Die Stadt Mainz steckt tief in den roten Zahlen und sucht händeringend Einsparmöglichkeiten, doch bei der Mainzer Johannisnacht gab man zuletzt das Geld für die umstrittene Drohnenshow mit vollen Händen aus. Wie die Stadt Mainz auf Mainz&-Anfrage mitteilte, kostete die Drohnenshow zum Abschluss der Mainzer Johannisnacht fast fünfmal so viel, wie ein klassisches Großfeuerwerk. Die Mainzer Schausteller berichten zudem von Umsatzeinbußen und Besucherschwund am Johannisnacht-Montag – und fordern eine Rückkehr zum Feuerwerk.

50 Jahre lang war das große Feuerwerk am Montagabend der traditionelle Abschluss der Mainzer Johannisnacht – und ein absolutes Highlight im Jahreskalender von Mainz. Zehntausende pilgerten an der Rhein und genossen mit vielen Ahs und Ohs die Feuershow. 2025 dann eine anderes Bild: Eine magere Drohnenshow ersetzte das Feuerwerk, die Enttäuschung war groß. Trotzdem veranstaltete die Stadt 2026 erneut eine Drohnenshow, diese sollte mit doppelt so vielen Drohnen jetzt zum echten Highlight werden – doch daraus wurde erneut nichts.
Knapp 15 Minuten lang malten die Drohnen in diesem Jahr Sportbilder in den Himmel, warum genau erschloss sich vielen Zuschauern nicht. Die Motive waren immerhin in diesem Jahr deutlich besser zu sehen, da man die Ausrichtung zum dunkleren Nachthimmel gedreht hatte, echte Begeisterung kam beim Zuschauen indes nicht auf – ein Video mit der Show und den Zuschauerreaktionen könnt Ihr hier bei Mainz& auf Facebook ansehen.
Urteil über Drohenshow: „Lahm, unspektakulär, einschläfernd“
Entsprechend fiel die Bilanz bei vielen Mainzern im Nachgang aus: „Lahm, unspektakulär, einschläfernd“, kommentierte etwa ein Mainz&-Leser unser Video, und fügte hinzu: „Ich bin grundsätzlich gegen wildes, stundenlanges rumballern an Silvester, aber ein großes Feuerwerk über 10min ist schon was tolles, das wird niemals eine Drohnenshow ersetzen können. 2027 schau ich mir das nicht mehr an.“

Der Mann war nicht der einzige: „Ein lahmes und lustloses Bilder-Raten mit Schlafmusik, ohne jegliche Spannung oder Überraschung“, kommentierte eine weiterer Leser: „Ich würde mich als Verantwortlicher für diese Gähn-Veranstaltung in Grund und Boden schämen.“ Tatsächlich fragte nach etwa der Hälfte des Show ein kleiner Junge, der direkt neben Mainz& stand, seinen Vater nervös-zappelnd: „Wie lange dauert das denn noch…?“
Der Ablauf der Bilder sei extrem in die Länge gezogen worden, analysierte ein weiterer Leser, der sich bereits mit dem Thema Drohnenshow näher Beschäftigt hatte: „Richtig spannend wird das ganze leider erst ab 3-4000 Drohnen. Da kann das ganze auch in die Höhe gehen, komplexere Figuren, Symbole und Co. gezeigt werden“, schreibt er weiter – auf diesem Niveau könne man sich die Show noch die nächsten zehn Jahre sparen.
Drohnenshow 2026: Fast fünfmal so teuer wie ein Feuerwerk
Tatsächlich vermissten offenbar viele Mainzer das alte Großfeuerwerk, das die Menschen regelmäßig zum Staunen gebracht hatte: „Was war das Feuerwerk früher schön. Ein absolutes Highlight zum Abschluss. Und jetzt sowas lächerliches“, kommentierte eine Mainz&-Leserin. Mainz& wollte wissen: Was hat die Drohnenshow eigentlich gekostet – und was früher das Großfeuerwerk?

Die Antwort der Stadt Mainz: Das zuletzt im Jahr 2024 gezeigte Großfeuerwerk zur Mainzer Johannisnacht kostete ganze 7.500 Euro – die viel kritisierte Drohnenshow im Jahr 2025 aber schon 29.400 Euro. Zum Großfeuerwerk 2024 kamen noch die Kosten für die Fähre, von der aus das Feuerwerk abgebrannt wurde, hinzu: 4.000 Euro. Bei der Drohnenshow 2025 schlug indes noch eine Beschallungsanlage mit 3.000 Euro zu Buche. Durch Sponsoring-Einnahmen von 7.500 Euro lag der Gesamtpreis 2025 dann bei 24.900 Euro – die Kosten für die erste Drohenshow waren also dreimal so hoch wie für das Feuerwerk.
In diesem Jahr stiegen die Koste für die Drohnenshow wegen der verbesserten Ausstattung an Drohnen aber noch einmal dramatisch an: Alleine die Drohnenshow kostete demnach 34.560 Euro, die Beschallung für die Brücke samt Lkws zum Aufbau insgesamt 16.400 Euro. Damit verursachte die Show Kosten von rund 50.000 Euro, die durch Spenden in Höhe von 12.500 Euro auf insgesamt 38.460 Euro gedrückt wurden. Auch damit war die Drohnenshow mehr als dreimal teurer als das Großfeuerwerk, an reinen Kosten sogar fünfmal so teuer.
Schausteller: Drohnenshow lockte weniger Menschen ans Rheinufer
Dazu habe die Drohnenshow in diesem Jahr deutlich weniger Menschen ans Rheinufer gelockt, als das Feuerwerk in den Vorjahren, sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft Mainzer Schausteller, Marco Sottile im Gespräch mit Mainz&. Die Promenade sei „schwacher besiedelt, als sonst“, der Bereich um die Hochbeete relativ leer gewesen. „Die Besucherzahlen am Montagabend waren nicht so, wie sonst“, betont Sottile, und sieht sich in seinen Warnungen bestätigt: Die Schausteller hatten im Vorfeld der Johannisnacht vor Besucherschwund und Umsatzeinbußen gewarnt.

„Letztes Jahr war die Neugier groß, weil es etwas Neues war“, hatte Sottile im Vorfeld gegenüber Mainz& berichtet – doch die Reaktionen auf die neue Drohnenshow seien auf der Kirmes am Rheinufer „ausschließlich negativ“ gewesen. Der klassische Volksfest-Besucher „möchte ein Feuerwerk“, unterstreicht Sottile, gebe es das nicht, bleibe er eben weg – für die Schausteller sei dies ein echtes Problem, weil der Montag traditionell ein wichtiger Umsatzbringer auf der Johannisnacht sei.
In diesem Jahr habe man zwischen 40 und 50 Prozent Umsatzeinbußen bei den Fahrgeschäften auf der Johannisnacht gehabt, berichtete Sottile – Gründe seien vor allem die Fußball-WM, die Hitze sowie Unwetterwarnungen der Wetter-Apps gewesen. „Die Essenstände haben extrem gelitten, wegen der Hitze – da reden wir von Umsatzeinbußen von 70 Prozent“, berichtete Sottile gegenüber Mainz&. Der Montag wäre deshalb umso wichtiger gewesen, doch ein Teil der enttäuschten Besucher vom Vorjahr sei wohl zuhause geblieben, schätzt Sottile.
Sottile: „Drohnenshow wird nie Ersatz für Feuerwerk sein“
„Eine Drohnenshow wird niemals ein Ersatz sein für ein Feuerwerk, und wenn sie ein Ersatz wird, können wir uns das nicht leisten“, sagt der Schausteller mit Blick auf die Mega-Shows in China und anderswo – und fordert die Stadtspitze und speziell Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) zum Umsteuern auf – dem OB hatte Sottile im Juni sogar Wortbruch wegen der neuerlichen Drohnenshow vorgeworfen. „Wenn mir alle Beschicker dasselbe sagen, dann muss doch was dran sein – dann muss ich doch auch mal zuhören“, schimpft Sottile: „Es ist Stärke zu sagen, wir haben es probiert, wir waren überzeugt – aber es funktioniert nicht, wir kriegen die Menschen nicht in die Stadt.“

Tatsächlich hatte eine Online-Umfrage von Mainz& im Juni ein klares Stimmungsbild ergeben: Von den gut 2.000 Lesern, die bei der Umfrage mitgemacht hatten, stimmten 80 Prozent klar für ein Feuerwerk, und nur 20 Prozent für eine Drohnenshow. Sottile betont, es gebe schließlich auch emissionsschwache Feuerwerke, „so wie wir sie am Rheinfrühling abschießen: Das dauert 12 Minuten und hat einen Emissionswert von 3,5 Kilo Sack Holzkohle.“ Auch die Lautstärke habe man bereits heruntergeregelt, das gehe alles.
Andere Feste kehrten inzwischen zum Feuerwerk zurück, und beim Altrheinfest in Ginsheim-Gustavsburg habe die Naturschutzbehörde das Feuerwerk für weitere fünf Jahre genehmigt – eine erhebliche Beeinträchtigung der geschützten Vogelarten während der Brutzeit habe nicht festgestellt werden können. Für neue Ideen sei man jederzeit offen, betont Sottile zudem, etwa für eine Lasershow, die mit einem Feuerwerk kombiniert werde. „Wir sind als Schausteller ja sogar bereit, das finanziell zu unterstützen“, sagte Sottile noch, „wenn man mit uns ordentlich ins Gespräch geht.“
Info& auf Mainz&: Wer noch einmal die geniale Laser-Feuerwerks-Show bei den Mainzer Sommerlichtern rekapitulieren möchte, kann das hier bei Mainz& tun – dort sieht man auch, wie ein brechend volles Rheinufer aussieht. Mehr zu der breiten Kritik an de Drohnenshow zur Johannisnacht sowie zu unserer Umfrage vom Juni lest Ihr noch einmal hier auf Mainz&:








