Die Landeshauptstadt Mainz hat wieder eine Babyklappe: Am Donnerstag wurde eine neue Einrichtung an der Mainzer Universitätsmedizin eröffnet, die alte war im September 2025 in der Mainzer Altstadt geschlossen worden. Die neue Babyklappe schließe „eine Versorgungslücke“, betonten Stadt Mainz und Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) – dabei sind Babyklappen durchaus auch umstritten: Sie verletzen das Grundrecht aus der UN-Kinderrechtskonvention, nach dem jedes Kind das Recht hat, seine Wurzeln zu kennen.

Babybett mit kleinem Patienten: In der Babyklappe steht ein sicheres Babybett zur Ablage des Kindes bereit. - Foto Stadt Mainz/Peter Pulkowski
Babybett mit kleinem Patienten: In der Babyklappe steht ein sicheres Babybett zur Ablage des Kindes bereit. – Foto Stadt Mainz/Peter Pulkowski

Die alte Babyklappe hatte in der Mainzer Altstadt gelegen und dort im September 2025 ihre Tür geschlossen, seither hatten sich vor allem Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD), aber auch der Mainzer Stadtrat für ein Nachfolgeangebot eingesetzt. Getragen wird die Babyklappe vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF), für deren Mainzer Vorstand betonte Andrea Litzenburger nun am Donnerstag, man sei „voller Freude“, dass es nach einer halbjährlicher Schließung gelungen sei, die Babyklappe in neuer Form und an einem neuen Standort wiederzueröffnen.

Die neue Babyklappe findet sich nun an der Mainzer Universitätsmedizin, und zwar auf der Rückseite des Gebäudes 109. Die Planung und Umsetzung der Umbaumaßnahmen wurden durch die Unimedizin verantwortet, teilte die Stadt Mainz mit, die finanziellen Mittel für den Umbau der Räumlichkeiten werden von der Landeshauptstadt aus Mitteln der Mainzer Jugend- und Waisenstiftung übernommen. Die Trägerschaft übernimmt erneut der Sozialdienst katholischer Frauen.

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Babyklappe „schließt Versorgungslücke“, ist aber umstritten

Die Babyklappe schließe „eine Versorgungslücke“, betonten Stadt und Land bei der Eröffnung: „Mit der neuen Babyklappe schaffen wir einen Ort, der in größter Not Hilfe bietet und Leben bewahrt“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD), der auch Aufsichtsratschef der Mainzer Unimedizin ist: „Sie steht für eine Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt, wenn alle anderen Wege versperrt sind.“ Die Universitätsmedizin Mainz sei für diese Aufgabe durch ihre hohe fachliche Expertise und ihre Infrastruktur in besonderer Weise geeignet.

Eingangstür für die neue Babyklappe. - Foto: Stadt Mainz/ Peter Pulkowski
Eingangstür für die neue Babyklappe. – Foto: Stadt Mainz/ Peter Pulkowski

Besonders die Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller hatte sich für die Wiedereinführung der Babyklappe eingesetzt – dabei sind die Einrichtungen durchaus stark umstritten. Denn in den Klappen können die ungewollten Babys komplett anonym abgegeben werden, das aber verstößt gegen das Grundrecht des Kindes auf das Recht, seine Herkunft zu kennen. Dieses Recht ist auch Teil der UN-Kinderrechtskonvention, der Kinderschutzbund spricht deshalb von einer „veralteten Einrichtung“, der Deutsche Ethikrat wollte Babyklappen auch schon einmal abschaffen.

Denn inzwischen wurde in Deutschland auch das Instrument der „vertraulichen Geburt“ geschaffen, bei dem werdende Mütter in Krankenhäusern medizinisch betreut werden – und sich bis zum Schluss noch umentscheiden können, ob sie das Kind nicht doch behalten wollen. Die Mütter müssen dabei ihre Identität gegenüber Krankenhaus oder Behörden gerade nicht preisgeben, die Daten werden aber extern hinterlegt und können dem Kind ab seinem 16. Lebensjahr bekannt gemacht werden.

Schmöller: Babyklappe ist Versprechen an Mütter in Not

„Die anonyme Geburt ist sicher immer der bessere Weg“, es werde aber „immer Fälle geben, in denen die anonyme Geburt nicht genutzt wird“, hatte Schmöller ihre Bemühungen für eine neue Babyklappe im November 2025 in einem Interview mit Mainz& verteidigt. „Wenn es nur ein Kind ist, dass wir mit dieser Babyklappe irgendwie davor retten – und ich sage das mal sehr drastisch – irgendwo hingelegt zu werden, wo es im Zweifel erfriert oder verhungert, dann ist es mir die Babyklappe Wert“, betonte Schmöller.

Dien Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) im November 2025 beim Interview mit Mainz&. - Foto; gik
Dien Mainzer Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) im November 2025 beim Interview mit Mainz&. – Foto; gik

Am Donnerstag betonte die Dezernentin nun: „Eine Babyklappe ist weit mehr als eine bauliche Maßnahme – sie ist ein stilles Versprechen der Stadtgesellschaft an Mütter in Ausnahmesituationen: Kein Kind muss alleingelassen werden.“ Für Mainz bedeute die neue Babyklappe deshalb „die Wiederherstellung eines wichtigen Schutzangebots“, deshalb sei sie froh, gemeinsam mit der Unimedizin Mainz und dem SkF schnell eine tragfähige Lösung gefunden zu haben. Die Finanzierung für den Umbau komme aus einer städtischen Stiftung.

Und beim SkF betont man, auch nach der Einführung der „vertraulichen Geburt“ seit 2014 hätten noch vier Neugeborene über die Mainzer Babyklappe Schutz gefunden. Insgesamt seien seit der Inbetriebnahme der ersten Babyklappe in Mainz im Jahr 2002 zehn Kinder über die Klappe sicher in Obhut genommen worden. „Dies zeigt, dass die vertrauliche Geburt nicht für alle Mütter eine erreichbare oder akzeptierte Alternative ist“, sagte Hildegard Eckert, Vorstandsvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen Mainz (SkF). Ziel sei es, „Frauen eine anonyme und sichere Möglichkeit zu bieten, wenn sie keinen anderen Ausweg sehen.“

 

So funktioniert die Babyklappe: Eigener Raum, stiller Alarm

„Die neue Babyklappe ist mit der Kinderklinik verbunden, wodurch es uns möglich ist, das Baby direkt medizinisch zu versorgen“, sagte der Chef der Mainzer Unimedizin, Ralf Kiesslich. Gleichzeitig sei es „gelungen, den Zugang zur Babyklappe so diskret wie möglich zu gestalten, um den betroffenen Frauen Schutz und Anonymität in einer möglicherweise verzweifelten Situation zu bieten.“ Rund um die Uhr steht dabei qualifiziertes Klinikpersonal bereit, das nach dem Auslösen des zeitverzögerten Alarms rasch reagieren und das Kind medizinisch untersuchen sowie erstversorgen kann.

Eröffnung der neuen Mainzer Babyklappe mit (von links) Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD), Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD), Unimedizin-Chef Ralf Kiesslich sowie Andrea Litzenburger vom SkF-Vorstand (ganz rechts). - Foto: Stadt Mainz, Peter Pulkowski
Eröffnung der neuen Mainzer Babyklappe mit (von links) Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD), Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD), Unimedizin-Chef Ralf Kiesslich sowie Andrea Litzenburger vom SkF-Vorstand (ganz rechts). – Foto: Stadt Mainz, Peter Pulkowski

Denn die Ablage des Babys erfolgt erst einmal völlig anonym in einem separaten Raum, betrifft eine Frau diesen Raum, so ertönt in der benachbarten Kindernotnaufnahme ein stiller Alarm. Hat die Person das Kind abgelegt und verlässt den Raum, mit der „Babyklappe“, dann verschließt sich die Außentür selbstständig, und erst fünf Minuten danach betritt eine Pflegekraft den Raum mit dem Kind. Die abgebende Mutter hat also genügend Zeit, sich unbemerkt zu entfernen.

Danach läuft ein klar geregelter Prozess ab, bei dem das Kind umgehend medizinisch untersucht und erstversorgt und sein Fall dokumentiert wird. Dann werden die Adoptionsstelle des Amtes für Jugend und Familie der Landeshauptstadt Mainz sowie der Sozialdienst katholischer Frauen Mainz (SkF) informiert. Die Adoptionsstelle leitet dann die weitere Unterbringung ein – in der Regel in einer Pflegefamilie, die zu einer kurzfristigen Aufnahme bereit ist. Übrigens kann sich die Mutter auch jederzeit später noch einmal melden und dann auch Unterstützung erhalten.

Info& auf Mainz: Die Babyklappe in Mainz findet man an der Rückseite der Kinderklinik der Universitätsmedizin Mainz, das ist das Gebäude 109 auf dem Campus der Universitätsmedizin in der Mainzer Oberstadt. Vor dem Haupteingang der Kinderklinik stehend, wendet man sich nach rechts in den Czernyweg, dann biegt man die nächste Straße links in den Kraeplinweg ein, geht an Gebäude 211 vorbei und biegt direkt wieder links in den gepflasterten Weg ein. Dieser Weg endet direkt vor der Babyklappe.

Hilfe und Unterstützung für Schwangere bietet zudem der Sozialdienst katholischer Frauen in Mainz auch direkt an, auf Wunsch auch anonym – Infos dazu hier im Internet. Das bundesweite Hilfetelefon für Schwangere in Not erreicht man unter 0800- 40 40 020, die Rufnummer ist kostenfrei, 24 Stunden erreichbar und hilft ebenfalls anonym weiter.