Mainz& exklusiv: Das Ermittlungsverfahren zum Verkauf der Marina im Mainzer Zollhafen wird offenbar kein schnelles Ende finden: Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz auf Mainz&-Anfrage mitteilte, dauert die Auswertung der bei Hausdurchsuchungen im November 2025 sicher gestellten Unterlagen an. Zudem wurden mehrere Zeugen vernommen - und die brachten offenbar auch neue Anstöße zu weiteren Untersuchungen. Im Fokus dabei wohl auch: Die Stiftungen der Mainzer Stadtwerke für die Kunsthalle Mainz sowie die Klimastiftung. Just für beide stellten die Mainzer Stadtwerke jetzt ihre Zahlungen ein - der Landesrechnungshof hatte bereits 2022 erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit.

Seit November 2024 geht die Staatsanwaltschaft in Koblenz bereits Anzeigen nach, in denen schwere Vorwürfe wegen des Verkaufs der Marina im Mainzer Zollhafen im Jahr 2021 erhoben werden. Der Vorwurf: Der Yachthafen im Mainzer Zollhafen sei weit unter Wert verkauft worden, dadurch seien den Mainzer Stadtwerken als Konzernmutter, und letztlich dem Steuerzahler in Mainz erhebliche Millionenbeträge entgangen.
Verkauft wurde die Marina nach Mainz&-Recherchen zum Buchwert für ganze 86.000 Euro, dabei schätzen Wirtschaftsexperten den Marktwert auf zwischen 6 und 11 Millionen Euro. Zudem wurde die Marina an den Stadtwerke nahestehende Personen verkauft, nämlich über einen Umweg als verdeckter Verkauf an den früheren Stadtwerke-Chef Detlev Höhne - ein gravierender Verstoß gegen Compliance-Richtlinien. Im Geschäftsbericht der Mainzer Stadtwerke für das Jahr 2021 tauchte der Verkauf nicht auf, stattdessen hieß es dort, es seien "keine wesentlichen Geschäfte mit nahestehenden Unternehmen und Personen zu nicht-marktüblichen Bedingungen durchgeführt" worden.
Staatsanwaltschaft: Zeugen zum Komplex Marina vernommen
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die beiden damaligen Marina-Geschäftsführer Detlev Höhne und Jochen Hener, im November 2025 erfolgten Hausdurchsuchungen in Mainzer "Wohn- und Geschäftshäusern" - und zwar auch bei den Mainzer Stadtwerken, wie der damalige Bürgermeister und Finanzdezernent Günter Beck (Grüne) selbst öffentlich machte. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz "gegen zwei Beschuldigte wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme bzw. der Vorteilsgewährung" in Zusammenhang mit dem Verkauf der Marina im Jahr 2021 - Namen nennt die Staatsanwaltschaft weiter nicht.

Auf Anfrage teilte die Ermittlungsbehörde nun mit: Das Verfahren ist keineswegs abgeschlossen, es wird weiter ermittelt - und ein schneller Abschluss ist auch nicht in Sicht. Die im November 2025 sicher gestellten Unterlagen seien "zwischenzeitlich vollständig gesichtet", hieß es nun auf Mainz&-Anfrage - die Auswertung und abschließende Bewertung sei aber nicht nicht abgeschlossen. Interessant ist das vor allem, weil es zeigt: Eine schnelle Einstellung ist damit nicht in Sicht, offenbar geben die Unterlagen Anlass, die Ermittlungen mindestens weiterzuführen, wenn nicht, sie auszuweiten.
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