Wie geht es weiter mit dem Neubau des Gutenberg Museums in Mainz? Zu diesem Thema hatte die Stadt Mainz am Mittwochabend ins Haus der Jugend geladen, und dabei hatte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) gleich eine Neuigkeit zu verkünden: Es gebe nun endlich konkrete Gespräche mit dem Land Rheinland-Pfalz – und eine grundsätzliche Bereitschaft für eine gemeinsame Trägerschaft signalisiert. Weitere Themen an dem Infoabend waren die Kostenkalkulation sowie die Änderungen an den Bauplänen – etwa die Streichung der Dachterrasse.

Auf dem Liebfrauenplatz am Mainzer Dom soll bis 2032 ein komplett neues „Weltmuseum der Druckkunst“ gebaut werden, Ende Mai 2025 startete dafür bereits der Abriss des alten Schellbaus. Im Mai dieses Jahres aber schlug die Gutenberg Stiftung lautstark Alarm: Die Finanzierung des Museums sei mitnichten gesichert, schon gar nicht für den künftigen Betrieb, auch das Thema Trägerschaft sei bis heute ungeklärt – es drohe „ein finanzielles und organisatorisches Fiasko“.
Am Mittwoch wurden nun endlich die aktuellen Zahlen auf den Tisch gelegt: Nach der vorläufigen Kostenschätzung sollte das Bauvorhaben zuletzt rund 110 Millionen Euro kosten, der neue Baudezernent Ludwig Holle (CDU) und Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) zogen daraufhin nach dem Ausscheiden von Holles Vorgängerin Marianne Grosse (SPD) die Notbremse: Man habe diese Summe „als zu hoch angesehen, sodass verschiedene Kostenoptimierungspotentiale ermittelt und gemeinsam erarbeitet wurden“, teilte die Verwaltung auf Mainz&-Anfrage mit.
30 Maßnahmen zur Kostenreduzierung geprüft, 18 umgesetzt
Konkret: „Es wurden 30 verschiedenen Maßnahmen zur Kostenreduzierung angeschaut, davon wurden 18 weiterverfolgt“, sagte Holle am Mittwochabend in der Bürgerversammlung. Dadurch habe das Kostenvolumen um rund 20 Millionen Euro auf etwa 89,9 Millionen Euro gesenkt werden. Als beispielhafte Maßnahmen nannte die Stadt auf Mainz&-Anfrage sechs konkrete Maßnahmen: Die Verkleinerung der Gastronomie auf ein Museumscafé statt einem Restaurant, die Reduzierung der Größe des Forums von 250 Personen auf 199 Personen sowie die Streichung der Dachterrasse im Erweiterungsbau.

Dazu kommen der Verzicht auf einen zusätzlichen Unterfluraufzug im Erweiterungsbau sowie auf eine Umfassende Sanierung des Altbaus „Römischer Kaiser“ sowie die Optimierung des Brandschutzes im Foyer. „Durch die brandschutzrechtlichen Optimierungen können u.a. Einsparpotentiale erzielt werden, generell sind aber die prägenden Elemente des Entwurfes aus dem Architektenwettbewerb unbeeinflusst“, betonte die Stadt in ihrer schriftlichen Antwort.
In der Bürgerversammlung verteidigte Holle vor allem den Verzicht auf die Dachterrasse sowie die Verkleinerung des Forums. „So, wie die Bäume gerade stehen, hätte man den Dom sowieso nicht gesehen“, sagte Holle, dazu war die Terrasse als nicht-überdacht geplant, und deshalb für Veranstaltungen nur höchst eingeschränkt nutzbar gewesen, „Für Statik und Brandschutz hätte man signifikante Maßnahmen treffen müssen, um die Terrasse zu realisieren“, betonte Holle zudem – er halte die Streichung deshalb für vertretbar.
Haase: Bisherige Planungen „nicht so gelaufen“, Büro gekündigt
Auch die Reduzierung des Veranstaltungsraumes „Forum“ auf eine Größe für 199 Personen statt 250 sei richtig: „Wir haben sehr viele Räume für Veranstaltungen in der Stadt, die sind momentan nicht ausgelastet“, sagte Holle offen – man brauche einen zusätzlichen Raum in einer solchen Größe schlicht nicht. Auch der Verzicht auf eine Luxussanierung des Römischen Kaisers sei vertretbar, das Kostenrisiko dafür zu hoch gewesen – wichtig sei, dass es dort funktionale Büros für die Verwaltung gebe, das sei gewährleistet.

Holle und Haase mussten auch einräumen, dass ein wichtiger Teil der Verzögerungen an den bisherigen Planungsstrukturen lag. „Es ist nicht so gelaufen, wie es sollte“, sagte Haase am Mittwochabend, schriftlich teilte die Stadt mit, man habe sich 2025 vom Planungsteam für die Technische Gebäudeausstattung „auf Grund unzureichender Leistungen trennen müssen.“ Das damalige TGA-Planungsbüro sei daraufhin in die Insolvenz gegangen, „weshalb der Schritt zur Kündigung die richtige Entscheidung war“, betont man bei der Stadt.
Das damalige Büro sei „mittels eines Vergabeverfahrens, das dem öffentlichen Vergaberecht unterliegt, ausgewählt“ worden, do die Stadt auf Anfrage weiter. Es habe „keine Anzeichen gegeben, dass das Büro nicht leistungsfähig wäre.“ Inzwischen sei mittels eines neuen öffentlichen Vergabe-Verfahrens ein neues TGA-Planungsbüro gefunden und beauftragt worden, dieses überarbeite die alten Planungen gerade. Aktuell stehe man am Ende von Planungsphase 2 und arbeite zudem gerade daran, das Risiko der Kostensteigerung von rund 25 Millionen Euro zu reduzieren, sagte Holle zudem.
Haase: Land will Entwicklung einer gemeinsamen Trägerschaft
OB Haase ließ zudem scharfe Kritik an Holles Vorgängerin Marianne Grosse (SPD) erkennen: Gerade in Sachen Trägerschaft für das Gutenberg Museum hätte „in den letzten 6,5-7 Jahren deutlich mehr passieren müssen“, kritisierte Haase. Er habe mehrfach die Antwort aus dem Fachdezernat bekommen, man sei „im Austausch“ mit dem Land – getan habe sich aber „nichts“. Dazu sei die Landesregierung Ende 2025 wegen der Landtagswahl im März 2026 in den Wartemodus gegangen, Gespräche seien jetzt erst wieder möglich.

Und da hatte der OB auch gleich eine gute Nachricht mitgebracht: Just am Mittwoch habe ein Gespräch mit dem Kultur-Staatssekretär des Landes stattgefunden, das sei zwar Zufall gewesen, aber eben ein guter, sagte Haase. Und bei dem Treffen habe das Land gesagt, man wolle gemeinsam mit der Stadt die Trägerschaft für das neue Museum aufstellen.
„Das ist ein relativ frisches Ergebnis: wir werden gemeinsam mit dem Land wichtige Schritte erzielen“, sagte Haase, und teilte konkret mit: „Wir haben uns bis 2027 gegeben, um klarzustellen: Wie wird die Trägerschaft ausgestaltet.“
Auch bei den Planungen will die Stadt nun Dampf machen: Bis Ende 2026 soll die komplette Bau-Kostenschätzung stehen. Der nächste Schritt werde nun der Beginn der archäologischen Arbeiten sein, für die wird ein komplettes Jahr eingerechnet. „Was jetzt läuft, ist ohnehin im Zeitplan eingetaktet gewesen“, sagte Haase. Und überhaupt: Die Finanzierung für das Bauprojekt sei gesichert, betonte der OB: Was wir an Baukosten geplant haben, ist im Haushalt der Stadt abgebildet und eingeplant“, damit sei die Finanzierung gesichert.
Info& auf Mainz&: Weitere Infos und genauere Pläne zum Neubau des Gutenberg Museums findet Ihr hier bei der Stadt Mainz im Internet. Mehr zu den Problemen, die die Gutenberg Stiftung benannt hat, könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.







