch noch Rheinland-Pfalz.

Der KCK hatte seinen Nachthemdenwagen dabei, und gab ein farbenfrohes Bild ab – da donnerte das “Helau” am Dom besonders laut. “Guuude”, rief derweil ein gut gelaunter KCK-Präsident Dirk Loomans den Zuschauern zu, es war sozusagen der Alternativ-Ruf für alle, die mitten im Sommer dann doch nicht den Fastnachtsruf anstimmen mochten. Gefühlt waren es ohnehin fast 30 Grad auf der LU, die Sambatänzerinnen deutlich angemessener gekleidet, als die Fastnachter in ihren Winter-Uniformen.

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Die unsichtbare Römergarde hielt im Alleingang das Römererbe in Mainz hoch. - Foto: gik
Die unsichtbare Römergarde hielt im Alleingang das Römererbe in Mainz hoch. – Foto: gik

Rund 2,5 Stunden lang zog der Festumzug durch Mainz, erstaunlich dabei: Einzig die “Unsichtbare Römergarde” vertrat das 2000 Jahre alte Erbe von Mainz. Die kleine Fußgruppe der Initiative Römisches Mainz hatte sich für drei Stunden sichtbar gemacht, und hielt mit Neptun und Streitwagen die Römerzeit der Landeshauptstadt im Alleingang hoch. Ansonsten durfte natürlich Gutenberg nicht fehlen: Der berühmteste Sohn der Stadt rollte auf einem neu gestalteten Gutenberg-Wagen zu Zugbeginn daher. In Kombination mit Biontech-Spritzen machte er die Zuschauer aufmerksam: Von Gutenbergs Buchdruck-Erfindung bis Biontech-Impfstoff: Mainz ist kreativ, Mainz ist Wissenschaft.

Mainz ließ sich vertreten von Mainz 05 und dem Radfahr-Verein Hechtsheim, dem Square Dance Club “Meenzer Mascots” und der Mainzer Rittergilde, der Johanniter Unfall-Hilfe und dem Landessportbund – der Rest war Fastnacht pur, zu dem noch die LSG Chaote Cheerleader und die Guggemusik von den “Rhoirevoluzzern” beitrugen. Danach ging es nach Rheinhessen und an die Nahe, folgten Mosel, Donnersbergkreis und all die anderen Kommunen aus den Teilen des Landes. Ein Hingucker mit tollen Show-Einlagen: die  United States Air Force Musikgruppe “USAFE Band”.

Anarcho-Jazz vom Feinsten: Die Whisky Denker. - Foto: gik
Anarcho-Jazz vom Feinsten: Die Whisky Denker. – Foto: gik

Und dann hatten sich noch die “Whisky Denker” mit ihrem schepperndem Swing in eine große Zuglücke eingeschmuggelt, und begeisterten die Zuschauer mit ihrem “geschrammelten, geknarzten, getröteten und gegrowlten” (Eigenauskunft!) mitreißenden Jazz – ein Video dazu seht Ihr hier auf unserer Mainz&-Facebookseite.

Als Finale des Zuges rollte schließlich – nein, nicht die Zugente: Die Blumenkönigin aus Bad Ems markierte in ihrem üppig geschmückten Wagen den Schlusspunkt. Und der Meenzer fragte sich: Da fehlt doch ein gelbes Entlein… Nach Angaben der Staatskanzlei säumten rund 150.000 Menschen die Straßen und winkten Radfahr-Gruppen, Winzern und der Gruppe von Mainz 05 zu – der Rheinland-Pfalz-Tag 2022 in Mainz endete, wie er begonnen hatte: Mit einem Schwung Fastnacht mitten im Mai.

Info& auf Mainz&: Mehr Live-Videos vom großen Festumzug seht Ihr hier auf unserer Mainz&-Facebookseite, unseren Bericht vom ersten Tag des Landesfestes samt Fastnachts-Splash könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Übrigens: Die famosen Whisky Denker könnt Ihr noch einmal in Mainz erleben – bei der Johannisnacht am 25. Juni 2022. Und hier kommt – natürlich! – die Fotogalerie:

 

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