Die eingebrochene Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden wird aller Voraussicht nach wohl Anfang Oktober gesprengt werden. Man werde wohl ab Mitte August weitere stabilisierende Arbeiten an dem beschädigten Bauwerk durchführen können, teilte die Autobahn GmbH des Bundes am Donnerstag mit, notwendig sei noch eine Notstabilisierung des beschädigten Pfeilers. Zur Ausführung dieser Sicherungsarbeiten werde „ein Zeitraum von etwa acht Wochen ab der Freigabe des Bauwerks veranschlagt“, hieß es weiter – somit sei von einem Sprengtermin Anfang Oktober 2021 auszugehen.

Der beschädigte Pfeiler der Salzbachtalbrücke nach dem Abkrachen des Oberbaus. - Foto: gik
Der beschädigte Pfeiler der Salzbachtalbrücke nach dem Abkrachen des Oberbaus. – Foto: gik

Die Autobahnbrücke der A66 über das Salzbachtal bei Wiesbaden war am 18. Juni überraschend abgesackt, der Fahrbahnoberbau um gut 30 Zentimeter nach unten auf einen Brückenpfeiler gekracht, der sich daraufhin schräg stellte. Schnell wurde klar: Die Brücke wurde bei dem Absturz erheblich beschädigt, nur einen Tag später beschlossen die Ingenieure der Autobahn GmbH West den Komplettabriss: Die 304 Meter lange Brücke soll gesprengt werden.

Am Donnerstag gab nun die Autobahn GmbH den voraussichtlichen Termin bekannt: Anfang Oktober soll es so weit sein, die Sprengung muss aus Sicherheitsgründen an einem Wochenende erfolgen. Die Auswirkungen durch die eigentliche Sprengung würden anhand von Erschütterungsberechnungen im Rahmen der Sprengplanung ermittelt, hieß es weiter, sie ließen sich „durch gezielte Sicherungsmaßnahmen für einzelne Bauteile und Gebäude minimieren und so gestalten, dass möglichst keine Schäden auftreten.“ An den betroffenen Gebäuden werde im Vorfeld eine Beweissicherung durchgeführt – in unmittelbarer Nähe der Brücke steht unter anderem die Kläranlage Wiesbaden.

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Die 300 Meter lange Salzbachtalbrücke von oben. - Foto: Autobahn GmbH West
Die 300 Meter lange Salzbachtalbrücke von oben. – Foto: Autobahn GmbH West

Das Sprengkonzept sehe weiterhin einen Sicherheitsabstand von rund 250 Metern zu den einzelnen Sprengstellen vor, teilte die Autobahn GmbH weiter mit. Über das damit verbundene Evakuierungskonzept werde man zu gegebener Zeit gesondert informieren. Die Salzbachtalbrücke ist seit dem Unfall Mitte Juni komplett gesperrt, die Brücke stark einsturzgefährdet – auch die unter ihr durchführende Bahnlinie ist weiter lahm gelegt, der Hauptbahnverkehr nach Wiesbaden kann immer noch nicht stattfinden. Die Experten hoffen, durch die Sprengung gerade diese wichtige Verkehrsverbindung möglichst schnell wieder freigeben zu können – sofern die Gleise nicht durch die Sprengungen beschädigt werden.

Vor der Sprengung kommt es an der Brücke weiter zu Notstabilisierungen: Der schadhafte Brückenpfeiler solle nun mithilfe eines Spritzbetonkorsetts gesichert werden, teilte die Autobahn GmbH weiter mit, so wolle man ein unkontrolliertes, seitliches Umfallen des Pfeilers verhindern. Das sei Voraussetzung, damit anschließend die notwendigen Sicherungsarbeiten am Bauwerk und im unmittelbaren Umfeld starten könnten. Mitte Juli hatte die Autobahn GmbH bereits angekündigt, das marode Bauwerk solle durch zwei Gerüsttürme gestützt werden, nun hieß es, die Arbeiten zur Sicherung des Brückenlagers sowie der Einbau der Hilfsstützen seien abgeschlossen.

Die beschädigte Salzbachtalbrücke am Tag nach ihrem Absacken. - Foto: gik
Die beschädigte Salzbachtalbrücke am Tag nach ihrem Absacken. – Foto: gik

Die Stabilisierung des Pfeilers mittels Betonkorsett verzögert die Sprengung der Brücke nun weiter in den Herbst: Erst einmal müsse ein externer Prüfingenieur die Brücke freigeben, dann könnten die Sicherungsarbeiten beginnen, dann muss der Beton aushärten – erst danach kann gesprengt werden. Laut dem ehrgeizigen Zeitplan der Ingenieure soll der südliche Teil der neuen Salzbachtalbrücke bereits in 14 Monaten fertig sein.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Crash der Salzbachtalbrücke lest Ihr hier auf Mainz&, alle (bisherigen) Infos zum Thema Beschädigung und Sprengung gibt es hier bei Mainz&.

1 KOMMENTAR

  1. Wegen des schwierigen Umfeldes (Bahn, Kläranlage, Straßen) kann man nicht einfach eine Bombe auf die Brücke werfen. Auch andere Sprengungen in sensibler Umgebung erfordern große Vorbereitungen.

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