UPDATE&: Die Geflügelpest, auch bekannt als Vogelgrippe, ist in der Landeshauptstadt Wiesbaden und nun auch im Kreis Mainz-Bingen angekommen. Die Stadt Wiesbaden reagierte bereits am Montag mit einer Anordnung der Stallpflicht ab Dienstag, sowie mit Biosicherheitsmaßnahmen und einer Leinenpflicht für Hunde an Rhein und Main. Der Landkreis Mainz-Bingen bestätigte am späten Dienstagabend den positiven Befund eines mit der Vogelgrippe infizierten Vogels bei Bingen – es handelte sich um einen Reiher. Bei Mainz-Weisenau wurde nun auch ein infizierter Schwan entdeckt. Was jetzt gilt, was zu beachten ist.

Die klassische Geflügelpest, genannt „Vogelgrippe“, wird durch einen H5N1-Virus ausgelöst und breitet sich in diesem Herbst rasant aus, weil sie vor allem durch in den Süden ziehende Kraniche verbreitet wird. Vergangene Woche hatten die ersten positiven Fälle auch das Rhein-Main-Gebiet erreicht, so war unter anderem ein infizierter Kranich im Kreis Groß-Gerau gefunden worden. Damit war klar: Die Vogelgrippe hatte auch die Rheinregion vor den Toren von Mainz erreicht.
Am Montag meldete die Stadt Wiesbaden ebenfalls zwei Fälle im Stadtgebiet: Ein am Sonntag, den 26. Oktober, in Igstadt tot aufgefundener Kranich sei im hessischen Landeslabor am Mittwoch, 29. Oktober, auf Influenza A H5 positiv getestet worden. Ein weiterer toter Kranich aus Klarenthal sei am Donnerstag, den 30. Oktober, vom Landeslabor ebenfalls als positiv bestätigt worden.
Wiesbaden: Leinenpflicht für Hunde an Rhein und Main
Die Stadt Wiesbaden reagierte mit scharfen Maßnahmen: Ab Dienstag, den 4. November, gilt nun eine Stallpflicht für alle Geflügel samt Biosicherheitsmaßnahmen. Zudem werden Märkte, Ausstellungen und Börsen untersagt, bei denen Geflügel und gemeinsam mit Geflügel gehaltene Vögel anderer Arten gehandelt oder zur Schau gestellt werden. „Auch in Nachbarkreisen häufen sich die positiven Fälle, sodass auch in Wiesbaden – wie in vielen anderen Nachbarkreisen – ab Dienstag, 4. November, ein Aufstallungsgebot für alle Geflügelhalter gilt“, teilte die Stadt mit.

Konsequenzen hat die Vogelgrippe aber auch für Hundehalter: Entlang von Rhein und Main müssen Hunde ab dem 4. November im Abstand von hundert Metern zur Uferlinie an der Leine bleiben – das betrifft auch Mainzer, die mit ihren Hunden rechts des Rheins unterwegs sind. Die von der Stadt Wiesbaden erlassene Allgemeinverfügung soll Geflügel vor Ansteckungen aus der Wildvogelpopulation schützen, die Leinenpflicht für Hunde dafür sorgen, dass Hunde nicht mit infizierten Vögeln in Kontakt kommen.
„Alle Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, tote Vögel nicht anzufassen und zu melden“, appellierte die Stadt Wiesbaden. Besonders betroffen von der Geflügelpest seien aktuell nicht nur Kraniche, sondern alle Wassergeflügel, also auch Schwäne, Enten, Gänse und Greifvögel. Hier sollten unbedingt auch Einzeltiere gemeldet werden. Weniger empfänglich für Geflügelpestviren seien hingegen Singvögel und Tauben: „Erst wenn mehrere Vögel deutlich krank erscheinen oder an einer Stelle tot gefunden werden“, sollten die Behörden informiert werden.
Toter Kranich bei Bingen und Schwan bei Weisenau positiv
Kurios dabei: Für die Mainzer Seite gilt der Leinenzwang bisher nicht. Das für Mainz zuständige Veterinäramt des Landeskreises Mainz-Bingen bat Ende vergangener Woche leidglich Geflügelhalter im Landkreis Mainz-Bingen und in der Stadt Mainz, ihre Tiere zum Schutz vor der Vogelgrippe vorsorglich in Ställen unterzubringen. Das gelte sowohl für professionelle Betriebe als auch für Hobbyhaltungen. In Mainz hieß es bisher lediglich, dass im Wildpark in Gonsenheim sowie im Tierheim keine Vögel mehr aufgenommen werden.

UPDATE&: Dabei wurde vergangenen Freitag bei Bingen ein toter Reiher gefunden, der vom Landesuntersuchungsamt positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet wurde. Damit war klar, dass der Virus bereits am Rhein kursierte, das bestätigte sich nun am Dienstag: Das Friedrich-Loeffler-Institut habe die Infektion des Reihers mit dem Virus bestätigt, teilte der Kreis Mainz-Bingen am späten Dienstagabend mit. Zudem sei inzwischen auch bei Mainz-Weisenau ein Schwan gefunden worden, der ebenfalls mit dem H5N1-Virus infiziert war.
Und: Das Veterinäramt hat vier weitere Tiere zum Landesuntersuchungsamt (LUA) und zum Friedrich-Loeffler-Institut zur Beprobung geschickt. Damit ist klar: Das Virus ist auch in Mainz weit verbreitet, wer tote Zugvögel oder verendete Wassergeflügel findet, sollte diese auf keinen Fall anfassen und den Fund dem Veterinäramt melden. Für den Menschen bestehe „nach derzeitigen Erkenntnissen keine Gefahr“, betont der Landkreis, allerdings ist eine Übertragung nicht komplett ausgeschlossen, wenn auch äußerst selten.
„Eine Ansteckung würde intensiven, direkten Kontakt mit infizierten Vögeln erfordern“, heißt es von den Behörden weiter. Geflügel dürfe weiterhin verzehrt werden, sofern es vorher getestet wurde. Auch Eier von gesunden Tieren dürfen verkauft und gegessen werden. Allerdings hat auch der Landkreis Mainz-Bingen jetzt alle Geflügelmärkte und Ausstellungen verboten.
Auch in Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen gilt ab sofort eine Stallpflicht, auch für private Geflügelhalter. Ställe müssen mit mit Hygieneschleusen gesichert, Geflügelhalter dürfen sie nur mit persönlicher Schutzausrüstung betreten. Zudem müssen Futter- und Wasserstellen so gesichert werden, dass keine Wildvögel Zugang haben.
Info& auf Mainz&: Wer tote Zugvögel oder Wassergeflügel findet: Bloß nicht anfassen, und den Fund bitte den Veterinärämtern melden, die sich um die sichere Bergung kümmern. Für Wiesbaden ist dies das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, das erreicht Ihr unter der Telefonnummer (0611) 890770 oder per Email unter veterinaeramt@wiesbaden.de. Außerhalb der Geschäftszeiten könnt Ihr Euch unter (0611) 31130000 an die Feuerwehr Wiesbaden wenden. Im Kreis Mainz-Bingen gibt es ab sofort eine Hotline zur Vogelgrippe, die Ihr unter 06132-7874123 erreicht.
Mehr Infos zur Vogelgrippe findet Ihr hier beim Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz oder hier bei der Stadt Wiesbaden. Hintergrundinfos zur Geflügelpest haben wir außerdem hier bei Mainz& berichtet.






