Die Flieger am Himmel über Mainz täuschen über die wahre Lage der Luftfahrtindustrie hinweg: Weltweit wird noch immer deutlich weniger geflogen als vor der Corona-Pandemie. Am Frankfurter Flughafen erreichte das Passagieraufkommen in den Sommermonaten gerade einmal bis zu 40 oder 50 Prozent des Vorkrisenniveaus – und eine schnelle Erholung ist weiter nicht in Sicht. Flughafen-Betreiber Fraport hält trotzdem an der Fertigstellung des umstrittenen Terminals 3 fest – doch die Inbetriebnahme verschiebt sich weiter: Frühestens im Sommer 2026 soll das Terminal nun in Betrieb gehen, und das gilt auch für den Billigflieger-Flugsteig G.

Die drei Flugsteige des neuen Terminals 3 aus der Luft gesehen - per Visualisierung im neuen Imagefilm der Fraport. - Screenshot: gik
Die drei Flugsteige des neuen Terminals 3 aus der Luft gesehen – per Visualisierung im neuen Imagefilm der Fraport. – Screenshot: gik

Eigentlich hatte Fraport schon in diesem Jahr Fluggäste von Billigairlines auf dem Flugsteig G anfertigen wollen, nun sagte Fraport-Chef Stefan Schulte vergangene Woche jedoch: „Wir gehen davon aus, dass wir den Flugsteig G gemeinsam mit dem Terminal 2026 in Betrieb nehmen.“ Seit Oktober 2015 baut die Fraport auf dem Gelände des Frankfurter Flughafens ein neues Großterminal mit drei Flugsteigen für bis zu 19 Millionen Passagiere, die Kosten werden inzwischen auf rund vier Milliarden Euro geschätzt.

Ende 2021 wollte man ursprünglich fertig sein, das Terminal im Sommer 2022 in Betrieb nehmen. Doch dann kam die Corona-Pandemie, und der Flugverkehr brach zeitweise nahezu komplett ein: Im April 2020 fertigte die Fraport am Frankfurter Flughafen 97 Prozent weniger Passagiere ab als im Vorjahr, im Mai zählte der Flughafen gerade einmal 272.826 Passagiere – ein Rückgang von 95,6 Prozent.

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Ankunftsbereich des neuen Terminal 3 im Imagefilm der Fraport. - Screenshot: gik
Ankunftsbereich des neuen Terminal 3 im Imagefilm der Fraport. – Screenshot: gik

Bei Fraport hielt man trotzdem am Bau der Terminals 3 fest, im Juni 2020 musste man aber einräumen: Die Erholung des Luftverkehrs werde doch nicht so schnell gehen, wie erhofft. Schulte verordnete dem Unternehmen einen strikten Sparkurs – und der traf auch das Terminal 3, dessen Fertigstellung auf 2024 verschoben wurde. Die Inbetriebnahme wurde nun für den Sommer 2025 angepeilt, doch auch daraus wird nun nichts: Der Rohbau des neuen Terminals sei fertig, derzeit werde die Technik eingebaut, sagte Schulte nun – die Inbetriebnahme sei jetzt für 2026 terminiert. Dass Fraport überhaupt an dem Bau des Terminals festhielt, war auf scharfe Kritik von Fluglärmgegnern gestoßen, die Fraport vorwerfen, mit völlig überzogenen Passagierprognosen hantiert zu haben.

„Wir werden diese Kapazität irgendwann brauchen“, betonte Schulte hingegen Ende vergangener Woche im Gespräch mit Journalisten erneut. „Wir sind zuversichtlich, was langfristige Prognosen angeht“, betonte der Fraport-Chef, man werde in Frankfurt „auch die 70 Millionen Passagiere von vor der Krise wieder sehen – und wir werden sie überschreiten.“ Gleichzeitig räumte Schulte aber auch ein: Die Erholung werde länger dauern und sicher nicht schon 2025 oder 2026 eintreten. Tatsächlich warnen Experten bereits, eine Erholung der Luftfahrtbranche sei mit hohen Unwägbarkeiten verbunden.

Visualisierung des neuen Terminals 3 am Frankfurter Flughafen. - Foto: Fraport
Visualisierung des neuen Terminals 3 am Frankfurter Flughafen. – Foto: Fraport

Denn die Corona-Pandemie schleppt sich hin, immer neue Virus-Mutationen drohen, weitere Pandemie-Wellen weltweit auszulösen – gerade für Fernreisen wäre das Gift. Auch im Sommer 2021 lag der internationale Fernverkehr noch weitgehend am Boden, auch weil Geschäftsreisen in ferne Märkte fast gänzlich zum Erliegen gekommen sind. In der Corona-Pandemie wurden Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt, viele Unternehmen entdeckten schnell die Vorteile: die digitalen Meetings sind schlicht deutlich billiger, zeitsparender und praktischer.

Auch das Business-Segment werde wiederkommen, glauben sie indes hier bei Fraport, auf Dauer seien die persönlichen Kontakte einfach unersetzlich. Doch in welchem Maße die Lust am Fliegen zurückkehrt – sagen kann das keiner. „Der Markt wird härter, das ist ganz klar“, sagte Schulte nun, der Markt werde künftig „kleiner, volatiler und erratischer.“ Als erstes werde das Urlaubssegment wiederkommen und der Wochenend-Ausflugstourismus, prophezeite Schulte, schon jetzt verzeichneten Flughäfen der Fraport in Griechenland und der Türkei bereits wieder 70 Prozent des Vorkrisenniveaus. „Da sieht man, wie groß das Bedürfnis von uns Menschen ist, wieder rauszukommen, am Strand zu liegen, fremde Länder zu sehen“, betonte Schulte.

Die Frontansicht des neuen terminal 3 im neuen Imagefilm der Fraport. - Screenshot: gik
Die Frontansicht des neuen terminal 3 im neuen Imagefilm der Fraport. – Screenshot: gik

Aber auch in Frankfurt brachte die Ferienzeit im Juli und August wieder deutlich mehr Schwung in die Flugbewegungen: 8 Millionen Passagiere wurden hier zwischen Juni und August wieder abgefertigt, das waren immerhin 40 Prozent des alten Niveaus. Im August allein waren es 3,2 Millionen Passagiere, das waren 50 Prozent des Vorkrisenniveaus. Für den Herbst rechnet Schulte allerdings wieder mit abnehmenden Zahlen: Der September werde wohl noch relativ stark bleiben, der Oktober dann aber wieder schwächer werden.

Der Winter dürfte dann aber noch einmal einen Einbruch in Sachen Luftfahrt bringen: „Wir gehen noch einmal von einem schwierigen Winter aus, bevor wir nächstes Jahr ein wesentlich stärkeres Geschäft erwarten“, sagte Schulte. Und das sei eine Entwicklung, wie sie sich womöglich auch in der Nach-Coronazeit einpendeln könne: „Wir werden schwächere Winter sehen, und in der Woche schwächere Wochentage, aber dafür stärkere Sommer“, betonte der Fraport-Chef, die Konsequenz daraus werde sein: „Wir müssen in unserem Geschäft flexibler werden.“

Info& auf Mainz&: Alle offiziellen Infos zum neuen Terminal 3 am Frankfurter Flughafen findet Ihr hier im Internet bei der Fraport, einen ausführlichen Text zu dem Bauvorhaben und der Kritik daran lest Ihr hier bei Mainz&. Über die Verschiebung der Inbetriebnahme wegen der Corona-Pandemie haben wir hier bei Mainz& berichtet.

 

1 KOMMENTAR

  1. Text noch einmal ohne Tippfehler:

    Der derzeitige Flugverkehr mit energiefressenden Starrflüglern fährt an die Wand, wie die panische Suche nach Ersatztreibstoffen beweist. Palmöl und Frittenfett sind ebensowenig eine Lösung wie die irre aufwendige Synthetisierung aus Luft und Licht. Selbst der Gesinnungswackeler Al-Wazir sieht die Dinge längst kritisch, kann sich aber gegen die Lobby und Bouffier nicht durchsetzen. Am T3 wird so verbissen festgehalten wie an Stgt-21. Beide Projekte würden heute nicht mehr angefangen. Die Bahn gibt das ehrlich zu, die Fraport-Bosse machen sich etwas vor. Den Schaden hat am Ende der Steuerzahler, denn FRA befindet sich mehrheitlich im Besitz des Landes Hessen und der Stadt Frankfurt.

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