Heute ist es wieder so weit: Beim „Tag des Offenen Denkmals“ öffnen Denkmäler bundesweit ihre Türen. In diesem Jahr steht der Denkmalstag unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“ und ist Orten und Bauwerken gewidmet, die Menschen seit Generationen miteinander verbinden. 352 Denkmäler öffnen in Rheinland-Pfalz manch geheime Tür, in Mainz gibt es allerdings nur wenig Neues: Ein alter Wasserhochbehälter in Mainz-Mombach – und die weltberühmte Installation GAIA mit der schwebenden Erde in der Mainzer Christuskirche.

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September lädt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dazu ein, Denkmäler aus allen Epochen zu entdecken – der Tag war einmal vor allem solchen Denkmälern gewidmet, die man sonst eben nicht besichtigen kann. Doch das ist lange her: In Mainz zumindest öffnen seit Jahren die immer gleichen Orte ihre Tore, echte neue Entdeckungen sind rar, beim Programm herrscht „Business as usual“ – Römisches Theater, Neutorschule, St. Stephan und das alljährliche Zitadellenfest.
Bei der Stadt Mainz findet sich gar nur eine rudimentäre Liste der Veranstaltungen, die nicht im Ansatz vollständig ist. Veranstaltungen zum aktuellen Thema sucht man weitgehend vergebens: im Zentrum auf der Homepage der Stadt Mainz stehen die Führungen über den Mainzer Hauptfriedhof und eine Besichtigung des Alten Krematoriums. Dabei hat der Denkmaltag in diesem Jahr das Thema „“NetzWERKE“ und ist Denkmälern und Infrastrukturen gewidmet, die Menschen, Orte und Regionen miteinander verbinden – die Verbindung ins Jenseits hatten die Initiatoren dabei wohl eher weniger im Sinn.
Denkmaltag zu „NetzWERKE: Denkmale und Infrastruktur“
Der neue rheinland-pfälzische Kulturminister Sven Teuber stellte das Programm für Rheinland-Pfalz denn auch an der Römerbrücke in Trier vor, und betonte dabei, Denkmäler erzählten, auch, wie Menschen seit Generationen miteinander verbunden würden. „Netzwerke entstehen dort, wo Menschen in Kontakt treten, Ideen austauschen, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft bilden“, sagte Teuber. Ohne eine funktionierende Infrastruktur laufe dabei nichts, deshalb stehe in diesem Jahr die Funktion im Fokus, und wie die jeweiligen Denkmäler „Menschen, Orte und Gemeinschaften zusammenzubringen.“

In Rheinland-Pfalz öffnen insgesamt 352 Denkmäler ihre Türen, eine eigene Broschüre der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) beleuchtet das Thema „Netzwerke“ aus den Perspektiven Grenzen, Transport, Verkehr, Tourismus, Religion, Ressourcen und Versorgung. „Die in der Broschüre vorgestellten Kulturdenkmäler machen deutlich, dass Infrastruktur ein Ausdruck gesellschaftlicher Werte, wirtschaftlicher Entwicklungen und kultureller Vorstellungen ihrer Zeit ist“, sagt Landeskonservator Markus Fritz-von Preuschen. Für die Denkmalpflege ist ihr Erhalt jedoch oft schwierig, denn technische Anlagen ändern sich ständig und müssen wirtschaftlichen Zwängen folgen.
In Mainz haben die geöffneten Denkmäler damit eher weniger zu tun: Im antiken Mainzer Bühnentheater gibt es stündliche Führungen, im Alten Dom St. Johannis könnt Ihr ab 13.30 Uhr im Halbstundentakt die faszinierende Geschichte dieser womöglich ältesten christlichen Kirche Deutschlands bei Führungen erleben. Auf der Zitadelle tummelt sich wie immer das Zitadellenfest mit Führungen und Musik, und in St. Stephan kann man wie immer die Türmerstube hoch oben im Turm besuchen, allerdings nur um 16.00 Uhr und nur nach Anmeldung – schade.
Domus Universitatis am Höfchen und Heilig Geist Spital zu erleben
Der Denkmaltag war eigentlich mal ein Tag, an dem die Türen in den Denkmälern wirklich den ganzen Tag offen standen, und man mit viel Neugier ein altes Gemäuer erkunden konnte, in Mainz ist das nur noch selten gegeben. Auch im „Domus Universitatis“ am Höfchen, der Alten Universität, in der heute das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte seinen Sitz hat, finden nur zwei Führungen zur Geschichte des Hauses statt: Um 11.00 Uhr und um 14.00 Uhr. Wer gar Mainzer Universitätsarchitektur erleben will, muss früh aufstehen: Bereits um 10.30 Uhr gibt es eine Führung über den Mainzer Gutenbergcampus, der vom Ursprungsbau der Universität, dem Forum, zu den Kulturbauten der Uni führt.
Mehr Zeit habt Ihr im alten Heilig-Geist-Spital an der Rheinallee, einem der ältesten Gebäude von Mainz: Hier öffnet erneut der Männerverein „Schlaraffia Moguntia“ seine Ritterburg in der alten Hauskappelle des einstigen Krankenhauses. Die Vereinigung der Schlaraffen wurde 1859 von Pragern Schauspielern „zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor“ gegründet, bei ihren Sitzungen geht es um intelligente Wortgefechte und kultivierten Nonsens, Leitfigur ist der Uhu als Symbol für Weisheit und Tugend – die ganze Geschichte der Mainzer Schlaraffia haben wir hier bei Mainz& erzählt.
Erthaler Hof wieder geöffnet, Wasserhochbehälter in Mombach
Erstmals nach längerer Pause öffnet auch der Erthaler Hof an der Schillerstraße in Mainz wieder seine Türen: Von 11.00 bis 16.00 Uhr lädt die Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) gemeinsam mit dem Welterbesekretariat, dem Institut für Steinkonservierung und der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz dazu ein, den historischen Sitz der Landesdenkmalpflege zu entdecken. Ihr erhaltet Einblicke in die tägliche Arbeit der Denkmalpflege, könnt Fachleuten über die Schulter schauen und historische Räume besichtigen, die sonst nicht zugänglich sind.

Einen besonderen Blick hinter die Kulissen ermöglichen Führungen durch die historische Architektur des Erthaler Hofs um 11.00 Uhr und um 13.00 Uhr, vertiefende Führungen gibt’s zudem zur historischen Bauteilsammlung. Im Innenhof gibt’s zudem ein Quizz für Kinder und Erwachsene , dort kann man Nüsse vergolden, Schlüsselanhänger aus Fensterprofilen bauen sowie Magnete, Spiegel und Flaschenöffner mit Motiven aus Rheinland-Pfalz gestalten.
Ein besonderes Denkmal haben wir aber dann doch noch für Euch: Zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr öffnet der alte Wasserhochbehälter in Mainz-Mombach an der Kreuzstraße 10 seine Türen. Der Wasserhochbehälter wurde 1904/1905 nach den Plänen der Kulturinspektion Mainz am Scheitelpunkt der Straße errichtet, samt monumentaler Schauwand in historisierender Formensprache – ein imposantes Denkmal. Das Wasserhochbehälter ist während der angegebenen Zeit geöffnet, zusätzlich werden Kurzführungen zur Geschichte des Gebäudes und der Wasserversorgung angeboten.
Riesige schwebende Erde: GAIA in der Christuskirche
In der Mainzer Altstadt öffnet zudem der „Pulverhof“ zum zweiten Mal seine Türen: Das Gebäude ist tatsächlich das älteste Wohnhaus in Mainz – nicht zu verwechseln mit dem ältesten Wohngebäude, dem romanischen Turm „Zum Stein“ aus dem 12. Jahrhundert. Das Haus „Zum Pulverhof“ war Teil des Templerhofs, eine der wenigen Niederlassungen des Templerordens in Deutschland. Ab 2021 wurde das Anwesen grundlegend ökologisch mit Lehm und Holzfaserdämmung saniert, genau diese Techniken stellt heute die Firma BB Ökobau vor: Methoden der nachhaltigen und ökologischen energetischen Sanierung sowie Lehm- und Kalkputz-Varianten.

So wird zum Highlight des Tages wohl ein Besuch in der Mainzer Christuskirche: Dort empfehlen wir Euch mal wieder einen Besuch auf dem Turm samt Glockengeläut, vor allem aber einen Blick in den Innenraum der großen Kuppelkirche auf der Kaiserstraße: Dort ist nichts weniger als die Erde zu Gast. Denn vom 13. September bis zum 4. Oktober 2026 ist hier die weltberühmte Installation GAIA des britischen Künstlers Luke Jerram zu sehen: Eine sieben Meter große, schwebende Erde unter der Kuppel der Kirche, detailgetreu dargestellt mit hochauflösenden NASA-Aufnahmen.
„Wer unter GAIA steht, erlebt unseren Planeten aus der Perspektive des Weltalls: atemberaubend schön, grenzenlos, verletzlich“, heißt es in der Vorankündigung. In einer Zeit voller Krisen solle dieses Kunstwerk „daran erinnern, was uns verbindet: unsere Erde. Die Bewahrung dieser Schöpfung ist unsere gemeinsame Aufgabe und Verantwortung.“ Die Installation sei „ein Moment des Staunens, der verbindet.“ Geöffnet ist von 12.00 Uhr bis 22.00 Uhr, am heutigen Sonntag findet um 19.00 Uhr die Eröffnungsfeier zur Ausstellung unter dem Motto „Die Welt zu Gast in Mainz“ statt. Alles dazu sowie zum vielfältigen Begleitprogramm mit Vorträgen, Musik, Workshops, und Veranstaltungen für Familien und Schulklassen findet Ihr unter www.gaia-mainz.de. Der Eintritt ist frei.
Info& auf Mainz&: Das ganze Programm zum „Tag des Offenen Denkmals“ findet Ihr hier im Internet bei der offiziellen Webseite zum Denkmalstag. Alles zum Zitadellenfest könnt Ihr hier im Internet nachlesen.
In eigener Sache&: Und wer seinen eigenen Denkmaltag zum Thema Römer begehen möchte, da haben wir was für Euch: Mitte August erschien unsere Broschüre „Mogontiacum – Streifzug durch das Römische Mainz“, die zu 20 Stationen im Mainzer Stadtgebiet führt, an denen noch heute das antike Mogontiacum greifbar und sichtbar wird – und die Geschichten dahinter erzählt. Den Stadtrundgang gibt es für 5,- Euro (zuzüglich Versand) bei Mainz&, alles dazu hier:







