Ein Besucherrekord wird das mit Sicherheit nicht: Die Mainzer Johannisnacht verzeichnet deutlich geringere Besucherzahlen als in den vergangenen Jahren. Schon zur Eröffnung am Freitagabend zeigte sich die Innenstadt ungewohnt leer, auch an den Folgetagen fiel das auf: Vielen Besuchern war es einfach zu heiß. Dabei präsentiert sich Mainz zum großen Fest von Sommer, Gutenberg und Mainzer Lebensart gewohnt entspannt, fröhlich und friedlich.

Rund 500.000 Besucher werden jedes Jahr zur großen Mainzer Johannisnacht erwartet, wenn die gesamte Innenstadt zur Festmeile wird – in diesem Jahr dürften es deutlich weniger Besucher werden: Schon am Freitagabend waren erheblich weniger Besucher unterwegs, als sonst, auf dem Schillerplatz sah man bei der Eröffnung große Lücken, die Ludwigsstraße war keineswegs voll: Vielen war es einfach zu heiß für einen Besuch.
Dazu drohten am Freitagabend auch noch Gewitter bis hin zu Unwettern, doch die blieben in Wiesbaden und weiter nördlich hängen: Während es im Taunus schüttete, und es weiter nördlich im Lahn-Dill-Kreis zu Überschwemmungen kam, ging über Mainz lediglich gegen 21.00 Uhr ein heftiger Platzregen nieder – nach 15 Minuten war bereits wieder alles vorbei. Der kurze Gewitterschauer sorgte für eine sehr willkommene Abkühlung, danach wurde höchst entspannt in der Mainzer Innenstadt noch bis in die Nacht hinein gefeiert.
Highlight: Ehrengautschling Markus Kohz – Büchermarkt schwächelt
Nach der offiziellen Eröffnung um 18.00 Uhr auf dem Mainzer Schillerplatz gab es etwa den Gutenberg-Poetry Slam zu hören, bei dem junge Künstler Gedanken zu Demokratie und dem Erfinder des Buchdrucks rappten, danach spielten diverse Bands, während auf der Ludwigsstraße gebummelt und geschlemmt wurde. Das dichteste Gedränge gab es an diesem Abend an den Bierstände wie „bei Helga“ oder im Weindorf der Winzer – gerade Schorlen standen hoch im Kurs.

Am Samstag dann wurden rund 25 junge Mediengestalter bei großen Buchdrucker-Gautschen auf offener Bühne tief ins kalte Nass getunkt – mit der Taufe wird seit Jahrhunderten die Druckerschwärze der Lehrlingszeit abgewaschen. Ehrengautschling war in diesem Jahr Markus Kohz, der Grafiker und Fotograf ist seit vielen Jahren im Vorstand der Gutenberg Gesellschaft, und Initiator der größten Bibelseite der Welt, die erst ein Jahr lang im Mainzer Dom und seit Mai im Straßburger Münster hängt.
Ehren-Teilnehmer der Mainzer Johannisnacht 2026 ist aber sozusagen der Büchermarkt: Der einst größte antiquarische Markt seiner Art feiert in diesem Jahr sein 40. Jubiläum, doch der Büchermarkt leidet unter Anbieterschwund – eine ganze Reihe traditioneller Bücherstände war nicht gekommen, Folge vermutlich des Besucherschwunds: Bereits 2025 hatten viele Händler über sinkendes Interesse der Besucher und schlechte Umsätze geklagt.
Schatten und Wasser heiß begehrt, großes WM-Rudelgucken
Heiß begehrt waren hingegen Schattenplätze und Brunnenränder, Bands heizten an den Abenden ein, und auf den Straßen und Plätzen konnte man Straßenkünstlern begegnen. Am Samstagabend dann leerte sich die Stadt um kurz vor 22.00 Uhr rapide: Zum zweiten WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft versammelte sich alles vor Fernsehern oder Bildschirmen. Auch rund um die Johannisnacht tauchten Bildschirme auf, wurden kreative Leinwände für Beamer gespannt, oder schlicht auf dem Handy geguckt – der Torjubel schallte dann jeweils zeitversetzt durch die Gassen – ein großes Gemeinschaftsfeeling.

Und trotz der enormen Hitze, war die Stimmung praktisch überall ausgelassen, friedlich und fröhlich – genau so fällt auch die Zwischenbilanz der Mainzer Polizei aus: „Erneut friedliche Festtage bei hohen Temperaturen auf der Mainzer Johannisnacht – die Mainzer können richtig friedlich miteinander feiern“, hieß es von Seiten der Polizei Mainz am Sonntagmorgen. Bislang habe es erfreulicherweise nur wenige Einsätze gegeben, allerdings kam es auch zu einigen irritierenden Zwischenfällen.
So wurde am Samstagabend gegen 23.00 Uhr „eine weibliche Besucherin auf dem Schillerplatz sexuell belästigt, indem ein tatverdächtiger Mann der Frau unter den Rock an das Gesäß griff“, heißt es im Polizeibericht: Der alkoholisierte Mann habe gefasst werden können, ihm wurde eine Blutprobe entnommen und ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Zudem fuhr am Sonntagmorgen gegen 01.30 Uhr ein Mann mit einem Motorrad in den gesperrten Festbereich – der Fahrer stand aber wohl einfach unter Alkohol- und Betäubungsmitteleinfluss. Auch ihm wurde eine Blutprobe entnommen.
Ungenehmigte Drohnenflüge und ein dehydriertes Katzenbaby
Schon ernster: Über die Festtage stellte die Polizei mehrere nicht genehmigte Drohnenflüge über dem Fest oder dem Rheinufer fest, die Drohnenpiloten konnten dabei teilweise festgestellt werden. „Der Verstoß gegen ein Drohnenflugverbot kann eine empfindliche Geldstrafe nach sich ziehen“, warnt die Polizei: „Wir empfehlen den Drohnenführern, sich vor einem Start im Internet genau über die Flugverbotszonen zu informieren.“

Ein kurioser Vorfall ereignete sich auch: Eine Personengruppe führte ein Katzenbaby mit sich. Weil die Katze einen dehydrierten Eindruck machte, wurde das Tier beschlagnahmt und durch die Feuerwehr in ein Tierheim gebracht wurde. Es wurde ein Strafverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet. Überhaupt hatte die Polizei deutliche Präsenz auf dem Fest gezeigt, immer wieder sah man Streifen über das Gelände schlendern, zudem wurden Jugendschutzkontrollen durchgeführt.
So wurden am Freitag- und Samstagabend mehr als 250 Personen kontrolliert und dabei über 20 Liter Alkohol, sowie mehr als 90 Tabak,- Nikotinprodukte oder Vapes sichergestellt oder vernichtet. Rund 20 Personen wurden außerdem nach mitgeführten Messern oder Waffen durchsucht, nur bei einer Person aber wurde ein nicht erlaubtes Messer gefunden und sichergestellt. Insgesamt wurden lediglich fünf Strafverfahren eingeleitet.
Die Mainzer Johannisnacht biegt nun am Montag auf ihr Finale ein, von Büchermarkt über Weindorf bis hin zu Künstlermarkt und Rummel am Rhein wird noch einmal alles aufgeboten. Um 22.30 Uhr steigt dann am Mainzer Rheinufer auf Höhe der Kirmes die zweite Drohnenshow – die Mainzer sehen das mit Skepsis: Bei einer Umfrage der Internetzeitung Mainz& sprachen sich von 2.039 Beteiligten 80 Prozent für eine Rückkehr zum klassischen Großfeuerwerk aus, aber nur 20 Prozent für eine Drohnenshow.
Info& auf Mainz&: Den ausführlichen Bericht Feuerwerk oder Drohnenshow findet Ihr hier auf Mainz&:







