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Jahresarchive: 2019

Die gesamte Bibel in 3333 Bildern – Gutenberg-Museum erhält eine wertvolle Wiedmann-Bibel in Gold-Edition

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In Washington D.C. zieht sie bereits die Besucher in Scharen an, ab kommenden Dienstag soll sie auch das Gutenberg-Museum in Mainz um einen weiteren Schatz bereichern: Das Weltmuseum der Druckkunst bekommt eine von 333 kostbaren Wiedmann-Bibeln in der Gold-Edition. Die Wiedmann-Bibel gibt als einziges Werk der Welt die Bibel komplett in Bildern wieder, geschaffen hat sie der Bad Camberger Künstler Willy Wiedmann. 16 Jahre lang, zwischen 1984 bis 2000 arbeitete Wiedmann fast im geheimen an seinem Werk, heraus kam ein 1,2 Kilometer langes Leporello, ein Band aus Bildern. Nach seinem Tod fand sein Sohn Martin Wiedmann das Werk – und schaffte es, die Wiedmann-Bibel drucken zu lassen. Die Nummer 3 der Gold-Edition geht nun an das Gutenberg-Museum, kommenden Dienstag ist Übergabe des Werkes.

Die Wiedmann-Bibel als Buch. – Foto: Wiedmann Media

Es ist das längste Leporello der Welt und ein einmaliges Kunstwerk: Auf 3.333 Bildern setzte der Künstler Willy Wiedmann das Alte und Neue Testament der Bibel in Bildern um. Die Bibel vereinfachen wollte der Künstler, 16 Jahre lang arbeitete er an dem Werk – die Mittel, seine Bilder-Bibel zu veröffentlichen, hatte er nicht. „Deshalb vergrub er seinen Traum und die Bilderbibel auf dem Dachboden seiner Galerie“, erzählen seine Nachfahren auf der Internetseite zur Wiedmann-Bibel. Nach dem Tod Wiedmanns im Jahr 2.000 entdeckte sein Sohn Martin das Werk in Kartons auf dem Dachboden – und beschloss, den Traums eines Vaters Realität werden zu lassen.

Wiedmann ließ die Bilder digitalisieren, es entstand eine digitale Bibelwelt samt Virtual Reality: Da kann man mit einer Virtual Reality-Brille die Arche Noah betreten oder mit Hilfe einer digitalen Erlebniswelt auf dem Dachboden der Galerie in den Leporellos stöbern. Auch eine App für Handy oder Tablet entstand – und gedruckte Ausgaben der Wiedmann-Bibel. 3.333 besondere ART-Editionen der Wiedmann-Bibel gibt es, eine rote und schwarze Edition umfasst 3.000 Stück, eine ganz besondere Gold-Edition ist auf 333 Exemplare limitiert. Und genau so eine Gold-Edition bekommt nun das Gutenberg-Museum in Mainz.

Am kommenden Dienstag, den 12. Februar, wird die Gold-Edition Nummer 3 in Mainz übergeben, von Martin Wiedmann persönlich. Das Werk enthält die kompletten Bilder des Original-Leporellos und wird ergänzt durch eine Biografie des Künstlers, Kommentare und verschiedene Bibelverse aus der revidierten Lutherbibel von 2017. Wiedmann malte im Stil der Polykonmalerei, den er in den 1960er Jahren selbst entwickelt hatte, wie das Museum mitteilt. Erst im Februar 2018 wurde die Wiedmann Bibel zum ersten Mal als Buch veröffentlicht, Exemplare der Bibel haben bislang nur die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und das Bibelmuseum bibliorama in Stuttgart. Im Museum of the Bible in Washington, USA, dem größten Bibelmuseum der Welt, ziehe die Wiedmann Bibel gerade „Besucher in Scharen an“, so das Gutenberg-Museum weiter.

In Mainz wird das Ausnahme-Werk zunächst bis Mitte März zusammen mit einem interaktiven Erlebnisterminal präsentiert, das die besonderen Einblicke in die Welt der Wiedmann-Bibel erlaubt, teilte das Gutenberg-Museum mit. Danach werde die außergewöhnliche Gabe in die Kabinett-Ausstellung „Unsere Schönsten … Bilder-Bibeln“ integriert, die bis Ende 2019 zu sehen sein wird.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Wiedmann-Bibel mit Informationen, Hintergründen und Einblicken findet Ihr hier im Internet. Zum Gutenberg-Museum geht es hier entlang. Update zur Ausstellung: Das interaktive Terminal zur Wiedmann-Bibel ist voraussichtlich nur bis Ende Februar zu sehen, die Wiedmann-Bibel danach aber bis etwa Ende 2019 wie beschrieben. Und ja, die Bibel wurde, wie vorgesehen, am Dienstag dem Gutenberg-Museum übergeben.

 

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Feinstaubschleuder Kaminofen – Heimeliges Kaminfeuer boomt und bringt die Rückkehr von Gestank und Ruß in Wohngebiete – Rat vom Experten

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Es ist längst wieder zu einer Qual geworden: Wenn es kalt wird in Deutschland, fängt es in den Wohngebieten an zu stinken und zu qualmen. Kaminöfen boomen, allein in Rheinland-Pfalz werden rund 600.000 Kamine und Kachelöfen betrieben. Es ist ja auch zu schön: gemütlich am Feuer sitzen, in die Flammen gucken – wer genießt das nicht? Dazu wird gerade auch vom Mainzer Umweltministerium das Heizen mit Holz als ökologisch und klimaneutral beworben – doch Fachleute warnen: Mit den Öfen sind auch Ruß, Feinstaub und Gestank zurückgekehrt. Denn viele Ofenbesitzer heizen falsch und schmeißen achtlos in die Flammen, was gerade zur Hand ist. Das Ergebnis: Gefährlicher Feinstaub – und oft sogar giftige Beistoffe. Wenn der Kaminofen stinkt und giftigen Feinstaub ausspuckt, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Dabei gibt es einfache Abhilfe.

Diese Kamine sind brav und harmlos – sie stoßen gar nicht aus. Doch wenn der Nachbar falsch feuert, drohen Gestank, Ruß, Feinstaub und giftige Emissionen. – Foto: gik

Der Meteorologe Jörg Kachelmann lästert seit Monaten über den „Reichenfeinstaub“: Früher hätten die ärmsten Menschen die dreckigste Luft gehabt, heute sei das umgekehrt, schimpft der Wetterexperte in den sozialen Netzwerken und in Zeitungsartikeln. Grund für Kachelmanns Tiraden: Die Rückkehr der Kamine. Das heimelige Kaminfeuer erlebt einen ungeheuren Boom, etwa 11,7 Millionen sogenannter „Einzelraumfeuerungsanlagen“ gibt es nach Angaben des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks in Deutschland insgesamt.

Die Zahl ist in den vergangenen Jahren förmlich explodiert, Heizen mit Holz gilt als umweltschonend, „schick“ ist es sowieso. In 27 Prozent der Wohnungen in Deutschland gibt es inzwischen einen Kamin oder Einzelofen, in vielen ländliche Regionen ist Heizen mit Holz noch gang und gäbe. Doch gerade auch in den Städten haben die schicken Öfen wieder Einzug gehalten in die Häuser der besser Betuchten, in Rheinland-Pfalz werden allein rund 600.000 Kamine und Kachelöfen betrieben. Beim Mainzer Umweltministerium wirbt man für das Heizen mit Holz, der Rohstoff sei „klimaneutral, nachwachsend und sichert Arbeitsplätze“, sagt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Doch Experten warnen: Der Boom der Holzöfen hat eine Kehrseite: Gerade in Ballungsräumen verschlechterten Holzheizungen die Luftqualität, der Feinstaub aus Kaminöfen sei ähnlich schädlich wie Dieselruß, warnt das Umweltbundesamt. Das Heizen mit Holz verursache – auch wenn es sachgerecht vorgenommen werde – deutlich größere luftverschmutzende Emissionen als andere Energieträger wie Heizöl oder Erdgas. Selbst im besten Falle stoße ein moderner Kaminofen in der Stunde etwa 500 Milligramm Staub aus – so viel wie rund 100 Kilometer Autofahren. „Der Geruch nach Winter“, so das Umweltbundesamt, „kann gesundheitsschädlich sein.“

Moderne Kaminöfen boomen, doch viele wissen nicht, wie man sie richtig befeuert und was reindarf – und was nicht. – Foto: Losch via Wikipedia

Denn zum einen ist Feinstaub selbst hochgradig schädlich für unser Gesundheit: Die mikroskopisch kleinen Partikel dringend in die Atemwege ein und von dort sogar in den Blutkreislauf und verbreiten sich bis in alle Organe – Ultrafeinstaub kann sogar bis ins Gehirn vordringen. „Gesundheitliche Wirkungen, die mit Feinstaubbelastungen nachweislich zusammenhängen, reichen von Schleimhautreizungen/lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien oder Lungen, verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen bis zu Schlaganfall und Krebs“, warnt das Umweltbundesamt. Auch Zusammenhänge zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson werden diskutiert.

Es sei aber nicht auszuschließen, dass es in Wohngebieten zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub kommen könne, wenn viele Holzöfen und Kamine gleichzeitig betrieben würden, insbesondere bei Inversionswetterlagen – und dass dann sogar Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden können. Dazu stinkt es oft bestialisch durch die Nachbarschaft, manch Hausbesitzer klagt gar, er könne am Wochenende kein einziges Fenster öffnen, geschweige denn auf der Terrasse sitzen – Dank des Kamins des Nachbarn.

Jochen Scherne wundert das nicht wirklich: „Wenn ich sehe, welche Sachen da durch den Schornstein gehen“, sagt der Schornsteinfegermeister der Koblenzer Innung: „Da sind Milchtüten dabei, feuchtes Holz und anderes.“ Dabei ist es strikt verboten, Abfall zu verbrennen, doch nicht jeder halte sich daran. Auch Papier ist kein zulässiger Brennstoff – aber wer weiß das schon? Die Verbrennung von allem gestrichenem oder behandeltem Holz ist ebenso verboten wie von Sperrholz, Span- oder Faserplatten, auch Papier oder Pappe, brennbare Abfälle oder gar Müll dürfen nicht verbrannt werden. Verbrannt werden darf in einem Kamin nur naturbelassenes Holz wie Scheitholz oder Holzspäne, dazu Holzpellets oder Holzbriketts.

Wer sich daran nicht hält, riskiert mehr als nur Gestank: Was aus den Schornsteinen kommt, ist dann auch noch giftig. Werden Brennstoffe nicht vollständig verbrannt oder gar unerlaubte Stoffe in die Flammen geworfen, können bei der Verbrennung laut Umweltbundesamt polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen – die sogenannten PAKs gelten als hochgiftig und als krebserregend. Dazu pusten die Kamine vielfach schädliche Stickstoff- und Schwefeloxide sowie Salzsäure in die Luft.

„Trockenes Brennholz, das ist der Schlüssel zu der ganzen Diskussion“, sagt Paul Schilling vom Betrieb Landesforsten: „Nur feuchtes Holz stinkt beim Verbrennen und produziert Feinstaub.“ Es gelte eben immer noch, was man schon früher gewusst habe: „Wasser brennt nicht“, sagt Schilling trocken, viele aber heizten mit zu nassem Holz. Maximal 20 Prozent Wassergehalt sollte ein Holzscheit beim Verbrennen noch haben, besser noch 15 Prozent. Frisch geschlagenes Holz enthalte 40 bis 50 Prozent Wasser, das müsse erst getrocknet werden. Richtig zum Verheizen sei Holz, wenn es grau aussehe und Risse habe, sagt Schilling: „Wer mit feuchtem Holz heizt, heizt auch teurer.“ Doch vielfach hapere es an der richtigen Lagerung: zu wenig durchlüftet, zu feucht.

Brennholz sollte trocken, aber auch luftig gelagert werden, wichtig ist ein Dach nach oben und Luft UNTER dem Stapel, sagen Experten. - Foto: Christoph Neumüller via Wikipedia
Brennholz sollte trocken, aber auch luftig gelagert werden, wichtig ist ein Dach nach oben und Luft UNTER dem Stapel, sagen Experten. – Foto: Christoph Neumüller via Wikipedia

Entscheidend sei zudem die richtige Bedienung des Ofens, sagen die Experten: Da werde viel zu viel Holz in den Ofen gestopft, die Luftzufuhr zu früh gedrosselt. Viele Verbraucher kauften sich einfach einen Ofen aus dem Baumarkt, die Bedienungsanleitung werde oft nicht einmal gelesen, klagt Schornsteinfeger Scherne. Sei aber die Temperatur im Ofen zu gering, kokele das Holz statt zu Brennen – es stinkt, und es bildet sich gefährlicher Glanzruß, der zum Kaminbrand führen kann. „Je optimaler die Verbrennung, umso besser für die Emissionen“, sagte Scherne, „der Normalmensch kommt mit den Reglern am Kamin aber meist nicht zurecht.“

Filtertechniken könnten die Lösung sein, es gibt sie auch, nur eingesetzt werden sie nicht, sagen die Experten. Seit dem 31. Dezember 2014 müssen Kamine laut Bundesimmissionsschutzverordnung (BimschVGO) strenge Grenzwerte von Feinstaub einhalten – theoretisch. „Diese Grenzwerte können mit der heute üblichen Technik in der Praxis nur selten eingehalten werden“, sagt Tobias Ulbricht vom Deutsche Biomasseforschungszentrum Leipzig. Bei der Typenzulassung tricksen die Kaminhersteller ähnlich wie die Autobranche: Die Typprüfung fange erst an, wenn der Kamin richtig schön durchgewärmt sei, sagt Ulbricht. „In der Realität habe ich aber schwankende Bedingungen“, sagt der Experte – der Verbraucher könne die Grenzwerte eigentlich kaum einhalten.

Die Probleme mit Feinstaub und Geruchsbeschwerden gebe es, räumt Ministerin Höfken ein, auch wüssten viele nicht, „dass ihre Anlage keine Müllverbrennungsanlage ist.“ All das sei aber „kein Argument gegen Holzöfen“, betont die Ministerin, „sondern für Aufklärung.“ Höfken verweist auf die Schornsteinfeger, sie sind nicht nur für die Zulassung der Kamine zuständig, sondern beraten auch in Sachen Feuerung und trockenes Holz. Spätestens bis 2025 müssen nach der neuen Bundesimmissionsschutzverordnung übrigens auch alte Kaminöfen neue, strengere Grenzwerte einhalten und deshalb unter Umständen mit Filtern nachgerüstet werden – Informationen dazu geben ebenfalls die Schornsteinfeger. Allerdings hat die BimschVGO gerade für Kamin-geplagte Nachbarn auch einen Haken: Die Überprüfung von Anlagen findet jetzt in größeren Abständen und nicht mehr jährlich statt. Bleibt bei stinkenden Kaminen also nur eines: mit dem Nachbarn reden – und sich notfalls beim örtlichen Schornsteinfeger beschweren.

Info& auf Mainz&: Ausführliche Informationen zum Heizen mit Holz findet Ihr beim Umweltbundesamt hier im Internet, natürlich ebenso zur neuen BimschVGO und ihren Regelungen – genau hier. Das Umweltbundesamt gibt übrigens 5 praktische Tipps zum Heizen mit Holz, die wir hier gerne noch einmal kompakt und im Wortlaut wiedergeben:

  1. Betreiben Sie Ihren offenen Kamin nur gelegentlich. Offene Kaminfeuer sind energetisch sehr ineffizient, verursachen sehr hohe unkontrollierbare Emissionen, belasten die Innenraumluft deutlich mit Schadstoffen und stellen als offene Feuerquelle eine besondere Brandgefährdung dar. Auch geschlossene Kaminöfen sollten nicht regelmäßig betrieben werden, weil sie durch die Emissionen die Gesundheit in die Nachbarschaft stark belasten können.
  2. Wenn Sie einen Kamin oder Kaminofen betreiben, halten Sie sich an die Empfehlungen des Herstellers sowie Ihres Schornsteinfegers. Verbrennen Sie vor allem nur geeignetes Brennmaterial und insbesondere nur trockenes, unbehandeltes Holz. Ungeeignet und verboten ist in der Regel die Verbrennung von gestrichenem oder behandeltem Holz sowie Sperrholz, Span- oder Faserplatten. Grundsätzlich dürfen Papier oder Pappe, brennbare Abfälle und Müll nicht verbrannt werden.
  3. Verwenden sie ein Holzfeuchte-Messgerät. Solche Geräte sind preiswert (oftmals schon unter 20€) zum Beispiel in Baumärkten zu erhalten. Ihr Holz darf nicht mehr als 25% Restfeuchte aufweisen, um starke Rauchentwicklung, viel Asche und eine geringe Energieausbeute zu vermeiden. Weisen Sie auch Ihre Nachbarn darauf hin, falls diese eine Holzfeuerung betreiben.
  4. Wenn Sie sich als Nachbarin oder Nachbar belästigt fühlen, kann zunächst ein offenes Gespräch mit den Betreibern der Kleinfeuerungsanlage deutliche Erfolge bringen. Oftmals können sich Betreiber und Belästigte einigen. Ist die Quelle schwer auszumachen, ist möglicherweise auch Ihr örtlicher Schornsteinfeger ein guter Ansprechpartner. Auch das Ordnungsamt kann Hilfestellung bei der Problemlösung bieten.
  5. Die Verbrennung ungeeigneter Brennstoffe ist kein Kavaliersdelikt, denn sie schädigt die Gesundheit aller Menschen in der Nachbarschaft und darüber hinaus: Sollten Sie Hinweise darauf haben, dass in Ihrer Nachbarschaft Papier, Pappe, feuchtes oder behandeltes Holz, Gartenabfälle oder sogar Müll verbrannt werden – egal ob im Ofen oder auch als Lagerfeuer – sollten Sie die Verursacher darauf hinweisen und die Vorfälle bei Nichteinsicht und Wiederholung den zuständigen Behörden vor Ort melden, das örtliche Ordnungsamt oder das Umweltamt sind dafür die richtigen Ansprechpartner.

 

 

 

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Mittelalter, Barock, Orientalik – Staatstheater lädt am Samstag, den 16. Februar zum Kostümverkauf 2019 – Stücke aus Rigoletto dabei

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Wie immer in der Fastnachtszeit nutzt das Mainzer Staatstheater die Gier der Mainzer nach Kostümen und Maskeraden dazu, seinen Fundus ausgiebig auszumisten und zu leeren, am Samstag, den 16. Februar ist es wieder so weit: Der Kostümverkauf 2019 steigt. Von 11.11 Uhr bis 15.00 Uhr werden im Foyer des Mainzer Staatstheaters die beliebte alljährliche Schlacht um die Kostüme statt. Dieses Jahre werden sich neben Herrenanzügen und Mänteln vor allem historische Kostüme aus Mittelalter und Barock zum Verkauf stehen, teilte das Staatstheater mit. Aber auch Trachten und orientalische Gewänder seien dabei. Und Achtung, Besucher: Am gleichen Tag zieht ab 14.11 Uhr der Jugendmaskenzug durch die Innenstadt von Mainz.

Kostüme unter anderem aus dem „Rigoletto“ werden am 16.2. beim Kostümverkauf des Staatstheaters Mainz veräußert. – Foto: Staatstheater/ Martina Pipprich

Das wird ein vorgezogener Fastnachtssamstag: Zwei Wochen vor dem Fastnachtswochenende wird die Innenstadt von Mainz schon einmal zur großen Fastnachtsparty-Feierzone. Am 16. Februar zieht erstmals der Jugendmaskenzug an seinem neuen Termin durch die Straßen von Mainz – und am gleichen Tag lädt das Mainzer Staatstheater zu seinem Kostümverkauf 2019. Bei dem seit vielen Jahren beliebten Spektakel werden alte Kostüme aus dem Fundus des Theaters an Interessierte verkauft. Im vergangenen Jahr waren es mehr als zehn Kostümständer mit mehr als 1.000 Einzelstücken, in diesem Jahr werden es sogar 13 Kostümständer sein.

Die Kostümabteilung werde „witzige, schräge, bunte Kreationen“ auf den Markt der Fastnachtsfans werfen, verspricht das Staatstheater: Im Fokus stehen in diesem Jahr Herrenanzüge und Mäntel, aber auch Historisches aus Barock und Mittelalter, dazu Trachten und orientalische Gewänder. Regelmäßige Theaterbesucher dürften auch das ein oder andere Stück aus Rigoletto wiedererkennen, heißt es. Dazu warten auch zahlreiche Accessoires wie Hüte und Masken auf die Besucher. Und wie immer können die Kostüme direkt in Umkleidekabinen anprobiert werden.

Tolle Stücke aus dem Kostümfundus des Mainzer Staatstheaters gibt es jedes Jahr beim Kostümverkauf zu erwerben. – Foto: gik

Der Andrang zu dem Event ist jedes Jahr enorm, schon weit vor dem Einlass um 11.11 Uhr bilden sich jeweils lange Warteschlangen. Zudem werden die Besucher nur grüppchenweise eingelassen, die Theaterfreunde bieten deshalb ab 10.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Eingangsbereich des Großen Hauses an. Die Einnahmen des Kuchenverkaufs fließen vollständig in den Sozialfonds der Theaterfreunde, mit dem Künstler des Staatstheaters unterstützt werden. Besonders schwierig wird in diesem Jahr auch das Hinkommen, oder besser gesagt: Vor allem das Wegkommen. Ab 14.11 Uhr setzt sich nämlich der Jugendmaskenzug in Bewegung, die Innenstadt wird dann großflächig abgeriegelt,. auch mit Durchfahrverboten. Also bitte auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen!

Info& auf Mainz&: Kostümverkauf 2019 des Mainzer Staatstheaters am Samstag, den 16,. Februar, zwischen 11.11 Uhr und 15.00 Uhr im Foyer des Großen Hauses am Gutenbergplatz. Ab 10.00 Uhr Kaffee und Kuchen – und ab 14.11 Uhr rollt parallel dazu der Jugendmaskenzug durch Mainz! Mehr dazu lest Ihr am Freitag hier bei Mainz&.

 

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Seilbahn für Mainz? – Freie Wähler fordern ernsthafte Prüfung einer Seilbahn zwischen Mainz und Wiesbaden – Billiger, schneller zu realisieren, attraktiv

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Es klingt wie eine Schnapsidee oder ein Fastnachtsscherz: Eine Seilbahn über den Rhein zwischen Mainz und Wiesbaden könnte Brücken entlasten, Stauchaos mindern und Pendlerströme besser lenken. Die Freien Wähler in Mainz fordern nun, die Realisierung einer Seilbahn zwischen Mainz und Wiesbaden ernsthaft zu prüfen. „Viele Städte setzen schon erfolgreich auf Seilbahnen wie Wuppertal, München oder London“, sagt der Chef der Freien Wähler in Mainz, Gerhard Wenderoth. Eine Seilbahn sei günstig, deutlich schneller zu realisieren als eine Rheinbrücke und könne zudem eine große Touristenattraktion sein, sagt Wenderoth, und schwärmt: „Gäste schweben bei Tag und bei Nacht über den Rhein und genießen aus der Luft den Blick über Rhein, Mainz und Wiesbaden.“

Mit der Seilbahn über den Rhein schweben – vielleicht ist das bald zwischen Mainz und Wiesbaden kein Traum mehr. Die Rüdesheimer Seilbahn ist jedenfalls eine große Attraktion. – Foto: gik

In Zeiten von Dieselfahrverboten ist das inzwischen mehr als eine Schnapsidee. Der Regionalverband FrankfurtRheinMain preschte im vergangenen Oktober mit genau so einer Idee vor: Urbane Seilbahnen sollten Parkplätze vor den Toren Frankfurts mit Stationen des öffentlichen Personennahverkehrs verbinden. Frankfurt droht ein Dieselfahrverbot noch in diesem Jahr, angesichts der drohenden Aussperrung tausender Pendler diskutiert man in der Mainmetropole das Thema „Park & Fly“ inzwischen durchaus ernsthaft. Studierende in Darmstadt prüfen mittlerweile sogar Trassen durch Frankfurt – auch entlang des Mains.

„Wir brauchen jetzt ganz neue Lösungsmodelle, die vor allen Dingen auch schnell zu realisieren sind“, betonen Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU) und der Erste Beigeordnete Rouven Kötter (SPD) – und schlagen ganz konkret zwei mögliche Seilbahn-Verbindungen vor: Eine Seilbahn vom Waldparkplatz am Frankfurter Fußballstadion zur Endhaltestelle der Stadionstraßenbahn, sowie von der Raststätte Taunusblick an der A5 zur 1,5 entfernten U-Bahn-Station Heerstraße.

Die Ideen weckten prompt Sehnsüchte in Mainz: „Ich finde das eine spannende Idee“, sagte der Mainzer Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner (CDU) gegenüber Mainz&. „Wir müssen alles tun, um die Verkehrsverbindungen über den Rhein hinweg zu verbessern“, betonte Schreiner. Eine zusätzliche Rheinbrücke halte die CDU zwar weiter für nötig, eine Seilbahn über den Rhein könne aber in fünf Jahren stehen – eine Rheinbrücke nicht. „Man könnte eine Seilbahn vom Bahnhof Mainz-Kastel mit zwei Stützen über den Rhein führen“, sagt Schreiner: „Nein, das ist keine Schnapsidee.“

Vorbild Koblenz: Dort führt seit 2010 eine hochmoderne Seilbahn von der Innenstadt über den Rhein auf die Festung Ehrenbreitstein. – Foto: Holger Weinandt via Wikipedia

Heimliches Vorbild aller dieser Seilbahn-Pläne ist die spektakuläre Bahn in Koblenz, die vom Deutschen Eck hinauf auf die Festung Ehrenbreitstein führt. Gedacht war die Bahn mit den zwei großen Gondeln des Herstellers Doppelmayr eigentlich nur als Highlight für die Bundesgartenschau im Jahr 2011, doch aus der temporären Bahn wurde längst mehr: Die Attraktion der Seilbahn ist für Touristen und Koblenzer so groß, die Bahn so beliebt, dass ihr Betrieb Jahr um Jahr verlängert wurde. Das lautlose Schweben über dem Rhein birgt eine tiefe Faszination und eröffnet zugleich spektakuläre Ausblicke über das Mittelrheintal.

7.600 Passagiere können die insgesamt 18 Kabinen zu je 35 Passagiere pro Stunde über den Rhein befördern – das ist die weltweit höchste Förderkapazität einer Luftseilbahn, melden die Betreiber stolz auf ihrer Homepage. Rund 650.000 Passagiere befördert die Seilbahn so pro Jahr, künftig soll sie auch Bewohner eines neuen Stadtteils auf der rechten Rheinseite in die City befördern. Die Umlaufbahn gilt als das sicherste aller Verkehrsmittel, sie ist CO2-neutral, stößt keine Abgase oder Feinstaub aus – und sie trotzt Wind, Wetter, Nebel, Regen und sogar Stürmen. Die Bahn fahre mit 100 Prozent Ökostrom, betonen die Betreiber zudem. Auch in der Rhein-Main-Region gibt es bereits ein kleines Vorbild: die Rüdesheimer Seilbahn hinauf zur Germania.

Im Zuge von Platzmangel und Dieselfahrverboten sind deshalb Seilbahnen zum neuen urbanen Traum der Verkehrsplaner geworden: Konkrete Pläne gebe es etwa in den Städten Wuppertal, Stuttgart, Bonn, Düsseldorf sowie zwischen Mannheim und Ludwigshafen, berichtet das Portal Kommunal.de, sogar konkrete Machbarkeitsstudien seien schon in Auftrag gegeben. Auch beim Frankfurter Regionalverband betont man, die Vorteile lägen auf der Hand: Seilbahnen seien geräuschlos, produzierten keine Abgase oder Lärm, seien barrierefrei und könnten binnen eines Jahres gebaut werden. Förderleistungen von mehr als 5.000 Menschen in der Stunde seien weitere Pluspunkte.

Spektakulärer Blick, unglaublich sanftes und ruhiges Fahrgefühl: Die Koblenzer Seilbahn. – Foto: Holger Weinandt via Wikipedia

Das sehen auch die Freien Wähler so: In München plane man eine Seilbahn, die 4.000 Menschen pro Stunde und Richtung transportieren könne, sagte Wenderoth Mainz&, eine Kabine fasse dabei 32 Menschen. Wenn die Bahn mit etwa 28 Stundenkilometern unterwegs sei, könnten damit 98.000 Fahrgäste leicht transportiert werden. Eine Citybahn, wie sie derzeit Wiesbaden plant, brauche dafür 223 vollbesetzte Bahnen mit 440 Personen – dafür bräuchte man aber einen Taktabstand von 3,5 Minuten, rechnet Wenderoth vor.

Bei einer Seilbahn hingegen komme alle 15 Sekunden eine Gondel, damit sei man in zehn Minuten selbst bei langsamer Fahrzeit schon vier Kilometer weiter gekommen. „Uns geht es um den viel zu engen Verkehrsraum, gerade auf der Theodor-Heuss-Brücke“, sagt Wenderoth. Statt eine Citybahn auch noch über die vielfach verstopfte Brücke zu führen, biete sich eine Seilbahn über den Rhein förmlich an. „Eine Seilbahn kann leicht vier Kilometer ohne Stützen überbrücken, und die Streckenführung ist nicht an bestehende Straßen gebunden“, argumentiert Wenderoth. Auch das Problem des „In die Fenster Guckens“ könne man mit geschickter Seilbahn-Führung gut lösen.

Auch finanziell sei eine Seilbahn attraktiv, glaubt Wenderoth: Ein Kilometer Citybahn werde den jetzigen Planungen zufolge rund 12,5 Millionen Euro kosten, ein Kilometer Seilbahn sei dagegen aktuellen Plänen anderer Städte zufolge schon für rund 5 Millionen Euro zu haben. Auch die Betriebskosten seien etwa zwei Drittel niedriger als bei einer Straßenbahn, sagt Wenderoth, und betont: „Wir wollen, dass das ernsthaft diskutiert wird.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Koblenzer Seilbahn über den Rhein findet Ihr hier im Internet, einen Besuch dort können wir nur dringend empfehlen: Der Blick ist einmalig, die Fahrt ein sensationelles Schwebe-Erlebnis. Mehr zu den Frankfurter Seilbahn-Plänen findet Ihr hier beim Regionalverband FrankfurtRheinMain. Auch über die Seilbahn Rüdesheim hat Mainz& natürlich schon berichtet, „Wo Elvis niemals Gondel fuhr“ findet Ihr hier.

 

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Heiligkreuz-Viertel wächst: Hessische GWH will 110 kostengünstige Wohnungen bauen – Mieten bis 7,25 Euro – Erst zehn Prozent des Viertels vermarktet

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Das Heiligkreuz-Areal in der Mainzer Oberstadt ist das Kernstück der derzeitigen Wohnungsbauaktivitäten der Stadt, rund 2.000 Wohnungen sollen hier in den kommenden Jahren entstehen. Nun teilten die Mainzer Stadtwerke den Verkauf des zweiten Baufelds mit: Die hessische GWH Wohnungsgesellschaft mbH aus Frankfurt will hier schon ab dem kommenden Jahr rund 110 Wohnungen bauen. 50 der Wohnungen sollen frei finanziert werden, 60 Wohnungen aber im geförderten Wohnungsbau entstehen – die Mieten sollen nicht über 7,25 Euro pro Quadratmeter liegen. „Uns hat Mainz überzeugt“, sagte GWH-Geschäftsführer Stefan Bürger, Mainz sei hochattraktiv und passe gut zu dem Frankfurter Unternehmen.

Das Baufeld 8 auf dem Heiligkreuz-Areal wurde nun an die GWH Wohnungsbau aus Frankfurt vergeben. – Foto: gik

Auf dem mehr als 30 Hektar großen Areal der ehemaligen IBM entwickelt die Stadt derzeit ein neues Wohnquartier, rund 6.500 Menschen sollen hier einmal leben. Ende 2015 startete die Stadt das Bebauungsplanverfahren, im Juni 2017 gab der Stadtrat grünes Licht für das Vorhaben. Entstehen sollen je zu einem Drittel Eigentumswohnungen, Mietwohnungen und geförderte oder günstige Mietwohnungen, erstmals gab sich die Stadt bei diesem Gebiet eine Quote von 25 Prozent gefördertem Wohnraum bei einem Bauvorhaben. Den Mainzer Stadtwerken gehören rund zwei Drittel der Fläche, ein Drittel gehört privaten Partnern, der Ten Brinke Projektentwicklung und der Firmengruppe Richter. Insgesamt sind den Angaben zufolge erst zehn Prozent des Gebietes vermarktet.

Im März 2018 hatten die Stadtwerke bereits das Baufeld 6 veräußert, hier will der Projektentwickler Sahle Wohnen, der auch schon im Zollhafen mietgünstige Wohnungen baut, 100 öffentlich geförderte Mietwohnungen realisieren. Baufeld 11 ist zudem an drei Mainzer genossenschaftlich organisierte Mainzer Baugemeinschaften vergeben. Entlang der Hechtsheimer Straße entsteht zudem bereits seit Mitte 2018 ein Nahversorgungszentrum, das unter anderem einen Nahversorger, 5.000 Quadratmeter Gastronomie und eine Kita enthalten soll. Hier sollen zudem auf rund 19.000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen.

Die geplanten neuen Wohngebiete in Mainz, der große Bereich in der Mitte ist das Heiligkreuz-Areal, unten das Gebiet auf der Frankenhöhe. – Foto: gik

Nun verkauften die Mainzer Stadtwerke ihr zweites großes Baufeld: Auf dem Baufeld 8 wird die hessische Wohnungsbaugesellschaft GWH bezahlbare Mietwohnungen errichten. Man freue sich sehr, mit der GWH einen „äußerst renommierten Partner“ aus der Immobilienbranche gefunden zu haben, sagte Stadtwerke-Vorstandschef Daniel Gahr: „Wir glauben, dass GWH gut zum Heiligkreuz passt.“ Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) betonte, Mainz wachse und sei als Wohn- und Arbeitsort sehr beliebt. „Unsere Ansiedlungspolitik geht auf“, unterstrich Ebling, Mainz habe deshalb auch „den steigenden Mieten den Kampf angesagt und schaffe kontinuierlich neuen Wohnraum.“

Nach den 6.500 Wohnungen zwischen 2011 und 2018 sollen nun zwischen 2019 und 2025 weitere 5.500 neue Wohnungen entstehen. „Wohnen darf kein Luxusgut werden“, unterstrich der OB, „die Menschen sollen die Gewissheit haben, dass es auch erschwinglich ist, wenn gebaut wird.“ Gerade beim Heiligkreuz-Areal geschehe das Bauen zudem „in einer Geschwindigkeit, die sich manche andere wünschen würden“, fügte Ebling hinzu.

GWH-Geschäftsführer Bürger bestätigte das: „Wir haben im Moment viele Optionen zu bauen, Mainz hat uns vor allem mit der Geschwindigkeit, mit der hier gebaut werden soll, überzeugt“, sagte Bürger. Mainz sei beim Thema Bauen in engen Räumen „sehr gut aufgestellt“, lobte der Geschäftsführer. Die GWH besitzt bundesweit rund 50.000 Wohnungen und ist mit 640 Wohnungen bereits in Mainz am Sertoriusring vertreten. 34 Millionen Euro wollen die Hessen nun im Heiligkreuz-Areal investieren, das Gebiet „bringt ein hohes Niveau“, sagte Bürger. Der Bebauungsplan der Stadt gibt L-förmige Bauten in dem Gebiet vor, es soll von Grünstreifen durchzogen werden.

GWH-Geschäftsführer Stefan Bürger erklärt OB Michael Ebling und Stadtwerke-Chef Daniel Gahr seine Pläne fürs Heiligkreuz-Areal. Die Baufläche ist orange markiert. – Foto: gik

GWH will ein vier- bis fünfgeschossiges Gebäude errichten, die Ausformung soll in einem Architektenwettbewerb entschieden werden. Auch gefördertes Wohnen sei „niemals architektonisch dahergelaufener, einfacher Standard“, betonte Bürger, hier werde Wohnen in guter Qualität entstehen. So würden auch alle Wohnungen Balkone oder Terrassen haben, trotzdem sollen die Mietpreise nicht über 7,25 Euro pro Quadratmeter liegen. „Wir schaffen Dächer über den Köpfen“, betonte Bürger, „hier leben nachher Menschen, das ist Heimat.“

Die Ausschreibungen für den Architektenwettbewerb sollen nun zügig erfolgen, „ich kann mir vorstellen, dass wir hier noch 2019 Bagger rollen sehen“, sagte Bürger. 2020 solle gebaut werden, 2021 die Wohnungen bezugsfertig sein. Die Gebäude würden einen „guten energetischen Standard“ der KfW 40 haben, versprach Bürger, hier sollten einmal Menschen mit kleinem Geldbeutel, aber auch Mittelstand wohnen.

Auch eine Tiefgarage mit rund 100 Pkw-Stellplätzen will die GWH bauen. „Diese autofreien Quartiere funktionieren ja nur selten“, sagte Bürger. Ursprünglich hatte die Stadt genau so etwas Ähnliches vor, Ebling betonte am Dienstag erneut, man setze darauf, dass die Bürger zunehmend E-Mobilität, den öffentlichen Nahverkehr oder Carsharing nutzten. Die Stadt habe deshalb eigens auf die sonst übliche volle Stellplatzdichte verzichtet und die Anforderungen auf 0,8 Stellplätze pro Wohnung abgesenkt. Das Heiligkreuz-Areal soll aber auch durch zwei Ringstraßen verkehrstechnisch erschlossen werden, auch eine Buslinie soll ins Heiligkeuz-Areal hineinfahren.

Info& auf Mainz&: Mainz ächzt seit mehreren Jahren nun schon unter einem drastischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, in den vergangenen Jahren sind die Mieten um rund 19 Prozent gestiegen, sagen Studien – und sogar Normalverdiener können sich 66 Prozent der Neubauten nicht mehr leisten. Mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. Mehr zum Thema Wohnen in der Stadt Mainz findet Ihr hier im Internet, dort könnt Ihr Euch auch das „Konzept Wohnen“ aus dem Jahr 2016 herunterladen.

 

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Nino Haase offiziell OB-Kandidat der Mainzer CDU – Flegel: „Mainzer wünschen sich einen Neustart“ – Haase: Will Grundstein für erfolgreiches Jahrzehnt legen

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Jetzt ist es amtlich: Nino Haase ist offizieller OB-Kandidat der Mainzer CDU. Ein Parteitag kürte am Montagabend den 35 Jahre alten, parteilosen Chemiker zu ihrem Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl Ende Oktober 2019. Die CDU tat das mit überwältigender Mehrheit: Haase bekam 93,18 Prozent, von 176 gültigen Stimmen votierten 164 für ihn, 12 stimmten mit Nein, zwei Parteimitglieder enthielten sich. Zuvor hatte Haase für seine Rede vor rund 200 Parteimitgliedern und Gästen im Mainzer Schloss viel Beifall und am Ende stehende Ovationen bekommen. „Mainz hat ein unglaubliches Potenzial, aber Mainz verkauft sich unter Wert“, sagte Haase: „Ich möchte, dass 2019 endlich der Grundstein gelegt wird für ein erfolgreiches Jahrzehnt in Mainz – und dafür brauche ich Sie, dafür trete ich an.“

Einen Mini-Rugbyball überreicht CDU-Kreischefin Sabine Flegel Nino Haase nach seiner erfolgten Wahl zum OB-Kandidaten der Mainzer CDU. – Foto: gik

Zu Beginn des Parteitags hatte CDU-Kreischefin Sabine Flegel noch einmal die ungewöhnliche Entscheidung ihrer Partei erklärt: Die CDU habe durchaus selbst starkes Personal, „wir sind personell gut aufgestellt“, betonte Flegel, „es wäre ein Leichtes gewesen das so zu machen, wie man es kennt: Vertraut, eingespielt, absehbar – man macht nix falsch.“ Aber genau das habe die CDU nicht tun wollen. „Es muss uns gelingen, noch mehr Menschen für die CDU zu gewinnen und zu begeistern, parteiübergreifend, aber ohne dass wir unsere eigene Identität verlieren“, betonte Flegel. Die CDU sei bereit, einen neuen Weg zu gehen und sich den Bedürfnissen der Bürger zu öffnen.

„Nino Haase verkörpert eine echte Chance“, betonte die CDU-Chefin: „Wir glauben, dass wir es schaffen, damit den Willen der Bürger abzubilden.“ Die Welt habe sich verändert, die Politikverdrossenheit zugenommen – das treffe auch die CDU. „Wir wollen mit unserem Kandidaten ein Zeichen setzen“, die CDU wolle den Mainzern einen Oberbürgermeister anbieten, „der sich auf die Arbeit für unsere Stadt konzentriert und sie professionell nach innen und außen vertritt“, sagte Flegel – und sparte nicht an weiterer Kritik an dem amtierenden Stadtoberhaupt: Ein Oberbürgermeister solle „in erster Linie einmal ein Ober-Bürger unserer Stadt sein, und nicht ein Ober-Parteimeister, der als verlängerter Arm der Partei in die Stadt hinein regiert“, kritisierte Flegel.

Vor genau zwei Wochen hatte der CDU-Kreisvorstand völlig überraschend Haase als OB-Kandidaten vorgeschlagen, obwohl dieser kein Parteibuch hat und auch keine Politikerfahrung. Die Rückmeldungen seitdem zeigten, dass „ganz viele Menschen die Politik der Ampel und des OBs so nicht mehr wollen“, sagte Flegel: „Die Menschen wünschen sich einen Neustart.“ Die CDU wolle mit Haase „den Mief aus dem Rathaus ‚rauslassen und neuen Wind reinbringen“. Haase könne die Ziele der CDU vertreten und sei gleichzeitig für ganz viele Menschen auch außerhalb der CDU wählbar. „Wir schlagen mit ihm einen profilierten Bürger als ersten Bürger unserer Stadt vor“, sagte Flegel.

Will das Erbe Gutenbergs zur umfassenden Weltmarke für Mainz machen: OB-Kandidat Nino Haase. – Foto: gik

Der so gelobte warb danach um das Vertrauen der Partei und skizzierte, wie er seine Politik verstehe: Er wolle „die notwendige, dynamische und zukunftsorientierte Politikwende in Mainz einleiten“, sagte Haase, und das traue er sich auch zu. „Ich will Sie überzeugen, dass wir zusammen schlagkräftig genug sind, um eine Wende im Herbst einzuleiten“, sagte Haase – und das mit der Wende gelte auch schon für die Kommunalwahl Ende Mai. „Ich finde, es ist eine Chance dafür, dass Mainz entfesselt wird“, betonte Haase, in Mainz habe sich „Trägheit eingebürgert“, Mainz werde dadurch an der Verwaltungsspitze gehemmt. „Dynamisches Denken ist für mich ein Lebenselixier“, warb Haase für seine Person, und versprach: „Mainz verkauft sich unter Wert, und das haben wir, und Sie alle nicht länger verdient.“

Als Beispiele nannte er die Wirtschaftspolitik der Stadt: Ihn habe nach seiner Nominierung ein IT-Unternehmer angerufen, ein gebürtiger Mainzer, der mit seinem Unternehmen zurück nach Mainz wolle, berichtete Haase. Der habe die Wirtschaftsförderungen von Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und Mainz angeschrieben. „Aus Wiesbaden bekam er einen Hinweis auf die Homepage, aus Darmstadt eine standardisierte Antwortmail. Aus Frankfurt rief am nächsten Tag das Büro des Leiters der Wirtschaftsförderung an, vereinbarte ein Mittagessen, wo man ihm Optionen nannte“, so Haase weiter: „Und aus Mainz kam auch nach drei Mails keine Antwort. So gehen wir hier mit unserer Zukunft um – das ist fahrlässig.“

Die Politik in Mainz sei „ein Flickenteppich“, es gebe keine Vision für die Stadt, kein übergreifendes Verkehrskonzept, keine Strategie für Bauen und für Unternehmensansiedlung. „Wir sind Schlusslicht beim Gewerbesteueraufkommen im Rhein-Main-Gebiet“, behauptete Haase, Mainz habe „eine unterirdische Dynamik an den Tag gelegt.“ Wirtschaftsförderung bedeute im Übrigen nicht, „dass einem alle anderen Schichten in der Stadt egal sind“, betonte der Chemiker, der auch selbst schon Unternehmer war: Gewerbesteuereinnahmen seien vielmehr „der Kern, mit dem wir alle anderen Dinge aufrecht erhalten können.“

Überzeugte mit seinem Auftritt die Mitglieder der CDU: Nino Haase. – Foto: gik

Dazu gehöre auch ein flexiblerer und kostengünstigerer ÖPNV oder die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Mainz muss endlich Verantwortung übernehmen, Mainz darf nicht dasitzen und warten, ob irgendwoher Geld beikommt“, sagte Haase. Mainz habe ein unglaubliches Potenzial, mit seinem „Wahnsinns-Lebensgefühl“ könne man mit Sicherheit Unternehmen nach Mainz locken. Mainz solle Vorbild werden in Sachen Stadtplanung und Stadtentwicklung, führend bei einer modernen Verkehrsmobilität und bei der Ansiedlung von Zukunftstechnologien – und er wolle das Erbe Gutenbergs zu einer Marke fortentwickeln. „Wir verpassen es, das Potenzial von Gutenberg zu nutzen – wie schon damals“, sagte Haase: „Das große Geld wurde am Ende in Norditalien verdient, das will ich jetzt endlich mal abstellen.“

Die Bibelturm-Debatte vor einem Jahr habe viele Themen zutage gefördert, „die wir angehen müssen“, sagte Haase, und er selbst habe sich damals „Empathie und das Reinhören in die Bürgerschaft erarbeitet.“ Dabei habe er „wieder Energie gespürt und Vorfreude auf Politik, dieses Feuer aufs Wahljahr ist etwas, was die Menschen spüren wollen“, sagte er: „Die Menschen sehnen sich nach einer Politik, die ihre Anliegen ernst nimmt und nicht nur verwaltet.“ Genau das wolle er bieten: Er wolle ein OB sein, „der die Bürger nicht als Belästigung seines politischen Schaffens sieht“, betonte Haase, sein Interesse gelte „immer der vernünftigsten, der rationalsten Lösung.“ Und er versprach für seinen Umgang mit Ideen im Amt: „Wir würden ehrlich diskutieren, und nicht auf der Verwaltungsvorlage gucken, wer sie eingebracht hat.“

Am Ende zitierte Haase noch den Urvater der CDU, den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik: „Konrad Adenauer sagte: das Wichtigste ist der Mut, lassen Sie uns diesen Mut heute Abend beweisen“, appellierte er an den Parteitag: „Ich will Sie, aber auch den Rest der Stadt einladen.“

Info& auf Mainz&: Wer ist der Mann, der aus dem Stand heraus Oberbürgermeister von Mainz werden will? Unser Porträt über Nino Haase lest Ihr hier bei Mainz&. darüber, wie die Zusammenarbeit zwischen Haase und der CDU zustande kam, lest Ihr hier bei Mainz&. Zur OB-Wahl 2019 haben wir Übrigens eine eigene Kategorie auf Mainz& erstellt: Unter „OB-Wahl Mainz 2019“ findet Ihr alle Berichte zu allen OB-Kandidaten, Porträts, Programme und viele Zusatznachrichten.

 

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E I L – Mainzer CDU wählt Nino Haase mit 93,18 Prozent zum Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl

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Nino Haase ist nun offiziell Kandidat der Mainzer CDU für die Oberbürgermeisterwahl im Oktober 2019. Die CDU wählte den parteilosen, 35 Jahre alten Chemiker am Montagabend mit der großen Mehrheit von 93,18 Prozent zu ihrem Kandidaten. Die rund 180 Parteimitglieder feierten Haase mit stehenden Ovationen. „Du spielst jetzt in unserer Mannschaft“, sagte CDU-Kreischefin Sabine Flegel, und überreichte Haase einen kleinen Rugbyspielball: „Den Ball werfen wir uns jetzt zu“, sagte Flegel: „In 38 Wochen ist Oberbürgermeisterwahl, ich glaube fest daran, dass wir die gewinnen.“

Einen Rugbyball überreichte Sabine Flegel dem frisch gekürten OB-Kandidaten der CDU, Nino Haase. – Foto: gik

Vor genau zwei Wochen hatte der CDU-kreisvorstand überraschend den parteilosen Chemiker zu ihrem OB-Kandidaten ernannt, die Parteibasis musste dem noch zustimmen. Gegenkandidaten oder Kritik gab es am Montagabend keine, Haases Rede wurde immer wieder von starkem Beifall unterbrochen. „Ganz viele Menschen in Mainz wollen die Politik der Ampel und des OBs so nicht mehr“, sagte Flegel: „Die Menschen wünschen sich einen Neustart.“ Die CDU wolle mit Haase „den Mief aus dem Rathaus ‚rauslassen und neuen Wind reinbringen“. Haase könne die Ziele der CDU vertreten und sei gleichzeitig für ganz viele Menschen auch außerhalb der CDU wählbar. „Wir schlagen mit ihm einen profilierten Bürger als ersten Bürger unserer Stadt vor“, sagte Flegel.

Info& auf Mainz&: Ein ausführlicher Bericht folgt natürlich noch, unser Porträt von Nino Haase lest Ihr schon einmal hier bei Mainz&.

 

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„Wir hatten ihm maximal noch Wochen gegeben“ – Wie die Nobelpreis-gekrönte Immuntherapie den Darmkrebspatienten Manfred Scharein zurück ins Leben brachte

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Kommenden Montag, den 4. Februar, ist Weltkrebstag, der Tag hat explizit zum Ziel, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins Blickfeld zu rücken. Das hatten wir bei Mainz& schon im Dezember getan: mit unserer Reportage über die Geschichte des Mainzers Manfred Scharein, der mit Hilfe einer hochinnovativen Therapieform seinen Darmkrebs besiegt hat. Die Geschichte ist wahr und von Ärzten bestätigt, und es ist eine Geschichte, die Mut macht: die Krebs-Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibitoren gilt als eine der großen Zukunftshoffnungen beim Besiegen von Krebs. Noch ist es nicht so weit, noch ist diese Therapieform nicht bei allen Krebsarten erforscht, geschweige denn zugelassen. Aber das Prinzip ist so genial, dass es dafür 2018 den Nobelpreis für Medizin gab – aus aktuellem Anlass hier noch einmal unsere Reportage.

Am 1. Oktober 2018 wurde der Nobelpreis für Medizin bekannt gegeben: der Amerikaner James P. Allison und der Japaner Tasuko Honjo wurden für ihre Entdeckungen zur Krebs-Immuntherapie mittels Checkpoint-Inhibitoren ausgezeichnet. Es ist nichts weniger als eine Revolution in der Krebsbekämpfung: das Immunsystem zur Bekämpfung des Krebses zu nutzen. Manfred Scharein hat genau das selbst erlebt: Vor drei Jahren hatte der Mainzer nur noch Wochen zu leben – Scharein hatte Darmkrebs im Endstadium. Was dann geschah, hätte man früher ein Wunder genannt: Manfred Scharein bekam ein neuartiges Medikament, die Immuntherapie schlug bei ihm in unglaublicher Geschwindigkeit an. Heute, drei Jahre später, arbeitet Scharein wieder und genießt das Leben – der Krebs gilt als vorläufig besiegt. Dies ist eine wahre Geschichte, es ist eine Geschichte voller Unglaublichkeiten und voller Wissenschaft – eine Geschichte zum Staunen, eine Geschichte, die Hoffnung macht. Unsere Weihnachtsgeschichte 2018.

Manfred Scharein heute, nach seiner Dramkrebserkrankung, die ihn ganz nah an den Tod führte. – Foto: Christian Fiedler

„Austherapiert“ lautete die Ansage der Ärzte. Es war im Herbst 2015, und austherapiert lediglich ein anderes Wort für: Wir können nichts mehr machen. Manfred Scharein, damals 45 Jahre alt, hatte Darmkrebs, HNPCC, das steht für Hereditäres nicht polypöses Kolonkarzinom. Der Darmkrebs beruht auf einem familiär vererbten Gendefekt in Schareins Familie. „Ich hatte mich im Herbst 2015 schon ins Endstadium eingestuft“, sagt Scharein nüchtern, „ich hätte maximal bis Ostern durchgehalten. Vielleicht auch nur bis Weihnachten.“

Drei Jahre danach steht Manfred Scharein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt und genießt das Leben. „Vorerst ist der Krebs weg“, sagt der heute 48-Jährige: „Als Krebspatient bin ich absolutes Neuland, wissenschaftlich echt relevant.“ Scharein habe „im Moment keinen nachweisbaren Tumor“, sagt sein Arzt Arndt Weinmann, Oberarzt in der Gastroenterologie und Onkologie an der Universitätsmedizin Mainz, „ein fantastisches Ergebnis.“

Das Zauberwort heißt Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren, genau dafür gab es den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Es könnte der Durchbruch im Kampf gegen den Krebs sein. „Es gibt Hoffnung für Krebspatienten“, sagte Forscher James Allison am Tag der Verkündung in den Medien. Manfred Scharein kann das bestätigen.

Es war im August 2011, als Scharein auf der Arbeit kollabierte. Im Krankenhaus fanden sie einen perforierten Darm – und Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Diagnose: HNPCC, nur fünf Prozent der Darmkrebs-Patienten haben diese Form. „Dann bin ich erst einmal ganz klassisch behandelt worden“, erzählt Scharein. Sechs große Operationen, bei denen große Teile des Darms entfernt wurden. Wie viele Chemotherapien er bekommen hat, kann Scharein gar nicht mehr zählen. „Viele“, sagt er nur.

Tasuku Honjo und James P. Allison, sie erhielten den Nobelpreis für Medizin 2018 für ihre Entdeckungen, die Immuntherapien gegen Krebs möglich machen.- Fotos: Wikipedia, Foto Allison von Gerbil. Auch den Urheber des Honjo-Fotos hätten wir gerne angegeben – wenn er nur nicht in japanischen Schriftzeichen angegeben gewesen wäre…

„Er durchlief alle klassischen Chemotherapien im Laufe der Zeit“, sagt Weinmann, „aber am Ende entwickelte der Tumor Resistenzen.“ Der Krebs kam immer wieder, die Symptome wurden schlimmer. Scharein ist promovierter Statistiker, arbeitet beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, hatte Lehraufträge an den Fachhochschulen in Mainz, Worms und Frankfurt. Ab Mitte 2014 wird die Krankheit als systemisch eingestuft. Scharein galt als unheilbar krank.

Ende 2014 kam es zu einem Darmverschluss und Darmeinriss, da war Scharein kurz vor dem Tod. In der Folge schlug der Krebs richtig zu, befiel die Lymphknoten, den gesamten Bauchraum. Tumorschmerzen setzten ein, Atmen, Gehen – alles ging nur noch unter stärksten Schmerzmitteln. „Wir hatten ihm maximal noch ein paar Wochen gegeben“, sagt Weinmann, „es gab keine Alternative mehr.“

Scharein hielt nur durch, weil sein Arzt ein neues Medikament in Aussicht stellte: Pembrolizumab. Im Mai 2015 wurde auf dem großen amerikanischen Krebskongress eine Studie der John Hopkins-Universität vorgestellt, die vom Einsatz von Pembrolizumab an Patienten berichtete. „Mit diesen Daten haben wir das Gewebe von Herrn Scharein noch mal analysiert“, sagt Weinmann. „Ich war der perfekte Kandidat“, sagt Scharein.

Am 10. Oktober 2015 bekam Scharein zum ersten Mal Pembrolizumab. 12 Tage später verschwanden die Schmerzen in seinem Körper, über Nacht. „Ich konnte vorher keine 30 Meter mehr am Stück laufen“, sagt Scharein, „auf einmal konnte ich wieder aufrecht stehen, laufen – und hatte einen Mordsappetit.“ 35 Infusionen bekam er, nahm rasant wieder zu. „Nach drei Wochen habe ich die Schmerzmittel komplett abgesetzt“, sagt Scharein: „Das Leben kam in einer brutalen Geschwindigkeit zu mir zurück.“

Zurück im Leben: der Mainzer Manfred Scharein. – Foto: privat

Es war Schareins eigenes Immunsystem, das kurzen Prozess mit dem Krebs machte. „Jeder von uns entwickelt mehrere tausend potenzielle Krebs-Vorläuferzellen pro Tag“, erklärt Weinmann, das körpereigene Immunsystem beseitige die aber normalerweise perfekt von allein. Doch manche Krebszellen finden einen Weg, das System zu überlisten: „Der Kommunikator der Krebszelle simuliert, sie wäre gesund, dem Immunsystem fehlt schlicht der Killbefehl“, erklärt Scharein.

„Medikamente wie Pembrolizumab lösen die Bremse, damit das Immunsystem aktiv gegen die Zelle vorgeht“, sagt Weinmann. Die Idee, das Immunsystem zur Bekämpfung des Krebses „scharf“ zu stellen, gibt es schon sei einhundert Jahren: Der Frankfurter Mediziner Paul Ehrlich formulierte 1909 als erster die These, dass das Immunsystem Tumorzellen erkennen und beseitigen kann. Allison und Honjo entdeckten bestimmte Proteine, die an den „Checkpoints“, den Kontrollstellen des Systems einen Zugriff des Immunsystems verhindern. So erkennt das System zwar den Eindringling, doch der „Killbefehl“ bleibt aus. Allison und Honjo entdeckten – unabhängig voneinander – zwei verschiedene Proteine, die dafür verantwortlich sind und entwickelten Wege, diese Bremsen zu lösen.

Die Medikamente sind bislang nur für wenige Krebsarten zugelassen, schwarzer Hautkrebs ist eine davon. Für Darmkrebs ist Pembrolizumab bisher offiziell nicht zugelassen, seine Wirkung entfaltet es bisher nur bei bestimmten Darmkrebsarten, wie HNPCC. Noch ist Scharein einer von ganz wenigen Dickdarmkrebspatienten, der mit Pembrolizumab behandelt wurde, doch sein Fall elektrisiert die Ärzte: Von einer zukunftweisenden Therapieform spricht Weinmann. Binnen Wochen ging der Krebs zurück, zwei Jahre später waren bei Scharein keine Tumore mehr nachweisbar. „Entweder“, sagt Weinmann, „ist der Tumor komplett weg, oder das Immunsystem hat gelernt, ihn zu kontrollieren.“

Schon ab April 2016 konnte Scharein wieder voll arbeiten, beschwerdefrei ist er nicht. Auch die letzte Therapie verlief nicht ohne Nebenwirkungen, zeitweise sank seine Nierenfunktion auf 20 Prozent, seine Darmfunktionen sind durch die Operationen bleibend beeinträchtigt. „Ich bin immer noch schwerbehindert“, sagt Scharein. Und ob die Krebsgefahr dauerhaft gebannt ist, weiß derzeit niemand. „Ja, der Tumor kann wiederkommen“, sagt Weinmann, „aber im Moment ist er besiegt.“ Das Wort Heilung mag er noch nicht in den Mund nehmen, und dennoch: „Undenkbar“, sagt Weinmann, „ist es nicht.“

 

 

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23 neue Euro 6-Busse für Mainz – Sinken Stickoxidwerte in der Parcusstraße? – Umrüstung der Dieselbusse fast geschafft

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Es war ein beeindruckendes Bild: 23 nagelneue Busse hatte die Mainzer Mobilität am Samstag am Mainz 05-Stadion aufgestellt, zusammen machten sie eine komplette Länge des Stadions aus. „Da stehen rund 8,4 Millionen Euro“, sagte MVG-Geschäftsführer Jochen Erlhof stolz, denn die neuen Dieselbusse erfüllen modernste Anforderungen: Die Euro 6-Busse stoßen rund 90 Prozent weniger Strickoxide und Feinstaub aus als die alten Euro 3-Busse, dazu haben sie Klimaanlage und USB-Ladestationen. Mit den 23 neuen Bussen stemmt sich Mainz weiter gegen ein drohendes Dieselfahrverbot und schafft in diesen Wochen die Umrüstung aller städtischen Busse. Die saubereren Fahrzeuge sollen die Stickoxidwerte so stark senken, dass sie auf den Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft fallen – nach Angaben der MVG war das bereits im Dezember und Januar der Fall.

Beeindruckendes Bild: 23 neue Dieselbusse für die Flotte der Mainzer Mobilität, am Samstag aufgereiht vor der Mainz 05-Arena. – Foto: gik

Ende Oktober 2018 urteilte das Verwaltungsgericht Mainz, die Stadt müsse zum September 2019 Fahrverbote für alte Diesel einführen – wenn es die Stadt nicht schaffe, bis Juni 2019 die Werte auf 40 Mikrogramm zu bringen. Schaffen will Mainz das mit einem Masterplan M3, einem Konzept für mehr saubere Mobilität. „Wir tun, was wir können“, betonte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Samstag, die Stadt setze ihren Masterplan weiter konsequent Stück für Stück um. Den schnellsten Effekt soll die Umrüstung der Dieselbusflotte bringen, 80 von 96 Bussen seien bereits auf Euro 6-Norm umgerüstet, damit liege Mainz im bundesweiten Vergleich ganz weit vorn, betonte Erlhof.

Die Mainzer Mobilität hatte im Oktober 2018 damit begonnen, ihre alten Busse des Baujahres 2013 mit Hilfe einer Filteranlage und einer Harnstoff-Einspritzanlage auf Euro 6-Norm umzurüsten. Die Tests dazu liefen bereits seit dem Frühjahr 2018, bei ersten Ergebnissen im April 2018 wurde der Zielwert von 85 Prozent Stickoxid-Reduzierung noch leicht verfehlt – das Testfahrzeug schaffte „nur“ 83 Prozent. Nach einer Optimierung schaffte der Testbus im Juni dann aber sogar mehr als 90 Prozent Reduzierung, auch der Ausstoß von Rußpartikeln und damit von Feinstaub sank noch einmal um erhebliche 90 Prozent.

Auch beeindruckend: die 23 neuen Dieselbusse der MVG von oben. Die MVG hatte dafür eigens eine Drohne eingesetzt. Im Vordergrund die stehende Pressekonferenz mit Politik, Stadtwerken und Journalisten – Foto: Mainzer Stadtwerke

Seither rüstete die Mainzer Mobilität alle 96 Alt-Busse nach, dazu wurden bereits im November und Dezember die 23 neuen Gelenkbusse angeschafft. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützte diese Anschaffung mit 940.000 Euro aus dem Soforthilfeprogramm für von Dieselfahrverboten betroffene Städte, 60.000 Euro flossen für die Tests zur Umrüstung. Das Geld vom Land habe man zudem genutzt, um Abschreibungsnachteile auszugleichen, verriet Erlhof: Mainz wollte die neuen Busse eigentlich schrittweise bis zum Jahr 2021 anschaffen. Die Geldspritze vom Land half nun dabei, die Anschaffung auf einen Schlag zu tätigen. Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) betonte denn auch: „Heute ist ein guter Tag für Mainz und alle die, die auf Mobilität angewiesen sind.“

Die neuen Dieselbusse sind nun nicht nur umweltfreundlicher, sie sind auch mit Klimaanlage, elektrischen Außenspiegeln sowie USB-Ladeplätze für die Fahrgäste ausgestattet. Dank neuester Technik können sie beim Bremsen Energie speichern und diese etwa für Beleuchtung und Lüftung verwenden. Die kommenden 15 Jahre sollen sie durch Mainz rollen und jeweils eine Million Kilometer leisten und dabei rund 3,6 Millionen Fahrgäste transportieren.

„Jetzt sind wir sehr gespannt, was das für Auswirkungen auf die Emissionen hat“, sagte Stadtwerke-Chef Daniel Gahr, und Ebling zeigte sich überzeugt, dass die neuen Busse „deutliche Effekte“ bei der Absenkung der Stickoxidwerte bringen werden. Gerade erst hatte das Bundesumweltamt die ersten vorläufigen Zahlen für 2018 veröffentlicht, danach wäre der Stickoxid-Wert in der Parcusstraße allerdings nur ganz leicht von 48 auf 47 Mikrogramm gesunken. Erlhof betonte indes, nach neuesten Zahlen der Stadt seien hätten die Stickoxidwerte sowohl im Dezember 2018 als auch im Januar 2019 bereits leicht unter 40 Mikrogramm gelegen – ein Zeichen, dass die Maßnahmen wirkten. Allerdings können diese Werte auch wetterbedingt gesunken sein: Im Januar 2018 hatte Mainz schon einmal niedrige Stickoxidwerte – der heiße Sommer ließ die Luftschadstoffe dann explodieren.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Masterplan Mobilität der Stadt Mainz lest Ihr hier bei Mainz&, die neuesten Daten des Bundesumweltamtes zu den Stickoxiden genau hier bei uns.

 

 

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Steht die Mainzer Luftmessstation korrekt? – Mainzer FDP fordert Überprüfung der Parcusstraße – Ministerium: Station steht korrekt

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Die Debatte um die Grenzwerte von Stickoxiden hat die Frage wieder in den Fokus gerückt: Steht die Luftmessstation in der Mainzer Parcusstraße richtig? Nein, sagt die Mainzer FDP und forderte schon im Dezember, die Lage der Messstation zu überprüfen – und die Messergebnisse der Station neu zu bewerten. Die Luftmessstation in der Mainzer Parcusstraße wurde vom Landesumweltamt aufgestellt und wird von diesem betrieben, ihre Daten sind die zentralen Argumente in der Debatte um Dieselfahrverbote in Mainz. Seit Jahren werden an der Parcusstraße die Grenzwerte für die als gesundheitsschädlich geltenden Stickoxide überschritten, 2017 waren es 48 Mikrogramm, 2018 noch immer 47 Mikrogramm. Das Land kontert: Die Messstation stehe vollkommen EU-konform, der Grenzwert „schützt die Menschen dort, wo sie leben und wohnen“, betont Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).

Die Luftmessstation des Landesumweltamtes in der Mainzer Parcusstraße steht auf einer Mittelinsel unmittelbar am Fahrbahnrand. – Foto: gik

26 feste Luftmessstationen betreibt das Land Rheinland-Pfalz, eine davon steht in der Mainzer Parcusstraße – es ist die zentrale Luftmessstation für Schadstoffe in der Mainzer Luft. Die Parcusstraße gehört zu den am dichtesten genutzten Straßen von Mainz, rund 21.000 Fahrzeuge passieren den Abschnitt an der Luftmessstation pro Tag, schätzt das Landesumweltamt. Seit Jahren werden hier Stickoxidwerte gemessen, die weit über dem erlaubten Grenzwert von 40 Mikrogramm liegen, Mainz droht deshalb zum 1. September 2019 ein Fahrverbot für Diesel-Pkw, sofern es der Stadt nicht gelingt, die Stickoxid-Werte bis Juni auf Höhe des Grenzwertes zu bringen.

Die FDP Mainz lud deshalb im Dezember zu einem Termin an der Lustmessstation, sie maß die Lage der Anlage nach, und konstatierte: „Die Messstation in der Parcusstraße genügt definitiv nicht den Anforderungen der EU-Richtlinie“, sagte FDP-Kreischef David Dietz. Die Messstation sei nämlich nur 23,5 Meter von der nächsten großen Kreuzung entfernt, vorgeschrieben seien nach EU-Richtlinie aber 25 Meter. „Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, die Daten zu verwenden“, sagte Dietz.

Man fordere das Umweltministerium deshalb auf, alle Standorte auf den Prüfstand zu stellen und die Ergebnisse der dort gesammelten Daten zu überprüfen. Fahrverbote in Mainz seien „völlig unverhältnismäßig“, zumal die NOx-Werte sänken. Nach neusten Zahlen des Bundesumweltamtes ist das allerdings in großem Maße nicht der Fall: Demnach wurden 2018 in der Parcusstraße noch 47 Mikrogramm Stickoxide gemessen, im Vorjahr waren es 48 Mikrogramm gewesen.

Gemessen werden die Schadstoffe hier in einer Höhe von 3,5 bis 3.9 Metern. – Foto: gik

Eine Überprüfung der Luftmessstation Parcusstraße fordert aber seit Wochen auch bereits die AfD: Die Messstation in der Parcusstraße sei „falsch platziert“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Mainzer Landtag, Jan Bollinger, Ende November 2018. Bollinger forderte, es müsse einen Mindestabstand zum Fahrbahnrand geben, andere AfD-Politiker forderten auch schon einmal, die Schadstoffe müssten in größerer Höhe gemessen werden und dürften nicht direkt auf Straßenniveau erhoben werden. Die bisherigen Messergebnisse seien „fragwürdig“, der Grenzwert „unbegründet niedrig.“

Das Landesumweltamt stellte indes schon Mitte November 2018 fest: Die Messstation in der Parcusstraße sei völlig korrekt platziert, die Bedingungen dafür gebe die EU vor. Demnach muss eine Luftmessstation an einem repräsentativen Ort stehen und ein freies Anströmen der Luft zulassen, ohne dass Hindernisse dies stören. Die Messdaten sollen für einen Straßenabschnitt von mindestens 100 Metern repräsentativ sein – und die Messstation soll dort stehen, wo sie die höchsten Konzentrationen erfasst. Der Abstand zum Fahrbahnrand soll höchstens zehn Meter betragen – eine Mindestvorschrift gibt es hingegen nicht. Der Abstand zur nächsten verkehrsreichen Kreuzung soll mindestens 25 Meter betragen, heißt es weiter, dazu soll die Messhöhe zwischen 1,5 Meter und vier Meter über dem Boden liegen – gerade auch, um nicht unmittelbar Gase auf Höhe des Auspuffs zu erfassen.

Der Mainzer FDP-Chef David Dietz forderte im Dezember die Überprüfung der Luftmessstation und ihrer Daten. – Foto: Alexander Puderbach, JuLis

In der Parcusstraße werden gasförmige Schadstoffe in einer Höhe von 3,50 Metern gemessen, partikelförmige Schadstoffe – also etwa Feinstaub – in einer Höhe von 3,9 Metern. Tatsächlich beträgt der Abstand zur großen Kreuzung an der Bahnhofstraße nur 23,5 Meter, bestätigt das Landesamt, doch dies sei ebenfalls korrekt: Die EU schreibe nämlich nur vor, die Ortsbestimmungen zu berücksichtigen „so weit es möglich“ ist. „Die EU lässt der Überwachungsbehörde dabei bewusst einen fachlichen Spielraum, da die örtlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich sein können“, sagte Umweltministerin Höfken am Donnerstag anlässlich einer Debatte zum Thema im Landtag, und betonte: „Alle unsere 26 ortsfesten Stationen erfüllen die Anforderungen der EU, sie sind bei der Kommission notifiziert und werden richtlinienkonform betrieben.“

Das Bundesumweltamt ergänzt in seinem Jahresbericht zur Luftreinhaltung 2018 zudem explizit, die Messstationen sollten an „einem Ort der höchsten Belastung“ für die Menschen stehen. Einen Ermessensspielraum gebe es deshalb, weil es für die Kommunen oft schwierig sei, einen Ort für den Messcontainer zu finden, der alle Kriterien erfülle und gleichzeitig nicht im Weg stehe, aber auch Strom- und Telefonanschluss habe. Die Aufstellung der Stationen sei deshalb oft ein Kompromiss, der aber „stellt nicht die Brauchbarkeit der Messstationen für die Beurteilung der Luftqualität in Frage“, betont das UBA explizit. Die Daten würden im Übrigen mit standardisierten messverfahren erhoben. Auch sei ein Weiterbetreiben alter Messstationen durchaus sinnvoll, betont das UBA, weil nur so langjährige Messreihen dokumentieren könnten, wie sich die Luftqualität an einem Standort verändert habe.

Höfken erteilte zudem der Debatte um eine Anhebung oder Aufweichung der Schadstoffgrenzwerte eine klare Absage: Zahlreiche Studien belegten den Einfluss schlechter Luft auf unsere Gesundheit, sagte Höfken: „Der Grenzwert für Stickstoffdioxid wurde von der EU festgelegt, basiert auf mehreren wissenschaftlichen Studien zum Einfluss von NO2 auf die Gesundheit und darauf fußenden Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO.“ Es hätten eben gerade auf dieses Gebiet spezialisierte Wissenschaftler in Studien den Einfluss und die Wirkweise von NO2 auf die menschliche Gesundheit untersucht. Der daraus abgeleitete Grenzwert berücksichtige gerade auch empfindliche Menschen und Kinder, sein Ziel sei es, genau diese Gruppen zu schützen.

Dazu dürfe Stickstoffdioxid nie allein betrachtet werden, mahnte die Ministerin: NO2 sei „sehr reaktiv, es trägt zur Feinstaubbildung bei und ist eine Vorläufersubstanz für die Ozonbildung.“ Tatsächlich gilt NO2 in Expertenkreisen als eine Art Markierungssubstanz, die Rückschlüsse auf den Zustand der Luft insgesamt zulässt. Hohe Stickoxidwerte weisen demnach eben auch auf hohe Ozonwerte, Feinstaubemissionen und Ruß hin. Im Umkehrschluss:  bedeute das: „Eine Absenkung der NO2-Belastung führt auch zu einer Absenkung anderer Luftschadstoffe wie Ozon, Feinstäube und Ruß“, sagte Höfken.

Schadstoff-Emissionen in Rheinland-Pfalz nach Verursachern im jahr 2016. – Grafik: Umweltministerium RLP

Im Übrigen: „In allen 28 EU-Ländern gelten dieselben Messwerte, Standortkriterien und Verfahren“, sagte Höfken weiter. Bei Überschreitungen würden ebenso in Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und Dänemark verkehrsbezogene Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte gegriffen. Ein Abweichen von den EU-Grenzwerten sei „national weder möglich noch sinnvoll.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) stellte zudem am 30. Januar ein Rechtsgutachten im deutschen Bundestag vor, nachdem eine Aufweichung der Grenzwerte für Stickoxide gegen EU-Recht verstoße und zudem verfassungswidrig sei. Daran könne auch die Bundesregierung nichts ändern, ein entsprechender Gesetzentwurf sei „ein Rohrkrepierer“ und „ein legislatives Luftschloss“, sagte Anwalt Remo Klinger, der die DUH auch bei ihren Klagen zu Dieselfahrverboten vor Gerichten vertritt. Die Bundesregierung plant eine Novelle des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, nach der künftig Diesel-Fahrverbote unverhältnismäßig sein sollen, wenn der Jahresmittelwert von nicht mehr als 50 Mikrogramm überschritten wird.

Die Luftqualitäts-Richtlinie der EU sehe zudem vor, dass der Grenzwert überall dort in einer Stadt einzuhalten sei, wo sich Menschen regelmäßig aufhielten, sagte Klinger weiter. Davon würden nur wenige Ausnahmen gemacht, unter anderem auf den Fahrbahnen und den Mittelstreifen. „Wenn man die Messstellen weiter und höher entfernt von den Straßenrändern platzieren würde, ändert dies nichts an der Verpflichtung, den Grenzwert auch auf dem Bürgersteig und in Kinderhöhe einzuhalten“, betonte Klinger. Würde man die Messstelle weiter weg platzieren, bedeute das lediglich, dass „man dann neben den Messwerten der entfernt stehenden Messstelle noch zusätzlich rechnerisch den Wert am Bürgersteig ermitteln muss“, unterstrich der Anwalt. Das koste aber nur zusätzliches Geld, „rechtlich ändert sich dadurch aber nichts.“

Info& auf Mainz&: Den gesamten Bericht des Umweltbundesamtes zur Luftqualität 2018 findet Ihr hier beim UBA zum Download. Mehr zur aktuellen Debatte um die Stickoxid-Grenzwerte und das Papier der Lungenärzte lest Ihr hier bei Mainz&. Ihr merkt übrigens, dass wir in dem Text komplett die Debatte um den Feinstaub ausgeklammert haben – und das mit voller Absicht: Bei den Dieselfahrverboten geht es ausschließlich um Stickoxide, die Grenzwerte anderer Schadstoffe wie Feinstaub werden nämlich seit einigen Jahren eingehalten. Feinstaub und insbesondere Ultrafeinstaub spielen für die Gesundheit allerdings eine noch viel gravierendere Rolle – welche genau, erklären wir Euch hier bei Mainz&.

 

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