Vergangene Woche feierte sich die Stadt Mainz für ihre Interimslösungen für das Tierheim Mainz, doch das sieht man dort offenbar anders: Die Aufteilung der Tiere auf zwei provisorische Standorte sei „völlig realitätsfern und zudem nicht praktikabel“, schimpft das Kleintierhaus Tierheim Mainz auf Facebook. Auch in den Kommentarspalten bei der Stadt Mainz hagelt es Kritik: Das jetzige Tierheim sei doch schon zu klein, die Einrichtung brauche dringend einen neuen Standort – aber bei der Stadt sei das Tierheim doch nur „ein ungeliebtes Stiefkind“, schimpften Kommentatoren.

Das Mainzer Tierheim hat seinen Standort an der Zwerchallee, in unmittelbarer Nähe der maroden Mombacher Hochbrücke – und genau das ist jetzt ein Problem: 2028 soll endlich der Abriss des maroden Bauwerks starten, deswegen muss das Tierheim Mainz umziehen. Vergangene Woche präsentierte die Stadt Mainz via Pressemitteilung eine Lösung: Das Tierheim solle auf zwei Interimsstandorte aufgeteilt werden, der eine an der Mombacher Straße, der andere „Am Rondell“ in der Zwerchallee.
Einzelheiten zu den Standorten nannte die Stadt Mainz in ihrer Pressemitteilung zunächst nicht, im Internet sah man sich dann genötigt, nachzulegen: Am nördlichen Standort „Am Rondell“ sollen demnach Katzen und Kleintiere unterkommen, am südlichen Standort an der Mombacher Straße Hunde. Die Flächen gehörten jeweils der Stadt Mainz, zusammen machten sie 8.250 Quadratmeter Fläche aus – bisher hat das Tierheim Mainz am alten Standort rund 8.500 Quadratmeter.
Scharfe Kritik im Netz: Stadt müsste neuen Standort bereitstellen
Der Stadt sei „sehr bewusst“, dass die Übergangslösung keine optimale Lösung sei, räumte die zuständige Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) in der Mitteilung der Stadt ein. Man sei aber froh, diese Lösung nun gefunden zu haben, unterstütze nach Kräften den Umzug des Tierheims und suche zudem weiter nach einem dauerhaften Standort für das Tierheim, der den Anforderungen an Fläche, Tierwohl und Umgebung besser gerecht werde.

Im Netz hagelte es umgehend Kritik: „Schade, dass man der wichtigen und harten Arbeit des Tierheims keine weitere Beachtung schenkt oder schenken möchte“, kritisierte ein Kommentator auf der Facebookseite der Stadt Mainz, und forderte, wie viele andere auch: „Setzt euch für das Tierheim und deren Bedürfnisse ein und findet eine ordentliche Lösung!!! Das kann ja nicht so schwer sein.“ Eine Landeshauptstadt müsse ein gutes Tierheim ermöglichen, fanden auch andere, die ehrenamtlich getragene Einrichtung des Tierschutzvereins Mainz sei doch völlig unterfinanziert – die Stadt mache sich hier einen schlanken Fuß.
„Das jetzige Tierheim ist ohnehin schon zu klein, jetzt soll es noch kleiner und zwei geteilt werden“, schimpfte ein anderer, das sei doch keine praktikable Lösung. Viele Kommentatoren fragten, warum die Stadt nicht längst ein geeigneteres, größeres Grundstück am Stadtrand und damit im Grünen gefunden habe, etwa auf dem Mainzer Layenhof, hinter Hechtsheim oder auch entlang des Industriehafens. So sei das doch „eine Scheinlösung“, eine „Blamage für die Stadt Mainz“ – und alles andere als ein Zeichen für hohe Priorität oder Wertschätzung für das Tierheim.
Tierheim Mainz: Aufteilung „realitätsfern und nicht praktikabel“
Und auch beim Tierheim selbst ist man offenbar entsetzt: Die Aufteilung auf zwei Standorte sei“ völlig realitätsfern und nicht praktikabel“, schimpfte das Tierheim Mainz selbst auf seiner Facebook-Seite: „Jeder der sich ansatzweise mit unserem! Tierheimbetrieb (in dieser Größe) auseinandergesetzt hat, weiß das ein gesplitteter Betrieb personell gar nicht möglich sein kann, egal ob 100 Meter auseinander oder 1 km auseinander!“

Erschwerend kommt hinzu, dass an viele Tiere wie Geflügel, Waschbären, gehandicaptes Wassergeflügel und die vielen Stadttauben gar nicht gedacht worden sei. „Unsere ganzen ‚Gnadenbrot-Tiere‘, zum Teil schwerst misshandelt durch Menschenhand, wurden einfach ‚vergessen'“, schimpft das Tierheim. Dazu sei schon der jetzige Standort für die Katzen und Kleintiere laut, der neue Standort „Am Rondell“ aber liege „gefühlt mitten auf den Gleisen“ der angrenzenden Bahnstrecke.
Dazu kommt: Der zweite Standort an der Mombacher Straße in der Nähe der Alten Lokhalle liegt ebenfalls direkt unter der alten Hochbrücke, dieser Teil soll bis zum Umzug allerdings bereits abgerissen sein. Dass das auch wirklich klappt, sieht man beim Tierheim ebenfalls skeptisch: „Jahrelange Planung und dann so eine Lösung für uns?“, heißt es auf Facebook. Dort haben Mitarbeiter nun auch ein Video veröffentlicht – mit einem Hilferuf. „Wir sind auf der Suche nach einem Grundstück“, heißt es dort, am liebsten „schön im Grünen“ und 8.000 bis 10.000 Quadratmeter groß, „das wär schön“!
Info& auf Mainz&: Mehr zu den beiden geplanten Interimsstandorten für das Mainzer Tierheim, und was die Stadt Mainz dazu sagt, lest Ihr hier auf Mainz&.







