Die Gluthitze des vergangenen Wochenendes hat in den Mainzer Kliniken zu einem regelrechten Ausnahmezustand geführt. Allein am Sonntag wurden mehr als 40 Patienten als hitzebedingte Notfälle in der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin eingeliefert. Die Universitätsmedizin berief ebenso wie das Marienhaus Klinikum Mainz (MKM) einen Krisenstab ein, um weiter eintreffende Notfälle adäquat versorgen zu können. Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) berichtete, die Stadt habe mitgeholfen, mögliche zusätzliche Aufnahmestandorte vorzubereiten, die bei Engpässen Patienten aufnehmen könnten.

Rettungswagen an der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin. - Foto: gik
Rettungswagen an der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin. – Foto: gik

Über Mainz lag das gesamte Wochenende über ein wahrer Hitze-Dom mit Temperaturen von 40 Grad und mehr. Besonders in der Tallage der Innenstadtbereiche staute sich die Hitze, selbst am Rheinufer fand sich kein Lüftchen, das für Abkühlung gesorgt hätte. Freibäder in Mainz und Umgebung waren überfüllt und verfügten Einlassstopps – Mainz schwitzte und litt. Das hatte schließlich massive Auswirkungen auf die Kliniken:

„Die anhaltende Hitzewelle hat seit Anfang der Woche zu einem gestiegenen Patientenaufkommen in der Zentralen Notaufnahme der Universitätsmedizin Mainz geführt, das sich im Lauf des Samstags noch einmal stark erhöht hat“, teilte die Universitätsmedizin am Sonntagabend mit. Am Sonntagvormittag schließlich habe sich die Lage noch einmal erheblich verschärft: „Seit Sonntagmorgen wurden mehr als 40 Patienten als hitzebedingte internistische Notfälle in die Zentrale Notaufnahme eingeliefert – von denen etwa die Hälfte überwachungspflichtig ist“, berichtete das Klinikum weiter.

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Unimedizin berief Krisenstab: Zahl der Hitzepatienten explodierte

Die Universitätsmedizin habe daraufhin einen internen Krisenstab einberufen, um weiterhin eintreffende Notfälle adäquat versorgen zu können. Das Team der Notaufnahme wurde dazu personell verstärkt, Mitarbeiter wurden aus ihrer Freizeit gerufen. Dabei habe es sich um Pflegekräfte und Ärzte gehandelt, die den Tag- und insbesondere den Nachtdienst verstärkten. Zudem wurden Kapazitäten im Intensiv- und im Intermediate Care Bereich – dem Bereich mit speziellen Überwachungsbetten – ausgeweitet, um Patienten je nach Zustand adäquat betreuen, überwachen und intensivmedizinisch versorgen zu können.

Blick in eine Rettungswagen des DRK in Mainz, das Foto entstand vor einigen Jahren. - Foto: gik
Blick in eine Rettungswagen des DRK in Mainz, das Foto entstand vor einigen Jahren. – Foto: gik

Die Unimedizin habe damit ihre Kapazitäten soweit erhöht, dass man stündlich zwei Schwerstverletzte, fünf Schwerverletzte und 10 leichtverletzte Patienten in der Notaufnahme versorgen und in der Klinik stationär aufnehmen könne. „Wir haben alle Kräfte mobilisiert, um die Versorgung der Bevölkerung auch in dieser herausfordernden Situation sicherzustellen“, betonte der Kaufmännische Vorstand Stephan Weinberg. Vor allem danke er allen Mitarbeitenden, die aus ihrer Freizeit gekommen seien, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen.

Dazu stehe die Unimedizin im regelmäßigen Austausch mit dem Marienhaus Klinikum Mainz, der integrierten Leitstelle, der Stadt und der Berufsfeuerwehr Mainz. „Die Absprachen mit den anderen Einrichtungen und Institutionen des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes haben hervorragend funktioniert“, sagte Weinberg. Tatsächlich konnten die Rettungsdienste allein die hohe Zahl der Notrufe und Patiententransporte allein nicht bewältigen, wie OB Haase auf Facebook berichtete, daher habe man die Fahrzeuge des Katastrophenschutzes hinzuziehen müssen.

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Feuerwehr Mainz half bei Transporten, kritische Lage bleibt noch

Auch die Feuerwehr Mainz berichtete, die Vielzahl der hitzebedingten Notfälle hätten zur Bewältigung auch Kräfte des Katastrophenschutzes zur Unterstützung benötigt. Parallel dazu habe die Feuerwehr Mainz „bei technischen Maßnahmen in einem Mainzer Krankenhaus“ geholfen: Man habe dort nämlich „Lüftungsmaßnahmen durchgeführt, um die Auswirkungen der hohen Außentemperaturen auf den Krankenhausbetrieb zu reduzieren.“

Rettungswagen in einer langen Schlange bei einer Übung in Mainz am 13. Juni. - Foto: Feuerwehr Mainz
Rettungswagen in einer langen Schlange bei einer Übung in Mainz am 13. Juni. – Foto: Feuerwehr Mainz

Tatsächlich warf der Hausärzteverband am Wochenende der Politik regelrecht Versagen bei der Vorsorge auf solche Hitzewellen vor. Die Bundesregierung lasse „die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, schimpfte der Verband – das ließe sich aber genauso auch für die Kliniken und Pflegeheime sagen: Kaum eine solche Einrichtung in Deutschland ist mit Klimaanlagen ausgestattet. Die Hausärzte fordern zudem eine Vergütung für die Hitzeschutzberatung in den Hausarztpraxen: Diese sei nicht trivial und koste Zeit, denn neben der Aufklärung gehe es oft auch um die Anpassung und Überprüfung von Medikationen.

Haase berichtete zudem, die Stadt habe nun in Zusammenarbeit mit den Klinken „mögliche weitere Standorte vorbereitet, um bei Engpässen Patienten aufzunehmen.“ Auch die im vergangenen Jahr vorgestellten Investitionen in zusätzliche Notfallkrankentransportwagen habe sich ausgezahlt. Da sich die Lage in den Kliniken am Sonntagabend stabilisierte, wurde die Arbeit in den Krisenstäben vorerst beendet.

Die Mainzer Unimedizin geht aber noch eine ganze Weile von einer angespannten Situation aus: Auch wenn sich die Akut-Situation inzwischen stabilisiert habe, rechne man „auch in den nächsten Tagen mit einem erhöhten hitzebedingten Patientenaufkommen“, so die Klinik weiter. Denn „insbesondere bei chronisch Erkrankten oder multimorbiden älteren Menschen wird die Hitze medizinisch gesehen noch einige Tage nachwirken.“

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