Genau zwei Monate vor der Landtagswahl am 22. März gibt es einen neuen Einblick in die Seele der Wähler: Der neueste Rheinland-Pfalz-Trend des SWR-Magazins „zur Sache RLP“ zeigt auf den ersten Blick wenig Bewegung und dennoch spannende Einblicke. Interessant dabei: Die CDU liegt auch im neuen Jahr weiter vorn – aber der Abstand zur SPD schmilzt wie Schnee im Frühjahr. Könnte die SPD doch noch die Staatskanzlei verteidigen? Überraschend dabei: Die Spitzenkandidaten Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU) verlieren in den persönliche Umfragewerten – trotz hoher medialer Präsenz.

Die heiße Phase des Landtagswahlkampfs hat begonnen, die Spitzenkandidaten sind auf allen Kanälen präsent – und doch schleppt sich der Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz eher behäbig dahin. Das zeigt sich auch in der jüngsten Umfrage, dem Rheinland-Pfalz-Trend des landespolitischen Magazins „Zur Sache Rheinland-Pfalz“. Nach der jüngsten Umfrage, die vom 14. bis zum 20. Januar 2026 erhoben wurde, bleibt die CDU stärkste Kraft bei den Wählern: Sie kommt unverändert auf 29 Prozent.
Die Umfrage war durchaus mit Spannung erwartet worden, lag die letzte Messung der Stimmung im Land doch immerhin ein Vierteljahr zurück – die Frage war: Würde der Start in das Wahljahr die Stimmung verändern? Die Antwort lautet: Wenig – aber es tut sich etwas. Merkbarste Veränderung ist: Die regierende SPD hat offenbar ihre Aufholjagd begonnen – die Sozialdemokraten können drei Prozentpunkte zulegen und liegen mit 26 Prozent jetzt nur noch knapp hinter der CDU.
Aufholjagd der SPD hat begonnen
Zeichnet sich hier also das schon traditionelle Bild ab, dass die SPD auf den letzten Metern vor der Wahl einen furiosen Endspurt hinlegt, und mit ihrer Kampagne doch noch der CDU-Opposition eine lange Nase dreht? So war es bei den vergangenen Wahlen, doch in diesem Jahr bleiben Fragezeichen. Das wichtigste davon: Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Ampel-Regierung ist deutlich gesunken. Anfang Oktober gaben noch 49 Prozent der Befragten beim RLP-Trend an, mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden zu sein – jetzt sind es nur noch 44 Prozent. 50 Prozent aber sind unzufrieden – das ist eine Trendwende.

Mehr noch: Das ist der drittschlechteste Wert für die Ampel-Regierung in der gesamten Legislaturperiode seit 2021 – nur im Dezember 2022 waren es mit 42 Prozent Zufriedenheit weniger, der Tiefstand lag im Juli 2023 mit ganzen 38 Prozent Zufriedenheit. Damals waren 57 Prozent der Rheinland-Pfälzer mit der Arbeit der Landesregierung unzufrieden. Interessant auch: Bei Amtsantritt im Juli 2021 waren einmal 62 Prozent der Wähler mit ihrer Regierung in Rheinland-Pfalz zufrieden.
Tatsächlich gibt es im Land genügend Baustellen, an denen sich die Unzufriedenheit entzündet – allen voran die Bildungspolitik. 29 Prozent der Befragten geben nun die Bildung als dringendstes Problem im Land an, das ist ein Zuwachs von 6 Prozent. Ein Grund dürften die neuen Enthüllungen sein, nach denen viel mehr Schulen in Land unter massiver Gewalt leiden, als bislang gedacht – und wohl auch die sehr späten Reaktionen von Bildungsminister Sven Teuber (SPD) auf Berichte von Polizeieinsätzen in Realschulen plus.
Wichtigste Probleme: Bildung vor Zuwanderung vor Verkehr
Für 22 Prozent gehört aber immer noch die Zuwanderung zu den wichtigsten Problemen – das ist weiterhin Platz zwei im Themenranking. Mobilität und Verkehr kommt nun mit 18 Prozent (plus 2) auf Platz drei, die Wirtschaft landet erst auf Platz vier, gefolgt von Gesundheit (+2), Wohnungsmarkt und sozialen Fragen. 61 Prozent der Rheinland-Pfälzer sind dabei der Ansicht, ihre Gesundheitsversorgung habe sich verschlechtert – ein dramatischer Wert.

Überraschend dabei: Die CDU kann von all der Unzufriedenheit offenbar nicht profitieren, ihre Themen im Land erzeugen weder eine Wechselstimmung, noch einen Drang hin zur Opposition. Dabei trauen weiterhin 26 Prozent – und damit die meisten – der CDU am ehesten zu, die wichtigsten Aufgaben im Land zu lösen – bei der regierenden SPD sind es nur 22 Prozent. Aber mit 15 Prozent trauen der AfD allgemeine Lösungskompetenz zu – das ist der dritte Platz unter den Parteien.
Gleichzeitig geben laut RLP-Trend 37 Prozent der Teilnehmer an, am liebsten eine Landesregierung unter SPD-Führung haben zu wollen, nur 31 Prozent wünschen sich hier die CDU, 19 Prozent die AfD. Damit geht die Ambivalenz in den Meinungsumfragen weiter – allerdings müssen sich angesichts der Zahlen die Spitzenkandidaten beider großer Parteien durchaus Sorgen machen: CDU-Herausforderer Gordon Schnieder verliert nämlich im Vergleich zum Oktober satte 5 Prozentpunkte, nur noch 14 Prozent würden ihn gerne zum Ministerpräsidenten wählen.
Grund zum Jubeln gibt es dabei aber auch für die SPD nicht: Trotz medialer Dauerpräsenz im Land und auf den TV-Bildschirmen kommt auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) nur auf 34 Prozent direkte Zustimmung – und verliert im Vergleich zum Oktober vier Prozentpunkte. Irritierend dabei: Der SWR weist diese Verluste auf seiner Homepage nicht aus – in Baden-Württemberg tut der Sender das sehr wohl. AfD-Spitzenkandidat Jan Bollinger kommt derweil auf ganze 8 Prozent persönliche Zustimmung – ob das bei Schnieders Verlusten einzahlt?

Bleibt die Frage: Wer zieht denn sonst noch in den Mainzer Landtag ein? Die AfD liegt derzeit unverändert auf Platz 3 in der Wählergunst, gibt aber einen Prozentpunkt ab und landet derzeit bei 18 Prozent – im Gegensatz zu vielen anderen Umfragen sieht der SWR die in teilen rechtsextreme Partei dabei in Rheinland-Pfalz weiter bei unter 20 Prozent. Die Grünen verharren derweil unverändert bei 10 Prozent, zu einer Regierungsbeteiligung würde das – Stand jetzt – nicht reichen.
Verfestigt hat sich hingegen der Trend bei der Linken: Sie liegt weiter bei starken 6 Prozent, der Partei wird nun der Einzug in den Landtag zugetraut. Die Freien Wähler sieht der SWR weiter nur bei 4 Prozent, ob das zum Wiedereinzug in den Landtag reicht – fraglich. Allerdings lag die Partei vor fünf Jahren zwei Monate vor der Wahl nur bei 3 Prozent – und schaffte dann doch den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde.
Wer mit wem? CDU warnt vor Rot-Rot-Grün, FDP abgeschlagen
Die immer noch mitregierenden Liberalen kommen derweil weiter nicht aus ihrem Tief: Das Umfrageinstitut Infratest Dimap gibt erneut die Partei auf dem Umfragepanel gar nicht mehr an, auch auf Nachfrage kann man im SWR keinen Wert für die FDP nennen. Der gemessene Wert liege unter 3 Prozent, heißt es lediglich. So gehen die Liberalen in den Werten der „Sonstigen“ auf, die zusammen auf 7 Prozent kommen. Weitere Umfragen gibt es für Rheinland-Pfalz ansonsten nur noch von der BILD-Zeitung – die hatte zuletzt ein Stimmungsbarometer am 4. Oktober 2025 veröffentlicht.

Die SPD reagierte denn auch höchst zuversichtlich auf die jüngste Umfrage: Der Zuwachs für die SPD zeige, dass „die Menschen Landespolitik eigenständig bewerte“, sagte SPD-Generalsekretär Gregory Scholz: „Sie schauen nach Mainz und weniger nach Berlin – und sie erkennen die eigene Stärke der SPD in Rheinland-Pfalz.“ Wahlkampf sei aber „kein Sprint, sondern ein Marathon“, der CDU gehe offenbar „die Puste“ aus. „Wir setzen auf unsere wohlbekannte Ausdauer, Präsenz und Gespräche mit den Menschen – Woche für Woche, Tag für Tag“, betonte Scholz.
Bei der CDU hieß es dagegen, die CDU liege stabil vorne, die Menschen vertrauten der Partei in den Kompetenzfeldern Wirtschaft, Innere Sicherheit und Bildung am meisten. Ministerpräsident Schweitzer verliere an Zustimmung“, da nützt auch die große PR-Maschine nichts“, sagte CDU-Generalsekretär Johannes Steiniger. „Umso beunruhigender“ sei es, dass Rot-Rot-Grün „zu einer realen Gefahr für unser Land wird“, warnte Steiniger, und sagte mit Blick auf die Linken-Vorsitzende im Bund: „Der SPD-Spitzenkandidat schließt weiterhin nicht aus, auch mit der Linken zu regieren, um sich seine Macht zu sichern. Wer Schweitzer wählt, wacht am Ende mit Reichinnek auf.“
Info& auf Mainz&: Weitere Infos und Grafiken zum aktuellen RLP-Trend findet Ihr hier im Internet. Mehr zu den Umfragen und Werten aus dem Oktober 2025 zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.







