2017 wird ja das Reformationsjubiläum groß gefeiert, sind es dann doch genau 500 Jahre, dass ein gewisser Martin Luther zu Wittenberge 95 Thesen an eine Kirchentür anschlug – und damit eine Weltrevolution auslöste, die nichts weniger als den Protestantismus und eine generelle Aufklärung des Christentums einläutete. Diese Thesen, weitere Schriften Luthers sowie seine erste Bibelübersetzung ins Deutsche sind inzwischen Teil des Weltdokumentenerbes der Menschheit, verwaltet von der Unesco. Am Dienstag. den 25. Oktober, gibt es dazu einen spannenden Vortrag in der Mainzer Christuskirche, dann wird unter anderem auch die erste Lutherbibel von 1534 vorgestellt samt der 117 Cranach-Holzschnitte.

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Um die erste Lutherbibel auf Deutsch geht es am 25.10. in einem Vortragsabend in Mainz – Foto: gik

Die erste Bibelübersetzung in deutsche Sprache war ein Meilenstein in der Kirchengeschichte, machte sie es doch dem ganz normalen Menschen erstmals möglich, die Schrift mit eigenen Worten zu hören und zu verstehen – unmittelbar also, ohne die Vermittlung der Priester. Es war ein Schritt hin zu Aufklärung und Mündigkeit der Gläubigen, und es war natürlich die Erfindung eines Mainzers, die diesen Prozess nachhaltig beförderte: Johannes Gutenberg legte mit seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern den Grundstein für eine massenhafte Verbreitung von Wissen. Luther nutzte mit seinen Flugschriften genau diese neue technische Möglichkeit zur Verbreitung seiner Thesen.

Und um diese Flugblätter, Flugschriften, gedruckten Predigten und Lieder geht es auch am Dienstagabend in dem Vortragsabend: Irene Dingel, Professorin für Kirchengeschichte in Mainz, stellt diese frühen Schriften Luthers vor, die im Unesco-Welterbe nun eigens geschützt sind, und gibt auch eine kleine Einführung in die Grundlagen der Reformation. Danach stellt der Mainzer Buchwissenschaftler Professor Stephan Füssel die erste vollständige Lutherbibel aus dem Jahr 1534 vor und geht dabei sowohl auf deren spezifische Rolle bei der Vermittlung der Texte des Glaubens für den „gemeinen Mann“ ein, als auch auf die herausragende buchkünstlerische Gestaltung durch die 117 Holzschnitte aus der Werkstatt von Lucas Cranach.

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Moderiert wird der Abend von Pfarrer Rainer Beier vom Evangelischen Dekanat Mainz. Der Taschen-Verlag stellt eine Sonderedition des Bibel-Faksimiles aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar bereit. Zu dem Vortragsabend laden das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), das Evangelische Dekanat Mainz und das Institut für Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein.

Info& auf Mainz&: Vortragsabend „Die Grundlagen der Reformation: Frühe Luther-Schriften im Weltdokumentenerbe der UNESCO“ am Dienstag, 25. Oktober 2016, um 19.00 Uhr in der Christuskirche in der Kaiserstraße. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

 

2 KOMMENTARE

  1. Die „Vollbibel“ von 1534 verfügt NICHT nur über 117 Holzschnitte, sondern über 128 Holzschnitte!! Meines Wissens aber einschließlich der Titelblätter zu den 4 Teilen der 2-bändigen „Vollbibel“.
    Und nur 1 einziger Holzschnitt stammt von Lucas Cranach d. Ä. direkt (Josua, 1524). Die anderen 127 Holzschnitte stammen vom Monogrammist M. S., der aber wohl entweder in der Werkstatt von bzw. für Lucas Cranach d. Ä. tätig war. Quelle: Wikipedia Deutsch.
    PS: Ich besitze von einem Exemplar der identischen 2. Auflage (1535) ein großes Fragment von immerhin 234 Blatt, darunter 2 Holzschnitte von M. S. (Von den 234 Blatt sind 197 Blatt mit vollständigem Text.) Mein Fragment (234 Blatt = 468 Seiten) macht etwa die Hälfte des 1. Bandes der 2-bändigen Bibel aus, nur nicht in Reihenfolge.

  2. Ergänzung: Der einzige Holzschnitt in der „Vollbibel“ von 1534 (und explizit auch in dem als „Weimarer Lutherbibel von 1534“ bekanntem Exemplar), den Lucas Cranach d. Ä. direkt angefertigt hat (Josua, aus dem Jahre 1524), schmückt das Titelblatt „1r“ zum „anderen“ (also 2.) Teil des 1. Bandes, den Historischen Büchern des „Alten Testaments“. Die anderen 127 (von 128) Holzschnitte stammen von dem wohl für ihn arbeitenden „Monogrammist“ M. S.

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