Der Herbst steht vor der Tür und damit die neue Weinlese, doch in vielen Kellern lagern noch immer Weine aus dem Vorjahr in den Tanks – Winzer gerade auch in Rheinhessen klagen über eine schwierige Marktlage und verschärfte Absatzprobleme. Nun aber soll es ein Stück weit Erleichterung geben: Die EU-Kommission stimmte nun der Destillation von Rotweinen und Rosés zu, wie die Mainzer Weinbauministerin Christine Schneider (CDU) bekanntgab. Gefördert wird die Destillation auch – aber erst, wenn sie erst nach dem Förderantrag erfolgt.

Die Weinwirtschaft stehe weltweit vor großen Herausforderungen, betonte nun die neu Weinbauministerin Christine Schneider (CDU). Der Grund sind veränderte Konsumgewohnheiten, aber auch „geopolitische Entwicklungen“ – kurz gesagt: die Zölle des US-Präsidenten Donald Trump. Die Folge: Die Nachfrage nach Wein ist in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich gesunken, das trifft gerade auch deutsche Winzer, weil die Deutschen oft lieber zum ausländischen Billigwein im Supermarkt greifen, anstatt heimische Tropfen zu kaufen.
Dazu kommt aber auch eine perfide Verteufelungskampagne gegen Alkohol, die nicht zwischen – gesundheitlich durchaus gutem – Weinkonsum und dem Konsum harten Alkohols und Mixgetränken unterscheidet, und Alkohol schon nach dem ersten Tropfen als krebsauslösend darstellt. Fachleute aus der Weinforschung und der Medizin widersprechen dem vehement: Die neue Null-Promille-Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beruhe auf unseriösen Studie und sei „Science Fiction, nicht Science“, wettert etwa der Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm – moderater Weinkonsum sei weiterhin ausgesprochen bekömmlich.
EU erlaubt Krisendestillation für Rheinhessen und Württemberg
Doch viele Weinbaubetriebe stehen inzwischen unter erheblichem wirtschaftlichen Druck, weil gleichzeitig mit der Zurückhaltung der Verbraucher die Produktionskosten explodierten – allen voran die Energiekosten, aber auch die durch den neuen Mindestlohn in die Höhe getrieben Personalkosten. Die Folge: Vielerorts liegen noch immer Wein-Überschüsse in den Kellern, und das kurz vor der neuen Lese. Die Lösung: Krisendestillation.

Interesse daran hatten die Anbaugebiete Rheinhessen und Württemberg gezeigt – Rheinhessen ist die größte Weinbauregion in Deutschland und beherbergt noch immer viele auf Fassweinspezialisierte Betriebe. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hatten dann die Bundesregierung gebeten, bei der Europäischen Kommission eine außergewöhnliche Marktintervention aus der EU-Agrarreserve zu beantragen, wie das Weinbauministerium mitteilt.
Ziel sei es, das bestehende Überangebot an Rot- und Roséweinen abzubauen und den Markt zu entlasten. Dazu werden diese Weine zu hochprozentigem Alkohol gebrannt – allerdings darf dieser durch Destillation gewonnene Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden. Der Wein wird damit also zum Beispiel zu Desinfektionsmitteln verarbeitet oder für Energiegewinnung genutzt. Eine Verwendung des Alkohols für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist nicht zulässig.
Start des Förderprogramms erst im viertel Quartal 2026
Die EU-Kommission stimmte dem deutschen Antrag nun zu, eine entsprechende EU-Verordnung soll in der 2. Augusthälfte veröffentlicht werden. Damit ist der Weg frei für eine geförderte Destillation aus den Anbaugebieten Rheinhessen und Württemberg, gefördert wird die Destillation von Rot- und Roséweinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.). Die Förderung beträgt 43 Cent je Liter, zusätzlich werden 16 Cent je Liter für Logistik- und Brennkosten gewährt – zugelassen sind Weine des Jahrgangs 2025 und älter.

„Die Zustimmung der Europäischen Kommission ist ein wichtiges Signal für unsere Weinbaubetriebe“, sagte Schneider: „Mit der Destillation schaffen wir kurzfristig Entlastung in einer angespannten Marktsituation. Gleichzeitig bleibt es unser Ziel, Angebot und Nachfrage mit strukturellen Maßnahmen und einer stärkeren Absatzförderung wieder dauerhaft ins Gleichgewicht zu bringen.“ Dafür hatte das Deutsche Weininstitut jüngst die Imagekampagne „Dein Moment. Dein Wein“ gestartet – allerdings wurde kurz darauf bekannt, dass der Bund mit seinem Zuschuss nur alkoholfreie und Bio-Weine fördern will, was prompt einen Aufschrei der Branche nach sich zog.
Allerdings müssen Bund und Länder noch die rechtlichen Voraussetzungen für die Umsetzung des Programms in Deutschland schaffen, Schneider betonte, ihr Ministerium arbeite „mit Hochdruck“ an der Umsetzung. Trotzdem rechne man erst mit einem Start im vierten Quartal 2026 – für viele Winzer dürfte das ein Problem werden, können sie so ihre Tanks nämlich nicht rechtzeitig vor der Lese räumen. Denn: Die Destillation darf erst nach Bewilligung des Antrags erfolgen – „wer seine Weine vorher destillieren lässt, kann keine Förderung erhalten“, betont man im Ministerium ausdrücklich.
Es ist nicht das erste Mal, dass Überschüsse Weine zur Krisendestillation freigegeben werden: Seit Anfang 2023 zahlte die EU mehr als 105 Millionen Euro für die sogenannte Krisendestillation, wie der Deutschlandfunk 2024 berichtete, damals entfielen die meisten Gelder auf Frankreich, gefolgt von Portugal und Italien – die Weine wurden zu Industriealkohol verarbeitet. Auch Deutschland erlaubte 2023 die Krisendestillation, ähnliche Maßnahmen in der EU gab es bereits 2006 gab es bereits ähnliche Maßnahmen – und im Oktober 2000 befürwortete der damalige rheinland-pfälzische Weinbauminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) im Mainzer Landtag bereits die Krisendestillation.
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