Das Verkehrschaos in Mainz hat eine neue Stufe erreicht, nun fordert die Mainzer FDP Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) zum Eingreifen auf. Die Einfahrtbeschränkungen im Bereich der Großen Bleiche hätten die Verkehrsströme „erheblich verändert“, im Zusammenspiel mit Baustellen seien „weite Bereiche der Innenstadt kaum noch erreichbar“, kritisiert FDP-Chefin Susanne Glahn, und fordert: OB Haase müsse „das Heft in die Hand nehmen und kurzfristig für Klärung und Ordnung sorgen.“

Seitdem die Stadt Ende Juli einen sogenannten „Modalfilter“ an der Großen Bleiche einführte, und damit die Durchfahrt für Autos in Richtung Rhein komplett sperrte, herrscht Chaos im Bleichenviertel: Autofahrer irren verwirrt durch die Innenstadt auf der Suche nach Fahrtwegen, vor Ampeln etwa in der Flachsmarktstraße bilden sich lange Staus, denn weitere bislang gut funktionierende Fahrtwege wurden ebenfalls gekappt.
Seither herrschen Wut und Ärger in Mainz, Einzelhandel und Gastronomie fürchten um ihre Existenz – die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) ficht das nicht an: Sie freute sich über „mehr Ruhe“ an der Großen Bleiche, einem Straßenstück, an dem es keinen einzigen Anwohner gibt. Derweil stöhnen Anwohner der Nebenstraßen über stark gestiegenen Autoverkehr, über Stau, Abgase und Hupkonzerte, Besucher der Stadt berichten, sie bräuchten 45 Minuten vom Stadthaus bis in die Weißliliengasse, weil gleichzeitig auch noch Holzhofstraße und Große Bleiche durch Großbaustellen eingeschränkt oder blockiert sind.
FDP: „Innenstadt darf nicht vom Verkehr abgeschnitten werden“
Der Mainzer FDP reicht es nun: Sie fordert Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) zum Eingreifen auf. FDP-Stadtratsfraktion und FDP-Kreisverband Mainz „fordern Oberbürgermeister und Stadtverwaltung auf, die Verantwortung für die aktuelle Verkehrssituation zu übernehmen, und kurzfristig für Ordnung, Übersichtlichkeit und eine verlässliche Erreichbarkeit der Innenstadt zu sorgen“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung.

„Die Mainzer Innenstadt darf nicht vom Verkehr abgeschnitten werden“, erläutere FDP-Chefin Susanne Glahn die Forderung: „Anwohner, Beschäftigte, Kunden, Besucher und Lieferverkehre müssen ihre Ziele weiterhin zuverlässig erreichen können.“ Die Einfahrtbeschränkung im Bereich der Großen Bleiche habe „die Verkehrsströme nach Einschätzung der FDP erheblich verändert“, kritisierte Glahn: „Im Zusammenspiel mit zahlreichen Baustellen, Umleitungen und Sperrungen sind weite Bereiche der Innenstadt kaum noch erreichbar.“
Dramatisch dabei sei vor allem auch die Entwicklung, dass der Verkehr entweder in die bereits seit Jahren belastete Kaiserstraße gedrängt werde – oder in kleine Wohn- und Nebenstraßen ausweiche. „Damit drohen die jahrelangen Bemühungen zur Entlastung ins Gegenteil verkehrt zu werden“, kritisierte Glahn – tatsächlich führt etwa die einzige noch verbliebene Zufahrt zum Mainzer Landtag und zur Staatskanzlei jetzt ausgerechnet durch eine große Spielstraßen-Zone rund ums Haus der Jugend. Auch viele Anwohner-Straßen im Bleichenviertel werden jetzt stärker belastet, ebenso die Kaiserstraße mit ihren vielen Anwohnern.
FDP: Fehlende Erreichbarkeit bedroht Handel und Gastronomie
„Besonders problematisch ist die eingeschränkte Erreichbarkeit der wichtigsten innerstädtischer Parkhäuser, etwa am Römischen Theater, am Theater, am Kronberger Hof, am Proviant Magazin und dem ehemaligen Karstadt“, sagte Glahn weiter. Die Belastungen träfen zudem Einzelhandel, Gastronomie und weitere Innenstadtbetriebe. „Seit Jahren können wir die negativen Entwicklungen durch fehlende Erreichbarkeit von Quartieren wie zum Beispiel am Schillerplatz bemerken“, kritisiert Glahn, und warnte: „Neu angesiedelte Geschäfte haben keine Chance, sich zu etablieren, und selbst langjährige Traditionsgeschäfte signalisieren klar, dass sie an diesen Standorten keine Zukunft mehr sehen.“

Gleiches ereigne sich nun auch um die Baustelle des Gutenberg Museums – hier hatte jüngst die Weinstube „Roter Kopf“ geschlossen, und das mit scharfer Kritik an der Stadt verknüpft. Auf der Bürgerversammlung vergangene Woche berichteten weitere Einzelhändler rund um den Bauzaun von Umsatzrückgängen von 60 Prozent und mehr, am Schillerplatz warnte bereits Ende 2025 Juwelier und Handelsverbands-Chef Jan Sebastian, das Einkaufsquartier sei „tot“ – wegen des anhaltenden Baustellenchaoses.
„Die Schließung der Weinstube „Rote Kopf“ muss ein Weckruf sein, die Warnsignale sollten längst bei der Verwaltung angekommen sein“, hatte Sebastian noch bei der Einweihung der neuen Straßenbahnstrecke auf der Binger Straße gesagt – die neue Strecke gilt als Vorwand für die Einführung der Sperrung der Unteren Bleiche. Man habe doch schon bei den jahrelangen Baustellen rund um die Schillerstraße gesehen, „dass Existenzen zerstört werden“, schimpfte Sebastian – trotzdem wiederhole die Stadt die gleichen Fehler wieder und wieder.
Glahn: Sperrung Große Bleiche beschleunigt negative Entwicklung
„Die Sperrung der großen Bleiche beschleunigt diese negative Entwicklung, da die Innenstadt nun kaum noch erreichbar ist oder wenn, nur durch lange Staus und Umgehungverkehr“, warnte nun auch Glahn, und berichtete: Wer aus Weisenau und Laubenheim komme, habe früher unter normalen Bedingungen 15 Minuten gebraucht, um die Innenstadt zu erreichen – jetzt brauche es mindestens die doppelte Fahrzeit und die doppelte Strecke.

Mit einem Prüfantrag will die FDP denn auch im Stadtrat kommende Woche die Verwaltung auffordern, kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Entlastung des Verkehrs zu prüfen und umzusetzen – insbesondere die Verkehrsführung rund um die Große Bleiche. Gleichzeitig sollen Anwohner, die IHK für Rheinhessen, Parkhausbetreiber, Einzelhandel, Gastronomie und weitere Betroffene an einen Tisch geholt werden. „Die Verwaltung soll Gespräche führen, kurzfristige Maßnahmen umsetzen und dem Stadtrat anschließend ein Gesamtkonzept mit priorisierten Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Zeitplan vorlegen“, fordert der Antrag.
„Mainz braucht jetzt keine ideologischen Auseinandersetzungen, sondern eine verlässliche Verkehrsorganisation“, fordern Partei und Fraktion unisono, deshalb müsse jetzt der Oberbürgermeister „das Heft in die Hand nehmen und kurzfristig für Klärung und Ordnung sorgen.“ Denn „zunehmend entsteht der Eindruck, dass die Verkehrsdezernentin die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs nicht als Teil ihres Aufgabenbereichs betrachtet“, kritisieren die Liberalen, und betonen: „Das Amt der Verkehrsdezernentin muss aber allen Bürgerinnen und Bürgern dienen – auch denjenigen, die auf ihren Pkw angewiesen sind oder ihn bewusst nutzen.“
Die FDP befürworte einen leistungsfähigen ÖPNV, sowie Verbesserungen für Rad- und Fußverkehr, diese Ziele dürften aber „nicht gegen die tatsächliche Mobilität der Bürger, der Wirtschaft und der Lieferverkehre ausgespielt werden“, warnt die FDP. „Es reicht nicht, das Auto pauschal zu verteufeln und zum Verzicht aufzufordern“, kritisierte Glahn: „Für viele Menschen, insbesondere im Berufsverkehr, bei eingeschränkter Mobilität und aus dem Umland, ist der Pkw unverzichtbar. Zudem stehen auch Busse im Mainzer Stau.“
Info& auf Mainz&: Mehr zum Verkehrschaos im Bleichenviertel lest Ihr ausführlich noch einmal hier bei Mainz&, mehr zur Sperrung der Großen Bleiche in Richtung Rhein für den Autoverkehr könnt Ihr ausführlich noch einmal hier nachlesen:







