Das Ringen um die Zukunft der Mainzer Programmkinos Palatin & Capitol geht weiter – und die Fronten sind offenbar verhärtet. Zwar führt Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) Gespräche zur Vermittlung, doch bislang scheint ein greifbares Ergebnis nicht in Reichweite. Die neuen Eigentümer des Gebäudes, die Mainzer Baufirma Fischer & Co betonen, man versuche, gemeinsam mit allen Beteiligten eine Lösung zum Erhalt der Mainzer Programmkinos zu finden – Fischer & Co bot offenbar inzwischen eine Vertragsverlängerung um drei Jahre an, den Betroffenen reicht das aber nicht aus. Grüne, SPD und FPD plädierten in einem Offenen Brief für den Erhalt der Kinos – eine konkrete Anfrage dazu stellte aber die Partei „Die PARTEI“ im Mainzer Stadtrat.

Die Betreiber des "Palatin" fürchten um die Zukunft ihres Programmkinos - das Haus wurde verkauft. - Foto: gik
Die Betreiber des „Palatin“ fürchten um die Zukunft ihres Programmkinos – das Haus wurde verkauft. – Foto: gik

Ende August hatten Mitarbeiter der beiden Programmkinos Capitol & Palatin mit einer öffentlichen Petition im Internet Alarm geschlagen: Das Gebäude des „Palatin“ in der Hinteren Bleiche habe einen neuen Eigentümer, und man habe „allen Grund“ zu der Annahme, dass dieser das Gebäude zugunsten eines Neubaus abreißen wolle – damit stünden beide Programmkinos vor dem Aus. Tatsächlich bestätigte die Mainzer Baufirma Fischer & Co kurz darauf gegenüber Mainz& den Erwerb des Hauses, betonte zugleich aber: Der Kauf sei gerade erst vollzogen worden, die Schlüssel für den Komplex habe man noch gar nicht.

„Wenn wir das Objekt geprüft haben, müssen wir sehen: Gibt es eine Möglichkeit, das Objekt weiter zu führen, oder bedarf es einer Modernisierung“, sagte Geschäftsführer Frank Röhr im Gespräch mit Mainz&. Konkrete Pläne gebe es noch keine, man versuche mit den Kinobetreibern sowie dem Clubbesitzer Gespräche zu führen und habe auch eine Pachtverlängerung angeboten – es gehe jetzt erst einmal darum, „Zeit für alle Seiten zu gewinnen, um in Ruhe in die Zukunft zu schauen“ – man sei „keine Kino-Mörder.“

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Röhr Aussagen stießen jedoch in der Szene auf große Skepsis, der Firma Fischer & Co hängt nach, dass sie es war, die auch die alte Kinopassage mit dem Residenz-Kino abriss und durch einen Neubau ersetzte. Auch damals habe sich Fischer & Co „auf eine Bausubstanzprüfung berufen, nach der angeblich nichts anderes als der Abriss übrig geblieben wäre“, schreiben die Betreiber der Programmkinos auf ihrer Homepage – „die Befürchtung, dass hier eine ziemlich üble Nummer läuft, erscheint uns nicht eben aus der Luft gegriffen.“

Das "Palatin"-Kino ist gemeinsam mit dem "Capitol" das letzte Programmkino von Mainz. - Foto: Palatin
Das „Palatin“-Kino ist gemeinsam mit dem „Capitol“ das letzte Programmkino von Mainz. – Foto: Palatin

Anfang September erklärten dann auch die Stadtratsfraktion der Ampel-Koalition aus Grünen, SPD und FDP ihre Unterstützung für die Kinos: „Wir möchten Sie bitten, dem Palatin Programmkino eine planbare Zukunft zu ermöglichen, und aus diesem Grund den Pachtvertrag des Kinos für mindestens fünf Jahre zu verlängern“, heißt es in einem Offenen Brief, den die Fraktionen an Fischer & Co richteten. Als eines der führenden privaten Wohnbauunternehmen bekenne sich das Unternehmen auf seiner Webseite dazu, „die Stadt und vor allem den Menschen in den Mittelpunkt Ihrer Architektur und Planung zu stellen“, so der Offene Brief weiter: „Von einem seit 1960 in der Stadt aktiven Unternehmen erhoffen wir uns, dass es die Kultur der Stadt unterstützt. Sicher sehen Sie das ebenso und kommen uns entgegen.“

„Als Mainzer Unternehmen seit 1960 sind wir unserer Verantwortung gegenüber der Stadt, der Kultur und seinen Bürgern natürlich bewusst“, teilte Geschäftsführer Röhr daraufhin am 20. September schriftlich mit. Man befinde sich „seit geraumer Zeit mit allen Beteiligten in Gesprächen , um eine Lösung zum Erhalt der Mainzer Programmkinos zu finden.“ Dabei wolle er sich „ganz besonders bei der Kulturdezernentin Frau Grosse bedanken, die sich in vertraulichen Gesprächen mit großem Engagement für eine tragfähige Lösung einsetzt“, betonte Röhr weiter. Sobald belastbare Ergebnisse vorlägen, werde man die Öffentlichkeit informieren, bis dahin „bitten wir aber um Verständnis, dass die Bekanntgabe von etwaigen ‚Zwischenergebnissen‘ weder hilfreich, noch zielführend ist.“

Auch der Hardrockclub "Alexander the Great" ist von dem Verkauf betroffen. - Foto: gik
Auch der Hardrockclub „Alexander the Great“ ist von dem Verkauf betroffen. – Foto: gik

Doch Kritik und Argwohn reißen nicht ab: Hardrockclub-Betreiber Michael Vogt – besser bekannt als „Sweaty“ – klagte nun auf der Facebookseite des Clubs, er kämpfe immer noch um die Wiedereröffnung seines Betriebes seit einem Wasserschaden – der alte Besitzer des Hauses zeige keinerlei Hilfsbereitschaft, der neue Vermieter „vermittelt keine Gesprächsbereitschaft was diese Sache angeht“, weil dafür der Vorbesitzer zuständig sei. Neu ist jedoch: Fischer & Co boten offenbar sowohl dem Palatin-Kino als auch dem Hardrockclub einen Pachtvertrag über drei Jahre an – zunächst hatte Röhr nur von einem Jahr gesprochen.

Vogt betonte nun aber, die drei Jahre reichten nicht aus: Die Investitionssummen, die er in den Club tätigen müssten, seien so hoch, dass ein nötiger Kredit binnen dreier Jahre unmöglich wieder erwirtschaftet werden könne. „Ich suche weiterhin das persönliche Gespräch mit Fischer & Co“, betonte Vogt weiter, zudem habe er sich mit persönlichen Schreiben an die Politik gewandt. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) „bedauert bisher die Situation nur“, der Nachtkulturbeauftragte der Stadt, Timo Filtzinger, sie derweil „untröstlich, dass Fischer & Co. ihn nicht zurückrufen“, kritisierte Vogt – und Dezernentin Grosse wolle es sich offenbar „mit Fischer & Co. nicht versauen.“ Vogt kündigte an, in den kommenden Tagen eine Petition starten und Unterschriften sammeln zu wollen.

Unterdessen haben die Online-Petition Capitol & Palatin erhalten“ mehr als 15.700 Menschen unterschrieben, auch die Stadtratsfraktion der Linken teilte ihre Unterstützung mit: Es sei „davon auszugehen, dass die Gesellschafter von Fischer & Co das Gebäude nicht erhalten, sondern profitorientiert weiterentwickeln wollen“, kritisierte die Linke. „Es wäre beschämend, wenn die selbst ernannte Medienstadt Mainz ihre letzten Programmkinos im Herzen der Stadt verlieren würde“, betonte die kulturpolitische Sprecherin Leonie Sayer, und kritisierte auch die Stadtspitze: „Dass Räume für Kultur in Mainz fehlen, ist längst bekannt.“ Die Stadtspitze müsse sich „den Vorwurf gefallen lassen, nichts unternommen zu haben, um diesen Zustand zu verbessern.“

In die Jahre gekommen: Das Gebäude des Palatin-Kinos in der Hinteren Bleiche. - Foto: gik
In die Jahre gekommen: Das Gebäude des Palatin-Kinos in der Hinteren Bleiche. – Foto: gik

Im Stadtrat am heutigen Mittwoch will die Partei „Die PARTEI“ derweil von der Mainzer Stadtspitze wissen, wie denn die Programmkinos noch erhalten werden könnten, die Antworten von Bau- und Kulturdezernentin Grosse fallen ernüchternd aus: Es gebe „keine baurechtlichen oder bauplanungsrechtlichen Ansatzpunkte, um vonseiten der
Stadt den Erhalt des Palatin-Kinos zwingend vorzuschreiben“, teilte die Dezernentin in der schriftlichen Antwort mit. Der in dem Gebiet geltende Bebauungsplan erlaube das Kino im Erdgeschoss sowie in den Geschossen darüber Wohnungen – „von den zulässigen Nutzungen können Bauherren nach eigenem Ermessen Gebrauch machen“, heißt es weiter: „Sie können jedoch nicht dazu verpflichtet werden, sich auf eine der zulässigen Nutzungsarten festzulegen.“

Eine Einschränkung, dass nur noch Kinos als Anlagen für kulturelle Zwecke zulässig wären, lasse sich „rechtlich ebenso wenig begründen wie ein Ausschluss der Wohnnutzung“, so die Antwort aus dem Baudezernat weiter. Auch stehe der Stadt kein Vorkaufsrecht zu – das Schicksal der Liegenschaft liege nun in den Händen der neuen Eigentümer. „Es wurden
daher von Seiten der Kulturdezernentin zahlreiche Gespräche mit Vertretern des neuen Eigentümers sowie den Kinobetreibern geführt“, teilte Grosse gleichzeitig mit: „Alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass die Kinos Capitol & Palatin für die kulturelle Identität der Landeshauptstadt Mainz unverzichtbar sind.“

Ziel der Stadt sei es, „gemeinsam mit dem neuen Eigentümer und den Kinobetreibern einen Weg zu finden, mit dem der Fortbestand des Kinostandorts gesichert werden könne. Wie eine langfristige Lösung aussehen könne, lasse sich derzeit aber noch nicht sagen.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht zu der Bedrohung für die Programmkinos Palatin & Capitol lest Ihr hier bei Mainz&, das ausführliche Interview mit Fischer & Co-Geschäftsführer Frank Röhr könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen.

3 KOMMENTARE

  1. Mensch überlegt,ob man aus den Kinos „Clubs“ mit permanenten Mitgliedsbeiträgen machen könnte, um die Investitionen zu sichern. Beim Unterhaus klappt das ja auch. Von „Gelegenheitsbesuchern“ und Lippenbekenntnissen, anerkennt Mensch, können die Betriebe nicht existieren.
    Da die Petition (die ja nix kostet :|) ja schon von 15.700 potentiellen Mitgliedern unterzeichnet wurde, könnte das doch einen Gedankenansatz darstellen, wie man die Kinos retten könnte.

    • Der Gedanke klingt vordergründig gut, aber geht vollkommen an der Realität des Kinogeschäfts vorbei, bei dem die Kinobetreiber*innen mit zahlreichen Verleihfirmen zusammenarbeiten, jede Kinokarte abgerechnet wird und ein Abo-Modell schwer umsetzbar ist, bzw. sehr leicht bei „heavy usern“ dazu führen würde, dass finanziell wenig übrig bleibt.

      Abgesehen davon gibt es ja für die kontinuierlichen Kinogänger die 10er Karte als Option und Gutscheine. Aber wir reden hier von einem Gebäude, dass mehrere Millionen Euro gekostet haben wird. Ein kleiner Betrieb wie das von zwei Betreibern (in Selbstständigkeit) geführt Kino, kann so eine Summe niemals aufbringen.

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein