Vor einigen Jahren hatte man in der Mainzer Fastnacht eine große Sorge: Viele alteingesessene Stars und Redner verabschiedeten sich in den Ruhestand, wo aber blieb der Nachwuchs? Würde man auch in der Smartphone-geprägten Zukunft noch Rednerstars und Bühnenaktive finden? Heute ist die Mainzer Fastnacht bei jungen Leuten beliebt wie lange nicht mehr – Dank frischer Formate und der gezielten Nachwuchsförderung der Fastnachtsvereine. Und dafür hat nun der Karneval Club Kastel (KCK) ein neues Format entwickelt: Am Freitagabend lädt der KCK erstmals zum „Närrischen Braukessel“.

Im Gewölbekeller des Eisgrub-Bräu in Mainz bekommen dabei närrische Talente die Gelegenheit, ihr Können vor Publikum zu zeigen – mit Musik, Kokolores und politisch-literarischen Vorträgen. Die Idee dahinter sei „ebenso einfach wie ernst gemeint“, sagt KCK-Präsident Dirk Loomans: Die Mainzer Fastnacht lebt davon, dass immer wieder neue Stimmen, Figuren und Ideen auf ihre Bühnen kommen.“
Genau diesen Talenten wolle der KCK nun mit dem neuen Format eine Chance geben, sich unter echten Bedingungen vor Publikum auszuprobieren. „Wir reden in der Fastnacht gerne darüber, dass wir Nachwuchs brauchen – dann müssen wir ihm aber auch eine Bühne geben und dürfen nicht erwarten, dass jemand bei seinem ersten Auftritt schon seit zwanzig Jahren Bühnenerfahrung hat“, betont Loomans. Diesen Weg gehen auch andere Vereine, 2017 rief etwa der Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) mit der „Narrenschau“ ein erstes großes Auftritts-Format für Fastnachtseinsteiger ins Leben – in diesem Jahr steigt das Event am 30. Oktober 2026.
Neue Rezepte brauen: „Fastnacht entsteht nicht am Reißbrett“
Der Erfolg gibt den Vereinen Recht: Seither haben sich viele neue Talente gefunden, die auf den Bühnen der Fastnachtsszene abräumen, und praktisch immer zuerst im kleinen Rahmen gestartet sind, um Erfahrungen mit Gags, Liedern und dem speziellen närrischen Publikum zu sammeln. „Beim Närrischen Braukessel wollen wir neue Talente entdecken, ihnen ehrliches Feedback geben und vor allem erleben, was beim Publikum ankommt“, sagt auch Loomans.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine klassische Castingshow, stattdessen begleite ein Jury die Auftritte, gebe den Aktiven Rückmeldung und kommentiere die Beiträge. „Die wichtigste Stimme des Abends gehört jedoch dem Publikum: Die Besucher entscheiden am Ende, wer die jeweiligen Kategorien gewinnt“, kündigt der KCK an- die Kategorien sind Musik, Kokolores sowie der politisch-literarische Vortrag. Für die Gewinner soll es zudem nicht nur beim Applaus und einem schönen Abend bleiben: Sie erhalten die Gelegenheit, ihr Können auch bei der Brauereisitzung des KCK zu zeigen.
„Fastnacht entsteht nicht am Reißbrett. Man muss Menschen ausprobieren lassen, manchmal auch etwas riskieren und ihnen die Chance geben, ihren eigenen Stil zu entwickeln“, sagt Loomans. Im Keller der bekannten Mainzer Gaststättenbrauerei Eisgrub-Bräu will man nun neue Rezepte „brauen“. Und vielleicht, sagt Loomans, „sehen wir an diesem Abend schon jemanden, über den wir in ein paar Jahren sagen: Weißt du noch, damals im Eisgrub hat das angefangen.“
Info& auf Mainz&: Der „Närrische Braukessel“ findet am Freitag, den 11. September 2026, im Gewölbekeller des Eisgrub-Bräu Mainz statt. Der Saal öffnet um 18.00 Uhr, Programmbeginn ist um 19.30 Uhr. Es gilt freie Platzwahl, bereits vor Beginn können Speisen und Getränke bestellt werden. Für Spontanentschlossene gibt es noch einige Karten an der Abendkasse.






