Das war ein spannender Vormittag am Bahnhof Marienborn: Eine Brücke für die Bahn über die künftige Mainzelbahnstrecke wurde in Position geschoben. Das gut 14 Meter lange Bauwerk wurde von Hydraulikpressen Zentimeter für Zentimeter an seinen Bestimmungsort geschoben. 113 Stunden dauerte der Vorgang, am Freitagmittag war alles geschafft. Unterdessen geht die Diskussion in Mainz über die Mainzelbahn weiter.

Brücke Unterführung Mainzelbahn Marienborn von oben
Die fertige Brücke rutscht nach vorne in die Lücke – Foto: gik

Nicht jeder ist glücklich mit dem Mega-Projekt der gut neun Kilometer langen Straßenbahntrasse über Bretzenheim und Marienborn bis hinauf auf den Lerchenberg. „Werde ich nie benutzen“, „überflüssige Steuerverschwendung“ oder „Schwachsinnsbahn“ lauteten Kommentare auf Facebook in den vergangenen Tagen. Angesichts der gefühlt explodierenden Zahl der Baustellen rund um das Mainzelbahn-Projekt stellt mancher die Sinnfrage…

„Es ist eine Verbesserung, leider momentan aber auch noch eine Belastung“, betonte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Freitag in Marienborn, und räumte ein: „Der Nervfaktor ist schon groß geworden…“ Kann man so sagen 😉 Doch die Mainzelbahn bringe eine deutliche Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, das Ergebnis werde „ein hoch attraktiver Nahverkehr“ sein. Schon jetzt benutzten pro Jahr 50 Millionen Fahrgäste in Mainz Busse und Bahnen, künftig würden das noch mehr sein, so der OB weiter.

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Trasse Mainzelbahn Marienborn
Auf dieser Trasse wird die Mainzelbahn zum Bahnhof Marienborn rollen – Foto: gik

Tatsächlich gelten Straßenbahnen bei Verkehrsexperten als ausgesprochen positives Verkehrsmittel: Sie pusten keine Abgase in die Luft, können deutlich mehr Fahrgäste auf einen Schlag transportieren als Busse, und sie werden von den Fahrgästen deutlich lieber benutzt als Busse. Wer mal morgens die vollen Busse zur Uni erlebt habe, der wisse, wie notwendig die Straßenbahn sei, kommentierte denn auch ein anderer User.

„Die Mainzelbahn holt wachsende Vorstädte und Stadtrandbezirke näher an die City“, kommentierte Sven Zörner auf Facebook, er als Marienbvorner freue sich auf die Mainzelbahn als gutes Verkehrsmittel. „In 10 Jahren werden meine Kinder damit zur Schule fahren…“, schwärmte Zörner. All das passierte übrigens auf Facebook als Reaktion auf den Mainz&-Artikel „Baustellen: Mainzer Autofahrer stinksauer!“ – es gab weit mehr als 50 Kommentare, wow! Da haben wir wohl einen Nerv getroffen 😉

In Marienborn wurden heute jedenfalls die Voraussetzungen für eine reibungslose Kreuzung zwischen Mainzelbahn und Budnesbahn getroffen. Das 2,3 Tonnen schwere Brückenbauwerk war seit September 2014 neben der Bahnlinie gebaut worden, nun wurde es in Position geschoben. Mittwoch um 7.00 Uhr begannen die Vorbereitungen, es galt, 5.000 Kubikmeter Erde für die Unterführung auszuheben, 14 Lkw pro Stunde transportierten den Aushub ab.

Rutschende Brücke auf Betonplatte
Auf dieser Betonplatte rutschte die Brücke vorwärts – Foto: gik

In der Nacht zu Freitag wurde dann eine Betonplatte auf dem Boden gegossen, auf der rutschte die Brücke dann, von vier Pressen geschoben, langsam vorwärts. Drei Meter pro Stunde schaffte die Brücke – „und sie bewegt sich doch“, kommentierte das MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof. Der betonte denn auch, durch die Mainzelbahn werde Marienborn nun zu einem attraktiven Knotenpunkt, an dem Pendler aus dem Rheinhessischen umsteigen könnten in die Bahn – entweder hinauf zum Lerchenberg oder hinunter in die Stadt.

„Das ist eine deutliche Verbesserung“, betonte Erlhof. „Wir stehen hinter dieser Maßnahme, weil sie nachhaltig ist“, versicherte auch Thomas Linnertz vom Verkehrsministerium – das Land Rheinland-Pfalz gibt neun Millionen Euro zum Projekt Mainzelbahn hinzu. Hier entstehe eine Verzahnung mit dem Rheinland-Pfalz-Takt der Bahn, meinte Linnertz – zumindest, wenn der private Betreiber der Strecke, Vlexx, irgendwann mal seine Schwierigkeiten in den Griff kriegt…

Info& auf Mainz&: Mehr zum Projekt Mainzelbahn findet Ihr auf dieser >Internetseite. Die Diskussion zum Mainz&-Artikel mit den Baustellen könnt Ihr hier nachlesen.

2 KOMMENTARE

  1. Offenbar ticke ich anders als die Allermeisten.
    Ich freue mich immer, wenn ich eine Baustelle sehe …
    Wie schön, daß Stadt, Land, Bund oder wer auch immer noch die Mittel haben,
    um (endlich) zweifellos notwendige oder sinnvolle Instandhaltungen, Verbesserungen
    oder gar NEUES Finanzieren zu können.
    Die Unbequemlichkeiten nimmt man dann gerne ich Kauf.

    Und wehe man würde den Mainzern eines Tages ihre Citybahn wieder wegnehmen wollen.
    Das Geschrei würde zum Himmel dringen (und zwar mit Recht).

  2. Man sollte es sich nicht so einfach machen: Straßenbahnen pusten nur dann keine Abgase in die Luft, wenn ihr Fahrstrom zu 100% aus Ökostromerzeugung stammt. Wie ist denn aktuell der Strommix bei der MVG beschaffen, weiß das jemand? Bei Einsatz von fossilen Quellen ist die „Verfeuerung“ im Motor einen Stadtbusses u. U. die deutlich effizientere Variante, da bei der Stromerzeugung Umwandlungsverluste anfallen.
    Zudem sollte man bei der Straßenbahn den Energiebedarf bei der Systemerrichtung immer in Berechnungen einbeziehen. Stahl, Beton und der Diesel für die Baufahrzeuge kommen ja auch irgendwoher. Ebenso berücksichtigen sollte man die in der Bauphase gestiegenen Emissionen durch PKW-Staus über viele Wochen.
    Wie ist das bei Fahrten mit geringer Auslastung: Eine leere Straßenbahn hat doppelt soviel Masse wie ein leerer Gelenkbus, und diese Masse muß bewegt werden?
    Ich habe weder die Daten noch die Expertise, um die Ökobilanz Stadtbus vs. Straßenbahn abschließend zu bewerten, befürchte aber, daß im Zusammenhang mit der Mainzelbahn viele wohlfeile „Bauchgefühl-Argumente“ vor- und nachgeplappert werden. Meine Bitte an die Presse wäre, solche Argumente stets darauf zu prüfen, ob sie durch Fakten gestützt werden.

    Etwas älter (1995), aber vielleicht ganz interessant:

    http://www.upi-institut.de/upi34.htm

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