Was tun, wenn der Strom in einer Stadt wie Mainz flächendeckend ausfällt? Wenn Handynetze nicht gehen, und auch das Telefon aussteigt? Wie dann noch einen Notruf absetzen, um Hilfe zu holen? Die Stadt Mainz hat nun genau für einen solchen Fall ein Netz von Notfallmeldestellen eingerichtet. 39 Stück wurden im Stadtgebiet verteilt installiert, hier sollen Mainzer im Notfall Notrufe absetzen können – vollwertige Hilfestellen für den Notfall sind es aber nicht. Kennen sollte man sie trotzdem.

Was passiert, wenn die Stromversorgung die Grätsche macht? Hier Strommasten auf den Feldern bei Mainz im Winter. - Foto: Kindling
Was passiert, wenn die Stromversorgung die Grätsche macht? Hier Strommasten auf den Feldern bei Mainz im Winter. – Foto: Kindling

Stromausfälle sind auch in Mainz schon lange kein Einzelfall mehr, gerade in den Jahren 2023 und 2024 kam es zu einer ganzen Serie solcher Ausfälle. Mal war die Ursache ein Isolationsfehler an einem Kabel, mal ein Brand in einem Trafohaus oder ein Bagger, der mit seiner Schaufel an der falschen Stelle zuschlug. Die Folgen: oft gravierend. Mal lag die halbe Innenstadt im Dunkeln, mal war das Gewerbegebiet in Mainz-Hechtsheim oder die Unimedizin betroffen.

Und Experten warnen: Die Belastung auf unsere deutschen Stromnetze nimmt zu, weil immer mehr Strom durch Erneuerbare Energien zu Schwankungen führen, und weil immer mehr E-Autos und Wärmepumpen die Netze belasten. So warnten etwa im August 2022 die Stadtwerke Wiesbaden vor einer Überlastung des Stromnetzes durch strombetriebene Heizlüfter – bei massenhaftem Einsatz könne das zu einem Blackout führen. Selbst großflächige Blackouts werden nicht mehr ausgeschlossen – andere Städte haben sich deshalb schon lange für große Stromausfälle gerüstet.

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Standorte bei Feuerwehr, Supermärkten, Apotheken

Als vorbildlich gilt dabei die Stadt Koblenz, die bereits 2022 ein umfassendes Notfallkonzept für den Fall einer Energiekrise vorlegte. Nun legt die Stadt Mainz wenigstens ein Stück weit nach: Am Montag legte die Stadt Mainz ein Konzept für sogenannte Notfallmeldestellen (NMS) vor, die im Ernstfall als Anlaufpunkte für die Bevölkerung dienen sollen. Insgesamt 39 mobile und stationäre Notfallmeldestellen sind im Stadtgebiet vorgeplant. „Die Stellen können gleichzeitig in Betrieb genommen und besetzt werden“, teilte die Stadt weiter mit.

Vorstellung des Konzeptes der Notfallmeldestellen am Montag bei der Mainzer Feuerwehr mit OB Nino Haase (parteilos, rechts). - Foto: Stadt Mainz
Vorstellung des Konzeptes der Notfallmeldestellen am Montag bei der Mainzer Feuerwehr mit OB Nino Haase (parteilos, rechts). – Foto: Stadt Mainz

Die Notfallmeldestellen dienen dazu, Notfallmeldungen aufzunehmen und über Funk an die Leitstellen weiterzuleiten, falls Telefon- und Mobilfunknetze ausfallen, sagte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). Damit schaffe man „eine verlässliche Struktur in außergewöhnlichen Lagen.“ Ziel sei es, „die Erreichbarkeit von Hilfe auch unter schwierigen Bedingungen sicherzustellen“, sagte Haase. Dafür wurden die Stellen so verteilt, dass alle Mainzer in einem Umkreis von einem Kilometer eine Anlaufstelle erreichen können. Wo genau Eure Anlaufstelle für den Notfall liegt, könnt Ihr hier im Internet nachsehen – bitte für den Notfall vormerken!

Die Standorte seien bewusst so gewählt worden, dass sie für die Bevölkerung leicht auffindbar sind, darunter sind also Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehren, Rettungswachen, Polizeidienststellen sowie vereinzelt bekannte öffentliche Orte, wie Supermärkte oder Apotheken. „Die Notfallmeldestellen sind entsprechend gekennzeichnet und ausgestattet“, betonte Hasse. Allerdings dienen sie ausschließlich dazu, im Notfall Notrufe aufzunehmen und über Funk an die Leitstellen weiterzuleiten, falls Telefon- und Mobilfunknetze ausfallen. Mit dem Konzept reagiere die Stadt Mainz auf mögliche Krisen-Szenarien und stärke gezielt ihre Krisenresilienz.

 

Notfallmeldestellen: keine Versorgungsstellen, nur für Notrufe

„Die Notfallmeldestellen sind keine Versorgungsstellen“, betonte Stefan Behrendt, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur der Stadt Mainz: „Sie dienen nicht dazu, die Bevölkerung beispielsweise mit Strom oder anderen Ressourcen zu versorgen, sondern ausschließlich der Sicherstellung der Notrufabgabe.“ Behrendt beschreibt damit sogenannte „Leuchttürme“, wie sie Katastrophenschutzexperten als weiteren wichtigen Baustein einer Vorsorge fordern.

Albrecht Broemme als THW-Präsident im Juli 2017. – Foto via Wikipedia: Bundesanstalt Technisches Hilfswerk/ Daniel Schriek
Albrecht Broemme als THW-Präsident im Juli 2017. – Foto via Wikipedia: Bundesanstalt Technisches Hilfswerk/ Daniel Schriek

„Katastrophen-Leuchttürme“ seien vorgeplante stationäre oder auch mobile Anlaufpunkte, an denen die Bevölkerung bei Großschadenslagen Informationen zur Lage, aber auch Lademöglichkeiten für Handys, Trinkwasser, (warme) Getränke, Lebensmittel und Hygieneartikel bekommen können, so beschrieb es etwa nach der Flutkatastrophe im Ahrtal der Katastrophenschutzexperte Albrecht Broemme in einem Konzept für das Land Rheinland-Pfalz. Die „Leuchttürme“ müsste autark funktionieren können und könnten bei Bedarf auch zu einer Art „Temporären Wache“ erweitert werden.

Von solchen „Leuchttürmen“ war in Mainz nun keine Rede, stattdessen verwies Behrendt darauf, wie wichtig in Katastrophenlagen die Eigenversorgung der Bevölkerung sei: „Haushalte, die sich im Notfall für mindestens 72 Stunden selbst versorgen können, sind eine große Entlastung für alle Beteiligten“, betonte Behrendt. So könnten sich Einsatzkräfte gezielt um Menschen kümmern, die auf unmittelbare Hilfe angewiesen seien, und gleichzeitig wichtige Infrastrukturen schneller wiederherstellen.

Zur Grundausstattung für einen Notfall gehören in jeden Haushalt Kerzen und aufgeladene Power Banks für Handys, dazu ein Kurbelradio, das auch ohne Strom funktioniert, Batterien, Taschenlampen sowie ein Campingkocher, der mit Gas oder Brennspiritus funktioniert. Außerdem sollte man für 72 Stunden ausreichend Trinkwasser, haltbare Lebensmittel sowie notwendige Medikamente im Haus haben – das sind drei Tage. Checkt doch mal, ob Ihr mit Euren Vorräten soweit kämt…

Info& auf Mainz&: Ausführliche Infos zur Vorsorge für den Notfall oder den Katastrophenfall findet Ihr beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hier im Internet Ratgeber: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen. Alle Notfallmeldepunkte in der Stadt Mainz findet Ihr hier im Internet, es macht Sinn, sich seine Anlaufstelle für den Notfall zu merken… Wie sich die Stadt Koblenz mit ihrem Konzept gegen Blackouts gerüstet hat, könnt Ihr hier auf Mainz& nachlesen.

Vorsorge gegen Blackout: Wie sich Koblenz gegen einen großen Stromausfall rüstet – In Mainz bisher kaum Pläne