EIL&: In der Affäre um Grundstücksverkäufe im Mainzer Zollhafen ist es am Montag nach Mainz&-Informationen zu einer Hausdurchsuchung in Mainz gekommen. Die Mainzer Stadtwerke AG bestätigte am Montagabend schriftlich, der Staatsanwaltschaft in Koblenz seien „Unterlagen übergeben“ worden. Im Fokus steht laut Stadtwerken zunächst der Verkauf der Zollhafen Marina im Jahr 2021 an den früheren Stadtwerke-Chef Detlev Höhne sowie seinen Geschäftspartner in Sachen Yachthafen. UPDATE&: Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Vorgang am Abend auf Mainz&-Anfrage.

Mitte Mai hatte Mainz& exklusiv von zwei Anzeigen berichtete, die der Staatsanwaltschaft Koblenz sowie dem Finanzamt Kusel vorlagen. Der Vorwurf in den Anzeigen: Der Verkauf des Marina-Yachthafens im Mainzer Zollhafen im Jahr 2021 sei weit unter Wert erfolgt, und zudem an den Stadtwerke nahestehende Personen – was ein Verstoß gegen Compliance-Richtlinien wäre. Tatsächlich wurde die Marina zunächst an den Betreiber des Mainzer Winterhafens, Jochen Hener verkauft, der wiederum einen Tag später die Hälfte seiner Anteile an den früheren Stadtwerke-Chef Detlev Höhne veräußerte – bei einem anderen Notar in einer anderen Stadt.
Verkauft wurde die Marina nach Mainz&-Recherchen zum Buchwert für ganze 86.000 Euro, dabei schätzen Wirtschaftsexperten den Marktwert auf zwischen 6 und 11 Millionen Euro. Zudem erwarben die Käufer laut Unterlagen, die Mainz& vorliegen, auch noch eine Barkasse in Höhe von 240.000 Euro, ob dafür ein Gegenwert geleistet wurde, ist bis heute unklar. Trotzdem hatte die Staatsanwaltschaft in Koblenz zunächst die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens angelehnt – das änderte sich inzwischen.
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vorteilsnahme in Sachen Marina
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die beiden Marina-Geschäftsführer Höhen und Hehner, und zu diesen Ermittlungen wurden am Montag in Mainz Unterlagen sichergestellt – und zwar bei den Mainzer Stadtwerken. Die bestätigten am Montagabend, die Staatsanwaltschaft Koblenz habe „Ermittlungen gegen zwei Beschuldigte wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsnahme bzw. der Vorteilsgewährung eingeleitet“, und zwar in Zusammenhang mit dem Verkauf des der Marina im Jahr 2021.

„Aktive Vorstände oder aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mainzer Stadtwerke AG werden dabei nicht beschuldigt“, betonte das Unternehmen weiter – nicht erwähnt wird in der Pressemitteilung indes, dass einer der Beschuldigten der langjährige Stadtwerke-Chef Detlev Höhne ist. Der Vorstand der Mainzer Stadtwerke AG habe „den Behörden bereits bei Bekanntwerden von Vorermittlungen vor einigen Wochen zugesichert, konstruktiv an der Klärung des Sachverhalts mitzuwirken, und entsprechende Unterlagen zur Verfügung zu stellen“, teilte ein Unternehmenssprecher nun mit: „Dies ist heute geschehen.“
Ausgelöst wurden die Ermittlungen allerdings durch eine zweite Anzeige der Freien Wähler vom Juli dieses Jahres, in der der Verdacht geäußert wird, dass nicht nur der Verkauf der Marina, sondern der Verkauf sämtlicher Grundstücke im Mainzer Zollhafen unter Verstoß gegen vergaberechtliche Vorschriften erfolgt sein könnte. Denn die Grundstücksverkäufe wurden ebensowenig öffentlich ausgeschrieben wie der Verkauf der Marina – nach Ansicht der Freien Wähler wäre das aber zwingend gewesen.
Grundstücksverkäufe im Zollhafen insgesamt im Fokus?
Bislang hatten die Stadtwerke Mainz sowie die Mainzer Stadtspitze stets argumentiert, die für die Grundstücksverkäufe zuständige Zollhafen Mainz GmbH sei ein privatwirtschaftliches Unternehmen, deswegen hätten die Verkäufe eben nicht ausgeschrieben werden müssen – daran gibt es aber inzwischen erhebliche Zweifel. Nach der zweiten Anzeige leitetet die Staatsanwaltschaft im September 2025 dann doch ein Ermittlungsverfahren ein – mit welchem Vorwurf genau und gegen welche Beschuldigten, sagte sie damals nicht.

„Es würde indes den Ermittlungszweck gefährden, wenn ich Ihnen die Personen der Beschuldigten, die Anzahl der Beschuldigten oder den Vorwurf mitteilen würde“, antwortete Oberstaatsanwältin Martine Müller-Ehlen damals auf Mainz&-Anfrage. Zugleich hatte sie ausdrücklich betont, es werde nicht gegen den Mainzer Finanzdezernenten Günter Beck (Grüne) oder Innenminister Michael Ebling (SPD) ermittelt – gegen diese beiden bestehe „kein Anfangsverdacht einer Straftat.“
Damit blieben als Beschuldigte die Yachthafen-Geschäftsführer Höhne und Hener übrige, sowie die Stadtwerke-Vorstände Daniel Gahr und Tobias Brosze. Offenbar hatte man bei der Staatsanwaltschaft Koblenz nun genügend Anhaltspunkte, um sich Unterlagen zumindest im Fall des Yachthafen-Verkaufs zu sichern.

Staatsanwaltschaft bestätigt Durchsuchungen in Mainz
UPDATE&: Die Staatsanwaltschaft in Koblenz bestätigte am Montagabend gegenüber Mainz& die Hausdurchsuchungen in Mainz: Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wegen des Verkaufs der Marina im Mainzer Zollhafen hätten „Bedienstete der Kriminaldirektion Mainz und der Staatsanwaltschaft Koblenz – Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen – am heutigen Montag Wohn- und Geschäftsräume in Mainz durchsucht.“ Dabei seien „Unterlagen in Papierform und digitale Beweismittel sichergestellt worden, die der Auswertung bedürfen.“
Damit fanden offenbar nicht nur Durchsuchungen bei den Stadtwerken Mainz, sondern auch in Wohnräumen der Beschuldigten statt – wo genau und bei wem, dieses Auskunft verweigerte die Staatsanwaltschaft. „Zum derzeitigen Zeitpunkt würde es den Ermittlungszweck gefährden, den konkreten Tatvorwurf sowie die Anzahl und die Person der Beschuldigten über die Medien zu kommunizieren“, teilte Oberstaatsanwältin Müller-Ehlen auf Mainz&-Anfrage mit: „Dies könnte insbesondere künftige Zeugenvernehmungen beeinträchtigen.“
Info& auf Mainz&: Alle Hintergründe zum Thema Grundstücksverkäufe im Mainzer Zollhafen sowie dem Verkauf der Marina findet Ihr hier bei Mainz&.






