Er war der Ideengeber und maßgebliche Anstoßgeber für den Ausbau, klar, dass er auch für den Bibelturm wirbt: Kabarettist Lars Reichow ist der wohl ausgewiesendste Bibelturm-Befürworter in Mainz. Aber beileibe nicht der einzige: Auch „Guddi Gutenberg“ alias Hans-Peter Betz, Kabarettist Sven Hieronymus oder Künstler wie Karlheinz Oswald und Liesel Metten sprechen sich für den Bibelturm aus. Auf der Seite der Initiative Mainz pro Gutenberg finden sich immer mehr prominente Mainzer, die mit dem Umriss des Bibelturms posieren. Mainz& hat mal versucht, sich einen Überblick zu verschaffen – und mit der Initiative Gutenberg für Mainz geredet.

Lars Reichow macht sich schon lange für den Bibelturm stark. – Foto: Mainz für Gutenberg

Es sind drei Parteien, die sich in Mainz für den Bau des Bibelturms als Erweiterungsbau des Gutenberg-Museums einsetzen: Da ist einmal die Stadt Mainz selbst mit Baudezernentin Marianne Grosse (SPD), die wiederum die Fraktionen der Ampel-Koalition im Rathaus aus SPD, Grünen und FDP hinter sich weiß. Dann ist da das Gutenberg-Museum selbst, das ein städtisches Museum ist, mit der Direktorin Annette Ludwig und der angeschlossenen Gutenberg-Stiftung, und schließlich die Initiative Mainz pro Gutenberg, die sich im Zuge der Debatte um den Bibelturm im April 2016 gründete. Im Werben um den Bibelturm im Vorfeld des Bürgerentscheids am 15. April sind die Grenzen fließend: Mal positionieren sich Prominente auf der Seite der Initiative, letztes Wochenende präsentierten per Zeitungsfoto Grosse und Ludwig den ZDF-Meteorologen Gunter Tiersch stolz als Unterstützer des Bibelturms.

Auf der Internetseite und der Facebookseite „Mainz für Gutenberg“ sagen unter anderem Reichow, Hieronymus, Oswald und Metten Ja zum Bibelturm. Sie sage Ja zum Bibelturm, weil sie finde, „dass die Architektur es in großartiger Form geschafft hat, das ganze Mittelalter von Mainz einzufangen, mit Gutenberg als Höhepunkt dieser kreativen Epoche“, sagt die Künstlerin Liesel Metten da. Auch ihr Kollege Karlheinz Oswald sagt Ja, und die Präses der Evangelischen Kirche, Birgit Pfeiffer, ist dafür, „weil der Turm so modern und innovativ ist, wie die Erfindung von Johannes Gutenberg.“

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Viele Worte macht Lars Reichow unter seinem Bild nicht, muss er auch nicht: Der Kabarettist, der übrigens in Mainz-Finthen wohnt, darf sich mit Fug und recht als Ideengeber und Anstoßer des Projekts sehen­: Schon 2012 machte sich Reichow für einen Museumsneubau stark, bei der Auftragsvergabe für den Bibelturm schwärmte er von der „unglaublichen Symbolkraft“ des Baus – und lästerte auch gleich, der Turm sei „eine wichtige Orientierung“ etwa für die Fluggäste, die beim Einschweben über dem Dom endlich in Mainz etwas sähen, was sie wieder in die Domstadt ziehen könne….

Mainz habe doch viel an Bedeutung verloren im Rhein-Main-Gebiet, ein großes Gutenberg-Museum könne diese Bedeutung zurückholen, sagte Reichow ganz ernsthaft. „Ein Signal Richtung Himmel, das passt immer gut in Mainz“, meinte der Kabarettist und empfahl: „Ich würde oben eine Bibel reinlegen, die den Segen einholt – es muss ja nicht ein Original sein.“ Und Reichow schlug damals vor: Bis der Bücherturm stehe, könne man doch solange an der Stelle einen Spendenturm errichten – in dem könnten sich alle Banken der Stadt und auch alle Bürger verewigen. Die Idee wurde leider nicht verwirklicht, auch wenn Reichow eindringlich mahnte: „Wir haben ein paar Bürger in der Stadt, die noch mehr tun könnten, möge der Turm den Weitblick bringen, der manchen in der Stadt noch immer fehlt.“

Lars Reichow (2.v.links) bei der Präsentation des ersten Bibelturm-Modells gemeinsam mit (von links) Museumsdirektorin Annette Ludwig, OB Michael Ebling und Baudezernentin Marianne Grosse (beide SPD) sowie Architekt Kausch. – Foto: gik

 

Reichow forderte auch, das Museum brauche dringend mehr Geld, mehr Personal – und Direktorin Ludwig mehr Unabhängigkeit. „Dass es sich um ein Amt der Stadt handelt, halte ich für eine unbefriedigende Situation“, sagte Reichow offen – das stieß bei den städtischen Verantwortlichen indes überhaupt nicht auf Gegenliebe. Viel Kritik schlug Reichow dann allerdings selbst entgegen, als er in einer Zeitungskolumne gegen den Bürgerentscheid zum Bibelturm wetterte – ausgerechnet am 11.11.2017. „Und jetzt sollen die längst bekannten und lange veröffentlichten Ergebnisse noch mal dem Volk vorgelegt werden? Warum das denn?“ schrieb Reichow: „Weil eine Befragung von Angeheiterten auf dem Marktfrühstück ergeben hat, dass gerade mal alles so bleiben soll, wie es ist? – Das wäre nun wirklich wahre Volksverdummung: So lange nachfragen, bis nur noch Unsinn dabei rauskommt.“

Auch andere Turmverfechter werfen den Gegnern gerne vor, ihr Interesse gelte nur Platanen, Blumenbeeten oder dem Weinkonsum. „Wenn es vor 1.000 Jahren schon eine Bürgerinitiative gegeben hätte, wäre unser Dom nie gebaut worden“, wetterte etwa Betz in seiner Rolle als „Guddi Gutenberg“. Der Dom werde durch den Turm keineswegs verdeckt, das gäben dessen Ausmaße gar nicht her. „Das einzige, was den Dom verdeckt, sind bei manchen Leuten die Bretter, die sie vor dem Kopf haben“, sagte Gutenberg bei einem öffentlichen Auftritt im Gutenberg-Museum.

Künstler Johannes Strugalla macht sich ebenfalls für den Bibelturm stark und ist einer der Sprecher von „Mainz pro Gutenberg“. – Foto: gik

„Ich halte den Bibelturm für das Museum und für die Stadt für eine große Chance“, sagt der Sprecher der Initiative „Mainz pro Gutenberg“, der Künstler Johannes Strugalla, im Gespräch mit Mainz&. Der Turm sei „ein Ausrufezeichen, ein Zeichen, dass durch seine Modernität eine Richtung vorgibt.“ Das passe zu einer Stadt, die zu anderen Zeiten auch schon Großes hervorgebracht habe. „Es ist ein Zeichen, dass wir die Zeit nicht verschlafen“, sagte Strugalla, der Turm passe in das Umfeld, mit seiner „Gegenüberstellung einer wunderschönen alten und einer wunderschönen zeitgenössischen Architektur.“

Damit entstehe nicht nur „eine spektakuläre Architektur, die ein Zeichen setzt“, sondern dem Gutenberg-Museum und dem Erneuerungsbedürfnis werde damit „eine gute Basis geboten.“ Der Turm bietet angesichts seiner Fläche viel neuen Raum für das Museum, zudem entstehe der Bibelturm auf einer Reservefläche für das Museum: „Die Fläche war von vorne herein für eine Erweiterung vorgesehen“, betont Strugalla, „da wird nichts weggenommen.“

Der Platz von rund 400 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche entstehe vor allem durch die unterirdischen Gänge und die Ausstellungsfläche im Keller, betont Strugalla: Das sei aber „nicht irgendwie ein Keller, sondern Räume, die durch geschickte Lichtführung zu Ausstellungsräumen werden.“ Das werde „kein abgeschlossener Klotz“, betont er. Angesprochen, ob denn das Budget von fünf Millionen Euro für die Kosten von Unterkellerung und Turmbau reichen würden, sagte Strugalla: „Es wäre vermessen für Laien, eine endgültige Aussage zu machen, wir müssen doch vertrauen auf die Expertise von Architekten und Fachleuten.“

Auch der Hof des Gutenberg-Museums sei schon zum Teil unterkellert, in den fünf Millionen Euro seien auch Mittel vorhanden für provisorische Arbeiten im Bestandsgebäude. „Es ist eine exakte Finanzplanung vorhanden und es wird ein Controlling geben“, sagte Strugalla weiter, „es wird sehr gewissenhaft geplant, mit einer internationalen Jury – dass man deren Gründlichkeit in Frage stellt, das verstehe ich nicht.“

Künstler Karlheinz Oswald und Liesel Metten sind ebenfalls pro Bibelturm. – Fotos: Mainz pro Gutenberg

Auch der Publizist Henning von Vieregge, Mitglied von „Mainz pro Gutenberg“ betont, ohne den Bibelturm fehle „der gesamten Sanierung und Erweiterung des Gutenberg-Museums der entscheidende Punkt.“ Der Turm sei „ein starkes Zeichen des Aufbruchs für ein Museum, das internationale Vergleiche nicht mehr zu scheuen braucht“, sagt von Vieregge. Ohne den Turm als ersten Bauabschnitt sei hingegen das gesamte Konzept eines zeitgemäßen Museumsquartiers gefährdet: „Wenn tatsächlich nur in den Brandschutz des Haupthauses investiert würde, haben wir am Ende keinen Turm und kein Quartier, aber blitzsaubere Brandschutztüren in einem Museumsgebäude, das den Anschluss ans 21. Jahrhundert längst verpasst hat“, warnte er.

Der Bibelturm werde hingegen das Gutenberg Museum wieder für Besucher sichtbar machen und verschaffe der erstklassigen Sammlung des Museums endlich den angemessen Präsentationsraum, so die Argumente der Initiative weiter. Zudem soll der Turm als Ausweichfläche während der später folgenden Sanierung des Haupthauses dienen – nur so bleibe dem Gutenberg-Museum eine mehrjährige Schließung erspart.

Auch die Gutenberg-Stiftung wirft sich für den Bibelturm in den Wahlkampf: Anfang März startete sie eine Initiative „Mainzer Kreative stampfen Werbekampagne aus dem Boden“. Die Aktiven der Initiative „Mainz pro Gutenberg“ hätten innerhalb einer Woche Flyer, Plakate, Buttons und T-Shirts entworfen, schwärmte die Geschäftsführerin der Stiftung, Zvjezdana Cordier. Ein Bibelturm-Promofilm sei entstanden , Grafiker, Designer, Fotografen, Journalisten und PR-Leute hätten eine tolle Kampagne entworfen. Die Kosten hätten aus Spenden innerhalb der Initiative beglichen werden können. Die Gutenberg-Stiftung biete zudem organisatorische Hilfe sowie Räume für Treffen und Serverplatz für die Internetseite.

In der Diskussion gehe es „viel um Geschmacksfragen, drei Platanen und das Marktfrühstück“, sagte Cordier weiter, „konstruktive und vor allem durchführbare Gegenvorschläge aber hört man keine.“ Das Museum bekomme mit dem Bibelturm für fünf Millionen Euro „sehr viel: Endlich mit zusätzlichen rund 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche ausreichend Platz für die wichtigsten Exponate, endlich eine Möglichkeit, auf diese ordentlich didaktisch hinzuführen.“ Die Stadt selbst spricht von 400 bis 450 Quadratmetern, die Initiative „Mainz pro Gutenberg“ von 400 Quadratmetern.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Initiative „Mainz pro Gutenberg“ findet Ihr hier im Internet, die Seite der Gutenberg-Stiftung genau hier. Mehr zum geplanten Bibelturm des Gutenberg-Museums findet Ihr in unserer neuen Rubrik Gutenberg&, hier lest Ihr alle Fakten, Planungen und Infos zum Bürgerentscheid. Ganz ausführlich stellen wir die Pläne für die Erweiterung samt Bibelturm in diesem Artikel vor, Informationen zum Ablauf des Bürgerbegehrens am 15. April lest Ihr hier. Welche Promis gegen den Bibelturm sind, lest Ihr hier bei Mainz&. Mainz pro Gutenberg lädt für den 9. April um 19.00 Uhr zu einer großen Infoveranstaltung in den Frankfurter Hof ein, dann wird auch Lars Reichow dabei sein.

2 KOMMENTARE

  1. Ich war in den 70er Jahren als Grün-, Umwelt- und Marktdezernent an der Neugestaltung der Domplätze beteiligt. Die Dommplätze sind eine Folge in sich abgeschlossener Plätze, die durch Verengung Zugang zum nächsten Platz finden. Da ist zuerst der Leichhof, dann das Höfchen, gefolgt vom Marktplatz und dem Liebfrauenplatz. Das Höfchen und der Marktplatz waren durch eine Bebauung getrennt, die jetzt durch die Fahnenmasten gekennzeichnet ist. Die gewollte Verengung zwischen dem Marktplatz und dem Liebfrauenplatz erfolgt heute durch das Blumenbeet und die Baumpflanzung um dieses herum. Das heutige Blumenbeet kennzeichnet etwa den Bereich, der auch früher schon einmal bebaut war. Er sollte freibleiben für eine spätere Erweiterung des Gutenberg-Museums. Es ist geradezu paradox,dass jetzt ausgerechnet das Blumenbeet eine Erweiterung des Gutenberg-Museums verhindern soll.

    Die Mainzer laufen Gefahr, eine in ihrer Stadt erfolgte wertverändernde Erfindung völlig zu verkennen und ihr die Darstellung im öffentlichen Raum zu verweigern. Es wird sich niemals mehr die Gelegenheit bieten, den allerersten Druck eines Buches mit beweglichen Lettern, nämlich der Bibel, im öffentlichen Raum so zu präsentieren. Mit diesem Druck beginnt das Zeitalter der Kommunikation und mündet heute in das Zeitalter der Digitalisierung.
    Gutenberg war der Bill Gates seiner Zeit und ein Mann des Fortschritts. Er würde sich über den Turm freuen.
    HeinzGeorg Diehl

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