Seine Bibeln sind es schon, doch die Erfindung des Buchdrucks an sich, die einst ein gewisser Johannes Gutenberg in Mainz machte, gehört bislang nicht zum Weltkulturerbe der Unesco – genau das will nun eine private Initiative ändern: Die Initiative „Welterbe Gutenberg“ will die Erfindung von Johannes Gutenberg des Buchdrucks mit beweglichen Lettern zum Immateriellen Kulturerbe bei der UNESCO machen. Damit sollten „die Meisterwerke der menschlichen Schöpferkraft ausgezeichnet und geschützt werden“, kündigte der Vorsitzende des Mainzer Presseclubs, Torsten Kirchmann, am Mittwochabend in Mainz an.

Mit dem Weltkulturerbe der Menschheit sollen weltweit bedeutende Kulturstätten ausgezeichnet und vor allem für die Menschheit bewahrt werden, der Titel wird in verschiedenen Kategorien verliehen: für Denkmäler und historische Stätten, aber auch für Naturdenkmäler, dem Weltkulturerbe, und der Kategorie „immaterielles Kulturerbe der Menschheit.“ Dazu gehören etwa Gebräuche und Musikstücke, die Geißbocktradition und die Brennkunst, aber auch Brettspiele in Deutschland oder das Nikolauspostamt. Die gesamte Liste der immateriellen Weltkulturerbe in Deutschland findet ihr hier im Internet.
Und nun soll auch der Mainzer Buchdruck-Erfinder Johannes Gensfleisch zu Gutenberg immaterielles Weltkulturerbe werden – und vermutlich fragen sich nun viele erstaunt: Ist er das nicht längst? Tatsächlich sind Gutenbergs erste und wichtigste Druckerzeugnisse bereits Teil des Katalogs des Menschheitserbes: Die Gutenberg-Bibel ist tatsächlich Weltkulturerbe – aber in der Kategorie „Weltdokumentenerbe“. Prämiert wurde damit nicht etwa eine Gutenberg-Bibel in Mainz, dem Ort ihrer ersten Entstehung – sondern eine Bibel in Göttingen.
Gutenbergs Buchdruck löste eine (Medien-) Revolution aus
Die künstlerischen Drucktechniken Gutenbergs wiederum sind ebenfalls bereits Unesco-Weltkulturerbe, doch diesen Titel hat sich die Verlagsstadt Leipzig gesichert. Dabei ist eigentlich die Stadt Mainz Heimat nicht nur des Buchdruck-Erfinders Johannes Gensfleisch zu Gutenberg, hier wurde auch die bahnbrechende Erfindung gemacht: Der Buchdruck mit beweglichen Lettern, umgesetzt auf einem Weinpresse-ähnlichen Gebilde – und Ausgangspunkt einer Revolution, wie sie die Menschheit nur selten erlebt hat.

Denn Gutenbergs Erfindung öffnete wahre Schleusen für das gedruckte Wort, der moderne Buchdruck ermöglichte Flugblätter und damit Information für die Massen – ohne Gutenbergs Drucktechnik wäre ein gewisser Mönch namens Martin Luther ein unbekannter und unbedeutender Mann geblieben, und nicht der Verursacher einer Bewegung, die zur Entwicklung des Protestantismus führte.
„Gutenberg hat nicht nur den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden, sondern ist der Wegbereiter für alle Massenmedien, von Flugblättern über Zeitungen bis hin zu den digitalen Medien“, betont Markus Kohz, Mitglied des Vorstands der Gutenberg-Gesellschaft und Mitinitiator von „Welterbe Gutenberg“. Kohz hatte im Sommer 2025 auf dem Fischtorplatz in Mainz den Druck der größten Bibelseite der Welt initiiert und realisiert – sie hängt seither im Mainzer Dom. Es gebe zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland, sie auszuleihen – auf dieser Bekanntheit will die neue Initiative nun aufbauen.
Private Initiative macht sich für „Welterbe Gutenberg“ stark
Denn eine private Initiative will nun Johannes Gutenberg und seine Erfindung in Mainz endlich auch offiziell zum Weltkulturerbe der Menschheit küren lassen. „Wir haben das Ziel, Gutenberg zum Immateriellen Weltkulturerbe zu machen“, kündiget am Mittwochabend Torsten Kirchmann, Vorsitzender des Presseclubs Mainz und Initiator Nummer zwei dieser Idee, bei der Verleihung des Mainzer Medienpreises an. Initialzündung für die Idee sei dabei die Preisverleihung an den Professor für Buchdruck, Stephan Füssel, gewesen, sagte Kirchmann – Füssel war es, der die Erfindung Gutenbergs mit der modernen Medienentwicklung verknüpfte.

Johannes Gutenberg und seine Erfindung „markiert den Wechsel vom Mittelalter in die Neuzeit“, betonte Kirchmann „Seine Erfindung hat das Entstehen moderner Gesellschaften geprägt, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit vorangetrieben und die Demokratie ermöglicht.“ Erst mit Gutenberg seien Bildung und Alphabetisierung für alle möglich geworden, auch die Pressefreiheit sei ohne Gutenberg nicht denkbar – ebenso wenig wie die Demokratie. „Wir halten die Wirkung der Erfindung Gutenbergs für den erfolgversprechendsten Ansatz für eine Weltkulturerbe-Bewerbung“, sagte Kirchmann.
Die Initiative will dafür mit Wissenschaftlern aus der Publizistik, der Politologie und Soziologie zusammenarbeiten, um die notwendigen Gutachten zu erstellen. Dabei werde man auch eng mit der Gutenberg-Gesellschaft, dem Gutenberg-Museum, der Gutenberg Stiftung und anderen Organisationen in Mainz kooperieren, betonte Markus Kohz. Der Bewerbungsprozess ist ein langer und dauert oft Jahre, in dem mehrstufigen Verfahren muss erst das Land Rheinland-Pfalz und dann die deutsche Kultusministerkonferenz sich für den Antrag aussprechen, um ihn in die deutsche Vorschlagsliste für die UNESCO aufzunehmen – über den am Ende die weltweite Generalversammlung entscheidet.
OB Nino Haase als Schirmherr: Wer, wenn nicht Gutenberg?
Unterstützt werden die drei Initiatoren, zu denen als Nummer drei Ulrich Drechsler gehört, vom Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) als Schirmherr. „Gutenberg ist in Amerika zum ‚Man of the Millenium‘ gewählt worden und wer, wenn nicht er, verdient es, von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe erklärt zu werden“, sagte Haase, der qua Amt auch Präsident der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz ist. Er unterstütze die Initiative als Schirmherr, „weil sie das herausragende historische Erbe von Mainz weltweit sichtbarer machen wird“, sagte Haase.

Mainz hat bisher erst einen Welterbe-Titel: gemeinsam mit Worms und Speyer wurde die jüdische SchUM-Kultu in Mainz 2021 zum Weltkulturerbe. Der Mainzer Dom schaffte es bislang ebenso wenig ins Weltkulturerbe wie das römische Erbe der Stadt. Haase hatte sich in seinem OB-Wahlkampf intensiv für eine intensivere und bessere Vermarktung des Erbes Gutenbergs stark gemacht und bereits 2020 gefordert, Gutenberg als Stadtmarke“ zu entwickeln.
Die neue Initiiative will ihre Arbeit nun so richtig im Januar 2026 aufnehmen. „Wir laden Sie alle ein, mit uns für diese Unesco-Auszeichnung zu kämpfen“, sagte Kirchmann.
Info& auf Mainz&: Mehr zum Preisträger des Mainzer Medienpreises 2025, dem Buchwissenschaftler Stephan Füssel, lest Ihr schon einmal hier auf Mainz& – mehr zur Preisverleihung gibt’s demnächst bei uns.






