Fünf Tage nach seinem Nicht-Austritt ist Stadtrat Claus Berndroth nun doch aus der Alternative für Deutschland (AfD) ausgetreten. „Mit großem Bedauern muss ich heute meinen Austritt aus der Partei Alternative für Deutschland bekannt geben“, teilte Berndroth am Sonntag mit. Der Austritt sei „für meine Person vonnöten“, weil er die „innerparteilichen Streitigkeiten“ Leid sei. Einen Rechtsruck in der AfD sehe er nicht, dem Stadtrat wolle er weiter als parteiloses Mitglied angehören.

Porträt Claus Berndroth AfD
Ex-AfD-Stadtrat Claus Berndroth – Foto: Internetseite AfD Mainz

Am 7. Juli, also vor sechs Tagen, hatten mehr als 100 AfD-Mitglieder unter Protest ihre Partei verlassen – unter Protest gegen die Abwahl ihres Parteichefs Bernd Lucke auf dem Essener Parteitag sowie wegen des Benehmens der Anhänger der neuen Vorsitzenden Frauke Petry, die den Machtkampf für sich entschieden hatte. Landeschef Uwe Zimmermann, der Mainzer Kreischef Uwe Volkmer und Dutzende andere AfD-ler beklagten dabei einen Rechtsruck der AfD, die zur „Pegida-Partei“ werde – dafür stehe man nicht bereit.

Berndroth hingegen hatte am gleichen Tag erklärt, er sei „zum jetzigen Zeitpunkt noch Mitglied“ der AfD, deren Entwicklung ihm „große Sorgen in beide Richtungen“ bereite. Berndroth hatte sich daraufhin „sowohl vom befürchteten Rechts-Ruck als auch von der Weckruf-Bewegung“ entschieden distanziert.

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Nun folgte am Wochenende der Schwenk: Sein Austritt sei nötig geworden, „da ich nach zwei Jahren innerparteilichen Kampfes an diversen Fronten keinen Sinn mehr darin sehe, 80 Prozent meiner verfügbaren Kräfte in innerparteiliche Streitigkeiten und persönliche Differenzen zu investieren“, teilte Berndroth mit. Stattdessen wolle er „lösungsorientiert und sachlich für die Belange meiner Heimatstadt arbeiten“, und dies auch als parteiloser Stadtrat weiterhin tun.

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Die Alternative für Deutschland bekommt gerade viele Alternativen – Foto: gik

Dürfen tut Berndroth das, Stadträte werden persönlich gewählt und müssen ihr Mandat bei einem Parteiaustritt oder Parteiwechsel nicht zurückgeben. Wie sinnvoll diese Regelung in einer Parteien-Demokratie ist, in der Mandatsträger oft über Parteilisten auf ihre Posten kommen, sei einmal dahingestellt.

Berndroth jedenfalls betonte, er wolle weiter „engagiert die Belange und Ideen meiner Wähler verfolgen“ und sich getreu des Kommunalprogramms der AfD in Mainz verhalten – das habe er nämlich zum größten Teil selbst verfasst. „Auf dessen Grundlage wurde ich gewählt und für diese Ziele stehe ich auch als parteiloser Stadtrat ein“, fügte Berndroth hinzu. Der Mann begründet also quasi seine eigene alternative AfD 😉

Der Stadtrat betonte nämlich auch, sein Austritt erfolge nicht, „um sich irgendeiner neuen Partei um Bernd Lucke oder den Weckruf anzuschließen“, Letzteres gilt dem eigentlich als parteiinternen Lucke-Club „Weckruf 2015“ gegründeten Verein, aus dem nun aber eine neue Alternativ-Partei zur Alternative entstehen könnte. Berndroth fügte jedenfalls noch hinzu, er könne „zum momentanen Zeitpunkt keinen Rechts-Ruck“ der AfD erkennen und wünsche „den verbliebenen vernünftigen AfDlern alles Gute und viel Erfolg in der Zukunft!“ Na dann.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Austrittswelle in der AfD und der Aulösung ihrer Strukturen lest Ihr natürlich auf Mainz&, in dem Artikel AfD Rheinland-Pfalz spaltet sich.

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