Für die wärmeverwöhnten Römer muss der gallische Norden besonders im Winter eiskalt gewesen sein, gut dass man von zuhause allerlei Luxus kannte – und hochstehende Ingenieurskunst. Denn die Römer erfanden bereits großflächige Fußbodenheizungen, Hypokaustum nach dem griechischen Ursprung genannt. Und die kam natürlich auch im antiken Mogontiacum zum Einsatz, gleich mehrfach wurden im Stadtgebiet Reste solcher Fußbodenkonstruktionen gefunden. Eine Nachbildung steht heute neben dem Proviantamt – unser Mainz&-Adventskalender-Türchen Nummer 15.

Wer aus der Tiefgarage am Proviantamt in die Oberwelt steigt, und durch die kleine Grünanlage in Richtung Schillerstraße geht, achtet vielleicht auf die „Sterne der Satire“ zu seinen Füßen – ein anderes wichtiges Denkmal wird hingegen oft links liegen gelassen: Mitten auf der Wiese stehen ein paar antik aussehende Mauern, die sich zur Seite hin öffnen, und den Blick auf einen Fußboden samt Säulenkonstruktion darunter freigeben.
Es ist die Nachbildung eines „Hypokaustum“, einer Fußbodenheizung aus der Römerzeit, die 1979 bei den Bauarbeiten für die Tiefgarage Proviantamt gefunden wurde – in rund vier Metern Tiefe. Die damals gefunden Reste stammten aus dem 4. bis 4. Jahrhundert nach Christus, und damit aus der Endzeit des römischen Mogontiacum.
Stolze Villen im Zentrum von Mogontiacum mit Fußbodenheizung
Ab etwa 250 nach Christus wurden der Limes und die rechtsrheinischen Gebiete von Germanenstämmen aus dem Nordosten überrannt, 368 verwüstete der Alemannenfürst Rando die Provinzhauptstadt Mogontiacum – woraufhin ab 370 eine neue Stadtmauer um die Zivilsiedlung gebaut wurde, wie wir Euch in unserem 12. Türchen erzählt haben.

Zu dieser Zeit war das antike Mainz bereist eine stattliche Metropole, deren Blütezeit sich langsam dem Ende zuneigte, in der sich aber natürlich immer noch die stolzen Villen der Römerzeit erhoben. Und da muss sich gerade rund um die Schillerstraße, die Große Langgasse und den Schillerplatz selbst – unter dem vermutlich einst das Forum lag – ein Wohngebiet reicher Römer oder romantisierter Germanen erstreckt haben. So wurden im Umfeld von Schillerstraße, Bauerngasse und Großer Langgasse mehrere Rest von Mosaiken gefunden, die einst prächtige Fußböden zierten.
Und 2019 wurden beim Abbruch der alten Residenzpassage ebenfalls Mauerreste eines antiken Kellers samt römischer Heizung aus dem 2. Jahrhundert nach Christus gefunden. „Hier stand in der römischen Zeit ein Wohngebäude, das in ein recht wohlhabendes Viertel eingebettet war“, sagte damals die Direktion der Landesarchäologie in Mainz, Marion Witteyer. Doch inzwischen wurden Reste von Fußbodenheizungen auch in der Mainzer Neustadt am Beethovenplatz eben wie in Höhe des heutigen Zollhafens gefunden, ebenso in der TRON-Baugrube in der alten Lagervorstadt, den Canabae, an der Zahlbacher Straße in der Mainzer Oberstadt.
Heiße Luft durch Hohlräume: Erfunden wegen eines Fischteichs
Das zeigt: Die römische Lebensweise mit ihrer hochwertigen Ausstattung der Häuser war im antiken Mogontiacum kein Einzelfall, sondern offenbar weit verbreitet. Die Technik war ebenso genial wie simpel: Unter dem Fußboden befand sich ein großer, von Pfeilern getragener Hohlraum, durch den heiße Luft geleitet wurde – so erwärmte sich der Fußboden von unten. „Die gesamte Konstruktion des Fußbodens war etwa 10 bis 12 Zentimeter dick und benötigte mindestens mehrere Stunden, wenn nicht ein oder zwei Tage, zur völligen Durchwärmung“, heißt es bei Wikipedia.

Erzeugt wurde die heiße Luft in einem extern liegenden Feuerraum mit großen Feuern, von dort führten Rohre die heiße Luft in die Hohlräume unter den Fußböden. Von dort zog die Hitze oft außerdem noch in in die Wände, in denen Hohlziegel verbaut waren – die Erfindung der Strahlungswärme. Der Begriff „Hypokaustum“ heißt denn auch nichts anderes als „von unten gebrannt oder beheizt“, der Begriff kommt aus dem Griechischen – Erfinder soll ein gewisser Gaius Sergius Orata aus Puteoli gewesen sein, der um 80 vor Christus ein von unten beheizbares Wasserbecken in Auftrag gab, um seine Fischzucht zu befördern.
Klar, dass im oft eisigen Mogontiacum die Wärme im Haus hochwillkommen war, die Bauanleitung dafür schrieb im 1. Jahrhundert vor Christus der legendäre römische Architekt Vitruv auf. Vitruv zog mit Gaius Julius Caesar in dessen Kriege nach Gallien und Britannien, denn der Architekt und Ingenieur war zuständig für den Bau der Kriegsmaschinen – höchst wahrscheinlich, dass Vitruv und Caesar irgendwann auf dem Rhein an Mogontiacum vorbei kamen, das allerdings erst um 13 vor Christus gegründet wurde und deshalb noch nicht existierte.
Vitruv und die Zehn Bücher über Architektur
Nach Caesars Ermordung im Jahr 44 vor Chr. übernahm Vitruv die gleiche Funktion auch im Heer von Kaiser Augustus, nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst um 33 vor Christus arbeitete er als Architekt und als Ingenieur am Bau des Wassernetzes in Rom, wo er ein neues System der Wasserverteilung einführte, berichtet Wikipedia. Wegweisend wurde vor allem sein zwischen 33 und 22 vor Christus entstandenes Werk „Zehn Bücher über Architektur“ – Originaltitel: „De architectura libri decem“ – mit der einzig bekannten umfassenden Aufstellung von Architektur und Bauingenieurswesen der Römer.
Das Werk wurde zur Schatzgrube für spätere Jahrhunderte und für unser heutiges Wissen über die Fähigkeiten der Römer – im Mittelalter fand Vitruvs Baukunst eine große Verbreitung, laut Wikipedia existieren allein 80 mittelalterliche Manuskripte, darunter ein angelsächsischer Text und ein karolingischer Text um das Jahr 800, also zur Zeit Karls des Großen, an dessen Hofschule man Vitruvs Schriften ebenfalls kannte. Und wie gut und haltbar die Römer bauten, zeigt sich nicht nur an den Fußbodenheizungen: Auch manche Römerbrücke steht noch 2000 Jahre nach ihrem Bau – ebenso wie die Reste des antiken Aquädukts im Zaybachtal in Mainz.
Info& auf Mainz&: Alle Türchen unseres Römischen Adventskalenders findet Ihr hier auf Mainz&. Für diesen Text haben wir mal wieder auf die Erkenntnisse des Buches „Das Römische Mainz“ von Bernd Funke zurückgegriffen, für das Foto danken wir dem Juwelierhaus Willenberg, das damit auf der Seite „Einkaufen am Schillerplatz in Mainz“ wirbt. Und wer kein Türchen verpassen will: Mit dem Mainz& Solidar-Abo kommen alle neuen Artikel per Email-Newsletter ins Haus! Hier steht, wie’s geht:







