Der Aufschrei und die Empörung waren offenbar zu groß: Nur einen Tag nach Bekanntwerden seiner Nominierung als zweiter Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, zieht Ex-Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) zurück. „Ich habe mich entschieden, das Angebot nicht anzunehmen“, teilte Hering via Facebook mit. Vertrauen in Politik sei „schnell verspielt und schwer zurückzugewinnen“ – der Plan der rheinland-pfälzischen SPD dürfte auch mit dem Rückzug massiv Vertrauen gekostet haben.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die SPD plante, den bisherigen Präsidenten des Landtags Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering, zum zweiten Geschäftsführer der Landesgesellschaft Lotto Rheinland-Pfalz zu machen. Eigentlich war Ex-CDU-Landeschef Christian Baldauf als neuer Lottochef in Rheinland-Pfalz vorgesehen, Hering hätte nun überraschend weiter Geschäftsführer neben Baldauf werden sollen.
Das Vorhaben – aufgedeckt durch die Nachrichtenagentur dpa – sorgte für einen empörten Aufschrei: Die Opposition im Landtag zeigte sich fassungslos, die AfD sprach von einer „Selbstbedienungsmentalität“, die Grünen fürchteten, die Zusatzausgaben würde zu Lasten der sozialen Projekte gehen die Lotto RLP finanziert. Tatsächlich verdient ein Lottochef nach Berechnungen des Bundes der Steuerzahler pro Jahr rund 200.000 Euro – und damit mehr als der Ministerpräsident.
Hering zieht zurück: „Werde Angebot nicht annehmen“
Der Bund der Steuerzahler schimpfte denn auch, organisatorisch notwendig seien zwei Geschäftsführer nicht, es gehe „offenbar nur um das Schaffen von teuren Versorgungsstellen für Parteikollegen“, kritisierte BdSt-Geschäftsführer René Quante. Im Wahlkampf habe die CDU zudem die SPD wiederholt dafür kritisiert, dass sie sich „den Staat zur Beute“ gemacht hätte habe, „nach der Wahl machen sich CDU und SPD den Staat einfach gemeinsam zur Beute“, schimpfte Quante.

Hering war bis zum 18. Mai 2026 zehn Jahre lang Präsident des Mainzer Landtags gewesen, und hatte sich in dieser Eigenschaft stark für das Thema Stärkung der Demokratie engagiert – auch das sorgte für Irritationen: „Zehn Jahre lang hast du, Hendrik Hering als Landtagspräsident gegen Politikverdrossenheit gewirkt“, kommentierte das Mainzer SPD-Mitglied Andreas Toschka etwa: „Nun könntest du mit einer einzigen Entscheidung all diese Arbeit infrage stellen. Ist dir das 200.000 Euro im Jahr wirklich wert?“
Der Druck kam offenbar auch bei Hering an: Am Freitag zog der Westerwälder Sozialdemokrat zurück. „Vertrauen in Politik ist schnell verspielt – und schwer zurückzugewinnen“, teilte Hering via Social Media mit: „Deshalb habe ich mich entschieden, das Angebot, zweiter Geschäftsführer der Lotto Rheinland-Pfalz GmbH zu werden, nicht anzunehmen.“ Ihm sei „in den vergangenen Tagen deutlich geworden, welche Wirkung ein solcher Schritt haben würde“, schreibt Hering weiter. Damit bestätigte Hering zugleich, dass der Plan schon länger gefasst worden war – kommuniziert worden war er aber im Gegensatz zur Berufung Baldaufs nicht.
Hering: „Wollte meine Erfahrungen und Netzwerke einbringen“
Viele Menschen hätten den Eindruck gewonnen, es gehe um Versorgung und Posten, „gerade in einer Zeit, in der das Vertrauen in Politik ohnehin unter Druck steht – die Kritik daran kann ich nachvollziehen“, sagte Hering. Für ihm habe „ursprünglich im Vordergrund gestanden, meine Erfahrungen, Netzwerke und mein Engagement für Sport, Ehrenamt und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzubringen.“ Aber Politik lebe eben auch davon, wie Entscheidungen auf Menschen wirkten. „Ich möchte nicht dazu beitragen, Politikverdrossenheit weiter zu verstärken oder Vertrauen zu beschädigen“, betonte Hering, „deshalb werde ich das Angebot nicht annehmen.“
Wie Kommentare in den sozialen Netzwerken zeigen, ist der Schaden aber offenbar bereits angerichtet: Ein wahrer Shitstorm kritischer Reaktionen zeigt, wie enttäuscht ein Großteil der Wähler ist – und dabei nicht nur von der SPD. Dass die neue CDU-Regierung unter Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) das Vorhaben zunächst offenbar mittragen wollte, sorgt für große Enttäuschung: Damit sei auch die CDU in Zukunft nicht mehr wählbar, kommentierten viele. Ungeklärt ist damit zudem: Wer hatte überhaupt die Idee zu dem Plan mit dem zweiten Lotto-Chef?
Info& auf Mainz&: Unseren ausführlichen Artikel zu dem Thema Hendrik Hering und Lotto RLP samt der ausführlichen Kritik des Bundes der Steuerzahler lest Ihr hier bei Mainz&.






