Im Juli 2025 führte Wiesbaden als erste Stadt bundesweit das Konzept der „Stillen Stunde“ auf breiter Basis in seiner Innenstadt ein, nun wurde eine erfolgreiche Bilanz gezogen: Die „Stille Stunde“ komme gut an, und soll nun sogar ausgeweitet werden. Bei dem Konzept geht es in teilnehmenden Geschäften in der Wiesbadener Innenstadt immer donnerstags von 15.00 bis 17.00 Uhr deutlich ruhiger zu. Wiesbaden will damit ein Zeichen gegen Reizüberflutung und für Menschen mit sensorischen Empfindlichkeiten setzen, die etwa unter Autismus, ADHS, Migräne oder Long-Covid leiden.

Plakat für die "Stille Stunde" in Wiesbaden. - Grafik: Landeshauptstadt Wiesbaden
Plakat für die „Stille Stunde“ in Wiesbaden. – Grafik: Landeshauptstadt Wiesbaden

Die Initiative der „Stillen Stunde“ begann in Neuseeland als Projekt eines Vaters eines autistischen Kindes. Die Idee dahinter: Menschen die mit sensorischen Besonderheiten leben, die Chance zum entspannten Einkaufen ohne Reizüberflutung zu geben – das betrifft oft insbesondere Menschen aus dem Autismus-Spektrum, oder solche, die unter ADHS, chronischen Schmerzen, neurologischen Diagnosen wie Demenz oder auch Fatigue-Einschränkungen wegen einer Long-Covid-Erkrankung leiden. Für sie können Lärm und grelles Licht schnell zur Überforderung des Körpers führen.

Bei der „Stillen Stunde“ wird hingegen ein geschützter Raum auf Zeit geschaffen, in dem Einkaufen und Teilhabe ohne Überforderung möglich sind. Die Maßnahmen reichen von reduzierter Beleuchtung, Verzicht auf Musik und Durchsagen, über leisere Kassenzonen bis hin zu Sitzgelegenheiten und Rückzugsorten. „Die ‚Stille Stunde‘ soll Menschen mit nicht sichtbaren Einschränkungen ein selbstbestimmteres Einkaufen ermöglichen, und die Stadtgesellschaft für mehr Anerkennung für die Belange von Menschen mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen sensibilisieren“, begründete Wiesbaden 2025 das Projekt.

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40 Geschäfte machen mit: Wiesbaden einzige Kommune

Die „Stille Stunde“ wird inzwischen unter den Namen „Silent Shopping“ oder „Quiet Hour“ in vielen Ländern umgesetzt – nur Deutschland hinkt wieder einmal hinterher: Hier sei das Konzept bisher nur vereinzelt und punktuell zu finden, und zumeist ohne kommunale Koordination oder breite Beteiligung, hieß es im vergangenen Jahr aus Wiesbaden. Die hessische Landeshauptstadt war im Juli 2025 denn auch bundesweit die erste Kommune, die die „Stille Stunde“ flächendeckend in einer Innenstadt organisierte und koordinierte.

Einkaufen in einer Umgebung mit viel Licht, Lärm und visuellen Reizen kann sensible Menschen restlos überfordern. - Foto: gik
Einkaufen in einer Umgebung mit viel Licht, Lärm und visuellen Reizen kann sensible Menschen restlos überfordern. – Foto: gik

Nun wurde nach knapp einem Jahr Bilanz gezogen, und die fiel ausgesprochen erfolgreich aus: Hatten sich zum Start im Juli 2025 rund 20 Geschäfte in der Wiesbadener Innenstadt an der „Stillen Stunde“ beteiligt, so sind es heute bereits mehr als 40. Darunter sind Schuhgeschäfte oder Outdoor-Läden, Buchhandlungen und Modegeschäfte, die Galerie Kaufhof, das LuisenForum und auch ein Taxiunternehmen. Auch Kultureinrichtungen wie Museen wollen sich künftig stärker an der Aktion beteiligen – im Mai soll etwa das „sam“, das Stadtmuseum am Markt, dazukommen.

„Eine Stadt, die Vielfalt ernst nimmt, schafft Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse“, betonte Stadträtin Patricia Becher nun bei einem Vernetzungstreffen in Wiesbaden: „Die Stille Stunde trägt dazu bei, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“ Unterstützt wird das Projekt vom Hessischen Sozialministerium, Sozialministerin Heike Hofmann (SPD), betonte bereits 2025, Wiesbaden setzt sich damit „für mehr Sensibilität und Rücksichtnahme im Alltag“ ein. „Ich hoffe, dass das Projekt auch über Wiesbaden hinaus Nachahmer findet und andere Städte und Gemeinden diesem inklusiven Weg folgen“, betonte die Ministerin.

Info& auf Mainz&: Die „Stille Stunde“ findet jeden Donnerstag zwischen 15.00 Uhr und 17.00 Uhr in Wiesbaden statt, welche Geschäfte und Institutionen dabei mitmachen, sowie weitere Infos dazu, findet Ihr hier im Internet. Weitere Informationen zu dem Thema sowie mitmachende Organisationen und Geschäfte findet Ihr auch hier im Internet bei der Initiative „Stille Stunde“.