Es war wohl der Raub des Jahres: Am 19. Oktober stiegen dreiste Diebe am helllichten Tag in den Louvre im Paris ein und raubten wertvolle Schmuckstücke, verziert mit Tauenden von Diamanten und Juwelen. Nun bitten das Bundeskriminalamt und Interpol um Mithilfe bei der Suche nach der entwendeten Gegenstände: Acht Schmuckstücke sind weiter vermisst, darunter Ohrringe, Ketten und ein Diadem mit Saphiren und Smaragden, getragen von Königininnen und Kaiserinnen von Frankreich – und das Diadem der Kaiserin Eugénie.

Diese acht Schmuckstücke werden nach dem Juwelenraub im Louvre vermisst. - Foto: BKA
Diese acht Schmuckstücke werden nach dem Juwelenraub im Louvre vermisst. – Foto: BKA

Es war eine Aktion wie aus einem Hollywood-Film: Am Morgen des 19. Oktober 2025 fuhren zwei Männer mit einer neben dem Louvre in Paris abgestellten Hebebühne in aller Seelenruhe in den zweiten Stock des Gebäudes, und stiegen von einem Balkon durch sehr altmodische Fenster in die Apollon-Gallerie des Museums ein. In der Galerie d’Apollon entwendeten sie aus mehreren Vitrinen unschätzbare wertvolle Schmuckstücke und Juwelen – und das, obwohl in der Galerie bereits Wachpersonal anwesend war, das aber nicht eingriff.

Nach wenigen Minuten war der Raub bereits geschehen, die Diebe flüchteten erneut mit Hilfe der Hebebühne zurück auf die Straße, wo zwei Komplizen mit Motorrollern warteten. Die Flucht gelang, die Diebe verloren dabei allerdings eines der wertvollen Stücke: Eine wertvolle, mit zahlreichen Juwelen besetzte Krone der Kaiserin Eugénie purzelte auf die Straße und wurde beschädigt, wie schwer ist unklar.

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Diadem und Brosche der letzten Kaiserin von Frankreich, Eugénie

Inzwischen wurden bereits zwei der Diebe geschnappt, einer davon am Flughafen Charles de Gaulle – die Diebe, die in den Louvre eingestiegen waren, hatten massenhaft DNA-Spuren von sich am Tatort hinterlassen. Doch der Großteil der wertvollen Beute ist weiter verschwunden, nun bitten das Bundeskriminalamt  sowie die internationale Fahndungsbehörde Interpol international um Hilfe: Wer immer die verschwundenen Schmuckstücke gesehen hat, oder Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort machen kann, wir gebeten, sich zu melden.

Die aus dem Louvre gestohlenen Schmuckstücke mit Erläuterungen. - Foto: Interpol
Die aus dem Louvre gestohlenen Schmuckstücke mit Erläuterungen. – Foto: Interpol

Acht Schmuckstücke werden noch gesucht, sie alle stammen aus dem französischen Königshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zwei Schmuckstücke gehörten der französischen Kaiserin Eugénie de Montijo, sie war die letzte Kaiserin der Franzosen. Die spanische Grafentochter heiratete 1853 den französischen Kaiser Napoleon III. – ihr 105. Todestag hatte sich just am 11. Juli 2025 gejährt.

Napoleon III. wurde im September 1870 nach der verlorenen Schlacht bei Sedan in deutsch-französischen Krieg entthront, Eugénie floh Hals über Kopf und unter abenteuerlichen Umständen nach England – sie starb erst 1920 im Alter von 94 Jahren während eines Besuches in Madrid. Gesucht werden nun ein Diamanten-besetztes Diadem sowie eine ebenfalls mit Diamanten besetzte Brosche in Form einer Miederschleife – ein Accessoire, das Kaiserin Eugénie Mitte der 1850er Jahre europaweit populär machte, wie die Kollegen von Focus Online wissen.

 

Napoleon schenkte Schmuck Kaiserin Marie-Luise zur Hochzeit

Noch ein ganzes Stück älter sind zwei wertvolle Schmuckstücke, die der legendäre Kaiser Napoleon I. seiner zweiten Gemahlin, der aus Österreich stammenden Marie-Luise schenkte, und zwar anlässlich ihrer Hochzeit im Jahr 1810. Es handelt sich dabei um eine reich mit Smaragden im Kissenschliff sowie Diamanten besetzte Halskette samt passender Ohrringe – die Experten sprechen von einem „Parure“, also Teilen eines Sets.

Die mit Smaragden besetzte Halskette der französischen Kaiserin Marie-Luise von Österreich. - Foto: BKA
Die mit Smaragden besetzte Halskette der französischen Kaiserin Marie-Luise von Österreich. – Foto: BKA

Die Schmuckstücke wurden vom kaiserlichen Hofjuwelier  Etienne Nitot et Fils angefertigt und gelten als ein Meisterwerk der klassizistischen Juwelenkunst im typischen Stil der Epoche Napoleons, berichtet der Focus. Allein die Kette besteht aus 32 Smaragden sowie 1138 Diamanten.

 

Die vier weiteren vermissten Schmuckstücke gehörten einst den Königinnen Hortense de Beauharnais (1783-1837) und Marie-Amélie (1782-1866) – Hortense war eine Tochter der legendären Kaiserin Joséphine, Ehefrau Napoleons, aus erster Ehe. Napoleon verheiratete sie mit Napoleons jüngerem Bruder Louis Bonaparte und machte sie zur Königin von Holland, einer ihrer Söhne war der spätere Napoleon III.

 

Saphir-Diadem und Kette der Königin Hortense de Beauharnais

Aus Hortenses Nachlass wurden nun ein Saphir-besetztes Diadem samt dazu gehörender Halskette und Ohrringen gestohlen, auch diese drei Stücke waren Teil einer Parure und wurden auch von der Königin von Neapel und Sizilien, Marie-Amélie, getragen.

Kette und Diadem der Königinnen Hortense und Marie-Amélie. - Fotos: BKA
Kette und Diadem der Königinnen Hortense und Marie-Amélie. – Fotos: BKA

Als besonders wertvoll gilt das Diadem aus dieser Parure-Sammlung, denn es ist mit 24 Ceylon-Saphiren und 1083 Diamanten besetzt und gilt als typisches Beispiel für die Pariser Schmuckkunst des frühen 19. Jahrhunderts, wie der Focus berichtet. Besonderer Clou dabei sei, dass einzelne Teile des Diadems abgenommen werden und als kleineres Schmuckstück getragen werden können. das gesamte Set, zu dem unter anderem noch ein Halsband gehört, wurde 1985 vom Musée Louvre erworben und ist Teil des nationalen Kulturerbe Frankreichs.

Stück Nummer acht ist schließlich eine Reliquien-Brosche aus der Zeit des zweiten Empire, ober die nicht so viel bekannt ist. Zusammen haben die Schmuckstücke einen unschätzbaren Wert, Experten befürchten, dass die Diebe sie zerlegen, und die Juwelen einzeln verkaufen könnten – ein riesiger Verlust für das Kulturerbe nicht nur Frankreichs., Das BKA bittet nun: Wer Hinweise zum Verbleib der Schmuckstücke hat, möge sich beim BKA oder bei Interpol oder aber bei jeder Polizeidienststelle melden. Übrigens kann man Hinweise auch anonym bei der Online-Wache der Polizei in Deutschland abgeben.

Info& auf Mainz&: Ausführliche Infos samt Fotos sowie Kontaktmöglichkeiten per Email und Telefon findet Ihr hier beim Bundeskriminalamt im Internet, und hier bei Interpol. Und hier noch einmal das ganze Fahndungsplakat von Interpol: