Gerade hatten wir über die fehlenden Pizzakarton-Mülleimer in Mainz berichtet, da erreichte uns am Freitag prompt diese Meldung: Die Mainzer sollen zu „Hochstaplern“ werden. Der Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz werde in der Innenstadt spezielle Sammler für Pizzakartons aufstellen, teilte die Stadt mit, sperrige Pizzaboxen könnten ab sofort an den sogenannten „Hochstaplern“ entsorgt werden. Am Donnerstag hatte die Stadt noch an ihre Bürger appelliert, Pizzakartons entweder in die Mülleimer zu entsorgen, oder mit Nachhause zu nehmen. Mainz& hatte daraufhin von speziellen Pizzakarton-Mülleimer aus Walluf im Rheingau berichtet – und gefragt: Wieso haben wir so etwas nicht auch in Mainz?

Aufruf der Stadt Mainz zur Entsorgung leerer Pizzakartons. - Foto: Stadt Mainz
Aufruf der Stadt Mainz zur Entsorgung leerer Pizzakartons. – Foto: Stadt Mainz

Die Zahl leerer Pizzakartons hat gerade auch in der Corona-Pandemie stark zugenommen, speziell am Mainzer Rheinufer finden sich in den Nächten und am Wochenende leere Pizzakartons gleich stapelweise. Die Stadt hatte am Donnerstag in den sozialen Netzwerken auf das Problem aufmerksam gemacht und an die Nutzer appelliert, die Pizzakartons doch bitte wieder mitzunehmen und zu entsorgen.

„Sie können mithelfen dieses Müll-Problem zu lösen“, appellierte die Stadt: „Zerkleinern Sie zum Beispiel die Pizzaschachteln, die zu groß für die Öffnungen der Mülleimer sind.“ Falls der Mülleimer schon zu voll sei, könne man doch zum nächsten gehen, dieser stehe nur ein paar Meter weiter – oder man nehme die Pizzaschachtel einfach mit nach Hause. Das Problem jedoch: Die meisten Mülleimer entlang des Rheinufers sind schlicht zu klein für die Pappschachteln, zerkleinern hilft da nicht wirklich weiter – der Mülleimer ist dann ruckzuck voll und verstopft.

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Mülleimer extra für Pizzakartons: In Walluf weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos, Mitte) im Mai so einen Eimer ein. – Foto: VRV Walluf
Mülleimer extra für Pizzakartons: In Walluf weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos, Mitte) im Mai so einen Eimer ein. – Foto: VRV Walluf

Mainz& hatte daraufhin nachrecherchiert, wie andere Städte mit dem Problem umgehen – und ein Beispiel aus dem benachbarten Rheingau gefunden: Dort weihte Bürgermeister Nikolaos Stavridis (parteilos) Mitte Mai stabile quadratische Müllbehälter ein, die eigens für Pizzakartons designed und gebaut wurden. Es reiche eben nicht aus, die Leerungsintervalle zu erhöhen, und auf die freiwillige Bereitschaft zur entsorgen zu setzen, fand Stavridis, es bedürfe auch „kreativer und langfristiger Lösungen.“

Und siehe da: Die gibt es auch in Mainz. Die Werkstatt des Mainzer Entsorgungsbetriebs entwickelte ebenfalls eigene Pizzakarton-Entsorgungsstationen. „Kreativität und Handwerk waren gefragt“, sagte Michael Potthast, künftiger Werkleiter des Entsorgungsbetriebs, in der Mitteilung der Stadt: Die Mitarbeiter hätten die „Hochstapler“ selbst gebaut. Auch in anderen Städten und Kommunen seien solche Systeme bereits in der Erprobung. Die Mainzer Variante setzt nun auf Minimalismus: Vier einfache Stäbe bilden ein Rechteck, in das genau ein Pizzakarton passt, das Gebilde ist nach allen Seiten offen und damit auch ungeschützt gegen Wind und Wetter.

"Hochstapler" für Pizzakartons: Diese Stationen entwickelte der Entsorgungsbetrieb Mainz. - Foto: Entsorgungsbetrieb Mainz
„Hochstapler“ für Pizzakartons: Diese Stationen entwickelte der Entsorgungsbetrieb Mainz. – Foto: Entsorgungsbetrieb Mainz

Man wolle nun mehrere solcher „Hochstapler“ im Stadtgebiet aufstellen, heißt es weiter, „der Entsorgungsbetrieb ist gespannt auf die Reaktionen der Bevölkerung.“ Die äußerte sich in Teilen aber erst einmal skeptisch: Das sei ja ein gefundenes Fest für Ratten, kommentierte ein Nutzer in den sozialen Medien, eine andere Nutzerin wies darauf hin, dass die Kartons bei Regen ziemlich matschig würden: „Da freuen sich die Ratten, Fliegen und Tauben, wenn nicht jeden Tag entsorgt wird, werden die Essensreste bei dem warmen Wetter so manches Ungeziefer anlocken“, schreibt die Mainzerin. Andere aber kommentierten mit Daumen hoch und fanden: „Super Idee – jetzt müssen sie nur noch benutzt werden.“ Sollte sich das System bewähren, teilte die Stadt noch mit, könnten weitere „Hochstapler“ im Stadtgebiet aufgestellt werden.

Info& auf Mainz&: Den Ausgangstext mit einer ausführlichen Vorstellung des Wallufer Modells einer Pizzakarton-Entsorgungsstation haben wir findet Ihr hier bei Mainz&, alle Infos zu Müllentsorgung in Mainz findet Ihr hier beim Mainzer Entsorgungsbetrieb. Dort heißt es übrigens zum Thema Entsorgung von Pizzakartons: Solche mit Essensresten gehörten nicht in die Papiermülltonne, weil sie nicht recycelt werden könnten, stattdessen gehörten die Schachteln in die Biomülltonne.

1 KOMMENTAR

  1. Bei Regen?
    Fäh! Welcher Spast isst denn bei Regen Pizza im Freien – die würde dann ja nass und ins Wegbier würde es auch noch reinregnen – nääh – geht ja gar nicht. :-)=)

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