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Jahresarchive: 2019

Mainz&-Kolumne: „Die fahren doch, wie sie wollen“ – Wie der ÖPNV ausgerechnet an Fastnacht völlig versagt und die Respect-Kampagne des Landes auch

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Fahrt mit dem ÖPNV, haben sie gesagt. Lasst das Auto stehen, haben sie gesagt. Schont die Umwelt, haben sie gesagt. Haben wir getan: Wir haben das Auto stehen gelassen, und sind mit Bus und Bahn zur Fastnacht gefahren. Von Mainz-Bretzenheim in die Innenstadt. Frohgemut und heiter. Es hielt nicht lange an: Auf beiden Strecken, Hin- wie Rückfahrt, sind wir – sorry – voll verarscht worden. Busse kamen nicht, verschwanden aus Anzeigetafeln und Apps, dann kam der Bus doch – Anschluss? Och nö. Eine Stunde im Kalten frieren, bittesehr. Beide (!!) Strecken endeten – mit einer Taxifahrt. O-Ton des Taxifahrers: „Die fahren doch, wie sie wollen.“ O-Ton Mit-Warterin: „Das geht doch schon seit Wochen so.“ Jetzt reicht’s.

Anzeigetafel des Busses Linie 6 am Freitagnacht am Landtag, aufgenommen um 0.55 Uhr. Um 0.52 Uhr hätte eine 6 fahren sollen – sie verschwand von Zauberhand. Stattdessen stand diese Anzeige da – die auch nicht stimmte. Es kam trotzdem ein Bus – die Straßenbahn war trotzdem weg. – Foto: gik

Seit Wochen tönen jetzt Polizei und Mainzer Verkehrsbetriebe wieder auf allen Rohren: Lasst das Auto an Fastnacht stehen! Fahrt mit Bus und Bahn, da kommt Ihr sicher an! Respekt Your Limit! lautet die neue Kampagne der Mainzer Polizei, das Ziel: die Narren sollen das Auto stehen lassen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Sitzung fahren. Ach, wirklich?

Freitagabend, Viertel vor acht.  Die Straßenbahn rollt Richtung Hauptbahnhof, zwei (!) Apps weisen den Anschlussbuch als pünktlich aus, das Timing wäre perfekt. Drei Minuten zum Umsteigen, 15 Minuten Fahrzeit zwischen Wohnhaus und Fastnachtssitzung – super. Am Münsterplatz dann kommt das böse Erwachen: Was nicht kommt – ist der Anschlussbus. Die 6 Richtung Wiesbaden – Fehlanzeige. Urplötzlich verschwindet der Bus von der elektronischen Anzeige, in der App ist er nicht mehr zu finden. Nächster Bus Nummer 6: In 15 Minuten. Einfach so. Ohne Ansage. Hex-hex – Bus ist weg.

Na toll. In 11 Minuten beginnt die Fastnachtssitzung, verspätet reinplatzen, als Berichterstatterin – hochnotpeinlich. Na, die nimmt uns ja schön ernst, heißt es dann in dem betroffenen Verein. Kommt, wann sie will. Wird ja ein schöner Bericht werden. Vor mir hält ein Taxi – die Rettung! Hineingehüpft, zum Landtag gefahren worden. „Ja“, sagte der Taxifahrer, „die Busse, die fahren doch, wie sie wollen. Ist schon seit Wochen so.“ Kaum ausgestiegen – hält hinter mir der Bus Nummer 6. Sagt mal, MVG, RMV – geht’s noch?? Was war denn das jetzt? 6,- Euro ins den Sand gesetzt, überflüssig geärgert, fängt ja gut an der Abend.

Die Sitzung tobt, die Stimmung hoch – doch die Berichterstatterin macht sich schon mal auf den Heimweg – der Bus ruft. Wenn nicht jetzt, dann heißt es eine Stunde warten, also losgeeist, zur Haltestelle aufgemacht, gewartet. Es wird 00.52 Uhr. Es wird 00.53 Uhr. 0.55 Uhr. Was fehlt? Genau: Der Bus. Und wie durch Zauberhand verschwindet auch dieses Mal die Nummer 6 von der Anzeigetafel. Und aus der App. Nächster Bus: 1.22 Uhr, heißt es auf einmal. Hex-hex – der Bus ist ja schon wieder weg?! Nur dass es dieses mal so richtig nett wird: Um 1.00 Uhr fährt die Straßenbahn ab Hauptbahnhof. Um 00.59 Uhr steht auf einmal, wie von Zauberhand ein Bus Nummer 6 vor uns, den Hauptbahnhof erreichen wir um 00.5 Uhr. „Tja,“, sagt die Mitwartende an der Haltestelle nur Schulterzuckend, “ das geht schon seit Wochen so. Kann man nix machen.“

Innenminister, Polizei – alle werben seit Wochen für die Kampagne „Respect Your Limit – Lass es Auto stehen!“ Klar doch. (Die Fastnachter nehmen wir ausdrücklich aus). – Foto: gik

Ach? Wirklich? Sagt mal, Mainzer Mobilität, Wiesbadener ESWE, RMV – geht’s eigentlich noch??? Eure Busse fahren mal gerade nach dem Motto kommt-kommt nicht-kommt vielleicht doch? Habt Ihr mal was von Fahrplänen gehört? Von Anschlüssen und verlässlicher Beförderung? Von vernünftigen Taktzeiten wollen wir mal gar nicht reden – Lücken von einer (!) Stunde an einem Freitagabend zur Fastnachtszeit in Mainz gehören aus unserer Sicht jedenfalls nicht dazu. Ihr wollt Menschen zum Umstieg auf Busse und Bahnen bewegen? Wirklich? Um 1.05 Uhr war die Straßenbahn natürlich – gerade weg. Die nächste Fahrt: 1.55. Klasse, wirklich klasse. Wer bezahlt jetzt das Taxi von 10,- Euro?

Mit öffentlichem Nahverkehr fahren Sie entspannt – diese Lüge werde ich nie mehr glauben. Der Abend endete in tierischem Ärger, Fluchen und jeder Menge unnötiger Unkosten, die positive Stimmung der Sitzung – komplett verflogen. Danke, Mainzer Mobilität, so macht man Abende richtig schön kaputt. Und es ist ja nicht das erste Mal: Am 8. Januar fuhr ich zu einem Termin ins Mainzer Unterhaus, die Straßenbahn hielt direkt vor der Tür – besser geht’s nicht, dachte ich.

Um 23.11 Uhr fiel ich aus dem Unterhaus, frohgemut die Straßenbahn erwartend. Es wurde 23.15 Uhr. Es wurde 23.17 Uhr. Was nicht kam – die Straßenbahn. Wie von Zauberhand verschwand die Bahn von der elektronischen Anzeige, auf der sie eben ncoh angekündet, sie verschwand aus App Nummer 1, sie verschwand aus App Nummer zwei. Nächste Fahrt: um Mitternacht. In 45 Minuten. „Tja,“, sagte die Mitwartende am Schillerplatz, „das geht seit Wochen so.“

Danke, ich habe fertig. Ich werde also wieder Auto fahren die nächsten Tag und Wochen. Wie die vielen anderen Autos um mich herum. Für Strecken, die weniger als zehn Minuten brauchen. Ich werde dann eben keinen Alkohol trinken, nicht feiern, die Gastronomie bei den Sitzungen wird es so richtig freuen, wenn ich mich den ganzen Abend an einem Wasser festhalte. Bedankt Euch bei der Mainzer Mobilität, bei der ESWE Verkehr und dem RMV, werde ich sagen. 16,-, 20,- Euro fürs Taxi für eine Fahrt, die mich sonst 5,- Euro kosten würde – nein, vielen Dank. Dazu dann noch 30,- Euro für Getränke und Essen pro Abend – tut mir Leid, aber bei der Menge an Sitzungen, die ich als Presse so ableiste, kann ich mir das nicht leisten.

Respect Your Limit? Lass‘ es Auto stehen? Spart Euch Eure Kampagnen, spart Euch Eure tollen Parolen und Worte – solange unser ÖPNV so aussieht, ist das ein schlechter Scherz. „Vorsicht, Auto und Alkohol, geht nicht zusammen“, heißt es in der Fastnachtskampagne der Polizei. Ich sage: Vorsicht, ÖPNV und Fastnacht gehen offenbar überhaupt nicht zusammen. Es wäre so wichtig gewesen…. aber das mit dem Klimawandel, och jo. Wir haben ja noch elf Jahre Zeit. Dann ist 2030 und der Klimawandel endgültig im Eimer. Macht ja nix. Können wir ja noch ein paar Kampagnen machen bis dahin. Und bloß nix ändern.

Info& auf Mainz&: Dies ist eine Kolumne. Eine Kolumne ist ein persönlicher Meinungsbeitrag, der zugespitzt ein Thema glossiert und so (hoffentlich) auf einen Missstand aufmerksam macht. Die geschilderten Ereignisse trugen sich zu am Freitagnacht, den 22. Februar 2019 in Mainz am Rhein und sind persönliche Erlebnisse der Autorin.

 

 

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Umrüstung der Dieselbusse in Mainz wirkt – Stickoxide um 95 Prozent gesenkt – Experten bestätigen Gesundheitsgefahren

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Mainz stemmt sich weiter mit aller Macht gegen das drohende Fahrverbot im Herbst, ein Kernprojekt dabei: Die Umrüstung der Mainzer Dieselbusflotte. 90 Busse hat die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) bereits auf Euro 6-Standard gebracht, nun bilanzierte MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof: Die Umrüstung wirkt. Gut 95 Prozent weniger Stickoxide stoßen die Mainzer Busse seit der Umrüstung nun weniger aus. Und das, so Erlhof, sogar im Echtbetrieb auf der Straße. Ob das reicht, um den Mainzer Durchschnittswert von 47 Mikrogramm auf den Grenzwert von 40 Mikrogramm zu bringen, ist allerdings weiter unklar: Passivsammler des Landesamtes für Umwelt maßen 2017 nicht nur in der Parcusstraße, sondern auch an weiteren Stellen im Stadtgebiet Werte von weit über 50 Mikrogramm. Und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) pocht darauf: Der Grenzwert müsse im ganzen Stadtgebiet eingehalten werden.

Die oimposante Reihe der 23 neuen Dieselbusse mit Euro 6-Norm, die die MVG gerade angeschafft hat. Die Mainzer Dieselflotte wird damit deutlich sauberer. – Foto: gik

Die Landeshauptstadt Mainz muss nach dem Urteil des Mainzer Verwaltungsgerichts Dieselfahrverbote zum September einführen, falls es der Stadt nicht gelingt, den Stickoxidwert (NOX-Wert) in diesem Sommer auf oder unter den Grenzwert von 40 Mikrogramm zu bringen. Nach Angaben des Bundesumweltamtes lag der Stickoxidwert in der Mainzer Parcusstraße aber auch 2018 noch bei einem Jahresdurchschnitt von 47 Mikrogramm. Dieselbusse sind hier ein wesentlicher Faktor.

„Die Busse erzeugen 25 Prozent des örtlich erzeugten NOX“, sagte Erlhof. Schaffe die MVG es, die Stickoxide um 90 Prozent zu reduzieren, sei das ein relevanter Faktor bei der Senkung der Werte. Und die aktuellen Zahlen zeigten, dass das gelinge: „Durch die Umrüstung unserer Dieselbusse erreichen wir 94 bis 97 Prozent Minderungswerte bei Stickoxiden“, sagte Erlhof am Donnerstag in Mainz: „Das System funktioniert, es bewirkt tatsächlich etwas.“

100 ältere Dieselbusse rüstet die Stadt Mainz sei Ende 2018 mit neuen Abgasfiltern um, 90 habe man bereits geschafft, sagte Erlhof. Alle Busse seien online mit dem Hersteller zwecks Überprüfung der Technik verbunden. In zwei Busse baute die MVG zudem ein eigenes Modul ein, damit sei man in der Lage die Stickoxidwerte in Echtzeit nachzuvollziehen. „Wir machen jetzt nicht NOX-TV“, sagte Erlhof, „aber wir wollen sehen, welche Wirkung der Filter hat und ob er seine Wirksamkeit behält.“

Auswirkungen der Busumrüstungen auf die Stickoxidwerte in Mainz nach Messungen der MVG. – Foto: gik

Die Ergebnisse begeistern die Mainzer Verkehrslenker nicht wenig: So wird bei einem Mercedes-Bus, der ursprünglich die Euro 5-Norm hatte, mit Hilfe der neuen Abgasfilter eine Reduzierung der Stickoxide von 95 Prozent erreicht. Bei einem Gelenkbus der Marke MAN waren es sogar 96,5 Prozent. Kamen im Motor noch rund 1000 Stickoxidpartikel vor, so kamen im Auspuff durch die neue Filteranlage nur noch 3 Partikel heraus. Die Busse wurden dafür mit einer Kombination aus Harnstoff-Behandlugn und Filteranlage ausgerüstet, das macht den hohen Effekt aus.

„Wir haben die Werte tatsächlich im Echtbetrieb erzeugt“, betonte Erlhof zudem: „Mit allen Schwankungen aufgrund von Witterung, traue ich mich zu sagen: wir merken schon was.“ So wurden im Dezember 2018 sowie im Januar 2019 in der Parcusstraße im Schnitt nur noch 39,3 Mikrogramm Stickoxide gemessen – ein Jahr zuvor waren es drei Mikrogramm mehr gewesen.

Erlhof betonte, die gesamte Busflotte in Mainz sei nun auf Euro 6-Standard, „wir sind damit Vorreiter in Deutschland.“ Die Umrüstung von sechs Bussen stehe allerdings noch aus, weil der Hersteller noch immer auf die Zulassung des Nachrüstungssystems durchs Bundesumweltamt warte. „Unsere Fahrzeuge sind Referenzfahrzeuge“, sagte Erlhof. An ihnen würden die Hersteller auch nachbvollziehen können, ob die neuen Filteranlagen auch langfristig ihre Wirkung behalten. Nach einer Vorschrift im Förderprogramm des Bundes zu Dieselumrüstungen müssen diese eine Mindestminderung von 85 Prozent erreichen, und das über vier Jahre hinweg.

Dazu hatte die MVG gerade 23 neue Dieselbusse der Euro 6-Norm vorgestellt, deren Anschaffung vorgezogen wurde. Insgesamt sei die Mainzer Busflotte damit komplett auf dem neuesten Stand, betonte Erlhof: „Mehr können wir nicht machen.“

Jochen Erlhof, Geschäftsführer der MVG, präsentiert die Messergebnisse aus den Mainzer Dieselbussen. – Foto: gik

Die Frage ist, ob das reicht, den Grenzwert von 40 Mikrogramm bis zum Sommer einhalten zu können. Am Donnerstag zweifelte die AfD im Mainzer Landtag erneut die Korrektheit der Messstationen, gerade in der Parcusstraße, an und forderte die Versetzung von mehr als 20 Messstationen im Land. „Die Messstationen können nichts dafür, sie sind nur Überbringer“, konterte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) und betonte, alle Messstationen im Land, auch in Mainz, stünden korrekt und hielten die Anforderungen der EU-Vorschriften ein.

Trotzdem hat die Bundesregierung noch einmal eine technische Überprüfung der Messstellen in Auftrag gegeben, voraussichtlich im März soll die Station in der Mainzer Parcusstraße an der Reihe sein, sagte eine Sprecherin des Mainzer Umweltministeriums auf Mainz&-Anfrage. Ministerin Höfken betonte, sie gehe davon aus, dass sich auch dabei an der Tatsache nichts ändern werde, dass die Station korrekt aufgestellt sei. Dazu bestätigten Messungen durch parallel dazu aufgestellte Passivsammler, dass die Station an der richtigen Stelle stehe, um Belastungen festzustellen.

Tatsächlich messen die sogenannten Passivsammler sogar weiterhin höhere Werte als die fest installierte Luftmessstation. So wurden 2017 an der Parcusstraße durch Passivsammler Jahreswerte von 54 Mikrogramm gemessen, an der festen Station waren es „nur“ 48 Mirkogramm. Und das könnte für die Stadt Mainz noch zum Problem werden: Schon bei der Gerichtsverhandlung Ende Oktober 2018 hatte die Deutsche Umwelthilfe explizit darauf verwiesen, dass Passivsammler auf noch viel höhere Stickoxidwerte hinwiesen, als die Werte der Feststation – und das im gesamten Mainzer Stadtgebiet.

25 Prozent der Stickoxide machen die Mainzer Dieselbusse bei den Messungen der Luftschadstoffmessstelle an der Mainzer Parcusstraße aus. Passivsammler ganz in der Nähe bestätigen die hohen Stickoxidwerte – und liegen zu Teil noch erheblich drüber. – Foto: gik

Nach Angaben des Landes maßen Passivsammler 2017 tatsächlich vor allem in der Mainzer Rheinallee erhebliche Werte: in Höhe der Kaiserstraße wurden demnach auf der Rheinallee 50 Mikrogramm gemessen, in Höhe der Holzhofstraße sogar 58 Mikrogramm. Auch am Neubrunnenplatz wurden 53 Mikrogramm registriert. Passivsammler erheben allerdings keine Werte, die nach den EU-Richtlinien gültig sind, ihre Werte werden im 14-Tage-Rhythmus erhoben und schwanken stärker als die der festen Messstationen. Der Jahresmittelwert könne dadurch nicht so exakt erhoben werden wie durch die festen Messstationen, betont das Mainzer Umweltministerium. Die Daten würden deshalb nur für die Qualitätssicherung und zur wissenschaftlichen Auswertung erhoben, nicht aber an die EU gemeldet.

Trotzdem verwies DHU-Anwalt Remo Klinger vor wenigen Tagen im Interview mit Mainz& noch einmal auf die hohen Werte der Passivsammler und forderte erneut, Mainz müsse den Grenzwert von 40 Mikrogramm im gesamten Stadtgebiet einhalten – und nicht nur in der Parcusstraße. Und dafür sehe die DHU bisher wenig Anstrengungen in Mainz.

Ministerin Höfken betonte denn auch erneut am Donnerstag im Landtag, verantwortlich für die Misere sei weiter die Autoindustrie, die die Verbraucher mit fehlerhaften Autos betrogen habe, aber auch die Bundesregierung, die endlich für Umrüstungen auch der Diesel-Pkw sorgen müsse. „Es gibt eben auch das Recht auf Unversehrtheit“, betonte die Ministerin, und verwies auf eine kürzlich vorgelegte Studie der DAK, nach der Atemwegserkrankungen inzwischen das Hauptproblem bei Kindern seien. „Wir müssen Luftreinhaltung betreiben, damit weder unser Wald noch unsere Kinder geschädigt werden“, betonte Höfken.

Wie wichtig dies ist, unterstrichen am Freitag auch gleich mehrere hochkarätige Wissenschaftler auf einem Symposium der Akademie der Wissenschaften: „Umweltverschmutzung ist einer der größten Risikofaktoren für erhöhte Krankheitsanfälligkeit und erhöhte Mortalität“, sagte etwa die Toxikologin Andrea Hartwig, Professorin am Institut für angewandte Biowissenschaften in Karlsruhe und Vorsitzende der deutschen Kommission zur Festsetzung von Schadstoff-Grenzwerte. Kausale Effekte von Stickoxiden auf Lunge und Asthmaerkrankungen seien „gut begründet“, man wisse, dass dadurch Atemwegssymptome bei Kindern verstärkt würden.

Der Grenzwert von 40 Mikrorgamm sei wissenschaftlich „gut abgesichert“, bekräftigte Hartwig. Stickoxid sei ein Reizgas, bei dem Salpetersäure gebildet werde, die zu irritativen Effekten führen könne, dazu sei es ein Vorläuferstoff für Ozon und Feinstaub. Und bei der Gesundheitsgefährdung spiele der Straßenverkehr in den Städten noch immer eine große Rolle.

Hartwig erklärte auch, warum die Grenzwerte auf der Straße so viel niedriger angesetzt sind, als Grenzwerte, die für den Arbeitsplatz gelten: „Arbeitsplatzgrenzwerte gelten für gesunde Personen im arbeitsfähigen Alter, die acht Stunden am Tag arbeiten“, erklärte Hartwig. Für den allgemeinen Grenzwert hingegen würden Kinder, alte Leute und Menschen mit Vorschädigungen mit einbezogen, deshalb seien dort viel strengere Grenzwerte sinnvoll. „Der Grenzwert wurde von der WHO vorgeschlagen wegen erhöhter Asthmaproblemen bei Kindern“, unterstrich Hartwig. Der Grenzwert sollte deshalb „unbedingt“ auch so beibehalten werden. Die Grenzwerte hätten den Sinn, Schädigungen zu verhindern „eben bevor jemand tot umfällt“, fügte sie hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den neuen Bussen der MVG lest Ihr hier bei Mainz&, mehr zur Korrektheit der Mainzer Messstationen genau hier auf Mainz&. Mehr zu dem Symposium mit den Experten lest Ihr demnächst – ausführlicher Bericht dazu folgt 😉

 

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AKK kommt zu „Mainz bleibt Mainz“ – SWR will in der Fernsehsitzung mit den politischen Ehrengästen spielen – 4 politische Redner

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„AKK“ ist ja in Mainz das Synonym für die rechtsrheinischen Vororte, jetzt kommt es zur närrischen Wiedervereinigung: Annegret Kramp-Karrenbauer, neue CDU-Chefin und bekannt unter dem Kürzel „AKK“ kommt zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“. Man freue sich auf die neue CDU-Chefin, sagte SWR-Redakteur Günter Dudek am Donnerstag Mainz&: „Wir wollen und wir werden die Spitzenpolitiker im Saal einbeziehen.“ Man arbeite an einem Programm, das auf die besondere Situation der politischen Ehrengäste im Saal eingehe, verriet Dudek. Der SWR will nicht nur viel Gewicht auf die politischen Vorträge legen, sondern auch eine besondere Sitzung entwickeln – mit echt Mainzer Fastnachts-DNA.

Wird sicher auch in diesem Jahr wieder die Narren im Saal und die Fernzuschauer hinreißen: Florian Sitte als Angela Merkel gilt wohl als gesetzt. – Foto: gik

Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ wird im Wechsel zwischen ZDF und SWR ausgetragen, in diesem Jahr ist der SWR wieder an der Reihe. Und die zuständigen Redakteure versuchen zunehmend, aus der Mutter aller Fernsehsitzungen eine eigenständige Sitzung aus Mainzer Elementen zu komponieren. „Es reicht aus meiner Sicht nicht aus, ausschließlich Beiträge aus der Saalfastnacht hintereinander zu heften“, sagte Dudek im Gespräch mit Mainz&. Ziel sei stattdessen, mit Akteuren aus der Mainzer Fastnacht heraus, etwas Eigenes, Zusätzliches aufzubauen.

Damit geht der SWR konsequent seinen Weg weiter, aus dem Flaggschiff nicht nur eine Fernseh-Sitzung, sondern eben auch ein eigenständiges Event im Vergleich zur Saalfastnacht zu machen. „Wir schauen im Team, was wir für diesen Abend entwickeln können“, sagte Dudek. Das könne auch heißen, Vorträge und Inhalte „zuzuspitzen, zu ergänzen oder gnadenlos zu Ende zu denken.“ Auch für die kenntnisreichen Mainz-Besucher im Saal soll es so Überraschungsmomente „an drei, vier, fünf Stellen“ geben. „Wir überlegen: was können wir in der speziellen Situation, gerade mit den Ehrengästen anfangen“, sagte Dudek: „Es ist die vornehmste Aufgabe des Narren, der Obrigkeit den Spiegel vorzuhalten, und das tun wir auch.“

Darf trotz Aussetzer 2018 wahrscheinlich wieder seine Fastnachtsthemen präsentieren: Lars Reichow. – Foto: gik

Die politisch-literarische Fastnacht sei das Markenzeichen von Mainz, damit will der SWR wuchern. So werde es vier politische Vorträge geben, verriet Dudek. Die Auswahl unter den Rednern in diesem Jahr sei groß, bestätigte der Fernsehmann, auswählen wolle man Vorträge, die in verschiedener Machart das Thema Politik bespielen. „Es bieten sich mehr als vier Redner und Konstellationen an“, sagte Dudek, „aber wir können uns nur für maximal vier Kandidaten entscheiden“ – und das tue man „nach einer Bestenliste.“ Lars Reichow darf sich demnach wieder Hoffnungen machen, er sei „wieder ein heißer Kandidat für Mainz bleibt Mainz“, bestätigte Dudek. Es dürfe sich aber auch „ein politischer Redner, der noch nicht so häufig in Erscheinung getreten ist, aber für die junge Garde steht, große Hoffnungen machen, in die Bütt zu steigen“, fügte er hinzu.

Damit ist der Spekulationsreigen eröffnet – das konkrete Programm gibt der SWR erst kommenden Samstag bekannt. Freuen dürfen sich die Zuschauer aber mit großer Sicherheit auf ein Wiedersehen mit der Angela Merkel-Parodie von Florian Sitte: Der Mainzer Zahnarzt dreht in diesem Jahr die Kanzlerin-Figur weiter und thematisiert den Abgang der CDU-Kanzlerin. „Endet es dann damit, dass Frau Merkel zum zweiten Mal auf der Bühne steht – oder denkt man etwas dazu?“, deutete Dudek eine spannende Ergänzung an. Wir sind uns ja fast sicher, dass diese „Ergänzung“ dann irgendetwas mit „AKK“ zu tun haben wird…

Von der CDU kommen außerdem Landeschefin Julia Klöckner sowie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Die SPD bietet als Ehrengäste von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ihre Bundeschefin Andrea Nahles sowie Bundesjustizministerin Katharina Barley auf. Für die Grünen wird unter anderem der frühere Bundeschef Cem Özdemir erwartet. Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sein Kommen zugesagt, ebenso die ARD-Wetterfee Claudia Kleinert.

Spannende Frage: Wer hält das klassische Polit-Protokoll? Erhard Grom vom GCV oder der Till auf der Reichstagskuppel wie im vorigen Jahr? – Foto: gik

Der SWR wolle aber auch in diesem Jahr „den traditionellen Rahmen, den alle schätzen, wieder voll bespielen“, unterstrich Dudek zudem. Dazu gehörten eben Komitee, Sitzungspräsident und klassische Elemente ebenso wie moderne Inhalte. Entscheidend für die Auswahl der Rede werde am Ende deren „Mainzer Fastnachts-DNA“ sein: „Lebensart, Sprache, Dialekt und die Verwurzelung in der Mainzer Fastnacht“, betonte Dudek, das sei dem SWR besonders wichtig. Deshalb gebe es auch Redner, die zwar hervorragend seien, aber einfach auf dieser Grundlage ausschieden. Dazu gehöre etwa der „Bajazz“ alias René Pschierer vom MCV, „weil man bei ihm klar erkennt, dass er von der Mosel kommt“, erklärte Dudek. Da fehle einfach das Mainzer Idiom, das Typische für Meenz, die Mainzer Fastnachts-DNA eben.

Das gleiche gilt dann auch wieder für Markus Weber alias „Fräulein Baumann“: „Figur, Themen, Pointedichte, gut gespielt – da ist alles da, das sind zehn von zehn möglichen Punkten“, sagte Dudek. Trotzdem sei die Figur für „Mainz bleibt Mainz“ aber „eben nicht tauglich, weil es eine Figur aus dem Odenwald ist und sie auch in der Frankenthaler Fastnacht auftritt.“ Mainz bleibt Mainz soll typisch Meenzerisch bleiben und gleichzeitig als moderne, eigenständige Fernsehsitzung Spaß machen – das dürfte kommende Woche richtig spannend werden.

Info& auf Mainz&: Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ wird traditionell am fastnachtsfreitag ausgestrahlt, das ist in diesem Jahr der 1. März 2019, und zwar live aus dem Kurfürstlichen Schloss in Mainz, Es ist übrigens die einzige Fernsehsitzung, die live gesendet wird, los geht’s um 20.15 Uhr im Ersten, Ende soll Mitternacht sein. Sitzungspräsident bleibt Andreas Schmitt, bekannt auch als Obermessdiener. Mainz& ist natürlich schon bei der Närrischen  Generalprobe am Mittwoch zuvor, dem 27. Februar im Schloss dabei – am Donnerstag, den 28. Februar erfahrt Ihr hier bei uns, wie die Fernsehsitzung wird. Und unseren Bericht über „Mainz bleibt Mainz“ 2018 findet Ihr hier.

 

 

 

 

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Autobahnkreuz Mainz-Süd: Baustelle verzögert sich bis 2021 – Geschlossene Rampe Richtung Bingen sorgt für Schleichverkehr-Ärger

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Ärger im Bretzenheimer Färberweg: In den Anwohnerstraße häufen sich Schleichverkehre, bei denen Autofahrer von der A63 einen schnellen Weg in Richtung Bingen suchen. 200 Wendefahrten pro Tag stellten die Stadt Mainz und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) bei einer Beobachtung Anfang Januar fest. Der Grund: Die Rampe von der A63 auf die A60 in Richtung Bingen ist weiter gesperrt. Die offizielle Umleitung über die Ausfahrt Bretzenheim auf der Pariser Straße wird indes nur schlecht angenommen, Stadt und LBM wollen nun gegensteuern. Derweil kommt eine schlechte Nachricht für alle Staugeplagten: Der Neubau der Brücken im Autobahnkreuz Mainz-Süd verzögert sich um ein volles Jahr – erst 2021 sollen die neuen Brücken nun fertig werden.

Die Baustelle am Autobahnkreuz Mainz-Süd wird ein Jahr länger dauern als geplant – erst 2021 sollen die neuen Brücken über die A63 (unten) fertig sein. – Foto: gik

Seit Sommer 2017 erneuert der Landesbetrieb die maroden Autobahnbrücken der A60 über die A63, die mehr als 50 Jahre alten Brücken waren zu marode für eine Reparatur. Das Autobahnkreuz Mainz-Süd zählt mit mehr als 90.000 Fahrzeugen pro Tag zu den hochbelasteten Knotenpunkten des Landes. 2020 sollte eigentlich die neue Querung fertig sein, daraus wird nun nichts: Die Arbeiten werden voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 fertig, die neuen Brücken erst dann für den Verkehr zur Verfügung stehen, teilte der Landesbetrieb Mobilität mit.

Grund für die Verzögerungen: Die Planungen des neuen Bauwerks haben länger gedauert, das aber hatte Auswirkungen auf den Stahlbauer, der die fertigen teile zur Baustelle bringen sollte – seine Auftragsbücher sind voll. Ein neues Stahlbauunternehmen musste gesucht werden, so summierten sich die Verzögerungen auf gut ein Jahr. Die neue Brücke werde in Verbundfertigbauteilweise hergestellt, auch um die Verkehrsbeeinträchtigungen während der Bauzeit so gering wie möglich zu halten, betont der LBM. Bei der modernen Bauweise werden die Brückenträger im Werk hergestellt und nach der Montage vor Ort mit einer Betonschicht zur fertigen Brückenplatte ergänzt. Damit werde der Umfang von Bauarbeiten im Verkehrsraum „spürbar reduziert.“

Doch die moderne Bauweise brachte offenbar diffizile Berechnungen mit sich: „Komplexe Bauwerks-Geometrien“ müssten errechnet werden, damit die Verbundfertigteilträger optimal in die vorhandene Autobahntrasse eingepasst werden könnten, heißt es vom LBM weiter. Für diese Rechnungen brauchten die Ingenieure der Baufirma länger als veranschlagt. Durch die Verzögerung aber hatte der als Nachunternehmer beauftragte Stahlbauer „keine akzeptablen Alternativtermine für die Lieferung der Brückenträger“ mehr, heißt es weiter – der Stahlbauer war ausgebucht. Man habe deshalb nun einvernehmlich ein neues Stahlbau-Unternehmen beauftragt, betont der LBM. Nun soll die Werksfertigung der Brückenträger im April anlaufen, vorbereitende Arbeiten für die Anlieferung der überdurchschnittlich schweren Stahlträger parallel erfolgen.

Im November 2017 war die alte Brückenkonstruktion abgerissen worden. – Foto: LBM Worms

Während der Bauzeit könne die Anzahl der Fahrstreifen im Baustellenbereich mit Hilfe einer Behelfsbrücke aufrechterhalten werden, betont der LBM. Auch habe man bereits im Dezember 2018 den Standstreifen der A 60 in Fahrtrichtung Bingen freigegeben, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Das war auch nötig: Ein kilometerlanger Rückstau vom Autobahnkreuz Mainz-Süd in Richtung Frankfurt war in den vergangenen Monaten die Regel. Bei Messungen habe man regelmäßig bis zu sieben Stunden Stop-and-Go-Verkehr auch im Hechtsheimer Tunnel nachgewiesen, sagte nun die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) im Stadtrat.

Der LBM beschloss deshalb Ende Januar auch, die Auffahrtrampe von der A63 auf die A60 in Richtung Bingen nicht wieder zu öffnen, obwohl die Arbeiten an diesem Brückenteil bereits abgeschlossen waren. Denn der von der Rampe auf die A60 auffahrende Verkehr kam stets mit den in Richtung Alzey abfahrenden Pendlerströmen in die Quere, das Einfädeln aus auffahrenden und abfahrenden Fahrzeugen war offenbar eine wichtige Ursache für den Rückstau. Die geschlossene Rampe habe eine sehr positive Auswirkung auf den Verkehrsfluss, betont der LBM, die Stausituation habe sich deutlich verringert: Jetzt herrsche nur noch maximal eine Stunde Stau am Tag im Hechtsheimer Tunnel. Die Rampe soll deshalb für die Dauer der Bauarbeiten geschlossen bleiben.

Der Haken für die Mainzer: Die offiziell ausgeschilderte Umleitungsstrecke über die Ausfahrt Bretzenheim an der Alten Ziegelei wird nur schlecht angenommen. Viele Autofahrer nehmen die frühere Ausfahrt Bretzenheim-Süd – und fahren dann entweder illegal quer über den Wirtschaftsweg direkt wieder auf die Pariser Straße oder wenden illegal im Färberweg. Das Ergebnis: Rund 200 Wendefahrten pro Tag in dem verkehrsberuhigten Wohngebiet, zum Teil auch, weil Navigationsgeräte genau dies empfahlen.

Stadt Mainz und LBM beschlossen deshalb am 18. Januar, eine neue Umleitungsstrecke von der Ausfahrt Klein-Winternheim über den Lerchenberg einzurichten. Man erhoffe sich davon, dass die Verkehrsteilnehmer das Autobahnkreuz Mainz-Süd so gleich südlich umfahren. Gleichzeitig will man sich aber auch um die Situation am Färberweg kümmern: Die illegale Fahrt über den Wirtschaftsweg zurück auf die Pariser Straße könnten Poller unterbinden, den Wendeverkehr im Wohngebiet eine Einbahnstraßenregelung. Wer dennoch an der Ausfahrt Bretzenheim-Süd abgefahren ist, soll über die Haifa-Allee am Gutenberg-Center entlang zurück zur Autobahn geleitet werden.

Im Übrigen habe die Verkehrsverwaltung eine Konzeptidee entwickelt, „wie mit überschaubaren Maßnahmen das Wenden über die Wirtschaftswegeüberfahrt legalisiert werden kann“, teilte Eder weiter mit. Diese Idee haben man jetzt an den LBM herangetragen und werde sehen, ob der die Idee positiv bewerte. Man gehe deshalb auch davon aus, „dass sich keine Schleichverkehre durch die Wohngebiete Marienborn und Bretzenheim ergeben, da sich hieraus kein zeitlicher Vorteil bei der Überleitung auf die A 60 ergibt“, sagte Eder auf Anfrage der ÖDP weiter. Mittelfristig strebe der LBM ohnehin eine ganz andere Lösung an, verriet die Dezernentin noch: Den Bau einer so genannten Direktrampe von der A 60 auf die A 63, damit würden „die bislang staubegünstigenden Verflechtungen dauerhaft und vollständig entfallen.“

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Bauarbeiten im Autobahnkreuz Mainz-Süd samt der maroden Brücken lest Ihr hier bei Mainz&.

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Werkeln am neuen Narrenschiff – Gonsenheimer Carnevals-Verein baut alten Fastnachtswagen der Konfettis als Ersatzwagen um

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Er ist stolze zehn Meter lang und locker vier Meter hoch: Das neue Narrenschiff des Gonsenheimer Carnevals-Verein (GCV) ist ein imposantes Gefährt. Der frühere Fastnachtswagen der Gesangsgruppe „Konfettis“ steht in einer Halle in Mainz-Bretzenheim, ein ganzes Team freiwilliger Helfer steht mit Werkzeug, Pinsel, Messgerät und Farbeimer parat. In nur 13 Tagen soll aus dem Riesenschiff der neue Fastnachtswagen des GCV werden. „Die Lösung ist ideal“, schwärmt Wolfgang Becker – der Wagen ist Topp in Schuss. Vergangenen Freitag erreichte den GCV die Horrornachricht: Ihr viertes Gefährt für den Mainzer Rosenmontagszug war abgebrannt, zerstört bei einer Brandstiftung in Mainz-Bischofsheim. 24 später hatte der Verein Ersatz – Dank einer überwältigenden Welle der Hilfsbereitschaft. Nun legt eine Mannschaft Freiwilliger Hand an den „neuen“ Wagen.

Werkeln am neuen Narrenschiff des GCV. – Foto: gik

„Das Gelb passt ja gar nicht“, sagt Wolfgang Becker Kopf schüttelnd. Normalerweise schleppt Becker abends bei den Sitzungen des GCV die Kulissen über die Bühne, sorgt mit seinen Kollegen dafür, dass Mikrofone, Requisiten und Redetexte am richtigen Ort sind. Nun steht der Rentner mit einer Malerrolle in der Hand in der Halle in Bretzenheim und hilft, den neuen Wagen wenigstens in Teilen weiß zu tünchen. Leuchtend gelb war der Wagen der „Konfettis“, „das passt nicht zu uns“, sagt Becker: „Da müssen noch die Fastnachtsfarben drauf, das GCV-Logo.“- „Für eine Notlösung geht’s“, sagt Peter Beckhaus.

Notlösung, das ist der gelbe Wagen in der Tat: Vergangenen Freitag wurde der Verein aus seiner vor-fastnachtlichen Einsatzroutine geschreckt. In der Nacht zum Freitag hatte vermutlich ein Brandstifter in Mainz-Bischofsheim gezündelt, eine Gartenhütte ging in Flammen auf, dazu eine frei stehende Scheune. Und ausgerechnet in dieser Scheune stand ein Fastnachtswagen des GCV, ein Wagen, auf dem für gewöhnlich im Rosenmontagszug die ehrenamtlichen Technikhelfer des Vereins mitfahren. Für den Verein hieß das: Mehrere Zehntausend Euro Schaden, aber vor allem der Frust für die Ehrenamtlichen.

Was für ein Riesending… Peter Beckhaus (vorne) gestaltet noch neue Schnorreswackler-Köpfe fürs neue Narrenschiff des GCV. – Foto: gik

Was folgte, war eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft: Den GCV erreichten nicht nur jede Menge Unterstützernachrichten, sondern auch handfeste Angebote für Ersatzwagen. Der Verein entschied sich schnell für den Kauf des alten Konfetti-Wagens, wobei „alt“ relativ ist: „Der Wagen ist technisch einwandfrei, der TÜV war auch schon da“, freut sich Becker. Ein bisschen staunend steht die Werkscrew um das Riesengefährt, begutachtet Zustand, Ausstattung, Gegebenheiten. „Der Teppich muss runter“, sagt einer energisch, und werkelt an den Treppenstufen, „da kommt ein schöner neuer drauf.“

Oben auf dem Wagen begutachten Technik-Leiter Dieter Becker und seine Kollegen die großen Kästen fürs Wurfmaterial. „Toll“, strahlt einer, da können wir gleich die ganzen Sachen reinfüllen und die Verpackungen zu Hause entsorgen.“ Letztes Jahr, erzählen sie, seien sie beim Rosenmontag am Ende kniehoch durch den Verpackungsmüll gewatet, „wir dürfen ja nichts mehr auf die Straße schmeißen wie früher“, sagt einer.

Der Teppich muss ab! Werkeln am Narrenschiff des GCV. – Foto: gik

Fünf, sechs Kisten Wurfmaterial pro Person rechnen sie für den sieben Kilometer langen Zugweg quer durch Mainz, etwa 25 Personen passen auf den Wagen. Rundum am Rande verlaufen tiefe, schmale Behälter für all die Süßigkeiten fürs Narrenvolk. Beim GCV werden das wohl in diesem Jahr Gummibärchen und Süßigkeitenriegel sein. „Bonbons werfen wir keine mehr“, sagt einer, „nach denen bückt sich doch keiner mehr.“

Weich muss das Wurfmaterial sein, Pralinenschachteln, Schokoladentafeln oder gar Glasfläschchen wie früher sind schon lange Tabu. „Die Verletzungsgefahr ist viel zu hoch“, erklärt einer, „wenn das einer an den Kopf kriegt…“ Auch die Verpflegung auf dem Wagen oben muss inzwischen komplett glasfrei sein, selbst den Wein gibt es deswegen inzwischen in Plastikflaschen. Und wenn einer mal müssen muss? Die Toilette ist unten auf dem Wagen eingebaut, ein kleines Kabuff, das sogar einen gefliesten Boden hat. Darin steht eine Chemietoilette, das ist fast schon Luxus. „Früher gab’s einen Riesentopf mit Sägespänen drin“, erzählt einer grinsend, „gar nicht  geht auch nicht…“ Rund fünf Stunden sind die Narren im Rosenmontagszug auf dem Wagen unterwegs, Aussteigen sei schwierig, eine externe Toilette auf die Schnelle zu finden, fast unmöglich.

Der Chef der Technikcrew des GCV, Dieter Becker (hinten), begutachtet samt Kollegen die Ausstattung des neuen Fastnachtswagens. – Foto: gik

„Alles gut ausgestattet, aber noch nicht fertig“, brummt Dieter Becker derweil oben auf dem neuen Fastnachtswagen. Der Fußboden fehlt noch und vor allem die gesamte Technik: Ein Musikanlage muss für den richtigen Sound sorgen, „die Lautsprecher sind schon bestellt“, sagt einer. „Der Wagen hat eine Luftbremse wie ein Lkw“, erzählt Wolfgang Becker stolz – das heißt modernste Bremstechnik für das Narrenschiff. Die Bremsen seien besonders wichtig, weil immer wieder unaufmerksame Narren einfach vor die Wagen liefen, erzählen sie. Doch für die moderne Bremstechnik braucht es auch einen besonderen Traktor, wieder eine Aufgabe mehr.

Neben dem Wagen hat sich Grafik-Designer Beckhaus inzwischen daran gemacht, weitere Narrenköpfe für den Wagen zu bemalen. Die flachen Holzscheiben sollen noch in echte Schnorreswackler verwandelt werden, zwei für jede Wagenseite. Auch das GCV-Logo und der Schriftzug „Schnorreswackler“ müssen noch drauf. „Wir haben ja Gottseidank noch ein paar Tage“, sagt Wolfgang Becker. Bis Rosenmontag sei das alles zu schaffen – für die GCV-Crew ist das aber noch immer ein Provisorium. „Im Sommer“, sagt einer resolut, „wird der Wagen runderneuert.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Vorfall mit der Brandstiftung in Mainz-Bischofsheim lest Ihr hier bei Mainz&. Das neue GCV-Gefährt könnt Ihr am Rosenmontag unter der Zugnummer 107 bestaunen, unter dieser Nummer rollt der Verein mit insgesamt vier Wagen im großen Mainzer Fastnachtsumzug mit.

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Zentrenkonzept – Relikt der Vergangenheit oder hilfreich? – Runder Tisch debattiert über Nachteile – Matz will Wirtschaftsförderung ausbauen

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Wie aktuell ist das Zentrenkonzept von Mainz noch? Das Konzept soll den Einzelhandel in der Innenstadt vor dem Ausverkauf durch die „Grüne Wiese“ schützen, immer wieder wurde es in den vergangenen Jahren infrage gestellt – und immer wieder beharrte die Stadt darauf, an dem Zentrenkonzept festzuhalten. Nun startete die neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) einen neuen Anlauf: „Wir wollen das aufgreifen, und wir müssen auch“, sagte Matz mit Blick auf die in der Vergangenheit teils heftige Kritik, und fügte hinzu: Ein Zentrenkonzept solle keine verhindernde, sondern eher eine fördernde Wirkung haben.

Wie attraktiv ist Einkaufen in Mainz wie hier am Brand noch? Wieder einmal streiten Interessengruppen in der Stadt über das Zentrenkonzept. – Foto: gik

Und daran gab es in der Vergangenheit heftige Zweifel: Das Zentrenkonzept sei „überholt“ und veraltet, es wirke „als reines Verhinderungskonzept“ und müsse „in der bestehenden Form abgeschafft“ werden, forderte die Vollversammlung der IHK im April 2017 in einer Resolution. Das Zentrenkonzept habe zuletzt konkrete Ansiedlungswünsche in Mainz verhindert, Mainz brauche dringend ein zeitgemäßes Einzelhandelskonzept.

Der damalige Mainzer Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) wies das entschieden zurück: Das Zentrenkonzept sei keineswegs rigide oder veraltet, sondern schütze die Innenstadt vor allzu großer Konkurrenz auf der grünen Wiese. Das Zentrenkonzept legt fest, welche Waren allein in der Innenstadt verkauft werden dürfen und begrenzt damit die Möglichkeiten für Geschäfte, sich auf der grünen Wiese anzusiedeln.

Die IHK forderte hingegen ein zeitgemäßes Konzept, von dem positive Ansiedlungsimpulse für Investoren ausgehen. Im Mittelpunkt müssten dabei die Bedürfnisse der Kunden stehen, die es an Mainz zu binden gelte. „An unseren Themen hat sich nichts geändert“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Günter Jertz nun beim ersten Runden Tisch der Stadt Mainz. Die Erreichbarkeit und Attraktivität der Innenstadt müssten weiter verbessert werden, „die Parkgebühren sind unserer Meinung nach zu hoch“, bekräftigte er. Gefragt seien neue Ideen, um „die Stadt zum Leben zu bringen“ und spannende Einkaufserlebnisse zu schaffen. Ändern könne das aber nur die Politik, sagte Jertz.

Vor zwei Jahren gab es einen erheblichen Leerstand bei Geschäften in der Mainzer Altstadt. Das hat sich gewandelt, dennoch klagen viele Händler über Umsatzrückgang und hohe Mieten. – Foto: gik

Die neue Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) hatte nun zum ersten Mal einen Runden Tisch zum Zentrenkonzept zusammengerufen. Nach dem Vorbild der Stadt Köln solle dieser Runde Tisch das Konzept weiter entwickeln helfen, sagte Matz gegenüber Mainz&. Neue Vorschläge solle die Runde entwickeln – doch beim ersten Treffen zeigte sich: Neue Vorschläge sind (noch) rar.

Das Zentrenkonzept werde benötigt, schließlich gebe es weiter Leerstände in der Innenstadt, sagte Martin Lepold, Vorsitzender der Werbegemeinschaft der Mainzer Einzelhändler: „Wir warnen, ohne Not daran zu gehen.“ – „Wir begrüßen das Zentrenkonzept sehr“, hieß es auch von der Handwerkskammer. Gerade Metzger, Bäcker und andere Handwerks-Geschäfte seien üblicherweise in Stadtzentren angesiedelt, mit ihnen stünden und fielen auch lebendige Ortszentren. Gleichzeitig musste die Geschäftsführerin der Handwerkskammer aber auch einräumen: Das Sterben der kleinen Läden habe mehr mit Nachwuchsmangel zu tun als mit dem Konzept.

„Metzger und Bäcker sind auch in der Neustadt weg – trotz Zentrenkonzept“, sagte Karsten Lange vom Gewerbeverein Mainzer Neustadt und CDU-Stadtrat: „Das hat nichts dazu beigetragen, diese Läden bei uns zu erhalten.“ Das Zentrenkonzept sei „ein Relikt der Vergangenheit“, sagte Lange, „wer glaubt, damit noch irgendetwas in der Stadt halten zu können, ist auf dem Holzweg.“

Gerade in der Mainzer Neustadt habe sich das Zentrenkonzept „als Hemmnis für wohnortnahe Versorgung erwiesen“, sagte Lange. Den Discountern Lidl und Aldi sei in der nördlichen Neustadt Nähe Bismarckring eine Erweiterung verweigert worden, obwohl sie eine wichtige Versorgungsfunktion für den Stadtbereich hätten. „Das Areal wird künftig eine zentrale Rolle spielen, weil dort der neue Nordstadt-Bahnhof hinkommt“, sagte Lange, „wenn wir Lidl und Aldi dort halten wollen, müssen wir ihnen etwas bieten.“

Großes Problem in der Großen Langgasse zurzeit: Die Läden sind für die Kunden hinter der Großbaustelle kaum zu finden. – Foto: gik

Und auch sonst stehe das Zentrenkonzept diametral den Zielen entgegen, die es eigentlich bewirken solle: „Ich kenne keinen Geschäftsmann in der Neustadt, der findet, das Zentrenkonzept wäre positiv für uns“, betonte Lange. Und es sei doch „völlig egal, ob wir in Hechtsheim oder Wiesbaden jemanden ansiedeln – der Effekt für die Innenstadt ist derselbe.“ Tatsächlich klagten die Einzelhänder weiter über schwindende Kundenfrequenz.

„Die Lage ist schwierig, gerade auch mit den Baustellen“, sagte Jan Sebastian, Inhaber des Juweliergeschäfts Willenberg und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Mittelrhein-Rheinhessen-Pfalz, und prophezeite: „Es werden noch mehr Einzelhändler verschwinden.“ In den vergangenen Jahren hatten bereits eine ganze Reihe alteingesessener Einzelhändler ihre Pforten für immer geschlossen.

Schon im November 2017 hatte Sebastian gewarnt, die Geschäftsleute rund um Schillerstraße und Große Langgasse litten wegen der Baustellen stark, viele Menschen des Umlandes seien wegen Staus und verstopfter Straßen nicht mehr nach Mainz und in die Schillerstraße gekommen. „Die Händler, die nicht nur von der Mainzer Bevölkerung leben, haben diese Abschottung der Innenstadt schmerzlich gespürt“, betonte Sebastian damals im Gespräch mit Mainz&. „Der ÖPNV in Mainz ist viel zu teuer, es braucht auch günstigere Parkgebühren“, betonte Sebastian nun erneut zwei weitere wichtige Punkte aus Sicht der Einzelhändler. Die Stadt hatte zum Oktober 2015 die Parkgebühren teils deutlich erhöht, gesenkt wurden sie trotz Protesten nie.

„Uns fehlt eine Willkommenskultur in der Altstadt“, nannte Anke Weishaupt von der IG Historische Altstadt einen weiteren Kritikpunkt: „Die Leute können nicht in Ruhe über die Straße gehen, man fühlt sich nicht wohl es gibt kein Konzept.“ Grund sei der starke Lieferverkehr und Radverkehr sogar in Straßen wie der Augustinerstraße, „die Leute können nicht mal in Ruhe aus dem Geschäft gehen“, sagte Weishaupt.

„Wir brauchen eine andere Ansiedlungspolitik, eine Bedarfsanalyse“, forderte Sebastian. Die Qualität der Händler in seinem Umfeld rund um den Schillerplatz habe „enorm nachgelassen.“ Ein attraktiver Branchenmix sei ungeheuer wichtig für eine attraktive Einkaufsstadt, hieß es weiter, „man muss Unternehmen auch proaktiv ansprechen, die kommen nicht von alleine“, sagte eine Teilnehmerin: „In anderen Städten kümmern sich 20 Leute um die Innenstadt“ – in Mainz seien es zwei.

Der beliebte Sportmarkt Decathlon wollte sich schon lange in Mainz ansiedeln – gekommen ist er nie. Hauptgrund: Das Mainzer Zentrenkonzept. – Foto: Decathlon

„Es gibt jedes Jahr viele Anfragen von ansiedlungswilligen Unternehmen bei uns“, sagte Stephan Kerbeck, Leiter des Stadtentwicklungsamtes, und musste einräumen: „Viele können wir erfüllen, es müssen aber auch welche abgelehnt werden.“ Ein ganz wichtiges Argument sei dabei stets: „die gehen sonst nach Hessen“, sagte Kerbeck, „und das ist ja auch passiert.“ Die Wiesbadener Äppelallee sei für Mainz „ein großes Ärgernis“, sagte Kerbeck, und räumt ein: Wenn es ein Produkt „auf absehbare Zeit“ in der Innenstadt nicht zu kaufen gebe, müsse man neu über eine Veränderung des Zentrenkonzeptes nachdenken. So gebe es die Überlegung, eine neue Untersuchung auf den Weg zu bringen, um zu eruieren was fehle – etwa im Bereich Sportläden.

„Wir müssen uns klar machen, warum geht der Kunde einkaufen“, bilanzierte am Ende Matz: „Es ist auch der Ruf nach Attraktivitätssteigerung, nach einem Einkaufserlebnis für alle.“ Ein Zentrenkonzept sei „ein massiver Eingriff in die Gewerbefreiheit“, wenn es nicht mehr richtig wirke, „müssen wir uns fragen: wie kann man es besser machen“, betonte sie. Der Kunde müsse die Sortimente, die er wolle, auch vorfinden, betonte die Dezernentin, „denn am Ende entscheidet nicht die Baupolitik oder der Verband, sondern der Kunde, ob man Umsatz macht.“ Und eine konkrete Konsequenz zog sie am Ende dann auch noch: „Die Wirtschaftsförderung muss viel stärker aufgebaut und erhöht werden“, versprach Matz, „das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben.“

Info& auf Mainz&: Die Debatte um das Mainzer Zentrenkonzept tobt schon lange – einen umfangreichen Artikel dazu findet Ihr etwa hier bei Mainz&. Die Kritik am Zentrenkontzept könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Ein großes Problem für Einzelhändler ist der Online-Handel im Internet. Warum aber immer mehr Menschen im Internet einkaufen – und warum es dafür sogar gutre Gründe geben kann, das haben wir im August 2016 mal polemisch aufgeschrieben: Warum ich notgedrungen dauernd im Internet einkaufe – Danke Einzelhandel!

 

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Plötzlich Dezernentin: Was Manuela Matz als Mainzer Wirtschaftsdezernentin vorhat – Gewerbegebiete, Gesundheitswirtschaft, GWC

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Seit dem 10. Dezember ist sie Mainzer Wirtschaftsdezernentin, zu dem Job kam sie beinahe wie die Jungfrau zum Kinde: Manuela Matz galt eigentlich nur als „Zählkandidatin“, die CDU-Politikerin wurde von ihrer Partei als Gegenkandidatin zu Amtsinhaber Christopher Sitte (FDP) aufgestellt. Matz galt als chancenlos – dann suchte Sitte sein Heil in der Wirtschaft, und Matz war 48 Stunden später plötzlich Dezernentin. Knapp zwei Monate danach hat Mainz& die neue Dezernentin im Rathaus besucht – unser Gespräch über Gewerbegebiete, Gesundheitswirtschaft und die Chancen der Great Wine Capital Mainz.

Manuela Matz (CDU) an ihrem neuen Wirkungsort, im Büro der Wirtschaftsdezernentin im Rathaus der Stadt Mainz. – Foto: gik

Fremd in ihrem neuen Fach fühlt sich Matz indes nicht: Die 54-Jährige ist studierte Wirtschaftsjuristin, in Bayreuth absolvierte sie ihr Studium in BWL und Jura. An der Hochschule lernte sie ihren späteren Mann Dirk Loomans kennen, „in der Theatergruppe der Katholischen Hochschulgemeinde“, erzählt sie lachend. Loomans stand auf der Bühne, sie selbst machte die Maske.

Gemeinsam zog das Ehepaar nach dem Studium nach Freiburg, Matz machte ihr Refrendariat am Landgericht Baden-Baden, arbeitete danach als Rechtsanwältin. „Morgens war ich in der Kanzlei, nachmittags habe ich unsere Tochter betreut – und mein Mann umgekehrt“, erzählt sie im Mainz&-Gespräch. Ihren Namen behielt Matz, „es war ein Stück Identität“, sagt sie. In Holland, der Heimat ihres Mannes, sei es gang und gäbe, dass Frauen ihren Namen behielten, sie selbst sei auch immer ein Fan davon gewesen. Auch als die Kinder kamen, sei das kein Problem gewesen, sagt sie, und erzählt lachend: „Mein Mann hört auch auf Matz, und ich auf Loomans.“

Der Job brachte die Familie nach München, doch Matz sagt, sie habe immer zurück an den Rhein gewollt. Als ihr Mann einen Posten als Geschäftsführer in Bodenheim bei Mainz bekam, war die Chance da. 2002 machten sich Loomans und Matz mit einer Firma für Datenschutz selbstständig, Ende 2018 verkauften sie das Unternehmen an die Wirtschaftsgesellschaft KPMG – genau zum richtigen Zeitpunkt.

„Das Interesse an Politik war immer schon da“, sagt Matz, 1992 trat sie in die CDU ein. In der Mainzer CDU wurde sie nach 2005 aktiv. Die Unternehmerin ist Stadtbezirksvorsitzende der CDU-Hechtsheim und stellvertretende Landesvorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU. „Der Querschnitt zur Wirtschaft hat mich immer interessiert“, sagt Matz, nun steht sie vor ihrer größten Aufgabe: Die Großstadt Mainz wirtschaftlich voran zu bringen.

Sucht Platz für neue Gewerbegebiete und einen neuen Mainzer Stadtteil: die neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU). – Foto: gik

„Gewerbegebietsentwicklung“, sagt Matz, nach ihren Themen gefragt als erstes, „das ist ganz, ganz dringend, da müssen wir was tun.“ Mainz habe in den vergangenen Jahren „Unternehmen angesiedelt, wo das Verhältnis Flächenverbrauch zu Arbeitsplätzen ungünstig ist“, sagt sie. Gemeint sind die großen Logistik-Unternehmen, die Matz Vorgänger Sitte ins Hechtsheimer Gewerbegebiet holte. „Unsere Möglichkeiten, Gewerbeflächen zu entwickeln, sind begrenzt“, sagt Matz, „ich will Gewerbe ansiedeln, das ein besseres Verhältnis hat.“

Zwei Bereiche nennt die neue Dezernentin: die Gesundheitswirtschaft und die Medien. Mainz habe bereits einen Namen mit der Medienwirtschaft, nun seien mit Firmen wie Biontec oder Tron hochkarätige Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft dazu gekommen. „Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt Matz, „wir haben die Möglichkeiten, diesen Markenkern voranzutreiben.“ Mainz müsse einen Markenkern entwickeln, „wenn man zu sehr mit dem Bauchladen kommt, wissen die Leute nicht, wofür man steht.“

„Wir stellen das Zentrenkonzept auf den Prüfstand“, nennt Matz eine andere Baustelle. Gerade trat zum ersten Mal ein Runder Tisch mit Vertretern aller Bereiche zusammen, er soll helfen, das Zentrenkonzept weiter zu entwickeln. „Konzepte, die nicht funktionieren, brauchen wir nicht“, sagt Matz: „Wir müssen sehen, wie man die Innenstadt voran bringen, aber auch die Vororte entwickeln und unterstützen.“

Das Gewerbegebiet um Möbel Martin brauche dringend mehr Kundenfrequenz, gleichzeitig müsse die Innenstadt wieder attraktiv werden. „Der Online Handel bedient die Bedürfnisse der Menschen, er ist nicht der Grund, warum man an Geschäft einbüßt“, betont die Dezernentin. Den Wandel der Zeit hätten „noch nicht alle verstanden“, der Kunde entscheide am Ende, ob man Erfolg habe. Wer tollen Service biete, werde auch weiter seine Kundschaft haben, glaubt Matz, und erzählt die Geschichte von der Parfümerie in Mainz, wo ihr Mann zu jedem Parfümkauf einen kleinen Extraflacon mit einer Probierportion bekomme. „Das kriege ich im Internet nicht“, sagt Matz, „fühlen, schmecken, riechen, das funktioniert im Geschäft noch immer am besten.“

Will neue Gewerbegebiete für Mainz und mehr aus den bestehenden machen – die neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin. – Foto: gik

Bei der Ansiedlung interessierter Unternehmen will sich Matz künftig flexibler zeigen als ihr Vorgänger – Sitte hatte das Zentrenkonzept stets vehement verteidigt. Daran waren Ansiedlungswünsche wie die des Sportdiscounters Decathlon gescheitert. „Wenn Decathlon wieder auf mich zukäme, muss man überlegen, ob man nicht einen Teil des Sortiments aus dem Zentrenkonzept herausnimmt“, sagt Matz nun. Die Steuerung sei „wie ein schwerfälliger Dampfer, dabei bräuchte man heute ein Schnellboot.“

Alleine könne sie Änderungen allerdings nicht umsetzen, sagt Matz auch – der CDU-Dezernentin steht bislang noch eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP im Stadtrat entgegen. Ein Großteil sei „kein Freund davon, dass man der Wirtschaft mehr Spielraum gibt“, sagt Matz. Im Gegensatz zur Ampel spricht sich die neue Dezernentin auch für die Entwicklung eines neuen Stadtteils aus: „Wir brauchen neue Flächen“, sagt Matz. Sie kenne das Gegenargument der wachsenden Flächenversiegelung, betont sie, doch Mainz sei nun einmal eine Stadt in einem Ballungsraum: „Wir sind Stadt, nicht ländliche Region – und wir wachsen.“

Und noch ein Thema liegt der neuen Dezernentin am Herzen: die Weinhauptstadt Mainz. Dass Mainz Great Wine Capital sei, sei noch zu wenig bekannt, sagt sie: „Das müssen wir mehr spielen, da müssen wir Fahrt aufnehmen.“ Es fehlten vielfach noch Informationen zu dem Thema, ebenso „ein Eye Catcher“, der für das Thema stehe. Gerade mit dem Thema Wein könne Mainz solvente Touristen nach Mainz locken, die Stadt müsse mehr dafür tun, das bekannt zu machen. 2020 finde die Versammlung der Great Wine Capital-Vereinigung in Mainz statt, „das eine super Chance, das Thema GWC und Internationalität mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken“, sagt Matz.

Info& auf Mainz&: Was Manuela Matz an ihrem ersten Amtstag erlebte, wie sie vor leeren Schränken und gelöschten Computerdaten stand – das lest Ihr hier bei Mainz&. Mehr zum Abgang von Christopher Sitte und der Wahl von Manuela Matz lest Ihr hier bei Mainz&.

 

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Schiri, Schwafelrunde und brandheiße Druckerzeugnisse – Rasante GCV-Sitzung 2019 punktet mit scharfzüngiger Politik

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Starker Einstand als politischer Redner: Sebastian Grom.... - Foto: gik

„Ruhe im Saal!“, ruft Dr. Dr. Thomas Tuschel, „die Vorlesung beginnt! Heute beschäftigen wir uns mit der Frage, warum beim Eröffnungsspiel seit Jahren keiner mehr zuhört!“ Im Saal rumort’s, die letzten setzen sich noch schnell und bestellen Getränke – da nimmt das Geschehen auf der Bühne schon volle Fahrt auf. Da gibt’s im Schnelldurchlauf Kokolores und Protokoll, und das Finale geht nahtlos in den Einmarsch über – keine Frage: Der Gonsenheimer Carnevals-Verein (GCV) macht sich wieder einmal auf, die Narrenwelt auf den Kopf zu stellen und die Lachmuskeln aus den Angeln zu heben. Im Jahr drei des neuen Programmchef-Duos Thomas Becker und Christian Schier läuft nicht alles rund, aber die Akteure auf der Bühne wie immer zu großer Form auf – das Ergebnis sind fünf Stunden Fastnacht pur zum Lachen, Singen, Feiern und auch ein wenig zum nostalgisch werden.

Klasse Einstand: Multitalent Luca Lautenschläger mischte im Eröffnungsspiel gemeinsam mit Andreas Müller, Jens Ohler und Marius Hohmann den Saal auf. – Foto: gik

„Wir beim GCV wagen neue Dinge, neue Formate“, sagt Sitzungspräsident Sebastian Grom, „wir probieren immer wieder moderne Dinge aus, aber wir sind auch der Tradition verpflichtet.“ Und genau in diesem Geist mischt die GCV-Sitzung 2019 fünf Stunden lang klassisch-traditionelle Elemente mit jeder Menge Experimentierfreude. Da ist etwa der gerade 14 Jahre junge Luca Lautenschläger, den der GCV gerade erst bei der Narrenschau 2018 entdeckte – und der doch schon im Eröffnungsspiel die Bühne rockte wie ein Alter: Protokoller, Possenreißer, Hähnchengrill-Parodist – der Nachwuchsnarr schlüpft mal eben in drei verschiedene Rollen und bringt den Saal im Handumdrehen in Schwung. Respekt.

Überhaupt kommt das Eröffnungsspiel ausgesprochen locker-klug daher mit seiner Diagnose vom Aufmerksamkeits-Defizit-Schoppe-Syndrom bei den Zuschauern, gleichzeitig nehmen sich Andreas Müller, Jens Ohler und Marius Hohmann mit großer Spielfreude herrlich wenig ernst. Dann kann’s losgehen mit dem höchst traditionellen Einmarsch von Füsiliergarde und Komitee, gefolgt von Protokoller Erhard Grom: Der Altmeister der hohen Kunst des gereimten Vortrags liefert eine höchst schwungvoll-spritzige Jahresbilanz mit AKK-Rap, Lampenschirm Söder, WM-Blamage und CSU-Klobürsten bis hin zu den braunen Spendenkassierern der AfD ab.

Nahm nach 20 Jahren Abschied von der „Feuerwehr“ und der Fastnachtsbühne: Peter Beckhaus. – Foto: gik

Grom nimmt als Narr mit dem Eulenspiegel kein Blatt vor den Mund und schreibt dem braunen Mob in Sachsen in aller Deutlichkeit ins Stammbuch: „Pack bleibt Pack, doch Mainz bleibt Mainz!“ Großes Narrenkino ist seine Trumpsche Versenkungsmethode à la Gullydeckel, die in dem von Herzen kommenden Schlussatz mündet: „Und im Kanal die Rattenschar, die hat Besuch aus USA.“ Grom beherrscht die hohe, ja höchste Kunst des närrischen Protokollers, mit Klartext und Pointe zu jonglieren, dem Volk aufs Maul zu schauen, ihm aber zugleich den Spiegel vorzuhalten – und am Ende durchaus besinnlich-moralisch zu schließen: „Ein Zauber liegt in unserem Fest, der Fremde Freunde werden lässt./ Ach wenn auf unserer Welt, ich wünscht es sehr, doch immer Mainzer Fastnacht wär‘.“ Da verneigt sich der Saal und dankt mit stehenden Ovationen.

Nostalgisch und ein bisschen wehmütig macht ein anderer alter Hase danach weiter: Peter Beckhaus nimmt Abschied von der Narrenbühne, und das mit dem Lied, das ihn vor 20 Jahren zum Star machte. Doch Beckhaus wär‘ kein echter Narr, würde er nicht seinen eigenen Ruhm glossieren, und so wird aus der „Feuerwehr“ erst mal eine Bilanz der Folgen des Liedes. Die Original „Heut‘ spielt die Feuerwehr“ darf danach natürlich nicht fehlen, und so mancher im Saal schmettert mit Inbrunst und in Erinnerungen verloren mit.

Großer Narren-Nonsens: Die Almerindos Thomas Becker und Frank Brunswig. – Foto: gik

Christoph Seib versteht danach die Welt nicht mehr, nun ja, sein Frauenbild ist ja auch ein wenig in der Vergangenheit stecken geblieben, dabei wollte er doch nur eine Hommage an seine Oma dichten. Doch sein furioser Ritt durchs Radioprogramm der 80er, der ist vom Feinsten: von Backstreet Boys über japanische Oper bis hin zu Fußball, Verkehrsmeldungen, Backrezept und Schlager geht die rasante Reise, die in Minutenschnelle aus einem einzigen Mund sprudelt – und in der Vision „Wenn ich König der Fastnacht wär‘ mündet“.

Damit hätten wir den eleganten Übergang zum Nonsens geschafft – und dafür sind die „Almeridos“ zuständig. Thomas Becker und Frank Brunswig kalauern sich erst einmal herrlich Zwerchfell-strapazierend durch Tauchschulen und nasse Ritzen, bevor sie zum Finale Grande ansetzen: Ob „Kein Kondom mehr“ eher Hommage oder eher Parodie des berühmten Barcelona-Duetts zwischen Freddy Mercury und Monsterrat Caballé ist, bleibt offen… Fest steht aber: Die Nummer zündet mehr am späteren Abend.

Die Konzentration fällt danach zumindest erst mal schwer, das geht zu Lasten von Tobias Mayer. Der saust auf Rollerscates über die Bühne und spielt dabei auch noch Akkordeon, verwirrt den Saal aber erst einmal mit seinem Vorne-hinten-unten-oben-Refrain. Zwei Musiknummern hintereinander erweist sich nicht als Erfolgsrezept der Planer, auch die Werum-Brüder mit ihrer schönen Kreppel-Ode zu Beginn der Sitzung machten schon die Erfahrung: Neue Akteure brauchen die richtige Zeit und den richtigen Raum zur Entfaltung.

Grandiose Grenzgänger: Rudi Hube und Johannes Emrich. – Foto: gik

Das geht am Ende auch der Herpes House Band so: Die fünf Jungs mit den starken Stimmen und ihrer völlig respektlosen Hofsänger-Parodie bringen den Saal mehr zum Luftschnappen denn zum Abfeiern, zumal ihr „Sprühregen über den Wolken“ ja wirklich nichts für schwache Mägen ist… „Wir sind alt, wir sind grau, wir schreien alle nur Helau“, sagte Lars Reichow kurz zuvor als Mahnung – das droht dem GCV mit solchen starken Nachwuchsgruppen nun wirklich nicht.

Aber zurück zum ersten Teil: Über Raum und mehr noch Grenz-Raum streiten sich Rudi Hube und Johannes Emrich, die beiden gaben als Grenzer ja schon ihr Debut bei den Kammerspielen des GCV, nun entfaltet sich ihr deutsch-französisches Zwiegespräch erneut zu einer feinsinnigen Persiflage auf die Missverständnisse zwischen Froschesser und Gartenzwergliebhaber, die am Ende doch nur eines zeigt: Jacques und Karl sind längst innige Freunde, und deutsche und französische Kultur zwischen Schwarzbrot und Baguette zutiefst miteinander verflochten. Emrichs französischer Grenzer ist dabei ein Augen- und Ohrenschmaus, und das trotz Krücken – parfait!

Schnorreswackler in Slow Motion: Die Ritter der Schwafelrunde beim Videobeweis. – Foto: gik

Ein Augenschmaus sind wie immer auch die Balletts, die Mädels von der Füsiliergarde präsentieren sich im 66. Jubiläumsjahr toppfrisch und grandios-synchron, ihre Kolleginnen vom GCV-Ballett legen eine wunderschöne Suche nach dem Fastnachtsprinz auf das Parkett – mit fantastischen Kostümen und spannender Choreographie. Die bringen auch die „Ritter von der Schwafelrunde“ mit: Dank futuristischer Fernbedienung können die Schnorreswackler in diesem Jahr nicht nur stark vorwärts singen, sondern auch in Slowmotion und sogar rückwärts singen und tanzen – eine Mega-Leistung. König Jean Arthur Becker seufzt „Gesang, wir brauchen Gesang am Hofe!“, Parcival hat einen Becher bei Bares für Rares zu verkaufen, und der gelbe Ritter ist abkömmlich – die Schnorreswackler servieren in ihrem Jubiläums Jahr erneut einen Parforce-Ritt närrischer Chorkunst.

Ein bisschen fehlt an diesem Abend im zweiten Teil die Musik, weder Oliver Mager noch die Bockius-Brüder heizen dem Saal ein, das müssen die Fleischworschtathleten in gewohnter Manier nach der Pause übernehmen, Und so werden zu Glanzpunkten des Abends die Politik-Nummern. Denn nachdem Guddi Gutenberg vom Sockel gestiegen ist, macht sich ein anderer auf, die närrische Druckerehre von Mainz zu retten: Sitzungspräsident Sebastian Grom legt bei seiner Premiere als Druckergeselle direkt mal einen fantastisch-bitterbösen Politikvortrag aufs Parkett.

Grom seziert Bibelturm und Baustellen-Chaos, Münsterplatz-Örtchen und Dieselfahrverbot, schenkt der Kaviar-Connection in Wiesbaden feste einen ein, und spricht im gleichen Atemzug: „Ebling? der ist in der SPD? Ich wusste noch nicht einmal, dass der Politiker ist. Ich dachte das ist der hauptamtliche Weinfest-Eröffner von der Stadt Meenz. Ist der einfach Ob und keiner kriegt’s mit…“ Von Klimaleiden geht’s zum SPD-Kater, und das Ganze mündet auch noch in einem spritzigen Medley am Klavier – da serviert der Saal zu Recht lang anhaltende Standing Ovations.

Starker Einstand als politischer Druckergeselle: Sebastian Grom. – Foto: gik

Auch ein anderer arbeite sich am Mainzer OB ab: „Unser’n Oberbürgermeister… was macht der eigentlich? Warum macht der nie was?“, lästert Lars Reichow und arbeitet sich mit spitzer Zunge durch Bahnchaos und Hackerhandwerk, den „geistig limitierten Verkehrsminister“, schwachsinnigen Brexit und die Schiersteiner Brücke. „Es gibt im Moment zu viele Narren auf der Welt“, seufzt Reichow, und konstatiert: „Ich glaube an das Mädchen Greta, ich glaube an unsere Kinder, lasst sie raus auf die Straße, rettet die Bienen, rettet Europa, steht auf und kämpft!“

Da bleibt wahrlich nur noch die Flucht in die ultimative Narretei – und die wird natürlich von keinen anderen als Christian Schier und Martin Heininger serviert. Die nehmen in diesem Jahr Siri und Alexa und alle Assistententräume aufs Korn, was natürlich nicht ohne Musik, wahnsinnige Tanzeinlagen und jede Menge Lachmuskel-Kater abgeht – unbeschreiblich gut und mit Sicherheit ein Fall für die Fernsehsitzung…. Bleiben noch der echte „Hähnchengrill“ als Zugabe und ein echt Meenzerisches Finale, und es ist wieder feinste Fassenacht in Meenz…

Info& auf Mainz&: Der Horrortrip des Vereins vom Vortag, der abgefackelte Fastnachtswagen, kam natürlich auch zur Sprache, und Lars Reichow hatte da den passenden Vorschlag: Elf Jahre Haft ohne Gewähr zur Strafe. Mehr zu dem Brandstiftungs-Fall selbst lest Ihr hier bei Mainz& – und hier lest Ihr über die Lösung mit dem Ersatzfahrzeug. Wegen technischer Probleme auf unserer Seite ist unsere Fotogalerie dieses Jahr nicht ganz vollständig – wir bitten um Entschuldigung.

 

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Ersatz für abgebrannten Fastnachtswagen: GCV übernimmt alten Wagen der Konfettis – Große Unterstützung

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Am Freitagfrüh erreichte den Gonsenheimer Carnevals-Verein (GCV) die Horrornachricht vom abgebrannten Fastnachtswagen, keine 48 Stunden später konnte GCV-Präsident Martin Krawietz erleichtert verkünden: Der GCV hat einen Ersatzwagen gefunden. „Wir werden einen Wagen der Konfettis übernehmen“, sagte Krawietz am Samstagabend am Rande der GCV-Sitzung. Der Wagen sei fix und fertig und müsse nur noch auf GCV-Dekoration umgerüstet werden. „Das schaffen wir bis Rosenmontag“, betonte Krawietz. Damit können die ehrenamtlichen Helfer des Vereins nun doch auf einem Fastnachtswagen durch den Rosenmontagszug rollen.

Die GCV-Technik kann doch im Mainzer Rosenmontagszug mitrollen – für diesen, vergangenen Freitag abgebrannten Wagen gibt es inzwischen Ersatz. – Foto: gik

Die Horrornachricht erreichte den Verein Freitagfrüh: In Bischofsheim war in der Nacht eine Scheune einer mutmaßlichen Brandstiftung zum Opfer gefallen, darin hatte aber auch ein Fastnachtswagen des GCV gestanden – und der brannte komplett nieder. Besonders ärgerlich für den Verein: Auf dem „Technikwagen“ hatten genau die Ehrenamtlichen mitfahren sollen, die sich die ganze Kampagne um Sound, Licht und Bühnenorganisation kümmern – ehrenamtlich und mit hohem Engagement. Umso erleichterter war der Verein über den Ersatz.

„Wir haben große Unterstützung von unglaublich vielen Seiten erfahren“, sagte GCV-Pressesprecher Stephan Schuth am Samstagabend Mainz&. Eine wahre Nachrichtenflut auf allen Messengerdiensten habe den GCV nach dem, Bekanntwerden der Wagen-Katastrophe erreicht. Darunter seien auch zahlreiche Angebote für Ersatzwagen gewesen, auch aus Wiesbaden, berichtete Schuth – dort läuft der große Fastnachtsumzug am Fastnachtssonntag durch die Straßen. Die Unterstützung sei riesig gewesen, freute sich Schuth, dem GCV seien sowohl Wagen zum Leihen, als auch Ersatzwagen zum Kauf angeboten worden.

Am Ende habe sich der Verein für den Kauf des früheren Fastnachtswagens der Konfettis entschieden, das Angebot sei über den Karneval Club Kastel (KCK) zustande gekommen. Der Wagen lasse sich nun sehr schnell für den Rosenmontag umrüsten, freute sich Krawietz – so kann der GCV nun doch mit vier Wagen im großen Rosenmontagszug fahren.

Info& auf Mainz&: Mehr zum abgebrannten GCV-Fastnachtswagen lest Ihr hier bei Mainz&.

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20.000 Zuschauer feiern Römer, Franzosen und Germanen – 62. Mainzer Jugendmaskenzug 2019 bei Traumwetter – 32 Preise vergeben

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Traumhaft schöne Pierrots - dafür gab's natürlich einen Kostümpreis! - Foto: gik

Es war ein anderer Samstag als sonst, doch es wurde eine große Familien-Narren-Party daraus: Friedlich, fröhlich und bei Traumwetter haben am Samstag die Mainzer ihren 62. Mainzer Jugendmaskenzug 2019 gefeiert. 3.700 kleine und große Narren zogen rund zwei Stunden langen durch die Straßen von Mainz, dominiert wurde der Zug von Franzosen und Römern – gemäß dem diesjährigen Motto: „Franzosen, Römer und Germanen, zum Leben an den Rhein hier kamen.“ Zwei Wochen vor dem üblichen Termin kamen am Ende 20.000 Zuschauer – 2018 waren es noch rund 55.000 gewesen. „Es war ein Traum“, schwärmte Organisatorin Cathrin Tronser nach dem Zug, sehr erleichtert.

Süße kleine Franzosen zogen am Samstag beim Jugendmaskenzug 2019 durch Mainz. – Foto: gik

Lange hatten die Organisatoren im Vorfeld um den Zug gebangt: 60 Jahre lang fand der Kinder- und Jugendmaskenzug am Fastnachtssamstag statt, weil Rheinland-Pfalz in diesem Jahr erstmals Winterferien hat, musste der Jugendmaskenzug 2019 zwei Wochen vorverlegt werden. Das sorgte für erhebliche Turbulenzen, die Kosten für den Kinderzug explodierten – zeitweise stand er gar wegen hoher Sicherheitskosten vor dem Aus. Am Samstag war die Spannung deshalb groß: Wie würden die Mainzer den neuen Termin annehmen, würde echte Fastnachtsstimmung aufkommen?

Um 14.00 Uhr war die Fastnachtslage in Mainz noch verhalten. Vor dem Staatstheater tummelte sich eine fröhliche Menge, hier hatten die Garden gerade ihr „Gardist, ärger Dich nicht“ gespielt, ein Rahmenprogramm die Fastnachtswilligen unterhalten. Im Staatstheater gingen ausgemusterte Kostüme zu Hunderten beim traditionellen Kostümverkauf über die Theke. Doch entlang der Zugstrecke taten sich große Lücken in den Zuschauerreihen auf: Am Schillerplatz oder in der Schillerstraße fanden sich zunächst nur ein Bruchteil der Besucher vom Vorjahr ein.

Große Lücken in den Zuschauerrängen kurz vor dem Mainzer Jugendmaskenzug – dann aber füllten sich die Straßen rapide. – Foto: gik

„Die Fremden fehlen“, sagte eine ältere Mainzerin, sie meinte die auswärtigen Besucher, die für gewöhnlich am langen Fastnachtswochenende die Stadt bevölkern. Tatsächlich war die Stimmung am Samstag eine andere: Das normale Samstagseinkaufsvolk mischte sich mit kostümierten Narren und Garden. Was fehlte, war die jüngere Narrenmenge im Partymodus. „Wer heute kommt, kommt der Kinder zuliebe“, sagte ältere Mainzerin: „Sonst war immer schon Freitags die Fernsehsitzung, da ist man schon warm für Fastnacht.“

Doch dann, Punkt 14.11 Uhr, startete der Jugendmaskenzug in der Mainzer Neustadt – und auf einmal füllte sich auch die Zugstrecke. Familien waren gekommen mit Kind und Kegel, um Geschwister, Enkel, Söhne und Töchter im Jugendmaskenzug zu bestaunen. Rund 20.000 Zuschauer meldete am Ende die Polizei – im Vorjahr waren es noch 55.555 gewesen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, im Gegenteil: Es wurde kein großes Familienfest, so friedlich, dass nicht einmal die Polizei viel zu Melden hatte. Am Ende gab es ganze zwei Betrunkene, die ermahnt werden mussten.

Bezaubernde römische Fastnachtsgöttinnen waren auch dabei. – Foto: gik

Das Motto des Umzugs stand im Zeichen von „Franzosen, Römer und Germanen“, passend dazu wurde die Narrenparade dominiert von kleinen Franzosen mit Baguettes und diversen Römer-Divisionen. Da gab es die Weck-, Worscht- und Woi-Römer, Trikoloren in Scharen, aber auch Germanen, süße Fastnachtsgöttinnen und Gaukler. Auch Vater Rhein zog durch die Straßen von Mainz und hatte sogar sein Rheingold mitgebracht – die Freie Waldorfschule aus Finthen begeisterte nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Jury: Für ihre Umsetzung von Rhein, Wein, Römern und Franzosen mit gut 350 Schülern gab es am Ende den 1. Preis der Mainzer Volksbank mit einem Preisgeld von 1.000 Euro.

Der zweite Platz und 900 Euro Preisgeld ging an die Grundschule Laubenheim, die unter anderem mit tollen Pierrot-Kostümen bezauberte. Gleich mehrere Preise heimste die Martinusschule aus der Mainzer-Oberstadt ein, weil aus ihren Reihen der neue Kinderprinz Finn stammt, kamen die Lehrer als Prinzen-Woi, die Schüler aber als Ente à l’Orange – also als Zugenten mit Orangenscheiben. 32 Preise wurden insgesamt vergeben, die komplette Liste findet Ihr am Ende dieses Artikels.

Tolle Zugenten à l’Orange samt Prinzen-Woi präsentierte die Martinusschule aus der Oberstadt. – Foto: gik

Kinderprinz Finn warf unterdessen hoch von seiner Kinder-Lok Süßigkeiten und Bälle in die Menge, es hagelte Bonbons und Süßigkeiten entlang der Strecke. Viele Garden und Guggemusiken ergänzten das bunten Narrenbild des Umzugs und sorgten für den richtigen Fastnachtssound entlang des Zugwegs. „Es ist eine tolle Bühne für die Kinder“, fand denn auch eine Zuschauerin, „der neue Termin wird sich etablieren.“

Hochzufrieden äußerten sich am Ende auch die Organisatoren: „Wir hatten heute eine singuläre Veranstaltung, für das erste Mal an dem neuen Termin war der Zuspruch Wahnsinn“, bilanzierte Tronser: „Die Leute wollen den Jugendmaskenzug feiern.“

„Wir sind sehr zufrieden, besser geht’s nicht“, sagte auch Ko-Organisator Kurt Merkator dieser Zeitung: „Auf dieser Basis können wir nächstes Jahr weiter machen.“ Auch im kommenden Jahr liegen die neuen Winterferien vor Fastnacht, muss der Jugendmaskenzug umziehen. „Die Winterferien braucht doch kein Mensch“, ärgerte sich ein Zuschauer – die Mainzer hoffen, dass der Umzug in zwei Jahren vielleicht doch wieder aufs Fastnachtswochenende zurückkehren kann.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Vorgeschichte des 62. Mainzer Jugendmaskenzugs lest Ihr hier bei Mainz&, die offizielle Internetseite des Umzugs findet Ihr hier im Internet. Weiter unten findet Ihr die Preise für den Jugendmaskenzug. Und natürlich gibt’s es wie immer auch unsere Bildergalerie von all den süßen kleinen Narren, viel Spaß damit!

Aufstellung der Preise Mainzer Jugendmaskenzug 2019

Motto: Franzosen, Römer und Germanen, zum Leben an den Rhein hier kamen./ Brachten Fleischworscht, Weck un Woi, und die Fastnacht obbedroi./ Heut grüßen wir sie mit Radau und dreifach donnerndem Helau!

Mainzer Volksbank: 3 erste Preise

  1. Preis € 1.000,– Waldorfschule
  2. Preis € 900,– Grundschule Laubenheim
  3. Preis € 800,– Martinusschule Oberstadt

Sparkasse Mainz 3 Sonderpreise à 777,- Euro jeweils an Kinderwiese Mainz, Kita Maria Heimsuchung, IGS Bretzenheim

Allgemeine Zeitung Mainz Sonderpreis für die originellste Umsetzung eines Themas:

  • 333,- Euro Waldorfschule
  • 222,- Euro Martinusschule Oberstadt
  • 111,- Euro Grundschule Laubenheim

Dezernat für Soziales, Stadt Mainz: Sonderpreis für den originellsten Kindergarten: 222,- Euro an Kinderwiese Mainz

Preise der Mainzer Korporationen und närrischen Vereinigungen

Mainzer Carneval Verein: 666,- Euro Kita Liebfrauen

Carneval Club Mombach: 444,- Euro “Die Eulenspiegel” Theresianum

Je 333,- Euro gehen an:

  • Förderverein Mainzer Fastnachtsmuseum:  Martinusschule Weisenau
  • Mainzer Prinzengarde: Kinderhaus Mainz
  • Mainzer Ranzengarde: Kita Zeughausgasse
  • Mombacher Bohnebeitel Jugendnarrenpreis: Kita St. Georg
  • Carneval Club Weisenau: Maria-Ward-Schule
  • Karneval Club Kastel: Grundschule Dr.Martin-Luther-King
  • Mainzer Carneval Club: Kita St. Johannes Evangelist
  • Mainzer Narren Club: Kita St. Peter/St. Emmeran
  • Die Mainzer Stadtmarschälle: Kita Abenteuerland
  • Füsiliergarde Gonsenheim: Mainzel Minis
  • Gonsenheimer Carneval Verein: ARSV
  • Garde der Prinzessin und Rosa Käppscher: Kita Forsterstraße

Jakob-Wucher-Stiftung: 222,- Euro an Kita Marienborn

Je 111,- Euro an:

  • Die Schnudedunker: Kita Hopfengarten
  • Ebersheimer Carneval Verein “Die Römer”: 05er Kids
  • Mainzer Freischützen Garde: Jugendgruppe St. Achtius
  • Mainzer Kleppergarde: TRS Oppenheim
  • Comité Katholischer Vereine: Kita Maria Königin

Verkehrsverein Mainz e.V.: 1 x Besuch bei der Berufsfeuerwehr (25 Pers.) Kita Forsterstraße und 1 x Besuch eines Mainz 05 Heimspiels: Jugendgruppe St. Achatius

 

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