Fast fünf Jahre nach seiner Schließung im Juli 2022 soll das Museum für Antike Schifffahrt nun endlich wieder öffnen: Das Museum werde am 07. März 2027 „nach umfassender Sanierung und inhaltlicher Neuausrichtung wieder seine Türen öffnen“, teilte das Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) in Mainz jetzt mit. Das Museum ist seit 1994 die Heimat der bei Ausgrabungen in Mainz gefundenen weltberühmten Römerschiffe, künftig will die Ausstellung aber vor allem Mobilität und Globalisierung in den Mittelpunkt stellen. Bitter für die Mainzer: Das ursprünglich kostenlos zugängliche Museum kostet künftig kräftig Eintritt.

Es war im Herbst 1981, als sich bei Bauarbeiten für den Rheinflügel des Mainzer Hilton-Hotels eine Sensation ereignete: Neun Schiffe aus der Römerzeit, teils in Fragmenten, teils in großen Stücken, wurden in der Baugrube gefunden. Die Fragmente entpuppten sich als Reste von Kriegsschiffen aus dem 4. Jahrhundert nach Christus – es war nichts weniger als eine Sensation, die Mainz schlagartig auf die Karte der wichtigsten Römerstädte Deutschlands hob.
Heute weiß man, dass Mainz der Sitz der römischen Rheinflotte, und damit womöglich der wichtigste Hafen an dem großen Strom war. Hier lagen die großen Galeeren, mit denen Rom die Rheingrenze sicherte, und den Handel auf dem Fluss sicher stellte – und sich gerade im späten 4. Jahrhundert nach Christus gegen die anstürmenden Germanenvölker aus dem Osten zur Wehr setzte. Man weiß heute, dass sich entlang des Rheinufers zu Zeiten des antiken Mogontiacums mehrere Häfen und Kaianlagen entlangzogen, in Höhe des heutigen Brands befand sich ein Kriegshafen der Rheinflotte, die Kaiser Julian noch (360-363) verstärkt hatte.
Römerschiffmuseum: 2022 zu, Wiedereröffnung drei Mal verschoben
Nach dem Überfall auf Mainz in der Neujahrsnacht 407 durch andringende germanische Stämme hörte die Rheinflotte von Mogontiacum faktisch auf zu existieren, die verbliebenen Schiffe verrotteten im Schlamm des Rheinufers – wo sie 1.580 Jahre später beim Bau des Mainzer Hiltons wieder gefunden wurden. Zwei Typen von römischen Militärschiffen konnten die Experten identifizieren: Schlanke Militärschiffe mit einer Reihe Ruder auf jeder Seite sowie etwas klobigere Patrouillenschiffe. 1994 fanden sie eine neue Heimat in einem eigens für sie errichteten Museum, von den Mainzern liebevoll „Römerschiffmuseum“ genannt.

Doch zum 1. Juli 2022 schloss das beliebte Museum seine Tore, die Ansage damals: Bis Frühjahr 2023 solle umgebaut werden. Doch daraus wurde nichts, die Eröffnung nichts weniger als drei Mal. Denn auch der Umzug des Leibniz-Zentrums für Archäologie (LEIZA), dem Mutterhaus, vom Kurfürstlichen Schloss in den Neubau im Süden der Mainzer Altstadt dauerte länger als geplant – am Ende wurde nach sieben Jahren Bauzeit der Schlüssel für den Neubau übergeben. Fertig ist man im LEIZA aber noch immer nicht: Bis heute ist die geplante Dauerausstellung noch immer nicht eröffnet, sind die Schätze der Antike weiter hinter Verschluss.
Zumindest für die Römerschiffe soll sich das jetzt ändern: Am 7. März 2027 soll das grundlegend sanierte Museum für Antike Schifffahrt sein Türen wieder öffnen, also beinahe fünf Jahre nach seiner Schließung zum 01. Juli 2022. „Herzstücke der Ausstellung bleiben die am Mainzer Rheinufer entdeckten Schiffswracks, sowie die beiden rund 20 Meter langen Nachbauten“, heißt es vom LEIZA. Ergänzt werden sollen sie aber „durch weitere Originalfunde, Repliken und Modelle, die in ein modernes Vermittlungskonzept eingebunden sind.“
Neue Ausstellung zu „Fragen rund um Mobilität und Globalisierung“
Konzentrierte sich die Ausstellung einst auf Schiffsbau vom frühestens Einbaum über die Schiffe der Antike bis hin zu modernen Entwicklungen, so soll die Dauerausstellung sich nun „gesellschaftlichen Fragen rund um Mobilität und Globalisierung“ widmen. Die neu konzipierte Dauerausstellung „Auf zu neuen Ufern“ begleite dabei „Menschen vom Aufbruch über das Unterwegssein bis zum Ankommen in der Fremde, und eröffnet neue Perspektiven auf antike Mobilität und Globalisierung“, heißt es in der Ankündigung. Erzählen wolle man dabei „von Handel und Austausch, von Mut und Hoffnung, aber auch von Herausforderungen und neuen Begegnungen.“

Einen Vorgeschmack auf die Erzählweise gab dabei womöglich die Popup-Ausstellung „Aufbruch ins Unbekannte. 10.000 Jahre Migrationsgeschichte“ bei der Mainzer Museumsnacht im Sommer 2025: Im Mittelpunkt standen dabei interaktive Stationen für die Besucher zum Thema Migration, bei denen man Mitgestalten und eigene Gedanken hinterlassen sollte – die Vitrinen mit antiken Ausstellungsstücken aus der Römerzeit sowie den römischen Grabstein des Schiffers Blussus wurden quasi zum Beiwerk. Die Besucher sollten „Erkenntnisse über das Menschsein gewinnen“, man wolle „Reflexionsprozesse angestoßen und neue Perspektiven vermitteln“, hieß es damals.
Auch jetzt betont man beim LEIZA, die neue Ausstellung wolle „die Rolle der antiken Schifffahrt als Motor für weitreichenden Austausch, den Ausbau von Infrastrukturen, Innovation und Weltläufigkeit erfahrbar“ machen – dieser Fokus eröffne „Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen rund um Mobilität und Globalisierung“. Mit der neuen Dauerausstellung werde „in eine hochmoderne Inszenierung, interaktive Stationen und ein ansprechendes Programm“ investiert.
Themen: Handelsschifffahrt und Seekrieg, Häfen und Verkehrswege
Modernisiert wurde die neue Ausstellung mit Mitteln von Bund und Land Rheinland-Pfalz in Höhe von rund einer Million Euro. Die Stadt Mainz unterstützt das Museum mit rund 30.000 Euro jährlich. „Mit der Neugestaltung des Museums für Antike Schifffahrt stellen wir unsere einzigartigen Sammlungsobjekte in einen größeren Zusammenhang und zeigen, welche unterschiedlichen Motivationen dazu führten und noch immer führen, dass Menschen sich weltweit in Bewegung setzen“, sagt LEIZA-Generaldirektorin Alexandra W. Busch. Man freue sich darauf, den Mainzern und allen Interessierten die moderne Ausstellung zu präsentieren, „die dazu einlädt, neue Perspektiven auf ein Thema zu entdecken, das aktueller nicht sein könnte.“

Die Ausstellung kann in einem Rundgang erkundet werden, zum gedanklichen Einstieg gebe es einen Prolog „zu den unterschiedlichen Motivationen, sich in der Welt zu bewegen.“ Während sich das erste Thema besonders der Handelsschifffahrt und dem Seekrieg widmet, geht es im zweiten Thema um die daraus resultierenden Infrastrukturen und ihre Sicherung. Hier stehen Häfen, Verkehrswege, Regelwerke und Kontrollmechanismen im Blickpunkt. Das dritte Thema will „die Erweiterung des Horizonts und die Verschmelzung von Kulturen“ zeigen, der Epilog die Brücke zur Gegenwart schlagen, „und die Besuchenden eingeladen werden, sich zu positionieren.“
„Unsere neue Dauerausstellung soll Kopf und Herz gleichermaßen ansprechen, und uns vor Augen führen, wie die Schifffahrt die antike Welt zusammengebunden hat – und was das für die Menschen bedeutete“, sagt Henriette Baron, Leiterin des Arbeitsbereichs „Ausstellung und Bildung“ im LEIZA. Die Besucher könnten so etwa die verschlungenen Lebensläufe der Flottensoldaten kennenlernen und erfahren, welche Gefahren die Seefahrt mit sich brachte. „Mit dem neuen Konzept, das anschauliche Inszenierungen, spielerische Interaktionen, digitale Vertiefungsangebote und erweiterte Barrierefreiheit vorsieht, schaffen wir vielfältige Zugänge zu den Ausstellungsthemen.“
Neues Museum kostet jetzt Eintritt, im Sommer nur Vormittags
Die Öffnungszeiten des wieder eröffneten Museums werden allerdings speziell sein: Von September bis Mai soll Dienstags bis Sonntags von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet sein, von Juni bis August aber nur von 09.00 bzw. 10.00 Uhr bis 14.00 Uhr – also genau in den Sommerferienmonaten. Montags ist zu, im Herbst und Winter soll es wöchentlich einen langen Donnerstag bis 21.00 Uhr geben.
Eine grundlegende Änderung gibt es beim Eintritt – der war bislang nämlich frei -, künftig müssen Besucher tief in die Tasche greifen: Der reguläre Eintritt soll 8,- Euro betragen, reduziert immer noch 6,- Euro – Kinder und Jugendliche unter 18 haben allerdings freien Eintritt. An jedem ersten Samstag im Monat werde der Eintritt für alle Besucher frei sein, kündigt das Museum an, „da wir diesen an den kostenfreien Mainzer Nahverkehr „0-Euro-Samstag“ koppeln.“ Ob es den in Zukunft allerdings noch gibt, ist derzeit höchst fraglich.
Info& auf Mainz&: Infos zum Mainzer LEIZA, seiner Arbeit und eben auch dem Museum für Antike Schifffahrt findet Ihr hier im Internet.
In eigener Sache&: Ihr habt Lust auf mehr Römer und ihre Zeit in Mainz? Dann haben wir was für Euch: Mitte August erschien unsere Broschüre „Mogontiacum – Streifzug durch das Römische Mainz“, die zu 20 Stationen im Mainzer Stadtgebiet führt, an denen noch heute das antike Mogontiacum greifbar und sichtbar wird – und die Geschichten dahinter erzählt. Den Stadtrundgang gibt es für 5,- Euro (zuzüglich Versand) bei Mainz&, alles dazu hier:








