Eine 125-Kilo-Weltkriegsbombe ist am Mittwochabend erfolgreich im Wiesbadener Stadtteil Biebrich entschärft worden – allerdings erst nach zeitlicher Verzögerung., Der Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg war am Mittwochvormittag auf einer Baustelle in der Bernhard-May-Straße gefunden worden, am Nachmittag setzten Stadt und Kampfmittelräumdienst sehr kurzfristig eine Entschärfung noch für den gleichen Abend an. Das Ergebnis: Menschen wurden quasi aus der Dusche geholt, am Ende mussten rund 2.800 Menschen ihre Häuser verlassen, auch die Sektfirma Henkel wurde evakuiert.

Erste Warnmeldungen zum Bombenfund und zur geplanten Entschärfung in Wiesbaden-Biebrich kamen um 15.00 Uhr am Mittwoch. - Foto: gik
Erste Warnmeldungen zum Bombenfund und zur geplanten Entschärfung in Wiesbaden-Biebrich kamen um 15.00 Uhr am Mittwoch. – Foto: gik

Es war um ziemlich genau 15.00 Uhr, als plötzlich die Warn-Apps Warnmeldungen ausspuckten: „Fund einer Weltkriegsbombe“ stand da erst einmal nur, die Entschärfung werde noch „am selben Abend“ erfolgen. Wann genau die Entschärfung stattfinden sollte, in welchem Umkreis evakuiert werden müsste – vieles war zuerst noch unklar. In der ersten Meldung war von einem Radius von 1.000 Metern im Umkreis um die Bombe die Rede, später dann aber nur noch von 750 Metern – sorgte das für die spätere Verzögerung.

Fest stand zunächst nur: Der Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg war auf einer Baustelle in der Bernhard-May-Straße im Wiesbadener Stadtteil gefunden worden – ob es einen Zusammenhang mit dem Neubau der Salzbachtalbrücke gab, teilten Stadt Wiesbaden und Feuerwehr Wiesbaden bis zum Schluss nicht mit. Doch die Stadt Wiesbaden begann eilig mit den Vorbereitungen für eine Bombenentschärfung, die noch am gleichen Abend stattfinden sollte.

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Autobahnen und Bahnlinie gesperrt, ÖPNV unterbrochen

Das Problem dabei: Die Bombe lag genau in einem Dreieck zwischen der – unterbrochenen – Autobahn A66 und der A671, beide Autobahnen mussten für die Entschärfung ebenso gesperrt werden, wie die Bahnlinie Frankfurt-Wiesbaden. Auch mussten zahlreiche Busse umgeleitet werden, der ÖPNV wurde teilweise ganz unterbrochen. Dazu mussten rund 2.800 Menschen ihre Häuser oder Arbeitsstätten verlassen, zunächst in einem Umkreis von 750 Metern um den Fundort der Bombe herum. Auch der Sekthersteller Henkel, der seine produktionsräume nördlich der A66, unmittelbar neben der Salzbachtal-Baustelle hat, musste evakuiert werden.

Ein 250-Kilio-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Juli 2022 in Mainz-Gonsenheim entschärft wurde. - Foto: Polizei Mainz
Ein 250-Kilio-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Juli 2022 in Mainz-Gonsenheim entschärft wurde. – Foto: Polizei Mainz

Bis wann die Menschen ihre Häuser zu verlassen hatten, blieb allerdings erst einmal unklar: Erst gegen 17.00 Uhr kam die Meldung, die Evakuierung müsse bis 18.30 Uhr erfolgt sein. Das erboste dann doch manch einen Anwohner: Die Polizisten hätten ihn „fast aus der Dusche gezerrt“, schimpfte ein Betroffenen aus dem Kurznachrichtendienst Twitter, nun stehe er ohne Informationen auf der Straße.

Bombenentschärfung verzögerte sich

Tatsächlich hätte die Bombenentschärfung um 19.30 Uhr beginnen sollen, doch daraus wurde nichts: Gegen 20.17 Uhr meldete die Stadt Wiesbaden: Die Entschärfung der Weltkriegsbombe verzögere sich. „Nach Rücksprache mit dem Kampfmittelräumdienst muss das zu evakuierende Gebiet vergrößert werden“, hieß es nun auf einmal. Dazu seien weitere Evakuierungen notwendig – betroffen waren nun auch Teile der Borkholder Straße, der Diltheystraße und der Kasteler Straße.

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Erst um 22.42 Uhr kam dann die erlösende Meldung: „Bombe entschärft, Sperrung beendet“. Woran die Verzögerungen gelegen hatten, und warum der Evakuierungsradius vergrößert werden musste, teilten die Behörden nicht mit –  für gewöhnlich bedeutet eine solche Verzögerung, dass der Zünder des Blindgängers korrodiert oder anderweitig beschädigt wurde. Offenbar gab es die Angst, das 125-Klio-Geschoss könne doch noch hochgehen.

Einsatzbesprechung rund um die Bombenentschärfung in Wiesbaden-Biebrich am Mittwochabend. - Foto: Feuerwehr Wiesbaden
Einsatzbesprechung rund um die Bombenentschärfung in Wiesbaden-Biebrich am Mittwochabend. – Foto: Feuerwehr Wiesbaden

Offiziell hieß es am Ende nur: „Die Bombe konnte wie geplant entschärft und abtransportiert worden. „Ich bin froh, dass alles relativ problemlos verlaufen ist“, sagte der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), der sich am Abend persönlich im Führungsstab über die Arbeiten und aktuellen Entwicklungen informiert hatte. Mende dankte den betroffenen Bürgern für ihre Geduld und Mitwirkung sowie den Helfern der beteiligten Behörden und Organisationen für die reibungslose Zusammenarbeit.

An den Einsatzmaßnahmen waren mehr als 200 Einsatzkräfte der verschiedensten Organisationen von Feuerwehr über Polizei bis hin zum Katastrophenschutz und den sozialen Hilfsdiensten im Einsatz. So mussten unter anderem 20 nicht gehfähige Personen durch die Transporter der Katastrophenschutzeinheiten aus ihren Wohnungen in die Not-Unterkunft im Gymnasium am Mosbacher Berg gebracht werden. Auch ein Bus Shuttle zum Gymnasium wurde eingerichtet. Die Einsatzleitung lag beim Leiter der Wiesbadener Stadtpolizei, Peter Erkel.

Info& auf Mainz&: Achtung: Das Titelbild zu diesem Artikel stammt von einer älteren Bombenentschärfung, aktuelle Fotos der Biebricher Bombe lagen uns leider nicht vor. Unseren ersten Artikel zum Thema findet ihr noch einmal hier auf Mainz&.

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