Es war ein ganz besonderer Moment für den Mainzer Arzt und Obdachlosen-Doc Gerhard Trabert: Am 13. Februar saß er auf der Tribüne in der Bundesversammlung bei der Wahl des Bundespräsidenten – und der frisch wiedergewählte Amtsinhaber Frank Walter Steinmeier sprach ihn direkt an: Trabert habe mit seiner Kandidatur auf ein wichtiges Thema aufmerksam gemacht, auf die Lage der Ärmsten im Land, zollte Steinmeier seinen Respekt – und lud den Mainzer Sozialmediziner ins Schloss Bellevue ein. Nun ist es soweit: Am Freitag soll das Treffen zwischen Steinmeier und Trabert in Berlin stattfinden.

Sozialmediziner Gerhard Trabert mit offiziellem Kampagnen-Foto. - Foto: Christof Mattes
Sozialmediziner Gerhard Trabert mit offiziellem Kampagnen-Foto. – Foto: Christof Mattes

Der 65 Jahre alte Sozialmediziner war im Januar überraschend von der Partei “Die Linke” als Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten nominiert worden, eine Chance hatte Trabert von vorneherein nicht: Steinmeiers Wiederwahl stand bereits fest, weil SPD, Grüne, FDP und Union ihre Unterstützung bereits verkündet hatten. Trabert störte das nicht: Er sehe in seiner Kandidatur eine Chance, Aufmerksamkeit auf seine Themen zu lenken, sagte Trabert: “Ich sehe darin die Chance, das Thema soziale Ungleichheit, für das ich seit 30 Jahren stehe, in die politische und öffentliche Diskussion zu bringen.” Unter dem Motto “Mehr soziale Gerechtigkeit wagen” startete der Mainzer Arzt dann eine Mini-Kampagne.

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“Das ist ein Leitthema für mich”, sagt Trabert, der vor 25 Jahren als erstes in Deutschland eine rollende Ambulanz zur Versorgung von obdachlosen Menschen gründete. Neben dem Klimawandel sei es “die zentrale Herausforderung, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen”, betonte Trabert in einem seiner Videos, das stehe noch viel zu wenig auf der Agenda der Politik. “Wir müssen dafür sorgen, dass es zu einer gerechten Verteilung der Ressourcen kommt”, betone Trabert, dazu gehöre auch, das Geld gerecht verteilt werde. “Ich möchte, dass die Dimension von Armut in unserem reichen Land verstanden wird”, unterstrich er zudem: “Die Mutter aller politischen Probleme ist die soziale Ungerechtigkeit.”

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier begrüßt Gerhard Trabert auf der Tribüne. - Screenshot: gik
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier begrüßt Gerhard Trabert auf der Tribüne. – Screenshot: gik

In der Bundesversammlung kam Trabert dann im Wahlgang auf respektable 96 Stimmen und bekam damit mehr Zustimmung, als die 71 Delegierten der Linken. Mit seiner ungewöhnlichen Kampagne hatte der Mainzer Arzt und Professor für Sozialmedizin durchaus für Aufmerksamkeit auf dem Berliner Parkett gesorgt – und das auch bei Bundespräsident Steinmeier persönlich.

Der begrüßte nicht nur Trabert demonstrativ mit Handschlag auf der Tribüne, sondern erwähnte Trabert sogar ausdrücklich in seiner Antrittsrede unmittelbar nach der Wiederwahl: “Sie haben mit Ihrer Kandidatur auf ein Thema aufmerksam gemacht, das mehr Aufmerksamkeit verdient: die Lage der Ärmsten und Verwundbarsten in unserem Land”, sagte Steinmeier, und fuhr fort: “Dafür, Herr Trabert, gebührt Ihnen nicht nur Respekt, sondern ich hoffe, dass Ihr Impuls erhalten bleibt.”

Gerhard Trabert mit seinem Arztmobil zur Versorgung wohnungsloser Menschen. - Foto: Christof Mattes
Gerhard Trabert mit seinem Arztmobil zur Versorgung wohnungsloser Menschen. – Foto: Christof Mattes

Warum, so Steinmeier weiter, “schauen wir nicht, ob wir diesem drängenden Thema gemeinsam mehr Aufmerksamkeit verschaffen können, Herr Trabert? Ich würde mich freuen, wenn wir darüber ins Gespräch kämen.” Ein Zufall ist das im Übrigen nicht: Auch Steinmeier selbst hat sich bereits ausführlich mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigt – 1991 schrieb er seine Doktorarbeit zum Thema “Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit.”

Den Worten folgten umgehend auch Taten – Trabert erhielt eine Einladung zum Gespräch mit dem Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue. Das soll nun am 4. März stattfinden. “Über diese Geste freuen wir uns,  Gerhard Trabert wird die Einladung ins Schloss Bellevue gerne annehmen”, teilte sein Verein “Armut und Gesundheit” mit: “Wir hoffen, dass nach einem ersten Kennenlernen auch Möglichkeiten gefunden werden, die die Situation von Bedürftigen spürbar ändern können.” Steinmeier sei im Übrigen “natürlich herzlich Willkommen, sich auch einmal unsere Arbeit in der ‘Ambulanz ohne Grenzen’ oder im Arztmobil direkt vor Ort anzusehen”, fügte der Verein noch hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zu Traberts Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl lest Ihr auch hier auf Mainz&, ein Porträt von Trabert, dem “Straßen-Doc”, könnt Ihr hier bei Mainz& lesen.

 

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