Mainz& exklusiv: Sie war einst die größte und beeindruckendste ihrer Art nördlich der Alpen und wurde sogar zum Vorbild für Rom: die Große Mainzer Jupitersäule war ein Schmuckstück des antiken Mogontiacum. Bis Mai 2015 stand sie auf einem Sockel auf der Wiese vor dem Mainzer Landtag, dann wurde die imposante Säule zu Sanierungszwecken abgebaut – und kehrte seither nicht wieder. Daran wird sich wohl auch so schnell, nichts ändern – bei der Stadt heißt es: Es sei kein Geld da. Dabei lässt die Stadt jede Nacht den leeren Sockel weiter anstrahlen und zahlt zudem Geld für das Depot – seit zehn Jahren.

Ballons statt antiker Schmucksäule: Die Unsichtbare Römergarde bildete vor einem Jahr die verschwundene Jupitersäule aus Ballons nach. - Foto: gik
Ballons statt antiker Schmucksäule: Die Unsichtbare Römergarde bildete vor einem Jahr die verschwundene Jupitersäule aus Ballons nach. – Foto: gik

Es war genau vor einem Jahr, am Tag des Offenen Denkmals Mitte September 2025, als vor dem Mainzer Landtag an der Großen Bleiche eine gigantische Säule aus Ballons in den Himmel stieg – neun Meter hoch. Es war der Versuch der „Unsichtbaren Römergarde“, eine verschwundene Schönheit in Erinnerung zu rufen: Die Große Mainzer Jupitersäule. „Wenn Denkmäler verschwinden, wenn wir sie nicht mehr sehen und erleben können, dann verschwindet irgendwann auch das Verständnis für unsere Vergangenheit und für unsere Wurzeln“, sagte die Präsidentin der Unsichtbaren Römergarde, Kathrin Dohle, damals.

Denn seit nunmehr elf Jahren ist die Große Mainzer Jupitersäule nicht viel mehr als eine langsam verblassende Erinnerung: Seit 1934 stand auf der Wiese am Landtag eine nahezu exakte, 9,10 Meter hohe Kopie der 1905 in der Mainzer Neustadt gefundenen Originalsäule, die heute im Landesmuseum steht. 1915 baute man die Säulenkopie wegen Standunsicherheit ab, seither wurde sie bei der Spezialfirma Sauer in Budenheim restauriert. Im Sommer 2022 hieß es dann, die Säule sei so gut wie fertig, die Rückkehr werde mit großer Sicherheit 2023 geschehen können – nur: das passierte bis heute nicht.

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Stadt Mainz sieht hohe Hürden für Rückkehr – und hat kein Geld

Im Juli 2025 machte der Verein „Rettet das Römische Mainz“ darauf aufmerksam, dass die Säule bereits seit zehn Jahren verschwunden, der Sockel verwaist sei, doch noch immer tat sich nichts – die Fertigstellung und der Wiederaufbau seien zu teuer, sagte die damalige Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD). Nun fragte die SPD im Ortsbeirat der Mainzer Neustadt erneut nach, wann man denn mit der Rückkehr des markanten Denkmals rechnen könne, die Antwort: Erst einmal gar nicht.

So war die Originalkopie der Großen Mainzer Jupitersäule bis 2015 vor dem Mainzer Landtag zu sehen. - Foto: gik
So war die Originalkopie der Großen Mainzer Jupitersäule bis 2015 vor dem Mainzer Landtag zu sehen. – Foto: gik

Zuständig ist seit Februar dieses Jahres der neue Dezernent für Bauen und Historisches Erbe, Ludwig Holle (CDU), und der antwortete nun: Für eine Wiederaufstellung des Denkmals stünden noch rund ein Dutzend Arbeitsschritte aus, darunter die Beteiligung eines Objektplaners/einer Projektleitung sowie eines Bodengutachters und eines Materialexperten für Edelstahl. Dazu müssten die statischen Berechnungen überprüft werden, eine bauaufsichtliche Genehmigung wegen der Änderung des Statischen Systems eingeholt werden, ein Ausführungs-/Bewährungsplan erstellt und die Schale für den neuen Sockel der Säule festgelegt werden.

Zudem müsse geprüft werden, ob die Säulenanlage samt dem kleinen Weihealtar um 180 Grad gedreht werden solle, ferner müsse man den Altar instand setzen (Angebotseinholung, Beauftragung“, und dann fielen noch „Planung, Ausschreibung, Vergabe, Herstellung und Montage des Edelstahlskelettes“ zur Stabilisierung der Säule im Inneren an – alles in allem werde das rund 200.000 Euro kosten. Dafür aber habe die Stadt aktuell kein Geld, „daher bleibt zunächst nur die Hoffnung auf ein bürgerschaftliches Engagement“, antwortete Holle weiter.

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Experten: Säule fertig, Gutachten da – und billiger ginge es auch

Damit wiederholte Holle praktisch genau die Linie seiner Vorgängerin Marianne Grosse, über die aber hatte man sich schon im April 2026 bei der Firma Sauer in Budenheim: Dort steht die in zwölf Einzelteile zerlegte Kopie der Großen Jupitersäule im Depot, und zwar bis auf einige kleinere Restarbeiten im Prinzip fix und fertig. „Es ist eigentlich alles bereit, wir stehen parat – aber wir haben keinen Auftrag von der Stadt Mainz“, sagte Ulrich Schulz, Geschäftsführer und Inhaber des Steinmetzbetriebs Sauer, damals gegenüber Mainz&.

Die praktisch fertig sanierte Jupitersäule in ihrem Depot bei der Firma Sauer beim Besuch im April 2026. - Foto: gik
Die praktisch fertig sanierte Jupitersäule in ihrem Depot bei der Firma Sauer beim Besuch im April 2026. – Foto: gik

Auch die von Seiten der Stadt im vergangenen Sommer genannten Gutachten lägen längst vor, sagte Schulz damals schon – das Ganze sei rund 200 Seiten dick. Ein Architekt habe den Grund und Boden untersucht und grünes Licht gegeben, auch das Parkhaus sein kein Problem. Neu gemacht werden müsse der Sockel, aber auch das würde aus Sicht des Experten für keine größere Verzögerung sorgen.

Für den Kern der Säule aus Edelstahl gebe es bereits einen Plan und einen Sachverständigen mit höchster Expertise sogar für den Weltraum: „Das ist Edelstahl, mit dem man bis zum Mond fliegen kann“, sagte Schulz – das Konstrukt könne vermutlich binnen sechs Monaten fertig sein, die Jupitersäule noch 2026 wieder zurückkehren.

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Stadt Mainz strahlt seit zehn Jahren leeren Sockel an

Schulz machte zudem klar, es gebe für die Stadt durchaus auch Möglichkeiten, dabei weniger Geld auszugeben als bisher anvisiert: Grosse habe nämlich geplant, das Denkmal zu drehen, damit der kleine Weihealtar an der Seite in Richtung Große Bleiche zeige – warum, sei unklar. Notwendig sei das nicht, befand bei dem Besuch der frühere Leiter der Denkmalpflege der Stadt Mainz, Hartmut Fischer. „Man könnte Geld sparen, wenn man das Denkmal nicht dreht und das Licht erst einmal nicht erneuert“, wunderte sich Schulz.

Der leere Sockel der Mainzer Jupitersäule, angestrahlt bei Nacht, im Vordergrund der kleine Weihealtar. Das Foto entstand am Abend des 11. September 2026. - Foto: gik
Der leere Sockel der Mainzer Jupitersäule, angestrahlt bei Nacht, im Vordergrund der kleine Weihealtar. Das Foto entstand am Abend des 11. September 2026. – Foto: gik

Denn Holle behauptet in seiner Antwort im Ortsbeirat auch: „Seitens der Abteilung Denkmalpflege im Bauamt wird dringend die Erneuerung der Beleuchtung gewünscht“, man wolle „unauffällige Bodenstrahler statt der bestehenden, das Denkmal stark störenden, massiven Beton-Einhausungen der Strahler. Nur dass das Denkmal gar nicht da ist und auch in den Jahrzehnten seiner Anwesenheit die Illumination bisher nicht als störend empfunden wurde.

Besonders kurios dabei: Der leere Sockel der Jupitersäule wird bis heute angestrahlt – jede Nacht, wie man bei der Unsichtbaren Römergarde betont, und das offenbar seit zehn Jahren. Schon hier hätte man wohl viel Geld sparen können: die Beleuchtung samt Wartung dürfte die Stadt in zehn Jahren rund 40.000 Euro gekostet haben, schätzt man bei der Garde anhand von Expertenangaben. Und das ist noch nicht alles: Auch die Lagerung der Säulenteile in Budenheim koste die Stadt jeden Monat Geld, machte Firmenchef Schulz deutlich – viel lieber, sagte er noch, würde er die Jupitersäule endlich wieder zurück an ihren angestammten Platz bringen.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über unseren Besuch bei der Firma Sauer in Budenheim auf den Spuren der Großen Mainzer Jupitersäule könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Am Sonntag ist erneut „Tag des Offenen Denkmals“, die „Unsichtbare Römergarde“ lädt dann alle Interessierten von 13.30 Uhr bis 14.30 Uhr zum Kennenlerntreffen ein, am Sockel der verschwundenen Jupitersäule.

In eigener Sache&: Ihr habt Lust auf mehr Römer und ihre Zeit in Mainz? Dann haben wir was für Euch: Mitte August erschien unsere Broschüre „Mogontiacum – Streifzug durch das Römische Mainz“, die zu 20 Stationen im Mainzer Stadtgebiet führt, an denen noch heute das antike Mogontiacum greifbar und sichtbar wird – und die Geschichten dahinter erzählt. Den Stadtrundgang gibt es für 5,- Euro (zuzüglich Versand) bei Mainz&, alles dazu hier:

Neuer Stadtführer für das Römische Mainz: Broschüre „Mogontiacum – Streifzug durch das Römische Mainz“ erschienen