Es war vergangenen Sonntag, Wahlabend in Sachsen-Anhalt, und die in Teilen als rechtsextreme AfD eingestufte Partei fuhr mit großem Abstand den Sieg ein. Das freute auch den bekannten AfD-Spitzenmann Björn Höcke im Nachbarland Thüringen, der den Erfolg mit einem besonderen Song feierte: Höcke schmetterte „So ein Tag, so wunderschön, wie heute“. Mainz&-Chefin reagierte darauf mit einem Protest-Post in den sozialen Netzwerken, nun wehren sich auch die Mainzer Hofsänger gegen die Vereinnahmung.

Post von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein am Sonntagabend. - Screenshot: gik
Post von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein am Sonntagabend. – Screenshot: gik

„Die Mainzer Hofsänger schließen sich der klaren Haltung von Mainz& Kirschstein uneingeschränkt an und protestieren nachdrücklich gegen die unautorisierte Verwendung sowie die Zweckentfremdung unserer Hymne durch die Partei Alternative für Deutschland (AfD)“, schrieb der wohl bekannteste Chor Deutschlands am Donnerstag auf seinem Facebook-Auftritt. „Wir distanzieren uns in aller Form und ohne Vorbehalte von den politischen Inhalten, Zielsetzungen und Werten dieser Partei“, heißt es weiter.

Was war passiert? Am Sonntagabend berichteten Journalisten am Rande des Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt mit Videos davon, dass der Thüringer AfD-Frontmann Björn Höcke den Sieg seiner Partei begeistert feierte – und dabei den Hofsänger-Hot „So ein Tag, so wunderschön, wie heute“ zum besten gab. Genau zum gleichen Zeitpunkt fand im Mainzer Staatstheater das Jubiläumskonzert der Mainzer Hofsänger zum 100. Bestehen des Fastnachtschores statt, vor ausverkauftem Hause und mit großartigen Liedarrangements von Swing-Klassikern, Weinsongs und Neuer Deutscher Welle.

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Protest von Mainz&: „Hofsänger stehen für Weltoffenheit und Toleranz“

Die Nachricht aus dem Netz stieß einer Journalistin in Mainz sauer auf: „Übrigens: wir in Mainz protestieren nachdrücklich und vehement gegen diesen Missbrauch unserer großartigen Hymne für Rechtsaußen-Zwecke!“, schrieb Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein noch während des Konzerts, und weiter: „Die Hofsänger stehen FÜR Weltoffenheit & Toleranz. So, wie die gesamte Mainzer Fastnacht. Das passt ausdrücklich NICHT zu Ausgrenzung, Feindlichkeit, Hass oder dumpfen Deutschtümelei.“

Just am Sonntagabend fand in Mainz das große Jubiläumskonzert der Mainzer Hofsänger zu ihrem 100. Geburtstag im Mainzer Staatstheater statt. - Foto: gik
Just am Sonntagabend fand in Mainz das große Jubiläumskonzert der Mainzer Hofsänger zu ihrem 100. Geburtstag im Mainzer Staatstheater statt. – Foto: gik

Der Aufruf stieß auf große Resonanz, rund 350 Menschen setzten auf Facebook und Instagram ein „Like“, mehr als 5.600 Mal wurde er aufgerufen. Nun griffen auch die Mainzer Hofsänger das Statement auf – und protestierten ebenfalls gegen die Vereinnahmung. „Die Mainzer Hofsänger stehen seit jeher für Offenheit, Toleranz und ein respektvolles Miteinander“, schreibt der Fastnachtschor: „Wir erteilen jeglicher Form von Homophobie, Rassismus sowie jedweder Art von Diskriminierung eine deutliche Absage.“

Dazu muss man wissen: Landesparteichef Björn Höcke und sein AfD-Landesverband Thüringen werden vom Landesverfassungsschutz amtlich als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft, „er vertritt Konzepte der Neuen Rechten und strebt ein Bündnis ultranationalistischer Gruppen zur ethnischen Homogenisierung Deutschlands und Europas an“, heißt es etwa bei Wikipedia: „Sozialwissenschaftler und Historiker stellen in Höckes Äußerungen Faschismus, Rassismus, Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus sowie Ideen und Sprache des Nationalsozialismus fest.“

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„So ein Tag“ erklang beim Fall der Mauer in Berlin

Die Mainzer Hofsänger gründeten sich 1926 und traten 1934 erstmals für den Mainzer Carneval-Verein in der Fastnacht auf. Ihre Hochphase begann so richtig nach dem Zweiten Weltkrieg: 1947 entstand das legendäre „Sassa“, seit 1956 sind sie unverzichtbarere Bestandteil der großen Mainzer Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ – ein Finale ohne ihre Megahits „Olé Fiesta“ und „Sassa“ ist undenkbar. Ihre Lieder kennt man in ganz Deutschland, sie sind aus Fußballstadien und bei Feiern nicht wegzudenken.

Die Mainzer Hofsänger 2026 beim großen Finale von "Mainz bleibt Mainz". - Foto: gik
Die Mainzer Hofsänger 2026 beim großen Finale von „Mainz bleibt Mainz“. – Foto: gik

1952 komponierte der deutsche Komponist Lotar Olias, unter anderem Produzent von Freddy Quinn, das Lied, den wohl bekanntesten Hit der Mainzer Hofsänger: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, nach einem Text des Boxpromoters und Schriftsteller Walther Rothenburg – der gab später die ersten deutschsprachigen Zeitungen der Vereinigten Staaten, den Boston-Telegraph und die USA-Staaten-Zeitung, heraus, heißt es bei Wikipedia. Rothenburg organisierte unter anderem Boxveranstaltungen mit dem großen deutschen Boxidol Max Schmeling.

Die Mainzer Hofsänger machten sich 1955 den Song „So ein Tag“ zu eigen – Jakob Fischer arrangierte den Song für den Fastnachtschor, der ihn weltweit berühmt machte. Der Song sei heute „eine Art Deutschlandhymne für besonders freudige Anlässe der Deutschen“, urteilt Wikipedia – tatsächlich erklingt das Lied nicht nur regelmäßig in Fußballstadien, sondern wurde auch am Tag des Mauerfalls in Berlin, dem 9. November 1989, gesungen.

Und das passe ausgezeichnet zu den Hofsängern, betont Hofsänger-Kapitän Vincent Grimmel im Gespräch mit Mainz&, der Vorfall in Thüringen hingegen löste am Sonntagabend bei allen Chormitgliedern Entsetzen aus. Ob die Hofsänger die Verwendung ihres Songs untersagen könnten, ist unklar, da sie nicht die Komponistenrechte haben, stehen lassen wollten die Mainzer das aber auf keinen Fall: „Mit dieser Erklärung unterstreichen wir nachdrücklich unser Engagement für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft“, betont der Chor.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Mainzer Hofsängern und ihrer Geschichte könnt Ihr hier bei Mainz& lesen.