Seit 2008 ragt am Eingang zum neuen Wohngebiet Mainzer Zollhafen ein schiefer grüner Turm in den Mainzer Himmel - die Mainzer Kunsthalle war ein Projekt der Mainzer Stadtwerke zur Vermarktung des neuen Zollhafengebietes. Nun steht indes ihre Zukunft in den Sternen: Die Stadtwerke ziehen sich zum Jahresende aus der Finanzierung zurück, die Direktorin hat das Projekt verlassen - wie es weiter geht, ist völlig unklar. Im Mainzer Stadtrat wollte die Linke nun wissen, was die Stadt tut, um die Kulturinstitution zu retten - Kulturdezernent Ata Delbasteh (SPD) machte vorsichtige Hoffnung. (ABO&)

Der Zollhafen in Mainz, war bis 2013 ein Industriehafen, dann wurde das Areal als Hafen entwidmet, 2014 stellte der Stadtrat die Weichen für die Umwandlung in ein neues Wohngebiet - das Ergebnis ist bekannt. Die Planungen für die Umwandlung der Fläche in eine neues Stadtquartier begannen allerdings deutlich früher, 2006 wurde ein erstes Gebäude umgebaut und neu gestaltet: Aus dem alten Kesselhaus an der Ecke Rheinallee wurde die Mainzer Kunsthalle, ihr Markenzeichen: Ein um sieben Grad geneigter schiefer Turm.
Entstanden sei ein "intellektuelles Zentrum", einer der "wichtigsten kulturellen Leuchttürme des Landes", doch dem drohe nun nach fast 20 Jahren "klammheimlich das Licht auszugehen", klagte Lina Louisa Krämer Mitte April in einem Gastbeitrag des Kultur-Magazins Metropol. Krämer ist nicht irgendjemand, sie war selbst Kuratorin an der Kunsthalle Mainz und arbeitet heute am Berliner Schinkel Pavillon. Ihrem Text ist das Entsetzen über die aktuelle Entwicklung deutlich anzumerken: "Was über Jahre aufgebaut wurde, könnte damit in wenigen Monaten abgewickelt werden", warnt Krämer. Was ist da los?
Kunsthalle Mainz: Projekt für bessere Vermarktung des Zollhafens
Fakt ist: Die Mainzer Kunsthalle wurde 2006 von den Mainzer Stadtwerken ins Leben gerufen mit der dezidierten Absicht, einen kulturellen Anker für das neue Viertel zu schaffen - und die neuen, hochpreisigen Wohnungen so besser vermarkten zu können. Der damalige Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne machte auch nie einen Hehl daraus, dass die Stadtwerke die neue Institution auch nur genau so lange finanzieren würden, bis die Vermarktung des neuen Wohngebietes abgeschlossen sein würde - das steht nun kurz bevor.

Die Konsequenz: Zum Jahresende 2026 werden die Mainzer Stadtwerke die Finanzierung der Kunsthalle einstellen mit gravierenden Folgen - der Einrichtung droht das Aus. Die bisherige Direktorin Stefanie Böttcher wechselte Mitte des Jahres nach Kiel, ihre Stelle wurde nicht neu ausgeschrieben - in der Kunstszene zeigte man sich fassungslos. Die Mainzer Stadtpolitik aber reagierte gar nicht oder nur höchst langsam, dabei sei die Kunsthalle "tief in der Stadtgesellschaft verankert", betont Krämer, es bestünden enge Verbindungen zu Schulen, Hochschulen und sozialen Einrichtungen der Region.
Seit ihrer Gründung blicke die Kunsthalle "auf bedeutende Einzel- und Gruppenausstellungen" zurück, betont Krämer weiter, gerade die aktuelle Schau der Künstlerin Britta Marakatt-Labba zeige, was die Kunsthalle ausmache "und unter der künstlerischen Leitung von Stefanie Böttcher – und ihren Vorgängerinnen – immer ausgezeichnet hat: ein feines Gespür für globale Diskurse, spartenoffen und mutig." Doch aus dem Mainzer Rathaus sei bisher ein klares Signal für den Erhalt der Kunsthalle ausgeblieben, "statt einer Vision herrscht derzeit vor allem eines: gähnende Ideenlosigkeit und politisches Schweigen", klagt Krämer.
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