Dass Mainz eine besonders aufgeheizte Stadt ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, doch nun zeigt eine Statistik, wie schwierig dieser Sommer für viele Mainzer wirklich war: Gemeinsam mit Stuttgart und Frankfurt am Main hatte Mainz die meisten Tropennächte in diesem Jahr. Das zeigt eine Auswertung des Raumluft-Experten Coway für 42 deutsche Großstädte. Das Problem dabei: In heißen Nächten können viele nicht gut schlafen, die Belastung für den Körper steigt, und das kann tödliche Folgen Haben: Das RKI schätzt die Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer bereits auf rund 14.000.

Mainzer Dom mit Gewitterwolken: Über der Innenstadt lag wochenlang brütende Hitze. - Foto: gik
Mainzer Dom mit Gewitterwolken: Über der Innenstadt lag wochenlang brütende Hitze. – Foto: gik

Der Sommer 2026 war ein besonderer, noch nie gab es so viele und lange extreme Hitzeperioden mit über 40 Grad – Mainz wurde gerade in den hoch verdichteten Innenstadtbereichen zum Glutofen. Nun zeigt eine neue Auswertung: Die Stadt hatte gemeinsam hinter Stuttgart und Frankfurt auch die meisten Tropennächten von allen Großstädten in Deutschland: In Stuttgart waren es 17, in Frankfurt 16,5 und in Mainz 16 solcher Nächte, bei denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad sinken.

Das ergab jetzt eine Auswertung des Luftreiniger-Herstellers Coway aus Daten des Deutschen Wetterdienstes. Ausgewertet wurden demnach die DWD-Tagesminima vom 1. Juni bis 20. August 2026, untersucht wurden 42 deutsche Großstädte – mit markanten Unterschieden. So liegt die Stadt Mannheim mit 13 Tropennächten auf Platz 4, das hessische Darmstadt und die Nachbarstadt Wiesbaden aber nur bei jeweils 5 solcher Nächte.

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Mainz mit 16 Tropennächten weit vorn, Topwert 25,3 Grad

Selbst die Großstadt Köln kommt nur auf 3 Tropennächte, in Augsburg, Regensburg und Ulm gab es laut der Auswertung sogar keine einzige Tropennacht in dem Zeitraum. Die kühlen Großstädte lägen allesamt in Süddeutschland und vor allem in höheren Lagen, erklärt die Coway-Auswertung: Augsburg (462 m), Regensburg (365 m) und Ulm (593 m) liegen auf Hochflächen der Schwäbischen und Fränkischen Alb beziehungsweise im Alpenvorland.

Tropennacht am Kransand in Mainz-Kastel mit Sonnenuntergang. - Foto: gik
Tropennacht am Kransand in Mainz-Kastel mit Sonnenuntergang. – Foto: gik

Im Norden helfe die Küste, heißt es weiter:  Kiel, Rostock, Lübeck und Bremerhaven kommen deshalb nur auf ein bis zwei Tropenächte, hier sorge das noch kühle Meerwasser für die Abkühlung, die im Binnenland fehlt. Die heißesten Städte hingegen liegen alle in einem zusammenhängenden Streifen, der von Mainz über Frankfurt in Richtung Offenbach und Würzburg führt, dazu kommt Stuttgart mit seiner Kessellage.

In den Niederungen von Rhein, Main und Neckar sowie in den Talkesseln „staut sich tagsüber erwärmte Luft und fließt nachts kaum ab – die Abkühlung, die der Körper zum Schlafen braucht, bleibt aus“, konstatieren die Luftexperten. Frankfurt verzeichnete denn auch die wärmste Nacht der gesamten Untersuchung: Am 26. Juni lag das nächtliche Minimum bei außergewöhnlichen 25,5 Grad. Mainz lag mit dem Topwert von 25,3 Grad dicht dahinter. An den meisten Stationen begann demnach die längste zusammenhängende Serie von Tropennächten zwischen dem 19. und dem 28. Juni, Juli und August waren eher unauffällig.

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„Was zählt, ist die Luft über dem Kopfkissen“

Das Problem dabei: Heiße Tropennächte rauben vielen Menschen den Schlaf. „Zum Einschlafen senkt der Körper seine Kerntemperatur ab, und guter, tiefer Schlaf gelingt nur, wenn die Umgebung dabei mitkühlt“, erklärt man bei Coway: „Bleibt die Wärme über Nacht stehen, verzögert sich das Einschlafen, der Schlaf wird flacher, die Erholung fehlt.“ Dazu kommt gerade in belasteten Stadtlagen ein weiteres Problem: „Bleibt das Fenster offen, kommen Straßenlärm, Pollen und Abgase herein – Reize, die den Schlaf flacher machen und häufiger aufwachen lassen“, erklärt Rodney Ryu, Managing Director Coway Europe.

In der Coronazeit boomten Studien zu Luftreinigern und ihre Wirkung, wie hier bei der Bundeswehr-Uni München. - Foto:
In der Coronazeit boomten Studien zu Luftreinigern und ihre Wirkung, wie hier bei der Bundeswehr-Uni München. – Foto:

Bei geschlossenem Fenster aber staue sich die Luft, die Feuchtigkeit steigt, „und mit jeder Stunde reichert sich der Raum mit Kohlendioxid an, was den Schlaf ebenfalls unruhiger werden lässt“, erklärt Coway. So entscheide in heißen Nächten nicht allein die Temperatur über die Erholung, sondern auch die Qualität der Luft, die man im Schlaf einatme. Die Tropennacht kann sich dadurch weiter verschärfen: „Was der Deutsche Wetterdienst misst, ist die Luft über einer Rasenfläche. Was zählt, ist aber die Luft über dem Kopfkissen – und die verhält sich anders“, betont Ryu.

Entscheidend für einen guten Schlaf sei eben nicht nur die Temperatur, sondern auch die Qualität der Luft, und wie gut diese Luft im Raum zirkulieren könne. Leichte Bettwäsche aus Naturfasern und ein Ventilator, der die Luft in Bewegung halte, senkten die gefühlte Temperatur denn auch. „Wer wegen Lärm, Pollen oder Feinstaub nachts nicht lüften kann, hält mit einem Luftreiniger zumindest Partikel und Allergene im geschlossenen Schlafzimmer niedrig“, rät Coway – wir können das aus eigener Erfahrung bestätigen. Das international agierende Unternehmen Coway ist in Europa insbesondere mit Luftreinigern und Technologien zur Verbesserung der Raumluftqualität vertreten.

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Gesundheitsrisiko heiße Nächte: 14.000 Hitzetote im Sommer

Heiße Nächte sind indes keine Lappalie, ein überhitzter Körper ist ein echtes Gesundheitsrisiko, wie die Daten des Robert-Koch-Instituts bereits Anfang Juli zeigten: Damals sprach das RKI nach der historischen Hitzewelle Ende Juni bereits von rund 5.100 hitzebedingten Todesfällen in Deutschland – Rheinland-Pfalz hatte mit 560 Fällen dabei die höchste Sterberate. Inzwischen schätzt das RKI die Zahl der Hitzetoten in diesem Sommer sogar auf rund 14.000 bis zum 20. August 2026, die meisten waren 75 Jahre und älter.

Um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen, wendet das RKI statistische Methoden an, denn „Hitze“ wird auf dem Totenschein normalerweise nicht als Todesursache angegeben. „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt“, erklärt man beim RKI. Mit den statistischen Methoden könne man den Verlauf der Sterbefälle in heißen Wochen aber gut abbilden.

Gerade wurde in Mainz die neu gestaltete Binger Straße eingeweiht - ohne einen einzigen Baum. Neue kleine Bäume sollen im Herbst gepflanzt werden. - Foto: gik
Gerade wurde in Mainz die neu gestaltete Binger Straße eingeweiht – ohne einen einzigen Baum. Neue kleine Bäume sollen im Herbst gepflanzt werden. – Foto: gik

Von den geschätzten 14.000 hitzebedingten Sterbefällen gehen dem RKI zufolge etwa 9.600 auf die besonders heiße Woche Ende Juni zurück. Die Übersterblichkeit für diese Woche und die beiden Folgewochen (KW 26 bis 28) werde momentan auf 14.500 geschätzt, für den gesamten Sommer sogar auf rund 20.000. Zum Vergleich: In den Jahren 2020 und 2022 bis 2024 starben hitzebedingt jeweils „nur“ etwa 3.000 Menschen. In den Jahren 2016, 2017 und 2021 lag die geschätzte Anzahl hitzebedingter Sterbefälle jeweils zwischen 1.200 und 2.000 – in den Jahren 2018 und 2019 waren es jeweils etwa 7.000.

Und schon 2025 hatte das RKI als besonders betroffene Regionen Baden-Württemberg, das Saarland und Rheinland-Pfalz ausgewiesen, gefolgt von Hessen und Bayern. 2025 war es demnach zu rund 2.500 Hitzetoten in ganz Deutschland gekommen. Mainz hatte erst im Juni 2026 zum dritten Mal in Folge die „Rote Karte“ beim Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe für deutlich zu viel Versiegelung und zu wenig Grün bekommen. In diesem Jahr rügte die Umwelthilfe vor allem ein Problem: Mainz hat in sieben Jahren 3.000 Bäume verloren.

Info& auf Mainz&: Die ganze Auswertung zu den Tropennächten des Luftreiniger-Herstellers Coway samt Methodik und Ranking findet Ihr hier im Internet. Mehr zum Problem der Hitze und der Toten könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen, einen ausführlichen Bericht zum jüngsten Hitze-Check findet Ihr hier auf Mainz&:

Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe 2026: Mainz verlor 3000 Bäume in sieben Jahren – Hitzealarm für Mainz weiter hoch