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5. April 2026
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Jahresarchive: 2019

Kokolores, Kalauer, Konfetti – Wie Mainz&-Leser Marco Silbernagel die Kalauer-Kanonen bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019 erlebte

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„Zum Grundrezept echter Mainzer Saalfassenacht gehören drei Zutaten: Kokolores, Kalauer, Konfetti. Dem fertigen (Narren-)Gericht fehlt natürlich noch die Hauptspeise, der politische Vortrag. Auch 2019 haben Kalauer-Kanonen ihren festen Platz im Programm von „Mainz bleibt Mainz““ – schreibt Mainz&-Leser Marco Silbernagel. Marco war zum ersten Mal 2018 live bei der berühmten Mainzer Fernsehsitzung dabei, in diesem Jahr haben wir ihn als Spezialkorrespondenten für Mainz& engagiert – und ihn gebeten, sich einmal die Sparte Kokolores aus dem Blickwinkel des Fastnachtsfans anzusehen. Hier sein Bericht von der Närrischen Generalprobe vergangenen Mittwoch.

Alexander Leber bringt als „Polizist“ wieder echten Meenzer Kokolores auf die Bühne bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019. – Foto: gik

Unvergessen – die Stars der Mainzer Kokolores-Riege wie Rudi Zörns, Willi Görsch/Egon Häusler, Norbert Roth, Hildegard Bachmann. Oder ein Herbert Bonewitz, der urwüchsigen Mainzer Kokolores-Quatsch mit scharfzüngiger politischer Kritik in Figuren wie „Prinz Bibi“ zu verbinden wusste. Auch im 2019er Programm von „Mainz bleibt Mainz“ darf der Kokolores nicht fehlen, so sind Alexander Leber erneut mit seiner Figur „Der Polizist“ dabei, Jürgen Wiesmann berichtet in seiner Paraderolle als „Ernst Lustig“, was für ein „Partymuffel“ er doch ist. Die Kreativ-Chaoten Martin Heininger und Christian Schier sind seit Jahren die junge Abordnung des Quatsches. In der aktuellen Kampagne provozieren sie mit ihrer Mainzer Ausgabe von Apples „Schiri“ jede Menge Schenkelklopfer. Und quer durch die Sitzung bekommt Multitalent Schier, wie 2017, wieder Michael Emrich zur Seite – die beiden kritteln erneut als „Die zwei Alten“ in schöner Waldorf-Statler-Muppets-Tradition aus der Loge übers Programm.

Die Tatort-Titelmusik kündigt es an: Urkomisch, wie Alexander Leber als „Polizist“ vornehmlich in der Mainzer Altstadt Diebe zur Strecke bringt. Die ja auch als „Fachkräfte für spontanen Eigentumswechsel“ bekannt sind. Überhaupt ist er „nicht korrupt, nur moralisch sehr flexibel“. Unfälle gibt es in seinem Dienst selbstredend auch, so etwa den per Schuss verwundeten Radfahrer: „Ei, uff Deim Fahrrad-Trikot steht jo aach ‚Reebok’!“ Hier blitzt sie auf, die hohe Kunst der Vortragsschreibenden: die naheliegenden, aber selten entdeckten Sprach-Schätze zu heben, die das Publikum bei Laune halten.

In Hochform: Jürgen Wiesmann als „Partymuffel“ Ernst Lustig. – Foto: gik

Ernst Lustig – die Frau Babbisch der 2000er Jahre

Hut ab für Hutträger Jürgen Wiesmann. Auch hier: Konstanz ist die hohe Kunst der ernst-lustigen Figuren. Wo der Narr dem Volke aufs Maul schaut, ist der Kokolores-Vortrag die Satire auf alles Menschlich-Allzumenschliche – denn jeder kennt die Situationen: ob wiederkehrender Ehestreit, missglückte Urlaubsreise oder der samstägliche Besuch in einem schwedischen Möbelhaus. Und der Kokolores sammelt unser aller Lebenserfahrungen ein und wirft sie uns wie Konfetti geballt zurück in unsere Augen und Ohren. So auch MCC-Präsident Jürgen Wiesmann, der in der 2019er Kampagne unbestritten in Hochform als „Ernst Lustig“ ist – denn wortgewaltig erklärt er, warum er ein „Partymuffel“ ist.

Und in schöner Tradition klassischer Kokoloresbeiträge schaukelt sich der Vortragende mit dem Vortrag dramaturgisch in immer neue Kalauer-Höhen – vor allem, wenn es um die Grillorgien des heutigen deutschen Mannes geht: „Weber-Grill, ich will de Preis gar net wisse,/ ich hätt’ mei Bausparvertrag wahrscheinlich ufflöse müsse“, lästert Wiesmann: „Da langt en Tausender net für das ganz’ Sortiment,/ aber dann Würstscher vom Lidl – für 99 Cent!“

Kokolores trifft Anarcho-Fassenacht

Volle Spielfreude, hohe Kokolores-Kunst: Martin Heininger und Christian Schier. – Foto: gik

Martin Heininger und Christian Schier schaffen den Spagat seit Jahren: Kräftiger Kokolores auf höchstem Niveau, ansteckende Anarcho-Fassenacht – dieses Mal mit der Mainzer Version von Siri, angeliefert von Ver-Äppel: Nach der Umstellung der Spracheinstellungen reagiert „Schiri“ auf Meenzerisch: „Guude!“ Und aufs Stichwort kommen gleich auch Schiris Kaufempfehlungen: „Kunden, die sich für Blähungen interessierten, interessieren sich auch für reißfeste Unterhosen, Feinstaubfilter und kauften im Internet den Ratgeber ‚Hilfe, im hab’ im Fahrstuhl einer stehe lasse’.“

Markenzeichen bei Heininger-Schier auch in diesem Jahr: Die musikalischen Abwandlungen bekannter Songs in der Meenzer Übersetzung: Kaum hat sich das Publikum versehen, wird aus „Ein Bett im Kornfeld“ die Schiri-Version „Wenn Mett im Zahn hängt“.  Und Schiri kann auch Kokolores, denn: Was ist die Weiterentwicklung von Buchstaben-Suppe? „De Wört(h)er-See!“ Was sich niemals ändert: Die Auszeichnung des Publikums für Kokolores-Redner ist das lautstark intonierte „Uiuiui“ – Heininger und Schier ernten es auch 2019 zuhauf. Zum Abschluss, nach der Mainzer Version von „Bella Ciao“ („Nach 15 Schoppe sinn mer blau, blau, blau“) die wohlverdiente Zugabe für das Anarcho-Duo mit ihrem größten Hit: „Du schaffst beim Hähnchengrill von Drais“.

Mainz&-Sonderkorrespondent Marco Silbernagel bei „Mainz bleibt Mainz“ 2018. – Foto: gik

Annäherung zum politischen Vortrag

Das 2019er Programm von „Mainz bleibt Mainz“ zeigt deutlich, dass sich der politische Vortrag und die Kokolores-Fraktion (wieder) annähern: Ob marodes Rathaus, Diesel-Skandal (Leber), die „Feinstaubkontrolleure“ der Schnorreswackler oder ihre Persiflage auf die überbordenden Paketdienste – nur mit Quatsch schafft es auch in diesem Jahr kein Kokolores-Vortrag auf die närrische Rostra. Wie Sitzungspräsident Andreas Schmitt bei der Pressekonferenz nach der Generalprobe zu „Mainz bleibt Mainz“ am Mittwoch treffend sagte: „Dass sich der politische und der Kokolores-Vortrag annähern, ist kein neues Phänomen: Ich erinnere gerne an Rolf Braun, der wie kaum ein anderer Kokolores und politisch-literarische Fassenacht in Vorträgen wie zum Beispiel ‚Der Müllmann‘ verbunden hat.“ Mit seinem Messdiener gelingt Andreas Schmitt selbst jedes Jahr genau das: Kokolores und Polit-Kritik gekonnt zu verschmelzen.

Info& auf Mainz&: Marco Silbernagel schrieb schon 2018 für Mainz& über die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“, für den eingefleischten Fastnachtsfan das „Hochamt“ der Mainzer Fastnacht. Seinen Bericht „Wie ein Meenzer zum ersten Mal die Fernsehfastnacht erlebt“, lest Ihr hier. Wie die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ 2019 insgesamt so wird, lest Ihr hier bei Mainz&.

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Bangen um Mainzer Rosenmontagszug: Droht eine Absage wie 2016? – Bedrohliche Sturmlage mit Windböen bis 100 kmh angesagt

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Es wäre wirklich unfassbar: Die Mainzer Narren bangen nun schon zum zweiten Mal binnen drei Jahren um ihren Rosenmontagszug – wegen einer Sturmfront. Droht eine Absage wie 2016? „Die Entwicklung einer bedrohlichen Sturmlage wird aktuell immer deutlicher“, es gebe „ein hohes Potential für stürmisches Wetter zum Rosenmontagszug“, teilte der Wetterdienst Wetter Online mit. Seit Tagen beobachten Meteorologen ein Sturmtief, das sich über der nördlichen Nordsee zusammenbraut, von dort könnten kleine „Schnellläufer“-Tiefs nach Deutschland ziehen – und dann könnten Sturmböen mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde drohen. Und genau wegen solcher unkalkulierbarer Sturmböen wurde 2016 der Rosenmontagszug in Mainz abgesagt. Beim Mainzer Carnevals-Verein (MCV) ist man noch entspannt, beobachtet die Wetterlage aber aufmerksam. Eine Entscheidung soll am Sonntag fallen.

Ein leerer Schillerplatz, die Rosenmondnachtbühne geschlossen – so sah der Rosenmontag 2016 in Mainz aus. – Foto: gik

Es war der Super-Gau für alle Narren: Der Höhepunkt der Narrenzeit, der große Rosenmontagszug – abgesagt! 2016 entschieden die Verantwortlichen von MCV und Stadt am Fastnachtssonntag gemeinsam, den Mainzer Rosenmontagszug abzusagen. Eine Kaltfront zog von Nordwesten herein und sollte Sturmböen mit Orkanstärke von 8 bis 10 mit sich bringen. Das Problem: In den Sicherheitskonzepten ist vorgeschrieben, dass ab Windstärke 8 kein Pferd mehr laufen, keine Tribüne mehr besetzt, kein Dixieklo mehr stehen darf. Damals war sogar Windstärke 10 angesagt, dazu unkalkulierbare Fallböen – die Verantwortlichen sahen keine andere Möglichkeit, als den großen Rosenmontagszug abzusagen. Auch die großen Umzüge in Köln und Düsseldorf wurden damals wegen der Sturmlage abgesagt.

Nun braut sich offenbar über den Nordsee eine ganz ähnliche Wetterlage zusammen:  „Die Wettermodelle berechnen derzeit eine mögliche brisante Sturmlage zum Höhepunkt am Rosenmontag“, sagte Matthias Habel, Meteorologe und Pressesprecher von WetterOnline. Demnach drohten nach jetzigem Stand besonders im Westen und Süden schwere Sturmböen mit über 100 Kilometer pro Stunde – ausgerechnet in den Fastnachtshochburgen entlang des Rheins. „Die Wettermodelle springen aber noch, wann, wo und wie stark es stürmen soll, ist also noch unsicher“, betonte Habel aber auch. Das sei bei solch dynamischen Sturmtiefs drei bis vier Tage vorher ganz normal.“

 

Regenschirm statt Rosenmontagszug – so sah es 2016 dann auf der LU nach Absage des großen Umzuges aus. Wirklich stürmisch wurde es in der Mainzer Innenstadt nicht. – Foto: gik

Das Zentraltief befinde sich in der nördlichen Nordsee, von dort zögen kleinere Randtiefs mit hoher Geschwindigkeit vom Atlantik nach Mitteleuropa, die eng begrenzt enorme Schäden anrichten können, erklärt Habel weiter. Die Zugbahn dieser sogenannten Schnellläufer sei nur sehr kurzfristig zu prognostizieren. „Sicher ist jedoch, dass ein hohes Gefahrenpotential vorhanden ist“, betont der Meteorologe.

Damit gilt für die Mainzer Narren Alarmstufe Rot: Droht eine neuerliche Absage des Mainzer Rosenmontagszuges? MCV-Sprecher Michael Bonewitz beruhigt: „Aktuell gehen alle Beteiligten davon aus, dass der Rosenmontagszug am Montag um 11.11 Uhr pünktlich starten wird“, betont Bonewitz. Aktuell kursierten unterschiedliche Wetterprognosen, die teils stürmisches Wetter für den Rosenmontag voraussagen. Genaue Prognosen könnten die Meteorologen derzeit aber noch nicht abgeben. Der MCV als Veranstalter und die Stadt Mainz stünden deshalb mit den Wetterdiensten in engem Kontakt. „Man werde die Lage weiter beobachten und über etwaige Maßnahmen am Sonntag, wenn genauere Prognosen vorliegen, beraten und entscheiden“, fügte Bonewitz hinzu.

Eine erneute Absage des Zuges wäre insbesondere auch für den Veranstalter, den MCV, ein echter Super-Gau. Der Verein ist ohnehin in Finanzturbulenzen, bei einer Zugabesage drohten weitere erhebliche Einnahmeverluste. Auch bei den Narren würde die zweite Absage wegen Wetters seit 2016 wohl auf wenig Verständnis treffen: 2016 gab es bereits harsche Kritik, nachdem die Wetterlage am Rosenmontag in Mainz dann tatsächlich ausgesprochen wenig stürmisch ausfiel. Der MCV veranstaltete als Ersatz dann einen „Rheinhessenumzug“, der im Mai stattfand und das Jubiläum 200 Jahre Rheinhessen aufgriff.

Info& auf Mainz&: Wie die Absage des Rosenmontagszuges 2016 zustande kam könnt Ihr hier noch einmal auf Mainz& nachlesen. Wie die Mainzer narren trotzdem feierten, lest Ihr hier noch einmal. Wir halten Euch über die aktuelle Entwicklung natürlich auf dem Laufenden.

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Sensationelle „Moguntia“, starker „Obermessdiener“ – Mainz bleibt Mainz 2019 ist randvoll mit bissiger Polit-Kritik – Moderne Musikhits bleiben außen vor

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Johannes Bersch macht wieder die "Moguntia"... - Foto: gik

„Es ist etwas eingetreten, womit wir nie gerechnet hätten“, seufzt Lars Reichow: „Es gibt zu viele Narren auf der Erde, aber sie wissen alle nicht mehr, wann Aschermittwoch ist.“ Ja, die Mainzer Narren haben richtig viel zu tun, sie kommen kaum hinterher mit ihrer Polit-Kritik: Dieselgate und eine Kanzlerin in Altersteilzeit, „Kanalratte“ Donald Trump und braune Horden in Deutschlands Osten, dazu die Kirche und die Kinderlein – randvoll mit Politik kommt die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz 2019“ am Freitagabend daher. Doch nicht alles lief glatt bei der Närrischen Generalprobe im Kurfürstlichen Schloss: Das Duo Merkel-AKK schwächelte, der Ton im Saal war so unterirdisch, dass das Publikum kaum was verstand, und nicht alles zündete, was als belebend gedacht war. So ist es die Politikkritik, die die Fernsehsitzung durch ihre vier Stunden trägt – und eine „Moguntia“ wird zum neuen, funkelnden Polit-Stern am närrischen Firmament.

Sensationeller Einstand in der Narren-Bütt: Johannes Bersch als „Moguntia“ lieferte am Mittwoch das Highlight der Sendung ab. – Foto: gik

Vier Stunden lang serviert der Südwestrundfunk das Narrenprogramm der Fernsehsitzung und deckt dabei ein breites Spektrum ab: Da gibt es den klassisch-gereimten Kokolores-Vortrag von Alexander Leber, der als „Polizist“ durch die Mainzer Straßen streift und Baustellen, Dieselfahrverbote, aber auch ziemlich altbackene Witze auf Kosten von weiblichem Aussehen im Notizblock hat.

In die Abteilung „klassisch“ gehört auch der Beginn: Thorsten Ranzenberger darf wieder einmal seine Hymne vom Schwellkopp-Träger darbieten, dazu tanzen die Markenzeichen der Mainzer Fastnacht live auf der Bühne und im Saal – ein stimmungsvolles Mainz-Bild zum Start der Sitzung wollten die Fernsehmacher schaffen. Doch die Sendungsmacher servieren dem Fernsehzuschauer damit das exakt gleiche Bild wie vor zwei Jahren – „Mainz bleibt Mainz“, so suggeriert es der Auftakt, hat nix Neues im Gepäck. Und auch im Verlauf der Sendung schaffen es die Fernsehmacher glatt, sämtliche Fastnachtshits der unglaublich regen närrischen Mainzer Musikszene beflissentlich zu ignorieren: Weder Oliver Mager noch „Handkäs‘ und sei Musigg“ noch die Bockius Brüder dürfen die Fernsehbühne rocken, die Mainzer Fastnachtsmusikszene bleibt komplett außen vor.

Das modernste Element werden so die Jungs vom Prinzengardeballett, die erstmals die närrische Fernsehrostra erklimmen und zu Thomas Neger und „Meenz bleibt Meenz“ die Beine schwingen – sehr zur Gaudi des Saals. Aus dem Saal heraus sollen die „Schnorreswackler“ Schwung ins Schloss bringen, bei der Närrischen Generalprobe am Mittwoch zündeten ihre zwei eigens für die Sitzung erstellten Neu-Kompositionen nur wenig, wohl wegen der massiven Tonprobleme im Saal. Die sorgten dafür, dass Texte nicht zu verstehen waren und das Publikum so über weite Strecken ratlos dasaß – was wiederum die Akteure auf der Bühne stark bremste.

Buntes Mainzer Bild, aber zugleich same procedure as 2017: Thorsten Ranzenberger eröffnet mit seinem Schwellkopp-Träger-Lied. – Foto: gik

„Wir müssen an der einen oder anderen Stelle an der Technik Veränderungen vornehmen“, räumte SWR-Redakteur Günter Dudek nach der Generalprobe ein. Man sei „unter Zeitdruck“ in die Sendung gegangen, an der Beschallung des Saales müsse man bis Freitag noch arbeiten. Besonders stark wirkten sich die Probleme auch auf Christian Schier und Martin Heininger mit ihrer furiosen „Schiri“-Klaumauk-Nummer aus. Anstatt von den Lachsalven des Saals getragen und angespornt zu werden, wie sonst bei jedem Auftritt, blieb die Nummer merklich hinter dem sonstigen Erfolg zurück – ein eindeutig technisches Problem.

Und so war es in erster Linie die bissige Politikkritik, die die Mainzer Fernsehsendung durch die vier Stunden trägt. Da serviert gleich zu Beginn Erhard Grom ein starkes und höchst unterhaltsames Protokoll und reißt den Saal von den Sitzen, wenn er „die Kanalratte aus Washington“ in die Mainzer Kanalisation schickt – beim nächsten US-Präsidenten lassen wir in Mainz die Kanaldeckel offen und drücken feste die Spülung… Auch Lars Reichow gibt gegen Ende Gott, Trump und der Welt jede Menge Spitzen mit.

Zu Hochform läuft „Obermessdiener“ Andreas Schmitt auf: Über abgeschlaffte Fußballer wettert der gewichtige Schlussredner, und über „Nazifratzen“ und „faule Eier, im Land bekannt als Münzenmeier“. Und der Obermessdiener fordert eine Kirche ohne Zölibat und Missbrauchs-Priester ins Kittchen: „Erneuert die Kirche, ehrt so seinen Namen, gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit Amen!“

Hatten noch Mühe bei ihrem tollen Duett: Helmut Schlösser als „AKK“ und Florian Sitte als „Angela Merkel“ – Foto: gik

So politisch sind die Zeiten, dass selbst „Musiktherapeut“ Andy Ost politisch wird, es bekommt seinem schwungvollen Vortrag ausgesprochen gut. „Lehrer“ Detlev Schönauer wiederum ist ebenfalls deutlich bissiger als in den Vorjahren, und schließt nun seinerseits seinen Vortrag mit einer wunderschönen Mainz-Hymne nach „My Way“-Vorbild – Politik und Kokolores gehen in Mainz zunehmend eine Melange ein. Reinen Klaumauk bietet da noch Jürgen Wiesmann als „Party-Muffel“ – närrische Comedy auf Top-Niveau. Die Mainzer Hofsänger dagegen widmen sich statt der Politik dem Hofsänger-Casting und erleben es tatsächlich, dass gleich beim ersten Part der Saal fröhlich mitsingt – verstanden hat man sie sogar auch.

Das eigentliche Gipfeltreffen der Sendung hingegen schwächelte am Mittwoch noch deutlich: Florian Sitte legt zwar erneut eine ganz starke „Angela Merkel“-Parodie hin, die Kanzlerin in Altersteilzeit, die in ihren alten Aktenordnern ihre nie umgesetzten Vorhaben aus ihrer Anfangszeit findet, ist großes Narrenkino. Doch das Zwiegespräch mit Nachfolgerin AKK alias Helmut Schlösser blieb bei der Generalprobe reichlich blass. Der grandiose Helmut Schlösser als „AKK“ startet zwar pfiffig mit dem Saarländer Schwenkgrill – „damit kann ich aus der GroKo ausschwenken und bei schwierigen Themen umschwenken“ – doch dann fehlten der Nummer Tempo, Timing und Biss. Man werde gemeinsam überlegen, „wie wir das kompakter und homogener zusammenbringen“, sagte Dudek hinterher – die Nummer soll kürzer und pointierter werden.

Auch die zwei grantelnden Alten aus der Loge, Christian Schier und Michael Emrich, taten sich schwer. Vor zwei Jahren führte der SWR die Lästereien aus der Loge als neues Element ein, um die starre Abfolge von Nummer auf Nummer aufzubrechen. Doch was vor zwei Jahren glänzend funktionierte, wurde nun schon zur Routine, und man fragte sich angesichts des Polit-Feuerwerks auf der großen Bühne: Braucht es wirklich noch weitere Feinstaub-Kalauer von der Seite? Schade, die feinsinnige Bespiegelung der Narretei selbst wie vor zwei Jahren fand nicht mehr Recht statt. Damals lästerten Emrich und Schier noch darüber, dass keine einzige Frau auf der Bühne steht, dieses Jahr kommt das Thema gar nicht mehr vor – und Frauen auch nicht in die Bütt. Allein in den Balletts findet Frauenpower statt, allen voran „Fantasy“ mit ihrer grandiosen Afrika-Show.

Zum Highlight der Sitzung wurde denn auch ein Newcomer: Johannes Bersch legt als „Moguntia“ einen so furiosen politischen Rundumschlag hin, dass der Saal tobt und sich gar Sitzungspräsident Andreas Schmitt vor Bersch verneigt: „Ein Rolf Braun und ein Jürgen Dietz“, sagte der Schmitt in Anspielung auf verstorbene Größen der Mainzer Polit-Fastnacht, „die gucken jetzt von oben zu und applaudieren Dir.“

Info& auf Mainz&: Was der SWR mit dem Wechselspiel zwischen Politik und Rednern ursprünglich geplant hatte lest Ihr hier bei Mainz&. Dort verraten wir Euch auch, welche Promis zur Fernsehsitzung kommen. Mainz bleibt Mainz 2019 wird am Freitag, den 1. März, ab 20.15 Uhr live im Ersten übertragen. Unsere traditionelle Bildergalerie müssen wir leider aus Technikgründen nachliefern. Dafür haben wir einen Sonder-Korrespondenten mitgenommen: Marco Silbernagel hat für uns die Kokolores-Sparte unter die Lupe genommen, das Ergebnis lest Ihr hier auf Mainz&. Und wenn Ihr heute Abend „Mainz bleibt Mainz“ schaut – achtet mal auf die Helfer im Hintergrund. Mainz& hat die Kulissenschieber und Mikrofonträger, die Regisseure und Organisateure mal hinter den Kulissen begleitete: „Die heimliche Helfer der Mainzer Fastnacht“ lest Ihr hier.

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Der NÜV, der Narren Super-Held – Närrischer Überwachungsverein feiert seit fünf Jahren anarchische Fastnacht von unten

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Sie sind „der Narren-Superheld“, die selbsternannten Retter der echten Narretei, der „Närrische Überwachungsverein“ eben. Seit fünf Jahren macht sich ein Verein höchst närrischer Mainzer auf, die Fastnacht von unten zu unterwandern. Sie unterziehen Kneipen in der Mainzer Altstadt ihrer Fastnachtstauglichkeit und sie feiern „Poltersitzungen“ statt Prunksitzungen: Der NÜV gehört sicher zu den anarchischsten Entwicklungen, die die Mainzer Fastnacht in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Hervorgegangen aus der Hafeneck-Kneipenfastnacht der links-alternativen Szene, feiert der NÜV inzwischen mit großem Erfolg eigene Sitzungen auf einem Eventschiff auf dem Rhein.

Der NÜV, der Närrische Überwachungsverein, macht sich auf zur Poltersitzung 2019 auf dem Narrenschiff Cassian Carl. – Foto: gik

„Unser Ziel ist, die klassische Fastnacht wiederzubeleben“, sagt Endie Neumann, Sitzungspräsident des NÜV: „Wir sind die Alternative zur alternativen Fastnacht, aber nicht die Alternativen.“ Seit die Fastnacht in Mainz in den 1950er Jahren den Marsch in die etablierten Vereine antrat, hat es immer wieder alternative Gegenbewegungen gegen die in Ritualen erstickte Fastnacht der gesellschaftlichen Spitzenvertreter gegeben.

Vor 24 Jahren machten sich die Meenzer Drecksäcke so auf, die wahre Fastnacht vor den etablierten Spießern zu retten – die „Alternativfastnachter“ aus dem grün-linken Milieu stellten nach dem Vorbild der Kölner Stunksitzung in Mainz „Trunksitzungen“ auf die Beine und lasen nun ihrerseits nicht nur der Politik, sondern auch der etablierten Fastnacht die Leviten. Man schaffte Komitee und Narhallamarsch, Tusch und Schunkeln ab, eine große rosa Sau tanzt als Maskottchen durch die Drecksack-Sitzungen.

Die Meenzer Drecksäcke sind längst Kult, nun formieren sich gegen die etablierten Alternativen wieder neue Bewegungen. Keimzelle ist die urtümliche Kneipenfastnacht, wo „das Volk“ selbst in die Bütt steigt, wo mit Sitzungsformaten und Inhalten experimentiert wird. Da gibt es „Närrische Kellergelächter“ und Sitzungen in einer rollenden Straßenbahn, werden offene Kneipensitzungen gefeiert, wo jeder in die Bütt steigen darf.

Endie Neumann ist Sitzungspräsident beim NÜV und steht als Neustadt-Fred auch selbst in der Bütt. – Foto: gik

Beim NÜV besingen die Abgas-Amazonen den kommenden Giftmüll im Weisenauer Steinbruch, den Dieselgestank in der Stadt und den Altmüllduft der Schiffe auf dem Rhein und schmettern fröhlich: „Ja, das ist die Mainzer Luft, Luft, Luft!“ Die „Schoppepetzer“ besingen das arme Mariechen, das weinend vorm Fernseher sitzt und angesichts des Elends der Welt beschließt: „Wird Zeit dass wir Aufstehen, auf dass der Wind sich dreht!“ Nur leider haben die Schoppepetzer vor ihrem Vortrag schon ein paar Schoppe gepetzt, also getrunken, so kommt ihr Vortrag hochgradig schräg daher.

„Es ist ja auch eine Foltersitzung“, seufzt der Sitzungspräsident, und gesteht: „Wir sehen die Vorträge hier heute auch zum ersten Mal.“ Beim NÜV wird nicht gekastet und nicht geprobt, es gibt keine Wanderredner und keine Profis, hier redet jeder, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Im Jahr 2000 traf sich die Gruppe zum ersten Mal im legendären Hafeneck in der Mainzer Neustadt zur Wirtschaftsfastnacht. Die Sache wuchs, heute hat der Verein um die 60 Mitglieder. Die Sitzungen wurden größer und begehrter, da zog man um auf das Eventschiff Cassian Carl. Inzwischen feiert der NÜV hier im fünften Jahr seine höchst unkonventionell-anarchischen Sitzungen.

„Schorschi“ alias Klaus Deckert ist mit seinem Mammutsche aus den rheinhessischen Urland gekommen und fungiert ansonsten auch schon mal als Protokoller. – Foto: gik

„Viele, die auf der Suche sind nach etwas Frechem, kommen zu uns“, sagt Neumann. Er selbst nennt sich „ein Präsident im Exil“, als Sitzungspräsident mischte er schon die Rüsselsheimer Fastnacht auf. „Wir haben die Fastnachtswelt richtig auf den Kopf gestellt, da gab’s richtig Alarm“, sagt Neumann grinsend. Dabei halten sie beim NÜV gar nichts von allzumodernen Elementen: „Wir finden die Wurzeln hervorragend und wollen dahin zurück“, sagt Neumann – Fastnacht von unten wolle man machen, „wie es mal gedacht war.“

Und so haben sie beim NÜV ein Komitee, und bei jedem Einmarsch erklingt der Narhallamarsch. Die Sitzung eröffnet natürlich ganz traditionell ein Protokoller, „Klaus Doller“ alais Klaus Deckert bläst den braunen Horden in Chemnitz den Marsch, „Hase, Du bleibst hier“ inklusive. „Braune Böcke sind dort Gärtnergeselle, drum musste dort alles auf den Kopf stelle“, reimt Deckert, und lässt auch am Verfassungsschutz kein gutes Haar. Auch mit dem OB-Kandidat der CDU, Nino Haase, fremdelt er: „Politisch hat er noch nicht viel druff, aufräumen will er den Rathaus Muff“, doch ob der Haase mit doppel „a“ das Format für die Stadt habe – wohl kaum, findet der Protokoller.

Beim NÜV stehen Frauen nicht nur in der Bütt und sitzen im Komitee, sie haben gerne auch mal die Oberhand – wie die Suffragette Dori Emmert. – Foto: gik

Die Bütt, in der der Redner steht, erinnert an ein altes Fass. Das kaufte der NÜV jüngst aus dem Westerwald, ein Fastnachtsverein bereitete ihnen einen begeisterten Empfang: „Wenn schon wir nicht in die Meenzer Fastnacht schaffen, dann wenigstens unsere Bütt!“ Auch ein Prinzenpaar gibt’s beim NÜV, der Prinz muss selbst auch in die Bütt und legt eine höchst närrische Interpretation des saudischen Mordes an dem Journalisten Kashoggi auf: „Versteh ich recht? Die Leitung ist so schlecht! Das Gespräch hat Lücken – Zerteilen in ganz kleinen Stücken?“

Überhaupt sind Vorträge beim NÜV grundsätzlich gereimt, auch der der höchst politischen Biene alias Nicole Gerharz, die sehr ernsthaft den Untergang der Bienenvölker Dank Glyphosat-Hörigkeit geißelt und schimpft: „Pestizide in der Luft, das ist unser Frühlingsduft.“ Dazu wippen die überdimensionalen Narrenkappen, der NÜV-Orden ist eine Gasmasken-Eule, und eine Johanna von Kastel singt „Küss mich, liebe Fastnacht, Du schenkst uns Narren die Freiheit“, und das Lied kommt so rauchig und nostalgisch daher, wie eine verqualmte Kneipe morgens um halb vier.

Dazwischen lesen die diversten Redner der Politik die Leviten, lassen die Köpfe von Lobbyisten, Spekulanten und Verkehrsministern rollen, besingen den Männerschnupfen oder stellen das Ballett zu „Karl der Käfer“ mit Kettensägen in den Hambi-Wald. Sitzungspräsident Neumann zelebriert als OPriginal Neustadt Fred ein höchst närrisches Mittagsmenü, eine Suffragette erklimmt die Bütt und ein Weinkönig, der nur greint und wieder abgeht. „Sag mir Quando, sag mir, wann geht die Welt denn endlich unter?“ fragt der Chor Rote Neustadt.

Nostalgisch, bissig, wunderschöne gesungen: die Tontauben Marco Kantner & Daniel Steingass begeistern mit „Bad Mombach“ und Männerschnupfen-Ode. – Foto: gik

Vielleicht ja bei den „Tontauben“, die in wunderschönem 20-er Jahre Stil den „Luftkurort Bad Mombach“ besingen und zwischen Nestlé und dem Klärwerk ganz tief einatmen. Oder bei Schorschi, dem rheinhessischen Urmenschen, der samt Mammutsche von der Hochwasserwelle ans NÜV-Schiff gespült ward und am frühen Morgen feststellt: „Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, beim Meenzer ist es umgekehrt.“

„Wir sind Opfer und auch Täter, die Wahrheit ist meist unbequem“, schreibt Zuschauern und Politikern gleichermaßen „Wutbürger“ Jürgen List aus Heidelberg ins Stammbuch. Der hat einen Scheißhaufen auf dem Kopf und arbeitet sich philosophisch-nachdenklich und närrisch höchst treffsicher (und mit dem höchsten Niveau des Abends) durch die verschiedenen Untiefen der Welt, um am Ende dem kleinen Mann selbst aufs Korn zu nehmen: „Verarschst du dich? Ich denke: ja.“ Fastnacht von unten, fürwahr. „Fastnacht“, sagt Neumann, „sollte ja gerade so sein, dass sich unten und oben mal umdreht.“

Info& auf Mainz&: Den Närrischen Überwachungsverein findet Ihr hier im Internet.

 

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Üppiges Weihnachtsessen für 1.019 Euro – Wiesbadener OB Gerich lud 2017 Mainzer OB Ebling zu Festessen ein und zahlte mit städtischer Kreditkarte

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Die Affäre um Einladungen, Vergünstigungen und bezahlte Reisen des Wiesbadener Oberbürgermeisters Sven Gerich (SPD) ist offenbar noch lange nicht zuende – und nun schwappt das Ganze auch noch über den Rhein nach Mainz: Gerich nämlich lud kurz vor Weihnachten 2017 seinen Mainzer Amtskollegen Michael Ebling (SPD) samt Ehepartnern zu einem fürstlichen Weihnachtsessen, man tafelte üppig, genehmigte sich den teuersten Wein – am Ende beglich Gerich die Rechnung von 1.019 Euro mit der städtischen Kreditkarte. „Jahresabschlussessen“ stand auf der Abrechnung des üppigen Diners, das nun der „Wiesbadener Kurier“ öffentlich machte. Ebling beteuert, er sei von einem privaten Essen ausgegangen, Gerich jedoch betont, es habe „auch dienstliche Bestandteile des Essens“ gegeben. Nach bisherigem Stand will Gerich trotz allen Ärgers am Freitag zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ kommen.

Immer gerne auf Mainzer Festen unterwegs: Der Wiesbadener OB Sven Gerich mit dem Mainzer OB Michael Ebling auf der Johannisnacht vor einigen Jahren. – Foto: gik

Die beiden Oberbürgermeister Gerich und Ebling pflegen seit langem eine enge Freundschaft. Praktisch seit Amtsantritts Gerichs 2014 besuchte man sich viel, Gerich war gerne auf Festen in Mainz unterwegs – Johannisnacht, Weinfeste, so viel Besuch zwischen beiden Seiten war nie. Auch zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ kam Gerich jedes Jahr und amüsierte sich sichtlich – trotz der vielen Witze auf Wiesbadener Kosten. Für ein bundesweites Raunen sorgten die beiden Stadtchefs, als sie sich 2014 bei „Mainz bleibt Mainz“ vor laufenden Kameras gar über den Tisch hinweg umarmten und küssten – beide OBs sind homosexuell und stehen auch offen dazu. Beide sind zudem mit Ehepartnern liiert.

Doch was am Dienstag der „Wiesbadener Kurier“ veröffentlichte, sorgt für heftiges Kopfschütteln in Mainz: Für ein „Jahresabschlussessen“ lud Gerich kurz vor Weihnachten 2017 den Kollegen Ebling samt der jeweiligen Partner zum „Dinner für Vier“ in die edle „Villa im Tal“, eine historische Fachwerkvilla im Adamstal bei Wiesbaden, einst eine Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II..

Dem Zeitungsbericht zufolge, ließ man es sich gut gehen: ein dreigängiges Festmenü nebst Aperitif und Verdauungsschnäpsen, dazu vier Flaschen Wein und eine Flasche Champagner. Der teuerste Rotwein des Hauses kam auf den Tisch, zwei Flaschen zu je 158,- Euro das Stück. „Die Rechnung für die oberbürgermeisterliche Sause betrug 1019,70 Euro – bezahlt mit der Kreditkarte der Stadt Wiesbaden“, schreibt der „Kurier“.

Gerich selbst dementierte das auch gar nicht, das gemeinsame Tafeln der beiden Stadtchefs hat Tradition: Schon seit 2014 laden die beiden Oberbürgermeister sich regelmäßig zu Jahresabschlussessen ein, die jeweils im Wechsel bezahlt wurden. In den Jahren 2014 und 2016 habe er Sven Gerich samt dessen Ehemann eingeladen, auch sein eigener Partner sei dabei gewesen, teilte Ebling auf Anfrage von Mainz& mit.

Haben auch gerne zusammen Spaß in der Fastnacht: Michael Ebling und Sven Gerich beim Rosenmontagszug 2017. – Foto: gik

Ebling betont zugleich, die jeweiligen Mainzer Rechnungen habe er privat bezahlt und nicht über die Stadt Mainz abgerechnet. 2015 und 2017 sei Gerich der Gastgeber gewesen, 2018 habe aus terminlichen Gründen kein Jahresabschlussessen stattgefunden. Dass Gerich das 2017er-Essen über die Stadt Wiesbaden abgerechnet habe, „war mir nicht bekannt“, betonte Ebling weiter: „Die Höhe der Rechnung war mir nicht bekannt, der Rechnungsbetrag ist nicht angemessen.“ Weil es sich aber „aus meiner Sicht um eine private Einladung gehandelt hat, habe ich, den üblichen Gepflogenheiten entsprechend, auch nicht nach den Kosten für das Essen gefragt.“

Essenseinladungen und dienstlich veranlasste Bewirtungen seien bei Oberbürgermeistern durchaus üblich, heißt es derweil in beiden Pressestellen in Mainz und Wiesbaden. In Mainz gibt es dafür gar entsprechende „Verfügungsmittel“ im Haushalt der Stadt, das entspreche im Übrigen den Vorgaben der Gemeindehaushaltsverordnung Rheinland-Pfalz, betont ein Sprecher. Ebling selbst sagte, er habe in den vergangenen Jahren „durchschnittlich 3.750 Euro pro Jahr für dienstlich veranlasste Bewirtungen abgerechnet.“

Gerich habe in den sechs Jahren seiner Amtszeit im Schnitt 3.900 Euro pro Jahr für Geschäftsessen ausgegeben, sagte eine Sprecherin in Wiesbaden auf Anfrage. Die städtische Kreditkarte sei im Übrigen auf Ausgaben von 2.500 Euro pro Monat gedeckelt. Gerich selbst beglich zwei Tage nach Bekanntwerden der Weihnachtssause die 1.019 Euro aus seiner Privatkasse, dazu zwei weitere gemeinsame Essen zu 310,- Euro und 275,- Euro. Er habe das Geld beglichen, „obwohl es auch dienstliche Themen als Bestandteil des Gesprächs gegeben habe“, zitiert ihn der Wiesbadener Kurier weiter: um die Citybahn sei es dabei unter anderem gegangen.

Vor vier Wochen hatte Gerich völlig überraschend verkündet, sich nicht Ende Mai zur Wiederwahl als Oberbürgermeister zu stellen, nachdem massive Vorwürfe wegen diverser Einladungen, auch zu Urlauben, bekannt geworden waren. Gerich hatte im Januar gesagt, er sei zu Beginn seiner Amtszeit zu „blauäugig“ gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Vorteilsnahme im Amt. In der Mainzer Fastnacht haben Wiesbadener Witze derweil Hochkonjunktur, die Narren lästern mit Wonne über den feierfreudigen OB aus „Filzbaden“. Nach bisherigem Stadt wollte Gerich trotz der Affären am Freitag zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ kommen – auf Einladung des Mainzer OB Ebling.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Rückzug Gerichs vom Oberbürgermeisteramt und der gesamten Affäre lest Ihr hier bei Mainz&.

 

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Die Welt voll Müll, die Rindviecher groß, der Stau so tödlich, der Flieger als Nachtschreck – Grandiose Motivwagen 2019

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Zugnummer 67: "Zum Kotzen" - Foto: gik

Der Welt geht es schlecht, aus ihrem Schlund quillt ein unaufhörlicher Strom. Es sind Plastiktüten, Plastikkanister, Plastikbecher – die Welt erstickt an Müll, und die Narren finden das gar nicht komisch. Mit spitzer Feder glossieren die Mainzer Fastnachter auch in diesem Jahr wieder die hohe Politik und nehmen Pleiten, Pech und Missgriffe aufs Korn. Da kippt SPD-Chefin Andrea Nahles aus den viel zu großen SPD-Latschen, die Queen türmt vor dem Brexit und Donald Trump verpupst als riesiges Rindvieh das Weltklima. Elf politische Karikaturen in dreidimensionaler Form hat Wagenbauer Dieter Wenger für den Mainzer Rosenmontagszug gezaubert, mit seinen Konstruktionen übertrifft sich der 79-Jährige in diesem Jahr selbst. Und auch, dass es überhaupt elf Motivwagen 2019 geworden sind, haben die Mainzer Narren dem persönlichen Einsatz Wengers zu verdanken.

Der Welt geht schlecht, sie erbricht Plastikmüll… einer von elf grandiosen närrischen Motivwagen von MCV-Wagenbauer Dieter Wenger. – Foto: gik

13 politische Motive rollten all die Jahre immer im Mainzer Rosenmontagszug, in diesem Jahr sind es nur 11 – und wäre es nach dem Mainzer Carnevals-Verein (MCV), dem Organisator des Rosenmontagszuges, gegangen, wären sogar nur zehn Wagen geworden. Der MCV steckt in Geldnöten, 2018 ging das Geld aus, Sponsoren sprangen ab, gleichzeitig wurden Material und Mitarbeiter teurer. „Ich habe meine Frau überredet, dass wir dieses Jahr keinen Urlaub machen“, verriet Wenger im Gespräch mit Mainz& – den elften Wagen habe er aus eigener Tasche bezahlt. „Es war schwierig“, gestand er, seine Frau sei nicht unbedingt erfreut gewesen – doch die Zahl Elf habe einfach sein müssen.

Und das hat sich so richtig gelohnt: Unglaublich ausdrucksstark, dazu politisch bissig und hochaktuell präsentieren sich die Motivwagen 2019. Seit nunmehr 57 Jahren baut Wenger die närrischen Motivwagen, der 79-Jährige ist längst eine Legende in der Wagenbauer-Szene. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in Düsseldorf und Köln arbeitet Wenger mit Stahlkonstruktionen und Styroporblöcken, dadurch sind seine Motive haltbarer und erlauben atemberaubende Konstruktionen. Da schwebt die Erdkugel völlig frei in der Luft, „das macht uns keiner nach“, sagt Wenger zufrieden. Und die Queen setzt im Hürdensprint über den Grenzpfahl in Richtung EU, den Asylantrag in der rechten Hand, ihre geliebten Corgies fliegen links hinter ihr her. „Der Brexit wird der Queen zu viel, drum bittet Lisbeth um Asyl“, reimen die Mainzer Narren dazu: „Fucking May!“

Queen Lisbeth türmt aus Great Britain, der Brexit raubt ihr den letzten Nerv – jetzt sucht sie Asyl in Europa! – Foto:; gik

Ja, es geht derb zu in diesem Jahr in Mainz, doch das ist dem allgemeinen Weltklima geschuldet. Was können die Narren auch dafür, dass das Rindvieh zum Problemvieh wird, und das eben nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Weltpolitik: „Verpupst das Klima, macht meistens „Muh“, Donald Trump zählt auch dazu.“ Der riesige Stier aus den USA verpestet das Weltklima, was ein Rindvieh, finden die Mainzer Narren.

Auch in der Innenpolitik geht es rau zu: Da zielt der Jäger aus Bayern mit dem Gesicht von Horst Seehofer auf die Häsin Angela, doch das Gewehr geht nach hinten los, der Horst, er kippt schon… „Auf die Fresse“ gefallen ist bereits Andrea Nahles direkt daneben, die SPD-Chefin ist aus den viel zu großen roten Pumps mit der Aufschrift SPD gekippt. „Sie hat geprahlt, nicht zu vergesse, die CDU kriegt auf die Fresse“, reimen dazu die Narren, und finden: „Vorbilder sehen anders aus.“

Der arme ausgemerkelte GroKo-Gaul ist zuschanden geritten, da hilft auch die AKK-Möhre (nicht im Bild) vor dem maul nicht mehr…. – Foto: gik

Das gilt auch für den AfD-Mann gleich nebenan: „Vorne Biedermann, kann kein Wässerchen trüben, und auf der Rückseite kommt er zündelnd raus“, sagt Dieter Wenger, und weist auf den wahrhaft angsteinflößenden deutsch-nationalen Glatzkopf mit Brandfackel und Hitlergruß – der Narren Kommentar zu den Ereignisse in Chemnitz. „Es wird gezündelt und gehetzt, an der Seite vieler AfD-Politiker marschieren Neonazis und Skinheads – da helfen auch keine seriösen Anzüge und hübschen Wahlplakate“, kritisieren die Mainzer Fastnachter.

Eine Bauchlandung macht ein paar Schritte weiter auch der GroKo-Gaul, das arme Tier ist regelrecht „ausgemerkelt“, unerbittlich platt geritten von der Kanzlerin. „Die Merkel versucht noch, mit einer AKK-Karotte den Gaul zum Aufstehen zu bewegen, aber vergeblich“, sagt Dieter Wenger schmunzelnd. „Schwarz-Rot regiert mit Mühʼ und Not“, reimen dazu die Narren: „Die Merkel lebt, der Gaul ist tot!“

Es sind diese kleinen, pfiffigen Details wie eben die Karotte, die Wengers Spezialität sind. Den Müll für die Weltkugel haben sie wochenlang in der Wagenhalle gesammelt, der echte Müll wurde 14 Tage lang mit Lack auf dem Wagen besprayt, damit der Berg hält. Die Insassen des staugeplagten Mainzer Autos sind längst zum Skelett geworden, in der Schlange verstorben, sozusagen, und um ihr Auto herum nisten längst riesige Spinnen, derweil der Wegweiser hinter ihnen nicht länger nach Wiesbaden., sondern nach Filzbaden weist – ein Hinweis auf die jüngsten Skandale rund um Einladungen, Essen und üppige Reisen des Wiesbadener Oberbürgermeisters Sven Gerich (SPD).

Offenbar dauerte der Stau im Mainzer Baustellendschungel doch ein bisschen länger… – Foto: gik

Nebenan erlebt der Mainzer Michel jeden Morgen in seinem Bett einen wahren Horrortrip: Pünktlich um 4.55 Uhr heißt es „Steh auf, weil Du halt Mainzer bist“, denn dann donnert der erste Frankfurter Flieger nicht nur übers Haus, sondern gleich direkt durchs Bett des armen Narren. Der sucht Ruhe in Schnaps und Baldrian, doch vergeblich: „Zur Morgenstundʼ geht’s richtig rund, statt Gold hat Lärm sie nur im Mund“, reimen die Narren: „Der Nachtschreck kommt um vor 5.00 Uhr morgens, täglich grüßt das Düsenmonster.“

Wengers Running Gag ist aber jedes Jahr der kleine Narrenhund, wo er dieses Jahr sein Beinchen heben wird, weiß der Wagenbauer noch nicht so richtig. Vergangenes Jahr war es der Mainzer Bibelturm, der schon bedrohlich auf seine Erfinderin kippte, in diesem Jahr feiern an seiner Stelle die Platanen vor dem Gutenberg-Museum, dass der Turm nicht kommt: „Hurra, wir leben noch!“ heißt’s auf dem Wagen mit der Zugnummer 8, auf dem sich zwei Platanen fröhlich abklatschen. Natürlich werde das Hündchen nicht an den Bäumen sein Beinchen heben, sagt Wenger entrüstet: „Die mag er ja.“

Nein, das närrische Hunde-Geschäft wird wohl eher an einem speziellen Wagen zum Einsatz kommen: Dort, wo der Herr Pfarrer aus einer Gemeinde in die nächste flüchtet, den Koffer „Ihr Kinderlein kommet alle zu mir“ fröhlich in der Hand schwenkend. Im verlassenen Haus hinter ihm schwenken derweil all die ihre Protestschilder, die „Meetoo“ sagen müssen – der bitterböse Kommentar der Narren an den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche, zusammengefasst in dem, was sie „Schweinepriesters Nachtgebet“ nennen: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich zu den Kindlein komm./ Schließ die Augen, schau nicht hin, wenn ich übergriffig bin./ Werdʼ ich doch geschnappt dabei, schick mich in die nächst Pfarrei.“

Info& auf Mainz&: Die 11 närrischen Motivwagen rollen am Rosenmontag, den 4. März ab 11.11 Uhr im Mainzer Rosenmontagszug durch die Straßen. Das ist aber nicht die einzige Chance, bei der Ihr die großartigen Karikaturen bewundern könnt: Am Fastnachtssonntag lädt der MCV ab 11.11 Uhr zur Parade der Garden – und anschließend zum Tanz auf der LU mit der Parade der Motivwagen. Und hier noch schnell unsere Bildergalerie zu den Motivwagen 2019:

 

 

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Guggemusik, Umzüge, Motivwagen auf der LU – Mainzer Narren starten in die Straßenfastnacht 2019 – Winterferien nerven

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Und es trommeln die Guggemusiker. - Foto: gik

Es ist so weit: Die Fastnacht verlegt ihre Aktivitäten auf die Straßen der Stadt, vom morgigen Weiberfastnacht an herrscht Ausnahmezustand in der Innenstadt von Mainz. Sechs Tage lang wird nun Gott Jokus gehuldigt, müssen sich Alltag und Alltägliches hinten anstellen. In den Rathäusern und Ortsverwaltungen haben längst die Narren das Szepter übernommen, nun geht es auch los mit Umzügen, Guggemusikfestival und dem Tanz auf der LU. Eine Lücke aber wird am Fastnachtssamstag gerissen: Für den wegen der Winterferien verlegten Jugendmaskenzug gibt es keinen Ersatz. Interessant wird auch: Sorgen die Winterferien für weniger Besucher bei den Umzügen und für Einbußen beim Umsatz?

Jetzt geht die große Freiluftparty wieder los, die Mainzer Straßenfastnacht startet! – Foto: gik

Los geht es am morgigen Donnerstag: Pünktlich um 11.11 Uhr startet die große Narrenparty zur Weiberfastnacht, sechs Stunden lang wird dann Open Air auf dem Schillerplatz abgefeiert. Gleich zu Beginn heizen die Bockius-Brüder gemeinsam mit den RotRock-Rappern der Mainzer Prinzengarde der Narrenmenge ein, in dichter Folge rocken Pit Rösch, die Spaßmacher, die Altrheingarde, Thomas Neger mit seinen Humbas und Oliver Mager die Bühne. Den Abschluss machen ab 16.20 Uhr Dirty Glamour, gegen 17.11 Uhr endet das Bühnenprogramm.

Es ist der Auftakt zu einem rauschenden Fastnachtswochenende in Mainz. Auf der Ludwigsstraße ist erneut das Narrenzelt aufgebaut, hier tobt an allen Tagen die Narrendisco. An Weiberfastnacht lädt die Prinzengarde zur „Lastnight“ in die Rheingoldhalle, die Sitzung selbst ist ausverkauft, für die Party danach gibt es indes noch Karten. Auch die Garde der Prinzessin lädt zum Altweiberball auf dem Eventschiff Cassian Carl, am Samstag folgen die großen Fastnachtsbälle der Prinzengarde in der Rheingoldhalle und des Gonsenheimer Carnevals-Verein in Gonsenheim.

Am Samstag dann steigt um 14.11 Uhr die Vereidigung der närrischen Rekruten, ein Pflichttermin für alle Garden und ihre Fans. Die Vereidigung findet in diesem Jahr auf dem Markt statt, hier wird auch eine kleine Bühne für Stimmung sorgen. Eine Lücke reißt allerdings der Jugendmaskenzug: Wegen der erstmals stattfindenden Winterfreien, musste der größte Kindermaskenzeug Europas zwei Wochen früher stattfinden. „Da ist schon ein Loch entstanden, am Fastnachtssamstag fehlt da schon ein Highlight“, sagte der Präsident des Mainzer Carnevals Vereins (MCV) dieser Zeitung. Der MCV lädt deshalb zur Party an den Schillerplatz, inwieweit das zündet, bleibt spannend.

Die Guggemusiker sind auch wieder los! – Foto: gik

Überhaupt könnten die neuen Winterferien für allerhand Lücken sorgen: Viele Mainzer, gerade Familien mit Kindern, nutzen die Winterferienwoche, um noch mal schnell in den Süden oder zum Skifahren zu entfleuchen., Das könnte auch Auswirkungen auf die Umzüge haben: weniger Besucher am Straßenrand, weniger Umsatz für die Fastnachtsbuden und Verkaufsstände. „Die Winterferien braucht doch kein Mensch“, wettern die Narren aus der Bütt. „Erst bereiten die Leute wochenlang Sachen vor, und dann jagt man das Publikum aus der Stadt“, schimpft der Sitzungspräsident des „Närrischen Überwachungsvereins“ (NÜV), Endie Neumann: „Man nimmt den Kindern das Brauchtum.“ Das sei auch ein wirtschaftlicher Aspekt, findet Neumann: Anstatt in der Fastnacht werde das Geld dann eben in Bayern oder Österreich ausgegeben.

Am Fastnachtssamstag werden vom Ausfall des Jugendmaskenzuges vermutlich die Umzüge in den Vororten profitieren: Durch Kastel und Kostheim etwa zieht ab 13.11 Uhr der beliebte AKK-Umzug. Am Fastnachtssonntag dann folgt um 11.11 Uhr die Parade der närrischen Garden auf der Ludwigsstraße, ab 13.11 Uhr heißt es hier: Tanz auf der LU, erneut mit den musikalischen Fastnachtsakteuren der Stadt. Zwischen ca. 12.00 Uhr und 17.00 Uhr sind hier vor allem die elf Motivwagen des MCV zu sehen, die Besucher haben so Zeit, die politischen Karikaturen ausgiebig zu bestaunen und zu fotografieren. Aber beeilt Euch: Sollte das Wetter schlecht werden, rollen die närrischen Motive frohzeitig wieder heim in die Wagenhalle, schließlich müssen sie für den großen Auftritt im Rosenmontagszug gerüstet sein.

Glasverbot an Weiberfastnacht rund um den Schillerplatz. – Grafik: Stadt Mainz

Um 17.11 Uhr steigt dann rund um das Narrenzelt auf der LU das 6. Guggemusik-Festival: Vier der beliebten Anarcho-Kappellen mit ihren fantastischen Kostümen ziehen dann im 30-Minuten-Takt durch die Altstadt und präsentieren ihr jeweiliges musikalisches Feuerwerk, Abschluss ist gegen 21.00 Uhr am Narrenzelt.

Die Sicherheit wird auch in diesem Jahr wieder groß geschrieben, rund 1.000 Polizisten werden während der närrischen Tage allein in Mainz im Einsatz sein. Auf dem Schillerplatz und in angrenzenden Straßen gilt erneut ein Glasverbot, an Weiberfastnacht von 8.00 Uhr bis 17.30 Uhr und an Rosenmontag ab 8.00 Uhr bis Fastnachtsdienstagfrüh um 8.00 Uhr, dann sogar auf der gesamten Narrenmeile. Auch ein Drohnenverbot wurde von Donnerstag an bis einschließlich Fastnachtsdienstag verhängt, und zwar für alle denkbaren Flugmodelle. An Rosenmontag gilt auch wieder ein LKW-Fahrverbot, die gesamte Innenstadt ist dann praktisch für den Verkehr abgeriegelt – mehr dazu erzählen wir Euch die kommenden Tage. Den Abschluss der Straßenfastnacht bilden dann am Fastnachtsdienstag der Finther „Umzug der Lebensfreude“ und die traditionelle Kappenfahrt mit Cabrios in der Innenstadt: Ab 15.11 Uhr werden beim närrischen Corso dann die letzten Süßigkeiten unters Narrenvolk gebracht.

Info& auf Mainz&: Informationen zu den Vorort-Umzügen in Mainz findet Ihr hier auf der Internetseite der Stadt Mainz. Alles rund um die Straßenfastnacht steht beim MCV auf der Internetseite, genau hier.

 

 

 

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„Singen ist gesund“ – Närrische Nachtvorlesung am 27. Februar mit Piet Rösch und Margit Sponheimer

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Na, habt Ihr noch Lust auf Fastnacht? Dann haben wir was für Euch, leider sehr kurzfristig: Am heutigen Mittwochabend lädt die Universitätsmedizin Mainz zur närrischen Nachtvorlesung. Start ist um 19.11 Uhr, das Thema ist in diesem Jahr: „Ist Singen gesund?“ Der wissenschaftlich-närrische Vortrag wird gehalten von dem Chef der Poliklinik für Chirurgie und Nachtvorlesungs-Initiator Christian Vahl. Die Ehre geben sich im Hörsaal aber auch wieder zahlreiche Fastnachtsgrößen, darunter „Straßenmusikant“ Pit Rösch, „Bajazz“ René Pschierer oder MCV-Ehrenpräsident und Ur-Fastnachter Rudi Henkel. Und beim Thema Singen darf eine natürlich nicht fehlen: Fastnachtsikone Margit Sponheimer. Und weil uns die Einladung erst jetzt, wenige Stunden vor dem Termin, erreicht hat, kommt jetzt hier ausnahmsweise einmal die Mitteilung (fast) im Wortlaut der Unimedizin.

Fastnachtsikone Margit Sponheimer gibt sich die Ehre bei der närrischen Nachtvorlesung heute in der Mainzer Unimedizin. – Foto: gik

Am heutigen Mittwoch, 27. Februar, um 19.11 Uhr lädt die Universitätsmedizin Mainz zur Närrischen Nachtvorlesung ein. Auch in diesem Jahr geben sich bei der Veranstaltung beliebte Größen der Meenzer Fassenacht wie beispielsweise der „Straßenmusikant“ Piet Rösch, Fastnachtssängerin Margit Sponheimer, der Bajazz mit der Laterne René Pschierer oder der Ehrenpräsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) Rudi Henkel die Ehre.

Wie jedes Jahr werden charismatische Vertreter der politisch literarischen Mainzer Fastnacht diesen besonderen Abend gestalten. Das Publikum darf sich auf Peter Krawietz als Protokoller freuen, der sich mit seinen geschliffenen Vorträgen in die Herzen der Zuhörer gespielt hat. Rudi Henkel, Ehrenpräsident des MCV, wird in bewährter Weise das aktuelle Fastnachtsmotto politisch literarisch ausfeilen, ironisieren und gekonnt kommentieren. Rene Pschierer, der Bajazz mit der Laterne, stets ein Kandidat für die Fernsehfastnacht und eine der großen Kultfiguren des MCV, wird seinen in der Presse gepriesenen Vortrag im Hörsaal halten.

Es gibt aber auch wieder den akademischen Vortrag, in diesem Jahr zum Thema „Ist Singen gesund?“ vom Direktor der Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätsmedizin Mainz und Initiator der Nachtvorlesung Univ.-Prof Dr. Christian Vahl. Musik darf bei der Hörsaalfastnacht der Universitätsmedizin natürlich nicht fehlen: so dürfen sich die Hörsaalfastnachter auf den Musikzug der Fischergarde freuen und vor allem auf die emotionalen und fröhlichen Fastnachtslieder von Piet Rösch. Das lädt zum Schunkeln ein. Auch die Bänkelsänger werden in diesem Jahr als Highlight dabei sein. Und natürlich wird es auch wieder Überraschungsgäste als Aktive geben, die viele Mainzer sehr gut aus der Fernsehfastnacht kennen. Die Veranstalter sind besonders froh, dass auch der im vergangenen Jahr fastnachtlich umjubelte Wissenschaftliche Vorstand und Dekan der Universitätsmedizin Mainz Univ.-Prof. Dr. Ulrich Förstermann seine Teilnahme zugesagt hat und der Veranstaltung einen akademisch, fastnachtlichen Kick geben wird.

Info& auf Mainz&: Närrische Nachtvorlesung am Mittwoch, 27. Februar 2019, 19.11 Uhr. Veranstaltungsort ist der Hörsaal der Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz (Gebäude 505H, Universitätsmedizin Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz). Eintritt und Bewirtung sind frei. Als Eintrittskarte gilt die Verkleidung.

 

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Im Zeichen der Sau, des Partybiestes, des Flying Schweins – Meenzer Drecksäcke feiern 24. Kampagne mit viel Politik

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Wo die Sau tanzt... feiern die Meenzer Drecksäcke ihre große Fastnachtsparty! - Foto: gik

Alarm, bei den Meenzer Drecksäcken! Die rosa Sau ist getürmt, das fluffige Fastnachtsmaskottchen will jetzt hoch hinaus: OB von Schweinfurt will die Wutz werden, zur Met(t), oder doch lieber Kommissar werden? Ja, sagt Mutter Becker, „die Karrierechancen bei den Drecksäcken sind ja auch nicht so dolle, und so schlecht, wie Ihr sie behandelt habt…“ Mit viel Selbstironie starten die Alternativfastnachter in ihre 24. Spielzeit im Haus der Jugend, wobei: so alternativ ist man eigentlich gar nicht mehr. Da wird hemmungslos im Saal geschunkelt, von der Bühne klingt das „Gelle gern“, und Ady Schmelz ist längst Stammgast und hat „Konfetti in der Blutbahn“. Wie gut, dass die Drecksäcke wenigstens noch politisch sind: Bibelturm, Dieselfahrverbot, MCV, Dezernentenschwund im Rathaus – alle kriegen satt ihr Fett weg. Und OB Michael Ebling setzen die Drecksäck eins ums andere mal eine Krone auf…

Unverzichtbarer Star bei den Meenzer Drecksäcken: die rosa Sau muss einfach durch den Saal tanzen. – Foto: gik

„Ich bin für was Größeres geboren“, schimpft die Sau in der Straßenbahn, klarer Fall: Der Wutz reicht’s, die Zukunft ist nicht rosig, es muss was Besseres her als immer schwindelig durch den Saal getrieben zu werden. Daheim aber verzweifeln sie: Ob der Mainzer Carnevals Verein (MCV) die Sau abgeworben hat? Lag’s am Essen oder am harten Bett im Lager? Und woher kriegt man Ersatz? Also suchen die Drecksäcke die Super-Sau, doch es bewerben sich nur Winzlinge, Maggi Sponheimer oder so ein komischer rosa Flamingo, der irgendwie Ähnlichkeiten mit einem Partybiest namens OB hat…

2018 hatten die Meenzer Drecksäcke mit ihrem furiosen „Haus of Drecksäck“ einen echten Film-Hit gelandet, 2019 kehren sie zu ihren Wurzeln zurück. Der Eröffnungsfilm ist kürzer und Meenzerischer, wenn man so will, und natürlich geht die Eskapade gut aus: Im Schweinemuseum hängt doch tatsächlich ein Foto der im Saal tanzenden Sau, da kehrt das Borstenvieh reumütig ins HdJ zurück. Und so kann auch in diesem Jahr die knuddelige Riesenwutz ausgelassen über die Köpfe der Besucher tanzen, was sie denn auch ausgiebig nach jeder Nummer tut. „Herzlich willkommen im Jahr des Erdschweins!“, ruft Moderator Günter Beck dem Narrenvolk zu, das chinesische Jahreszeichen stehe für „Partybiest, Witze, Lache, Unfug mache – passt doch.“

Muss jetzt auch noch als Elvis-Double die Stadt retten: Bürgermeister und Moderator Günter Beck, beobachtet von Tochter Melia Pace. – Foto: gik

Dabei heißt das offizielle Motto der Sitzung eigentlich „Wenn die Gondeln Bauern tragen“, es geht natürlich um Verkehr, Fahrverbote und Citybahn und die Frage: Wo ist da noch Luft? Die Deutsche Umwelthilfe verklage jetzt demnächst alle Kinderkarussells, weil da noch Autos mitfahren, lästern die Drecksäcke – und bauen einfach eine Seilbahn von Finthen nach Kastel. Was übrigens – mal abgesehen von der Streckenführung – gar nicht so eine Schnapsidee ist, was Ihr hier nachlesen könnt. Die Zwischenmoderationen von Günter Beck und seiner genialen Partnerin Birgit Schütz, der Frau der tausend Rollen, sind längst eigene Kabarettnummern geworden, und so zelebrieren die zwei in einer Art Harald Schmidt-Nummer auch gleich ihr eigenes Jahresprotokoll von Frankfurter Lufttaxis bis hin zum Denver Clan alias Filzbaden, wo sich Rotkäppchen Gehrig vom bösen Wolf füttern lässt, bis sich das Volk am Ende „König Michael I.“ vom anderen Ufer unterwirft…

Es ist wahrlich nicht das letzte Mal, dass OB Ebling (SPD) sein Fett wegbekommt an diesem Abend:  Bei der Laienspielgruppe hat „der machtbesessene Michael“ gar unterirdisch einen Bibelturm gebaut und plant direkt vor dem Römischen Kaiser ein Triumphdenkmal für die SPD. Da kann nur noch ein Zauberer helfen, und so muss ein stark gealterter Harry Potter gegen den dunklen König antreten, der die Schlussrechnung einfach seinem Nachfolger vor die Füße wirft, denn der Haase hat ja noch drei Millionen von „Schlag den Raab“ übrig… In einer äußerst schrägen Nummer nimmt die bunte Truppe das Bibelturm-Desaster und gleich auch den Absturz der SPD („Sekte politischen Desasters) aufs Korn, mischt auch noch den Zollhafen mit der Schiffsproblematik hinein und streift Chemnitzer Rechtsextreme und arabischen Journalistenmord. Am Ende bleibt der Zuschauer ein wenig ratlos zurück – wie im wahren Leben eben.

Starker Abgesang auf Winter, Jahreszeiten und den Rhein: Die Weather-Girls Karla Martin, Anke Eckhardt und Stephanie Oehler besingen den Klimawandel. – Foto: gik

Doch es ist ja nicht so, als hätte der OB keine Ideen: Ein Elvis-Double muss die Stadt retten – und natürlich muss sein Stellvertreter das Double mimen. „Ich bin Bürgermeister und nicht de King“, sagt der Günter. „Burger-King“, grinst seine Tochter Melia Pace: „Beck the Neck statt Elvis the Pelvis!“ Die Drecksäcke sind am stärksten, wenn sie nicht nur ihre Stadt, sondern sich selbst auf den Arm nehmen, und wo gibt es das schon, dass sich ein veritabler (grüner) Bürgermeister gnadenlos selbst zum Clown macht? Immer gelingt das indes nicht – etwa wenn Beck über die Mitbabbel-wollenden Mainzer herzieht „“Manchmal ist es besser, die babbeln nit mit“) und sich über Bürger mokiert, die die Standuhr am Münsterplatz vermissen….

Für die absolut richtigen Töne sorgen die Weather-Girls: Die stark geschrumpfte Frauentruppe haben Klimawandel und besingen den „Winter adé“ und die verschwundenen Blumen, sitzen am Schiffskai in Finthen oder im rheinhessischen Sand – ein starker, schwungvoller Einstieg in die Sitzung: „Summertime, und kein Platz im Taubersberg, der Rhoi ist fast leer, und keine Brunne am Laufe, der Shoppe wird zum Glühwein“, singen sie und fordern: „Hallelujahr, lass regnen Hirn!“

Großes Narrenkino: Karl Lagerfeld alias Birgit Schütz versucht verzweifelt, Zugmarschall Ady Schmelz alias Günter Beck einzukleiden. – Foto: gik

Große Intonationsprobleme haben dagegen die „Uferlosen“, der schwul-lesbische Chor besingt sehr schräg den grassierenden Wohnungsmangel und sucht herrlich-närrisch nach Abhilfe jenseits der unbezahlbaren Luxusbehausungen. Da wäre etwa Nest-Sharing bei den Flamingos, ein Jahresticket der Mainzelbahn oder die ohnehin leer stehenden Läden – glücklich wird das Finther Bauernpaar am Ende im echt Meenzer Wohnfass und schmettert in den Saal: „Wir erobern uns jetzt die Stadt zurück!“ War da nicht mal eine Partei mit einem ganz ähnlichen Slogan……

Eine musikalische Klasse für sich ist fraglos die Drecksau-Band, die Combo um Frontmann Hans „Ernst“ Becker packt wunderschöne neue Lieder wie den „Mond überm Mainzer Dom“ aus und singen den „MCV Blues“: „Das Geld geht jetzt aus beim MCV, die Kasse ist leer, die Zukunft ganz mau, nie mehr Kappenfahrt mit Pelz im Cabrio…“ Ja, wer den Schaden hat, muss in Mainz auf den Spott nicht lange warten – und Ex-Dezernent Christopher Sitte kriegt es gleich zigfach. „Mainz strahlt in bunter Pracht, wenn Sitte aus Akten Konfetti macht“, lästert Birgit Schütz. „Kann nicht sein“, kontert Beck, „der hat nie eine Akte produziert…“ Bei den Drecksäcken aber gibt’s statt Tusch E-Gitarren-Riffs, da wird die Sitzung zum veritablen Rockkonzert.

Ganz stark in Form: Prediger Peter Eisenhuth hat viel zu tun mit dem Zustand der Welt und hebt damit gleich mal den Saal aus den Angeln. – Foto: gik

Als sprachlich verwirrte Touristin irrt Anke Eckhardt durchs schöne Mainz: „Alles was du so erzählst, hört sich irgendwie nice an“, singt die den komischen Mann mit der roten Nase und der karierten Hose an: „Ich kann kein Meenzerisch, aber bitte red‘ weiter…“ Eine wunderschön gesungene Persiflage auf den Sommerhit 2018. International ist in diesem Jahr Markus Höffer-Mehlmer unterwegs, seine feurige Dolores bricht eine sehr närrische Lanze für die Vielfalt Europas und singt gar am Ende: „Eviva Europa!“ Als Reisende aus Hamburg kommt auch Christine Eckert nach Mainz – als Sextouristin in die Fastnacht, ein wunderbar gespielter Einstand von Christine Eckert bei den Meenzer Drecksäcken. Als martialische Stammeskrieger begeistert die Männertanzgruppe, völlig unverständlich, dass der Saal da nicht geschlossen steht und feiert…

Restlos rockt den Saal schließlich vor allem einer: Prediger Peter Herbert Eisenhuth brennt ein wahres Feuerwerk an bitterbösen Spitzen gegen Gott und die Welt, Kirche, Facebook, Klimawandel und Donald Trump ab, und redet Klartext: „Nationfucker shut up!“ Natürlich beerdigt der Prediger die alte Tante SPD („Beseelt vom eigenen Untergang, so machst du Politik, jetzt hasts du’s bald geschafft…“), besingt Marktfrühstück und Bibelturm und lässt OB Ebling singen: „Und immer wird es Zeit wird zu gehn, hole ich mir noch ein Glas und bleibe steh’n.“ Keine Frage: Der Prediger ist in Hochform, erst Recht wenn er mit Blick nach Chemnitz und Sachsen singt „und immer wieder, dieselben braunen Brüder“ – da gibt es die Ovationen der Drecksäcke schon mitten im Vortrag. „Die Welt geht aus den Fugen, nur eines hat Bestand: einmal im Jahr im HdJ, die Drecksau in der Hand“, reimt der Prediger: „Whoever touched the flying Schwein, der will nie wieder fott.“ Und dann fliegt die rosa Sau wieder…

Info& auf Mainz&: Mehr zum „House of Drecksäck“ des Jahres 2018 gibt es hier bei Mainz&, die Meenzer Drecksäck selbst findet Ihr hier im Internet. Und natürlich darf unsere Fotogalerie 2019 nicht fehlen – bittesehr:

 

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Bersch, Grom, Reichow und Helmut Schlösser als AKK – Das Programm für Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ 2019 steht

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Dann granteln die närrischen Alten zum ersten Mal vom Logenrand: Christian Schier und Michael Emrich. - Foto: gik

Der SWR macht seine Andeutungen wahr: Angela Merkel wird kommende Woche auf der Fernsehbühne bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019 Gesellschaft bekommen – und zwar von Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Fernsehmacher vom SWR stellen Florian Sitte bei seiner genialen Kanzlerinnen-Parodie niemand Geringeres als Fastnachter Helmut Schlösser zur Seite, und das Multitalent kommt als „AKK“ daher. Ansonsten darf Erhard Grom das Protokoll halten und Lars Reichow seine „Fastnachtsthemen“ vortragen, seinen Einstand in der Fernsehsitzung gibt Nachwuchsstar Johannes Bersch als „Moguntia“. Ansonsten aber bleibt vieles beim Alten im Programm für die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ 2019 – Paco & Paco schafften den Sprung in die Mutter aller Fernsehsitzungen erneut nicht, trotz starker Nummer in diesem Jahr. Dafür gibt es eine Premiere: Das Prinzengarde-Männer-Ballett darf erstmals die Beine in der Fernsehsitzung schwingen.

Highlight für die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“: Nicht nur Angela Merkel alias Florian Sitte kommt – sondern auch Helmut Schlösser als AKK. – Foto: SWR/ Julius Bauer

„Mainz bleibt Mainz“ wird immer im Wechsel von ARD und ZDF ausgetragen, in diesem Jahr ist der SWR an der Reihe, und der bleibt seiner Linie von vor zwei Jahren treu: Mit vier Rednern (plus x) liegt ein Schwerpunkt dezidiert auf der politisch-literarischen Fastnacht, und die wird wieder einmal gleich zu Beginn von Erhard Grom vertreten. Der Protokoller vom Gonsenheimer Carneval-Verein (GCV) brillierte in diesem Jahr mit einem runden, großartig gereimten und pfiffigen Jahresrückblick und setzte sich damit gegen den „Till“ vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) durch. Lars Reichow darf trotz Durchhänger im Vorjahr erneut seine Fastnachtsthemen präsentieren, die bislang in der Kampagne solide daherkamen.

Neu auf der närrischen Fernsehrostra ist Johannes Bersch: Der gebürtige Bischofsheimer tritt seit 2010 beim Karneval Club Kastel (KCK) auf und legte dort schon bemerkenswerte Auftritte unter anderem als „Domsgickel“ hin. Seine neue Figur der „Moguntia“ bringt die Redakteure von „Mainz bleibt Mainz“ nun geradezu ins Schwärmen: Bersch präsentiere eine „sehr gelungene Rede mit trockenem Witz, originellen Pointen und überraschenden Wendungen“, sagte SWR-Redakteur Günther Dudek im Gespräch mit Mainz& und sei dabei „rhetorisch und intellektuell auf einem sehr hohen Level unterwegs.“ Das sei „eine unglaublich starke Debütleistung“ und lasse auch „für die Zukunft hoffen“ – Bersch könnte damit eine der Lücken in der Riege der politischen Redner schließen, die durch den Tod des „Boten“ Jürgen Dietz und durch den Rückzug von Hans-Peter Betz als „Guddi Gutenberg“ entstanden sind.

Christian Schier und Michael Emrich dürfen wie schon 2017 erneut als zwei Alte von der Loge aus granteln. – Foto: gik

Politischer Redner Nummer vier ist Florian Sitte, der erneut als „Angela Merkel“ brilliert. In diesem Jahr zieht die Kanzlerin nach ihrem angekündigten Rückzug um – und bekommt, und das ist neu, nach rund acht Minuten Besuch: Der Mombacher Verwandlungskünstler Helmut Schlösser schlüpft in die Rolle von „AKK“, und man darf gespannt sein, wie die live im Saal sitzende Annegret Kramp-Karrenbauer auf ihr Double reagieren wird. Das ist denn auch eine der Nummern, die speziell von den SWR-Redakteuren Dudek und Norbert Christ für die Fernsehsitzung konzipiert wurde, die Fernsehmacher wollen damit für Überraschungseffekte sorgen und noch exakter auf die Polit-Prominenz im Saal eingehen.

Zu den neu konzipierten Vorträgen gehört dann auch der Auftritt der Schnorreswackler: Die Gonsenheimer Gesangstruppe steht nicht etwa mit ihrer aktuellen Ritter-Nummer auf der Bühne, sondern präsentiert zwei Neu-Kreationen, verriet Dudek Mainz&: Einmal sollen die Schnorreswackler den Pakete-Wahnsinn musikalisch-elegant aufs Korn nehmen und dann als Feinstaub-Kontrolleure den Saal unsicher machen. „Im Saal wird die Feinstaubbelastung relativ hoch sein, da braucht es Feinstaub-Kontrolleure, die nach dem Rechten sehen“, sagte Dudek mit einem Augenzwinkern. Verbunden werde das mit populären Liedern, die Schnorreswackler sind erneut als Stimmungsgaranten eingeplant.

Die Republik bekommt endlich das grandiose Männerballett der Mainzer Fastnacht zu sehen. Der SWR holt das Prinzengardeballett zu „Mainz bleibt Mainz“. – Foto: gik

Für belebende Elemente zwischen den regulären Nummern sollen auch, wie schon vor zwei Jahren, Christian Schier und Michael Emrich als die „Zwei Alten“ sorgen, die aus der Loge heraus das Geschehen kommentieren – ähnlich wie die Alten aus der Muppet Show. Überhaupt mischt der SWR zunehmend die verschiedenen Sparten, gerne auch mal in einer Nummer. So sind einerseits zwei Ballette dabei – das klassische MCV-Hofballett sowie die starke Afrika-Nummer des TSV Schott-Balletts „Fantasy“ – aber sie sind nicht die einzige Tanzeinlage: Thomas Neger nämlich singt in diesem Jahr den Fastnachts-Klassiker „Mainz bleibt Mainz“ und das mitten im zweiten Teil der Sitzung – dazu aber dürfen dann die Jungs vom Prinzengardeballett die Beine schwingen.

In der Sparte Kokolores setzt der SWR dann allerdings durchgehend auf altbekannte Redner: Alexander Leber darf wieder als „Polizist“ Meenzer Kokolores zum Besten geben, Jürgen Wiesmann ist als „Party-Muffel“ dabei – Wiesmann sei in diesem Jahr in absoluter Hochform, betont Dudek. Kabarettist Detlev Schönauer (KCK) darf erneut als „Lehrer“ auf die Bühne, obwohl auch er im vergangenen Jahr eine der schwächsten Nummern bei „Mainz bei Mainz“ ablieferte. Schönauers Lehrer-Auftritt sie in diesem Jahr „sehr überzeugend“, betont Dudek, zudem runde er seinen Vortrag durch eine Mainz-Hymne im Stil von „My Way“ ab, „eine tiefe Verbeugung vor der Heimatstadt Mainz.“ Denn obgleich inzwischen im Saarland beheimatet, sei Schönauer doch gebürtiger Mainzer, „er erfüllt unsere Fastnachts- DNA-Kriterien“, sagte Dudek.

Erhard Grom schafft es in diesem Jahr wieder mit seinem fantastischen Protokoll in die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“. – Foto: gik

Ganz auf Mainzer Fastnachts-Optik setzt der SWR auch zu Beginn der Sendung: Mit Garden und Schwellköppen soll ein „farbenprächtiges und bildstarkes“ Mainzer Fastnachts-Panorama die Zuschauer auf die Fernsehsitzung einstimmen, dazu darf Thorsten Ranzenberger sein „Ich wär‘ so gern ein Schwellkoppträger“ intonieren. Neu dabei sind in diesem Jahr die Kinder-Schwellköppe. Für musikalische Unterhaltung soll ansonsten Andy Ost als „Musik-Therapeut“ sorgen, das Gesangsduo Paco & Paco mit ihrer starken Altrocker-Nummer hingegen schaffte es erneut nicht in die Sendung. Die beiden MCV-Aktiven hätten „eine toll gemachte Geschichte, die aber leider nicht so gut in die Sendungsdramaturgie gepasst habe“, sagte Dudek.

Den furiosen Schlusspunkt werden erneut die Gonsenheimer Martin Heininger und Christian Schier mit ihrer Nonsens-Kokolores Nummer „Schiri“ setzen, sie kommen direkt vor dem Finale. Unmittelbar davor setzen die Fernsehmacher Obermessdiener Andreas Schmitt, und der vermischt in seinem stimmgewaltigen und wuchtigen Vortrag wie immer gekonnt Politik und Allgemeinmenschliches – das „X“ in der Politiksparte. Zum Abschluss nach knapp vier Stunden präsentieren dann die Mainzer Höfsänger Teile ihres aktuellen Potpourris und leiten wie gewohnt ins Finale von „Mainz bleibt Mainz“ 2019 über.

Info& auf Mainz&: Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ 2019 wird am Freitag, den 1. März, live im Ersten aus dem Kurfürstlichen Schloss in Mainz gesendet. Mainz& ist natürlich wieder schon bei der Närrischen Generalprobe zwei Tage zuvor dabei – unsere Eindrücke von der Sitzung schildern wir Euch dann hier ab dem Donnerstag. Mehr Spiel des SWR mit den politischen Promis im Saal und eine kleine Liste derer, die sich angesagt haben, findet Ihr hier bei Mainz&.

 

 

 

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