Die Große Bleiche in Mainz wurde in den vergangenen Jahren zunehmend zur echten Innenstadt-Problemzone: Zugeklebte Schaufenster, Billigläden, ständige Wechsel und vor allem ein großer, leer stehender Gebäudekomplex sorgten dafür, dass das einstige Herz des Einzelhandelsquartiers Mainz-Mitte nur noch heruntergekommen wirkte. Nun soll sich endlich etwas tun: Die Stadt Mainz werde die Reinigung rund um das frühere „City-Hotel Neubrunnenhof“ übernehmen und verhandele mit den Besitzern über einen Verkauf, teilte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) am Mittwoch mit.

Problemzone Große Bleiche: Die einstige hübsche Einkaufsstraße war zuletzt in Teilen völlig heruntergekommen. - Foto: gik
Problemzone Große Bleiche: Die einstige hübsche Einkaufsstraße war zuletzt in Teilen völlig heruntergekommen. – Foto: gik

„Trading Down“ heißt der Fachbegriff für Stadtquartiere, die sich in einer negativen Abwärtsspirale befinden – für die Große Bleiche in Mainz trifft das bereits seit fast zehn Jahren zu. Während mit dem Einzug der Stadtverwaltung in das neue Stadthaus der untere Bereich der Großen Bleiche aufgewertet wurde, und sich dort auch neue Läden ansiedelten, leidet besonders der obere Teil in Richtung Große Langgasse unter Verfall, Billigläden und abnehmender Attraktivität. 2020 wurden allein hier 14 Leerstände gezählt.

Besonders ein Gebäudekomplex sorgte dafür, dass die Große Bleiche optisch von Verfall gekennzeichnet ist: Das ehemalige City-Hotel im Neubrunnenhof. Das Areal steht seit Jahren leer, gleich mehrere Anläufe, dort ein neues Hotel oder eine andere Nutzung zu etablieren, schlugen fehl. Auch Kontaktversuche der Stadt Mainz in Richtung Besitzer liefen wiederholt ins Leere, „wir haben über viele Jahre keinen Kontakt zu den Besitzern erhalten“, klagte Haase in einem Facebook-Video. Doch nun tut sich wohl endlich etwas.

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Haase: „Berechtigte Hoffnung“ auf Wandel am Neubrunnenhof

Die Stadt hat nun endlich einen Ansprechpartner bei dem Besitzer des Gebäudekomplexes bekommen, dem Altenpflege-Konzern Emeis, ehemals Orpea. „Nachdem keine Reaktion auf unsere vergangenen Kontaktaufnahmen erfolgte, sind wir nun froh über eine kooperative Ansprechpartnerin, die seit 2025 nach einem personellen Wechsel zuständig ist“, teilte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) am Mittwoch mit. In einem Gespräch zwischen Haase und Emeis sei es gelungen, „eine praxisnahe und unkomplizierte Regelung“ zum weiteren Umgang mit dem Gebäude zu treffen.

Kann Fortschritte am Neubrunnenhof in der Großen Bleiche verkünden: Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). - Video: Stadt Mainz, Screenshot: gik
Kann Fortschritte am Neubrunnenhof in der Großen Bleiche verkünden: Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos). – Video: Stadt Mainz, Screenshot: gik

„Bei Problemobjekten wie dem Neubrunnenhof oder auch der Augustinerstraße 22 ist es mir als OB wichtig, dass wir als Stadt hartnäckig sind“, betonte Haase dabei. Bei dem leer stehenden Gebäude in der Augustinerstraße hatte die Stadt 2025 nach jahrelangem Stillstand durchgreifen können: Sie gab die Renovierung der Fassade sowie der Statik des Hauses in Auftrag, und griff dafür zu einem rechtlichen Trick.

Nun habe man auch beim Neubrunnenhof „berechtigte Hoffnungen auf Besserung“, betonte der OB. Denn die Stadt schlug dem Emeis-Konzern offenbar vor, das Umfeld zu reinigen und optisch schöner wiederherzustellen – zuletzt war die Große Bleiche dort vermüllt und zugedreckt gewesen, das habe „ein massiv abstoßendes Bild“ geboten und die Frage aufgeworfen, ob die Stadt Mainz hier nicht für Abhilfe sorgen könne. Genau das werde die Stadt jetzt tun, und die Kosten Emeis in Rechnung stellen, freute sich Haase.

 

Umfeld gereinigt, attraktive Muster für Fassade – und Verkauf

„Wir stimmen uns aktuell zu einer Gesamtregelung ab“, betonte er zudem. Dazu zählten auch die Möglichkeit, eine Leerstandsbeklebung mit attraktiven Mustern an Fenstern und Fassaden zu realisieren, ein Projekt der Mainzer Wirtschaftsförderung. „Hier gibt es noch Details mit externen Auftragnehmern zu klären, wir sind aber auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung“, betont Haase, der in diesem Zusammenhang auch das Engagement von Dieter Grünewald, dem Vorsitzenden der Initiative „Neue Mainzer Mitte e.V.“, lobte: Auch Grünewald habe erfolgreich das Gespräch mit Emeis gesucht und brachte offenbar Bewegung in die Sache.

Eingang zum Neubrunnenhof, dem früheren City-Hotel vor der Reinigung durch die Stadt und danach. - Fotos: Stadt Mainz
Eingang zum Neubrunnenhof, dem früheren City-Hotel vor der Reinigung durch die Stadt und danach. – Fotos: Stadt Mainz

Haase berichtete zudem, es habe bereits eine Begehung stattgefunden sowie erste Reinigungsmaßnahmen, die Reaktion aus Frankfurt zu den geplanten Schritten seien „durchgehend positiv“ gewesen. Zugleich habe Emeis angedeutet, das ursprünglich geplante Bauvorhaben, zu dem seit weit über zwei Jahren eine gültige Baugenehmigung vorliege, aufgrund geänderter Rahmenbedingungen nicht weiter verfolgen zu wollen.

Offenbar kann man sich bei dem Konzern nun einen Verkauf des Gebäudekomplexes vorstellen: „Hier wurden direkt Kontakte im städtischen Gefüge vermittelt, die nun prüfen, ob unter den gegebenen Rahmenbedingungen eine Entwicklung möglich ist“, sagte Haase weiter: „Wir schauen ob wir jemanden finden, der dieses Objekt entwickelt – es ist eine Toplage“, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht einfach seien. „Aber es ist wichtig, dass wir als Stadt hartnäckig bleiben“, fügte er hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Problemhaus in der Augustinerstraße könnt Ihr noch einmal hier nachlesen, einen ausführlichen Bericht zu „Trading Down“ aus dem Jahr 2020 gibt es hier:

Was tut die Stadt Mainz gegen „Trading Down“ in der Innenstadt? – Problemzone Große Bleiche