Nach dem Oktoberfest ist vor dem „Ice Dome“: Nach dem Hickhack um die Genehmigung des 10. Mainzer Oktoberfestes auf dem Mainzer Messegelände, bangen die Eisportvereine in Mainz nun um die provisorische Eishalle gleich nebenan. Dort stellt seit der Schließung der Mainzer Eishalle 2023 die Mainzer Messegesellschaft den „Ice Dome“ zur Verfügung – dich auch der hat für dieses Jahr noch keine Genehmigung. Bei den „Mainzer Wölfen“ bangt man um die Saison und fordert: Es brauche endlich mal eine langfristige Lösung.

Es war im September 2023, als die Eissportvereine in Mainz auf einmal der Schock ereilte: Die alte Eissporthalle am Bruchweg wurde mit sofortiger Wirkung geschlossen, die Stadt Mainz machte erhebliche Schäden am Hallendach geltend – die Hallendecke sei nicht mehr sicher genug. Die 1979 gebaute Eissporthalle ist seit 2008 im Besitz der Stadt Mainz, und wird von dieser aber schon seit Langem als Stiefkind behandelt, über eine „jahrzehntelange Vernachlässigung und einen enormen Sanierungsstau“, klagte der Förderverein der Eissporthalle schon lange.
Seither herrscht Eiszeit zwischen Stadt Mainz und der Szene, die Zukunft der Eishalle am Bruchweg ist weiter unklar, die Eissportvereine hängen in der Luft. Allein elf Vereine listet die Internetseite „Eissport für Mainz“ auf, darunter sind auch Vereine aus Frankfurt und Wiesbaden, die bislang in Mainz trainierten, sowie die renommierte „Ice Academy“, die unter anderem mit Vorführungen auf der Wiesbadener Eisbahn vor dem Mainzer Kurhaus im vergangenen Jahr glänzte.
Stadt Mainz fordert auch für „Ice Dome“ reguläre Baugenehmigung
Die vorläufige Rettung kam 2023 in Form des „Ice Domes“ auf dem Mainzer Messegelände, eine provisorische Eishalle, die Messe-Betreiber Karl Strack im alten Oktoberfestzelt einrichtete. Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) persönlich hatte sich für den „Ice Dome“ stark gemacht und verkündete Anfang Oktober 2023 froh die Lösung. Gedacht war das Zelt eigentlich nur als Zwischenlösung, mittlerweile ist daraus eine Dauerlösung geworden, samt eigenem Zelt und Infrastruktur – doch nun steht offenbar auch das wieder auf der Kippe.

Es gebe aktuell keine Genehmigung für den Betrieb des „Ice Domes“ auf der Mainzer Messe, teilte die Stadt Mainz am 14. Oktober auf Mainz&-Anfrage mit, und betonte: „Auch hier vertritt die Stadtverwaltung die Auffassung, dass es sich nicht um einen fliegenden Bau handelt.“ Die Stadt machte also dasselbe Problem geltend, mit dem zunächst die Genehmigung des Mainzer Oktoberfestes gekippt worden war: Das Zelt auf dem Messegelände stehe dort bereits seit Jahren, und sei damit eben kein „fliegender Bau“ mit geringeren Auflagen mehr – der Betreiber brauche eine Baugenehmigung, die liege aber nicht vor.
Das gelte auch für den „Ice Dome“, hieß es Mitte Oktober von Seiten der Stadt: „Es wurde ein unvollständiger Bauantrag zur Errichtung einer Versammlungsstätte („Eissport- und Freizeitstätte“) eingereicht. Da die nachgeforderten Nachweise nicht innerhalb gesetzter Frist eingingen, galt der Antrag nach den landesrechtlichen Vorschriften der Landesbauordnung Rheinland-Pfalz (LBauO) als zurückgenommen.“ Die Entscheidung über eine Betriebsaufnahme liege beim Betreiber, zu dem Zeitpunkt müssten aber „alle Genehmigungen durch die Stadt vorliegen.“
Für „Ice Dome“ bisher keine Genehmigung: Wölfe sagen Liga ab
Betreiber Karl Strack war in den Wochen danach mit dem Ringen um die Genehmigung des Oktoberfestes beschäftigt, Mainz& hat ausführlich darüber berichtet. Das Fest konnte am Ende doch noch stattfinden, doch in Sachen „Ice Dome“ gibt es nach bisherigem Stand weiter keine Lösung. Dabei hatte Baudezernent Ludwig Holle (CDU) Ende Oktober noch Hoffnungen gemacht: Der „Ice Dome“ sei ein „komplett eigener Bau mit komplett eigenen Anforderungen“, sagte er gegenüber Journalisten, und betonte: „Wir sind da im Austausch, wir schauen, dass das stattfinden kann – das wäre ja auch für die Bevölkerung und den Eissport wichtig.“

Tatsächlich hat die Ungewissheit über „Ice Dome – ja oder nein“ bereits erste Konsequenzen für den Eissport: Der Eissportclub „Mainzer Wölfe“ sagte gerade seine Teilnahme an der Deutschen Players Liga (DPL) für die Saison 2026/2027 ab. Man habe sich die Entscheidung „keinesfalls leicht gemacht“, sie sei aber „das Ergebnis einer zunehmend schwierigen und für unseren Verein nicht mehr planbaren Situation“, heißt es in einer Pressemitteilung: „Aufgrund der anhaltenden Probleme zwischen der Mainzer Messegesellschaft (MMG) und der Stadt Mainz hinsichtlich der Genehmigungen und des Betriebs der Eishalle auf dem Mainzer Messegelände stehen wir weiterhin vor einer ungewissen Zukunft.“
Anruf bei Sascha Haselsteiner, dem ersten Vorsitzenden der „Mainzer Wölfe“, und er erklärt, was das für den Verein bedeutet: Die Deutsche Players Liga“ sei die größte Hobbyliga für Eishockey in Deutschland, die Absage sei für Spieler, Trainer, Betreuer, Mitglieder und den gesamten Vorstand „ein schwerer Schlag.“ Aber angesichts der Unsicherheit, ob der „Ice Dome“ nun öffne oder nicht, fehle einfach eine verlässlich gesicherte Spielstätte, ein geregelter Trainingsbetrieb sei schlicht nicht möglich.
Zukunft für Eishockey und Vize-Weltmeister Bandy Hockey unklar
Unter diesen Umstände könne eine angemessene sportliche Vorbereitung auf die Saison einfach nicht stattfinden, auch könne man eben auch Heimspiele nicht planen. „Unter diesen Voraussetzungen sehen wir uns leider außerstande, verantwortungsvoll am Ligabetrieb teilzunehmen“, sagt Haselsteiner. Zwei Seniorenmannschaften hat der Verein, der seit 2016 unter dem Titel „EC Mainzer Wölfe“ eigenständig ist, in der Vergangenheit spielte man auch schon in der Rheinland-Pfalz-Liga – unter diesen Umständen sei das undenkbar: In dem „Ice Dome“ gebe es dafür schlicht die notwendigen Räume nicht.

Besonders bitter sei die Lage zudem für den Bereich „Bandy Hockey“, einer Art Winterfußball auf dem Eis. „Da sind wir in Mainz Stützpunkt für ganz Deutschland, gerade hat unsere deutsche Bandy – Nationalmannschaft der Herren beim diesjährigen World Cup in Uppsala die Silbermedaille geholt“, berichtet Haselsteiner stolz – auch für diesen Bereich stehe viel auf dem Spiel, für die gesamte Nachwuchsförderung sowieso. „Wir haben gar keine andere Möglichkeit zum Trainieren als den Ice Dome“, klagt der Vereinschef.
Noch hat Haselsteiner die Hoffnung nicht komplett aufgegeben, dass es doch noch etwas wird mit einer Saison auf dem Eis in Mainz, öffnet der Ice Dome doch noch, könnten wenigstens Freundschaftsspiele, der Kids Club sowie der Trainingsbetrieb stattfinden. „Aber wir müssten mal wissen, was in den nächsten Jahren ist – was ist denn nächste Saison?“, sagt der Wolfschef, und fordert: Stadt Mainz und Mainzer Messegesellschaft müssten mal „einen Fünf-Jahres-Plan aufstellen, besser noch zehn Jahre, damit wir mal Planungssicherheit haben. Es muss mal eine Lösung her, und zwar für ein paar Jahre – bis die alte Halle saniert ist.“
Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht in Sachen 10. Mainzer Oktoberfest findet ihr hier bei Mainz&. Mehr zu der Frage, was wird aus der Mainzer Messe, könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Über die Schließung der Mainzer Eishalle am Bruchweg 2023 haben wir ausführlich hier berichtet:









