Die Städte im Rhein-Main-Gebiet kämpfen mit der Hitze, im Gegensatz zu Rheinland-Pfalz haben im Nachbarland Hessen indes fast alle Städte einen Hitzeaktionsplan für Strategien bei Hitzeperioden. In Wiesbaden wurden nun auf gleich zwei wichtigen Plätzen in der Innenstadt Sprühnebelanlagen eingeweiht, dazu bietet eine Klima-Kiste eine kühle Oase. Die hessische Landeshauptstadt setzt zudem auf einen „Hitzeknigge“ mit vielen Infos, bietet eine Karte der kühlen Orte und informiert gezielt Schwangere und Senioren.

Experten wissen es schon lange: Kaum etwas wirkt besser gegen Hitze als Baumschatten und Wasser. Bäume lassen sich nur schwer kurzfristig pflanzen, doch mit dem Thema Wasser sieht es anders aus: In der Wiesbadener Innenstadt sind nun zwei mobile Sprühnebelanlagen mit kühlendem Wassernebel aufgebaut worden. Bis Anfang September sollen die beiden Anlagen auf dem Kochbrunnenplatz und dem Dern’schen Gelände für Abkühlung sorgen – beide Anlagen werden als Pilotprojekt im Rahmen des städtischen Hitzeaktionsplans durch das Umweltamt betreut.
„Wasser ist der Schlüssel für ein angenehmes Klima in der heißen Innenstadt“, betonte die Wiesbadener Stadträtin Ulla Bai (Grüne) bei der Einweihung vergangene Woche. Mit den neuen Sprühnebelanlagen schaffe die Stadt Wiesbaden zwei weitere Orte zur Erfrischung in der Innenstadt. „Das macht die Stadt in heißen Wochen spürbar lebenswerter“, betonte Bai, und verwies darauf, dass man mit solchen Sprühnebelanlagen die Stadt „zielgerichtet widerstandsfähig machen können gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels.“
Sprühanlagen in der Innenstadt: Abkühlung durch Wassernebel
Die Anlagen seien „Beispiele dafür, wie sich das Gefährdungspotenzial für unsere Gesundheit verringern lässt“, schwärmte Bai – in Mainz gibt es bis heute solche Ansätze nicht. Tatsächlich hat die Stadt Wiesbaden seit 2024 einen Hitzeaktionsplan, wie die meisten anderen Städte auch. In Mainz hingegen beschloss der Stadtrat erst im März 2026 einen Hitzeaktionsplan, die Stadt gilt als stark versiegelter Glutofen – wie die Deutsche Umwelthilfe gerade wieder konstatierte -, und das obwohl das Umweltdezernat seit 15 Jahren in grüner Hand ist.

Wiesbaden weihte nun gerade rechtzeitig zur aktuellen Hitzewelle zwei kühlende Sprühnebelanlagen ein, und zwar auf dem Kochbrunnenplatz und dem Dern’schen Gelände – beides deutlich überwärmte Innenstadtplätze an heißen Tagen. Der feine Wassernebel wird durch einen Touchsensor an der Stele aktiviert und startet nach ein paar Sekunden, die Laufzeit betrage dann etwa drei Minuten, informierte die Stadt Wiesbaden.
Durch die Verdunstung wird der Umgebungsluft Wärme entzogen und diese spürbar um bis zu zwölf Grad Celsius abgekühlt. „Das sorgt für einen angenehmen Kühleffekt aber nicht für nasse Kleidung“, so die Stadt weiter. Auf den Sitzpodesten der Anlagen könne man zudem man nahe dem Wassernebel eine Pause einlegen. Um den Anforderungen an die Wasserhygiene Rechnung zu tragen, wird das Wasser regelmäßig auf Verkeimungen getestet. Die Spülintervalle der Anlagen sorgen für ausreichenden Wasseraustausch in den Leitungen, es finden regelmäßig Reinigungen und Wartungen statt.
Klima-Kiste auf dem Luisenplatz mit Pflanzen und Schatten
Dumm allerdings: Unmittelbar nach dem Start wurde eine der beiden Sprühnebelanlagen am Freitagvormittag direkt schwer beschädigt – ein Lkw war auf dem Dern’schen Gelände rückwärts gegen die Anlage gefahren. Der Schaden ist so schwerwiegend, dass der Betrieb vorerst unmöglich sei, teilte die Stadt mit. Die Anlage sei noch am Freitag demontiert worden und werde schnellstmöglich zur Reparatur gebracht – ob und wann sie wieder in Betrieb gehen könne, sei derzeit offen.

Es ist allerdings nicht die einzige kühle Oase in der Wiesbadener Innenstadt: Bereits am 19. Juni öffnete eine „Klima-Kiste“ auf dem Luisenplatz, bereits zum zweiten Jahr in Folge. „Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Sommer auf dem Kochbrunnenplatz steht der begehbare Erlebnisraum in diesem Jahr auf dem Luisenplatz“, teilte die Stadt mit: „Er bietet Abkühlung, Erholung und Informationen zu Klimathemen.“
Die 35 Quadratmeter große temporäre Installation ist mit Pflanzen begrünt, die mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Sie bietet in ihrem Inneren Sitzgelegenheiten, ein Sonnensegel und ebenfalls eine Sprühnebelanlage zur Abkühlung. Ergänzend gibt es vier Infotafeln, die zentrale Aspekte der Klimaanpassung vermitteln. Eine begleitende Umfrage lädt die Besucher dazu ein, Eindrücke zu schildern und Anregungen zu geben.
Im vergangenen Jahr habe die Klima-Kiste auf dem Kochbrunnenplatz rund 40.000 Besucher angezogen – während der Einlagerung im Winter, seien sind die Pflanzen weitergewachsen und machten die Kiste jetzt noch lebendiger. Verwendet werden den Angaben zufolge heimische Stauden, Sträucher, Blumen und Bäume, die besonders hitzetolerant sind. Sie sorgen für ein angenehmes Mikroklima, setzen farbliche Akzente und bieten Nahrung für Insekten. Zur besseren Orientierung sind in diesem Jahr alle Pflanzen mit Schildern versehen.
Im Rahmen des Hitzeaktionsplans für die Landeshauptstadt Wiesbaden wurde zudem spezielles Informationsmaterial für Senioren und Schwangere beziehungsweise Säuglinge und Kleinkinder entwickelt – dabei gibt es auch einen Flyer, der über das richtige Trinkverhalten von Kindern bei Hitze informiert. Die Flyer können hier online heruntergeladen werden. Dort findet Ihr auch einen Link zur Karte mit kühlen Orten, zum Beispiel Parkanlagen oder öffentlichen Gebäuden, die bei Hitze aufgesucht werden können.
Info& auf Mainz&: Alle Infos zum Hitzeaktionsplan der Stadt Wiesbaden samt Tipps, Flyern, Karten sowie der aktuellen Hitzewarnungen findet Ihr hier bei der Stadt Wiesbaden im Internet.






