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Lesung Starke Frauen mit Mainz&: 30 Geschichten toller Frauen – Weltfrauentag 2019 am 8. März – Warnung vor Rückfall in alte Frauenbilder

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Vor gut 100 Jahren starteten wehrhafte Frauen den ersten Weltfrauentag als Zeichen, dass sie für ihre Rechte zu kämpfen bereit sind – und nicht länger dazu, sich massiv in der Gesellschaft benachteiligen zu lassen. Vor 100 Jahren kämpften Frauen noch für Dinge wie ein eigenes Wahlrecht, ein eigenes Bankkonto, das recht, Arbeiten zu gehen. 100 Jahre später sind diese Dinge erreicht – und doch verdienen Frauen für die gleiche Arbeit weiter weniger als Männer, gehen Frauen seltener Arbeiten, stehen Frauen weitaus seltener an der Spitze von Unternehmen. Wir fallen zurück in alte Rollenbilder, sagen Unternehmerinnen und Frauenrechtlerinnen – die strukturellen Benachteiligungen für Frauen sind noch immer groß. Am Weltfrauentag 2019 stellen wir Euch bei Mainz& Frauen vor, die sich davon nicht haben beirren lassen: 30 Starke Frauen Porträts präsentieren wir Euch bei einer Lesung in der Buchhandlung Kapitel 43 in Rüsselsheim.

Starke Frauen, spannende Lebenswege – davon erzählt das Buch „Starke Frauen Porträts“ von Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein. – Fotos: gik

„Alte Rollenbilder sind noch immer tief verankert“, sagte etwa Claudia Große-Leege, Geschäftsführerin beim Verband deutscher Unternehmerinnen, gerade der Süddeutschen Zeitung. Die Aufgabenteilung in den Familien sei noch immer traditionell, Frauen verdienen weiter weniger als Männer – und so sind es meist sie, die bei der Frage nach dem Wiedereinstieg nach der Babypause auf ihren Job verzichten. Und auch bei der Suche nach Kapital zur Finanzierung einer Gründungsidee hätten es Frauen weitaus schwerer, sagt Große-Leege:  Studien zeigten, dass Männer bei Risikokapitalgebern als „jung und vielversprechend“ gelten, Frauen hingegen als „jung, aber unerfahren“.

Dabei erreichen Frauen im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse als Männer, fast 41 Prozent der Frauen machten Abitur, aber nur 30 Prozent der Männer, weiß das Statistische Landesamt für Rheinland-Pfalz. Und 54 Prozent der bestandenen Abschlussprüfungen an Hochschulen werden von Frauen abgelegt. Doch in der Arbeitswelt kehrt sich das Verhältnis schnell um: 61 Prozent der Frauen in Rheinland-Pfalz verdienen weniger als 1.300 Euro netto im Monat – aber nur 28,4 Prozent der Männer. Und nur 7,4 Prozent der Frauen verdienen 2.600 Euro netto pro Monat, aber bei 25,6 Prozent der Männer ist dies der Fall.

Frauen sind häufig teilzeitbeschäftigt, wissen die Statistiker, mehr als jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit (52 Prozent), bei den Männern beträgt die Teilzeitquote nur 9,4 Prozent. Frauen haben demzufolge seltener Führungspositionen: Nur 40 Prozent der abhängig Erwerbstätigen in Führungspositionen sind weiblich – bei den Professoren im Land sind nur 22 Prozent Frauen.

Sterbende begleiten, Seilbahn lenken, Menschen Freude schenken – auch diese drei starken Frauen sind Teil des Buches. – Fotos: gik

Und gerade zeigte eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): Auch wenn beide Partner berufstätig sind, die Hausarbeit bleibt noch immer zu8m Großteil an den Frauen hängen. In Paarhaushalten ohne Kinder verbringen Frauen demnach unter der Woche doppelt so viel Zeit mit Kochen und Haushalt wie ihre männlichen Partner, heißt es etwa bei Tagesschau.de. Bei Paaren, deren jüngstes Kind bis zu sechs Jahre alt ist, würden Frauen sogar dreimal so viel Zeit in diese Tätigkeiten investieren.

Das Schlimme dabei: Seit Jahren ändert sich an diesen Zahlen – praktisch nichts. Die Rollenverteilung gerade in Deutschland ist so altbacken, wie in kaum einem anderen europäischen Land, von Italien vielleicht einmal abgesehen. Und dabei gibt es auch in Deutschland echte Powerfrauen, die Kinder und Jobs jonglieren, die sich nicht von Männern die Butter vom Brot nehmen lassen. Frauen, die Unternehmen gründen und leiten, Weingüter modernisieren und Professorenstellen ausfüllen. Die Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen oder Sängerinnen sind, eine Standseilbahn leiten oder ein Eis-Unternehmen.

Starke Frauen Portraits – das perfekte Buch zum Weltfrauentag. – Foto: gik

Die Geschichten von genau solchen Frauen hat Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein in ihrem neuen Buch „Starke Frauen Porträts“ erzählt. Da ist die Kapitänin, die eine Schifffahrtslinie leitet, eine Chefsvolkswirtin der Hessischen Landesbank. Anderthalb Jahre lang fuhr Gisela Kirschstein kreuz und quer durchs Rhein-Main-Gebiet, spürte spannende Frauen auf, interviewte, fotografierte. Es öffneten sich Türen vom Bankenhochhaus bis hin zur Privatwohnung, sogar die Deutsche Flugsicherung erlaubte einen kurzen Einblick in ihr Allerheiligstes, ihre Kommandozentrale für Fluglotsen, selbst Gefängnistüren waren dabei – und Klostertüren. Auch Schwester Philippa Rath vom Kloster St. Hildegard im Rheingau erzählte, was sie zu dem Schritt bewog, ein Klosterleben zu führen – und dass sie dort, hinter den Klostertüren, das pralle Leben fand.

Margit Sponheimer und Woody Feldmann, die Mainzer Wirtin Astrid Michel und die N’Eis-Gründerin Julia von Dreusche, Kapitänin Bianca Rössler und Sterbebegleiterin Ivana Seeger, Modeschöpferin Anja Gockel und die Winzerinnen Theresa Breuer und Eva Raps – sie alle erzählten uns, wie sie wurden, was sie sind, was sie antrieb, welche Hürden sie zu überwinden hatten. 30 Porträts Starker Frauen sind dabei herausgekommen, seit Dezember könnt Ihr sie alle auf einen Streich in unserem Buch lesen. Und an diesem Freitag könnt Ihr live davon erzählen hören: Am 8. März um 20.00 Uhr bei einer Lesung in der Buchhandlung Kapitel 43 in Rüsselsheim. Kommt vorbei!

Info& auf Mainz&: Lesung „Starke Frauen Portraits“ mit Autorin Gisela Kirschstein am Weltfrauentag 2019, Freitag, den 8. März, in der Buchhandlung Kapitel 43, Marktstraße 32 in Rüsselsheim. Los geht’s um 20.00 Uhr, der Eintritt beträgt 12,- Euro – die Buchhandlung bittet um Voranmeldung, alles dazu findet Ihr hier im Internet. Wir hoffen, wir sehen viele von Euch! Das Buch Starke Frauen Portraits“ ist im Axel Dielmann Verlag erschienen und kostet 18,- Euro. Bestellbar ist es in jeder guten Buchhandlung, oder aber beim Axel Dielmann Verlag direkt – genau hier.

 

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Mainz&-Interview: „Die Entscheidungen im Zollhafen würden wir heute anders treffen“ – OB Ebling über bezahlbares Wohnen, neue Stadtteile und mehr Grün in der Stadt

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Es ist das Megathema unserer Zeit: bezahlbare Mieten. Gerade wieder bescheinigen Studien, was die Mainzer gefühlt schon lange wissen: Mieten und Immobilienpreise sind in den vergangenen zehn Jahren explodiert, für Normalverdiener stellenweise fast schon unerschwinglich geworden. Und das, obwohl in Mainz gebaut wird wie lange nicht mehr: Heiligkreuz-Viertel, Peter-Jordan-Schule, Frankenhöhe und noch immer der Zollhafen, an Baugebieten mangelt es keineswegs. Mainz ist begehrt, gilt als eine „Schwarmstadt“ für junge Leute, Menschen aus dem Umland drängen zurück in die Stadt, und das Angebot an Wohnungen hält damit nicht Schritt. Da bleibt die Frage: Wie will Mainz es schaffen, die Mietexplosionen aufzuhalten und in Zukunft (wieder) bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Mainz& hat mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) über neue Stadtteile und Lenkungsoptionen, über Bodenrichtwerte und Wohnungsbaustrategien, aber auch über Nachverdichtung und Grün in der Stadt gesprochen.  Das große Mainz&-Interview.

Strategien für bezahlbares Wohnen was das Thema unseres großen Mainz&-Interviews mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) in seinem Büro im Mainzer Rathaus. – Foto: gik

 

Frage Mainz&: Herr Ebling, vor fünf Jahren hieß es im Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP, man wolle nicht nur 6.500 Wohnungen bauen – sondern auch 6.000 bezahlbare Wohnungen. Was ist daraus eigentlich geworden?

Ebling: Was wir gesagt haben ist, dass wir zwischen 2011 und 2020 insgesamt 6500 zusätzliche Wohnungen schaffen wollen, dieses Ziel habe ich 2012 ausgegeben. Das klang damals übermütig, Fakt ist, wir haben das Ziel Ende 2018 schon erreicht. Und ja: Die wichtigste Antwort auf die Verteuerung von Wohnraum ist die Schaffung von Wohnraum. Das Zweite ist, in welche Richtung wir das zusätzliche Angebot steuern wollen. Da haben wir vor zwei, drei Jahren gesagt: Baurecht und Planungen für neue Baugebiete gibt es nur, wenn 25 Prozent öffentlich geförderter Wohnraum dabei ist, das halten wir seither auch durch, wie etwa im Heiligkreuz-Viertel, allein dort entstehen 500 öffentlich geförderte Wohnungen. An der Entwicklungslinie werden wir auch festhalten, weil sie dafür sorgt, dass wir eine gute soziale Durchmischung haben.

Das ist auch eine Lehre aus der großen Bauzeit der 1960er und 1970er Jahre, als zum Teil massiert an einer Stelle Sozialwohnungen geschaffen wurden – nicht zum Vorteil der Sozialstruktur dieser Gebiete. Öffentlich gefördert heißt übrigens, dass die Anfangsmiete zwischen 6,40 Euro und 7,25 Euro je Quadratmeter liegt. Das darf mit Blick auf die Mainzer Durchschnittsmieten tatsächlich als preisgünstig bezeichnet werden.

Frage Mainz&: Die 1960er und 1970er Jahre sind ein gutes Stichwort: Damals wurde mit dem Mainzer Lerchenberg ein komplett neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft – genau zu einer Zeit, als Wohnraum in Mainz knapp war und die Mieten explodierten. Auch jetzt planen andere Städte neue Stadtteile: Frankfurt plant einen auf der grünen Wiese, Wiesbaden das Ostfeld – was macht Mainz? Die bisherigen Maßnahmen reichen ja doch offenbar alle nicht, die Mieten in Mainz sind explodiert.

Das Heiligkreuz-Viertel ist das derzeit größte Bauprojekt in Mainz, hier entstehen in den Nächsten Jahren rund 2.000 Wohnungen. – Foto: gik

Ebling: Die Mieten steigen bundesweit, nicht nur in Mainz. Sie steigen aber inzwischen auch, und das ist das eigentlich dramatische, außerhalb der Ballungsräume. Man muss sich deshalb auch Gedanken über die Ursachen machen, und ein Teil der Antwort ist, dass es in Zeiten der niedrigen Zinsen zu einer exorbitanten Investitionsverschiebung hinein in Immobilien kommt. Das  führt zu einer Verteuerungsdynamik, mit der aktuell keine Bauentwicklung mithält.

Das Thema ist deshalb überall das gleiche: Wie schaffen wir es, mehr Wohnraum zu bekommen? Und wie steuern wir das so qualitativ, dass es bezahlbar bleibt. Das Heiligkreuz-Viertel, das ist ja quasi ein neuer Stadtteil, dort werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren rund 2.000 neue Wohnungen für etwa 6.000 Bürgerinnen und Bürger gebaut.

Frage: Die Frage ist aber ja angesichts des aufgeheizten Mietmarktes: reicht das?

Ebling: Ist das Problem gelöst, wenn das Heiligkreuz-Viertel bebaut ist? Die Antwort ist: Nein, damit ist das Problem noch nicht gelöst. Im Gegenteil, wir müssen weiter aktiv bleiben und neuen Wohnraum schaffen. Ich habe deshalb im vergangenen Jahr neue wohnungspolitische Ziele für Mainz festgelegt. Im Zeitraum von 2019 bis 2025 sollen in der Stadt Mainz weitere 5.500 neue Wohnungen geschaffen werden. Wir werden damit das Konzept „Wohnen in Mainz“ aus dem Jahr 2016 fortschreiben. Außerdem soll 2019 erstmals ein Wohnungsmarktbericht auf den Weg gebracht werden. Dabei soll das Angebot und der Nachfragebedarf des gesamten Mainzer Wohnungsmarkts untersucht werden.

Das Modell Wohnraum für Mainz im Mainzer Rathaus zeigt die aktuellen Baugebiete in Mainz. – Foto: gik

Wir folgen in Mainz dem Prinzip des Baurechts: Innen- vor Außenentwicklung. Boden ist ein knappes Gut, und die Entwicklung unserer Stadt hat immer auch damit zu tun, was wir kommenden Generationen hinterlassen – anders formuliert: Wir dürfen mit dem Boden nicht aasen. Wir haben auch eine Verantwortung im Umgang mit der Fläche, es geht auch darum,  Ressourcen zu schonen. Deshalb habe ich kritisiert, dass im rheinhessischen Umland weiter so viele Einfamilienhäuser mit großen Grundstücken gebaut werden, ich sehe das zum Teil problematisch. Die Gefahr ist, dass wir einen hohen Versiegelungsgrad erreichen, der uns einholen wird – Stichwort Klimawandel. Bitte nicht falsch verstehen, auch freistehende Einfamilienhäuser werden in Mainz gebraucht, deshalb werden solche ja auch beispielsweise in Hechtsheim auf der Frankenhöhe errichtet. Aber alles bitte mit Ziel und Augenmaß.

Frage: Ist das ursprünglich kluge Prinzip der Innen- vor Außenentwicklung nicht an seine Grenzen gekommen – weil es dazu führt, dass auch die letzten Grün- und Freiflächen noch versiegelt werden? Man merkt es: die Innenstadt heizt sich immer weiter auf – muss dieses Prinzip nicht überdacht werden?

Ebling: Ich würde die Antwort differenziert geben wollen: Im Moment entsteht Wohnraum auf zu 100 Prozent vorher schon versiegelten Flächen, und hinterher ist der Anteil von öffentlichem Grün oft viel höher als früher. Ich nehme als Beispiele bewusst den Zollhafen und das Heiligkreuz-Viertel: Der Zollhafen war eine zu 100 Prozent betonierte Industrie-Fläche, dort entsteht neben der Neuversiegelung durch Gebäude in hohem Prozentsatz öffentlicher Raum mit Grün, auf einem Gelände das vorher versiegelt war. Das gleiche haben Sie beim Heiligkreuz-Viertel: dort wird auf dem ehemaligen IBM-Areal, also einem versiegelten Gewerbegebiet, ein hoher Anteil von Grün- und Freiflächen entstehen.

Am Mainzer Zollhafen entstanden bisher überwiegend Wohnungen im gehobenen Preisniveau, insgesamt sollen in dem Quartier rund 100 Wohnungen im niedrigen Segment gebaut werden – entlang der Rheinallee. – Foto: gik

In Bezug auf die Innenstadt würde ich aber sagen: Wir dürfen dort nicht weiter nachverdichten. Die Innenstadt ist ein Bereich, der heute schon klimatologisch durch höhere Temperaturen hervorsticht. Da sollten wir nicht mehr verdichten. Dies gilt teilweise auch für Bereiche in den Stadtteilen. Deshalb bringen wir auch in einzelnen Stadtteilen Erhaltungssatzungen auf den Weg.

Wenn wir uns in fünf Jahren träfen, dann wird der Zollhafen fertig bebaut sein, das Heiligkreuz-Viertel vielleicht zur Hälfte, wir werden damit angefangen haben, das Gelände der GFZ-Kaserne zu bebauen. Dann würde ich nicht ausschließen wollen, dass wir über weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu reden haben. Insofern sage ich nicht generell Nein zu einem neuen Stadtteil.

Aber einen neuen Stadtteil auf der grünen Wiese zu errichten ist nicht ganz so einfach: Es muss eine komplett neue Infrastruktur wie beispielsweise Straßen, Versorgungsleitungen, ÖPNV und Nahversorgung geschaffen werden. Hinzu kommt, dass die Kosten durch die sehr aufwändige Erschließung der Fläche auf die Grundstückspreise umgelegt werden, das treibt dann am Ende auch die Preise für Bauland und die Kosten für Wohnen in die Höhe.

Die Entwicklung und der Neubau eines Stadtteils dauern zudem lange, das hilft uns deshalb kurz- und mittelfristig nicht. Das Ostfeld in Wiesbaden wird zwanzig Jahre dauern. Deswegen sage ich, mittelfristig werden wir tatsächlich eine neue Zusammenarbeit mit dem Umland brauchen, ein Verständnis darüber, wie die Region wächst – das halte ich für den eigentlich großen Punkt, den es umzusetzen gilt. Es geht darum, dass nicht die Stadt den Mietwohnungsbau macht und das Umland das Einfamilienhaus.

Frage: Das Beispiel für Zusammenarbeit mit dem Umland – das wäre doch der Layenhof. Warum entsteht dort nicht mehr?

Die Haupt-Baugebiete in der Stadt Mainz: Peter-Jordan-Schule, Heiligkreuz-Viertel, Frankenhöhe. Reicht das? Das haben wir OB Ebling gefragt. – Foto: gik

Ebling: Ja, der Layenhof hat Potenzial, aber nur ein sehr maßvolles, da reden wir über nicht mehr als 100 Wohnungen. Der Layenhof ist von der Stadtentwicklung her ausgereizt, weil ein großer Teil der Fläche Bundesnaturschutzgebiet ist und nicht bebaut werden darf.

Frage: Dann stellt sich die Frage: Wo entwickelt sich Mainz dann? Doch auf einem „Stadtteil Rheinhöhe“, wie die CDU vorgeschlagen hat?

Ebling: Ich schließe nicht eine Entwicklung aus, die einen neuen Stadtteil ermöglicht. Wir sollten aber nicht den Eindruck erwecken, wir lösen das Problem Wohnen kurzfristig durch einen neuen Stadtteil. Ich möchte, dass wir mittelfristig Angebote schaffen, wo wir sie sinnigerweise schaffen können.

Frage: Als ein Grund für steigende Immobilienpreise nennen Experten auch die Bodenrichtwerte – und die sind in Mainz in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Kann die Stadt hier nicht begrenzend eingreifen?

Ebling: Der Bodenrichtwert ist ja keine Festlegung der Stadt, das ist eine statistische Größe, die sich aus der Ermittlung von Verkäufen in der Vergangenheit ergibt, und den wir nur publizieren. Wir können die Entwicklung nicht begrenzen. Ob der Bodenrichtwert realisiert wird, ist am Ende eine Marktfrage. Die Frage ist am Ende, ist man  bereit, regulierend einzugreifen? Ich gehöre zu denen, die meinen, wir dürfen das „Menschenrecht Wohnen“ nicht dem Markt Preis geben, es muss gesteuert werden. Wir werden auch nicht jedes Problem alleine lösen können – der Bund muss uns etwa seine Konversionsflächen zu einem fairen Preis verkaufen, was er nicht tut. Bei der Kommissbrotbäckerei versucht er weiter, einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen. Bei der GFZ-Kaserne erleben wir, dass der Bund Flächen nicht freigibt, obwohl diese seit Jahrzehnten untergenutzt sind.

Ebling 2017 mit einem Plakat für den Tag der Deutschen Einheit. – Foto: gik

Frage: Mainz ist begehrt, die Menschen wollen ja gar nicht im Umland wohnen – also wie lösen wir das Problem?

Ebling: Wir werden als Stadt stärker in die Bodenbevorratungspolitik einsteigen müssen, das ist über lange Jahre nicht passiert, auch weil wir es finanziell nicht konnten. Wir erarbeiten uns gerade die Spielräume, Flächen zu kaufen, um dann in der Folge den Grundbesitz nicht per Höchstgebot weiter geben, sondern durch Konzeptvergaben Einfluss nehmen, dass die Flächen nicht irgendwie bebaut werden, sondern bestmöglich bebaut werden. Diese Konzeptvergaben sind ein rechtlich zugelassenes Prinzip, und das werden wir tun. Aktuell zum Beispiel bei der Grundstücksvergabe an Baugemeinschaften im Heiligkreuz-Viertel.

Frage Mainz&: War das ein Fehler, das beim Zollhafen nicht gemacht zu haben?

Ebling: Beim Zollhafen muss man zwei Dinge sehen: Die Entwicklung des Zollhafens hat eine enorme investive Vorbelastung. Bis dort überhaupt der erste Stein bewegt wurde, musste man einen dreistelligen Millionenbetrag aufwenden um allein die Altlasten zu beseitigen. Es war deshalb immer klar, dass aus diesen Gründen der Zollhafen nicht mit einem so hohen Anteil geförderter Wohnungen realisierbar war, weil der teure Baugrund dies nicht zuließ.

Das Zweite ist: Die Entscheidung am Zollhafen ist im Wesentlichen in einer Zeit gefallen, als ganz Deutschland davon ausging, dass wir fertig gebaut haben. Das war eine gravierende Fehleinschätzung um die 2000er-Wende. Die Entscheidung war damals beim Zollhafen, wie schaffen wir es, gut verdienendes Klientel an die Stadt zu binden – das war damals nicht falsch, schließlich ging es ja auch um damit verbundene Steuereinnahmen. Hätten wir heute eine planerische Entscheidung für den Zollhafen zu treffen – ja, wir würden sie anders treffen.

Frage Mainz&: Noch ist nicht alles bebaut im Zollhafen, kann man dort nicht nachsteuern?

Ebling: Zum Teil ist auch nachgesteuert worden, der Anteil geförderten Wohnens wird verdoppelt.

Frage Mainz&: Der Ortsbeirat Neustadt hat einmal eine Milieuschutzsatzung gefordert, warum ist da nie etwas draus geworden?

Ebling: Wir haben uns tatsächlich an einer Studie des Bundesbauministeriums in den Jahren 2017-2018 beteiligt: „Soziale Vielfalt im Quartier, Stadtquartiere unter Nachfragedruck“. Wir wollen wissen, rechtfertigt der städtebauliche Strukturwandel eine Milieuschutzsatzung. Nach den Anzeichen, wie wir sie werten, gibt es wohl gute Gründe, gerade in der südlichen Neustadt über eine solche Milieuschutzsatzung zu diskutieren. Wir warten derzeit auf den Abschlussbericht aus dem Bundesbauministerium, dann werden wir Vorschläge entwickeln.

Wohnen in der Mainzer Neustadt – gerade hier sind die Mieten explodiert. Die Stadt denkt nun über eine Milieuschutzsatzung nach. Ein Allheilmittel sei das nicht, warnt Ebling. – Foto: gik

Frage: Aber käme das nicht viel zu spät? Die Preise sind längst explodiert, der Schaden doch schon passiert.

Ebling: Mann muss wissen: Eine Milieuschutzsatzung friert nicht die Preise ein. Sie kann dort eingreifen, wo jemand auch noch den letzten Dachstuhl ausbaut oder nachverdichtet, aber sie verhindert nicht, dass bei erhöhtem Nachfragedruck die Mieten steigen. Sie kann die Spitze nehmen, den Antrieb zum starken Steigen stoppen. Aber das ist kein einfaches Instrument, es muss sehr genau zugeschnitten werden – und sie braucht erhebliches Personal zur Überwachung.

Wir setzen mehr auf die Schaffung von Belegungsrechten. Vor etwa 1,5 bis zwei Jahren hat das Land Rheinland-Pfalz die Möglichkeit gegeben, in bestehendem Wohnraum Sozialbelegungsrechte zu schaffen, also die Wohnungen in die Mietpreisbindung hinein zu holen. Das ist ein sehr kluges Instrument, weil es Durchmischung schafft in den Quartieren, und wir bewerben das massiv.

Frage: Nun steht die Grundsteuerreform an, und viele Experten warnen, das könne ein weiterer Preistreiber in den Städten für die Mieten sein.

Ebling: Ich bin zunächst einmal froh, dass es in dem Streit eine Einigung gibt. Mainz nimmt zurzeit ungefähr 40 Millionen Euro an Grundsteuer B ein, die wird es weiter geben, und das ist erst einmal gut – auf die Einnahmen können wir nicht verzichten. Dass es ein neues Modell geben wird, das mehr auf den Wert der Grundstücke und Immobilien eingeht, finde ich auch gut, weil es ein Stück Gerechtigkeit schafft. Es liegt am Ende beim Mainzer Stadtrat, ob er die Möglichkeit wahrnimmt, hier mögliche Mehreinnahmen abzuschöpfen.

Ich gehe jedoch davon aus, dass der Stadtrat, sollte die geänderte Berechnung zu einem höheren Grundsteueraufkommen führen, den Grundsteuerhebesatz so senkt, dass das neue Modell für Mainz aufkommensneutral ist. Die neue Grundsteuer wird am Ende auch nicht unser Hauptproblem in Sachen Mietpreistreiber sein. Als Hauptpreistreiber sehe ich ganz andere Faktoren, etwa die Umlage von Modernisierungen, die weiter ungerecht geregelt ist. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir in dieser Stadt die Veränderung der Grundsteuer nicht zum Kostentreiber machen. Unsere finanzielle Finanzplanung sieht keinen Anstieg der Grundsteuer vor, so hemmungslos sind wir nicht.

Info& auf Mainz&: Mehr zum neuen Heiligkreuz-Viertel lest Ihr übrigens hier bei Mainz&, die offizielle Internetseite zu dem Viertel gibt es hier im Internet. Die Ideen der CDU-Opposition zu einem neuen Stadtteil – etwa der Rheinhöhe – erklären wir hier. Was Experten zum hochpreisigen Wohnraum und fehlendem Bauland in Mainz 2017 sagten lest Ihr hier, um aktuelle Studien zu den Mietpreisen in Mainz geht es hier bei Mainz&: „Mainzer können sich Neubauwohnungen nicht leisten.“

 

 

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„Wir haben nur noch elf Jahre Zeit“ – Rund 500 Schüler streiken beim zweiten Fridays for Future in Mainz für Klimaschutz sofort

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Seit August 2018 streikt die schwedische Schülerin Greta Thunberg jeden Freitag in Stockholm für mehr Umweltschutz und die Rettung des Klimas, inzwischen ist aus ihrer einsamen Aktion eine weltweite Bewegung geworden. Am Freitag trafen sich zum zweiten Mal auch Mainzer Schüler zum Schulstreik. Rund 500 Teilnehmer zogen unter dem Motto „Fridays for Future“ quer durch die Mainzer Innenstadt, schwenkten Plakate, hielten Reden. „Das hier ist ein Streik, kein Schwänzen“, stellte eine Rednerin klar: „Wir sind hier, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die wichtigen Dinge zu lenken: auf Klimagarechtigkeit und den Einsatz für die Umwelt.“

Rund 500 Schüler streikten am Freitag in Mainz unter dem Motto Fridays for Future für die Rettung des Weltklimas. – Foto: gik

Sie springen, sie hüpfen, sie schwenken selbstgemalte Plakate. Im Hintergrund läuft der Song „We are the World“, immer mehr Schüler strömen auf den Platz vor dem Mainzer Hauptbahnhof.  „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut“, skandieren sie wieder und wieder. Es ist Viertel nach Zehn am Freitagmorgen, und Alexander und seine Freunde sollten eigentlich im Unterricht sitzen. „Mir ist ein Fehltag lieber, als eine kaputte Erde“, sagt der 12-Jährige.

„Fridays for Future“ heißt die weltweite Schülerstreik-Bewegung, ausgelöst von der 16 Jahre jungen schwedischen Umweltaktivistin Greta Thunberg. Und wie Greta sind sie heute hier nach Mainz an den Hauptbahnhof gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Es ist gut, was Greta gemacht hat“, findet Alexander, „so wird es immer schwerer, das zu ignorieren.“

„Das“ – das ist der Protest der jungen Leute gegen die Zerstörung der Umwelt, gegen den hausgemachten Klimawandel, und vor allem gegen das Nichtstun der Erwachsenen. „Mich macht das unglaublich wütend“, sagt Sophie, „die sagen immer, sie machen was, und tun’s dann doch nicht.“ Sophie ist 13, wie Alexander geht auch sie in die 7. Klasse des Mainzer Frauenlob-Gymnasiums. Es ist ihre erste Demo überhaupt, und ein bisschen aufgeregt sind sie schon. „Wir sind hier, weil es passieren wird“, betont Alexander, „es wird nach uns keine ordentliche Erde mehr geben.“

Alexander, Sophie, Joseph und ihre Freunde aus der 7. Klasse des Frauenlob-Gymnasiums streikten bei Fridays for Future mit. – Foto: gik

Zum zweiten Mal haben die Organisatoren zum Freitagsstreik in Mainz aufgerufen, beim ersten Mal Mitte Januar seien 1.600 Teilnehmer gekommen, berichtet Vincent Lohmann, einer der Organisatoren. An diesem sonnigen Februartag haben es ungefähr 500 Schüler zum Mainzer Hauptbahnhof geschafft. „Ich denke ganz klar, die Politik tut nicht genug, um die Welt zu schützen, um unsere Erde zu schützen“, sagt Lohmann, der in die 13. Klasse des Gymnasiums Mainz-Oberstadt geht.

Auch Lohmann engagiert sich zum ersten Mal in seinem Leben, von einem Freund hörte er von der Fridays for Future-Bewegung, sie vernetzten sich über Whattsapp-Gruppen. die Veränderung der Umwelt, die Bedrohung für die Erde, ja, „das ist auf jeden Fall eine Thema bei uns im Freundeskreis“, sagt der 18-Jährige. Die Schulstreiks am helllichten Tag , sagt er, „sind eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Schließlich gebe es auch Samstagsdemos für die Umwelt, „aber da berichtet kein Mensch drüber.“

Neun Forderungen an die Politik haben sie aufgestellt: Die Versorgung von Rheinland-Pfalz zu 100 Prozent aus Erneuerbarer Energien bis 2030 gehört dazu, ein deutlicher Ausbau und Reaktivierung von Bahnstrecken, die Reduzierung des Autoverkehrs, die Investition von Millionen in Radwege und ÖPNV. Die Landesregierung solle sich im Bund für die Einführung des kostenlosen ÖPNV einsetzen, heißt es weiter, man wolle ein günstiges landesweites ÖPNV-Ticket nach dem Vorbild des hessischen 365-Euro-Schülertickets. Auch die Förderung klimafreundlicher Ernährung, eine Agrarwende, und die Begrenzung des Einflusses von Wirtschaftslobbyisten auf die Politik gehören dazu.

Am Donnerstag lud Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die Schüler zum Austausch in die Staatskanzlei. „Das ist ein Zeichen, dass wir wahrgenommen werden und eventuell auch Druck ausüben können“, sagt Lohmann: „Es geht darum, den Supergau zu verhindern.“ Einschlägige Studien zeigten ja, „dass es nicht mehr viel Zeit gibt um es zu verhindern.“ Elf Jahre habe die Menschheit noch Zeit, betont auch Alexandra Kalpadikou in ihrer Rede, die 18 Jahre alte Schülerin aus Bad Schwalbach engagiert sich im hessischen Bund für Umwelt und Naturschutz. „Prognosen zeigen, wie wir uns bis 2030 verhalten, ist entscheidend dafür, ob wir die menschengemachte Erderwärmung noch begrenzen können“, sagt Kalpakidou, und beruft sich auf Berichte des Weltklimarates: „Wir haben keine Zeit zu warten, bis wir alle erwachsen sind.“

Forderungen auf Pappe: Bei Fridays for Future ging es um den schnellen Kohleausstieg, gegen Billigflieger und gegen die Klimaerwärmung insgesamt. – Foto: gik

Die Menschheit habe ein Aufmerksamkeitsproblem, sagt Kalpadikou, nämlich „das Problem, unsere Aufmerksamkeit auf die relevanten Dinge zu richten.“ Die Klimapolitik der vergangenen Jahre sei „geradezu kurzsichtig“ gewesen, und dabei seien die Alternativen für einen besseren Umgang mit der Umwelt ja sogar da – Elektroautos, Wind- und Solarenergie, Bahnverkehr statt Fliegen, pflanzliche Ernährung, regenerative Landwirtschaft. „Deshalb sind wir hier, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die wichtigen Dinge zu lenken: auf Klimagarechtigkeit und den Einsatz für die Umwelt“, sagt Kalpadikou, und betont: FridaysforFuture, sei „ein Streik, kein Schwänzen“ – wem es nur ums Schwänzen gehe, könne auch in die Stadt verschwinden.

Das sehen auch Tayla und Zoe so, die Oberstufenschülerinnen sind eigens aus Wiesbaden zum Fridays for Future nach Mainz gekommen. „Es ist uns wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagt Zoe. Acht Schulstunden werden sie dafür verpassen „Es ist so ein Spruch aber es stimmt einfach: Es gibt keinen Planeten B“, sagt Tayla: „Es ist unsere Zukunft, unser Planet.“ Weitermachen wollen sie auf jeden Fall, auch wenn es Kritik und Druck an ihrem Streik gibt. Einmal im Monat solle in Mainz gestreikt, ein Zeichen für die Zukunft gesetzt werden, sagte Lohmann Mainz&.

„Gegenwind? Wir bleiben stehen“, steht auf dem kleinen Schild von Nadeshda. Die Lehrer am Frauenlob hätten gesagt, ihr Streik sei ok, aber entschuldigen dürften sie die Schüler nicht, berichtet sein Freund Joseph. Vincent Lohmann spricht von einer „Drohkulisse“, die an manchen Schulen aufgebaut werde. „Es gab Schüler, die unentschuldigte Fehlstunden bekommen haben“, sagte er, die Drohungen zeigten aber ja auch, „dass der Druck angekommen ist.“ Im Mainzer Bildungsministerium heißt es, das Anliegen der Schüler sei „absolut begrüßenswert“, eine Beurlaubung der Schüler könne aber nicht gewährt werden. Wie auf die Fehlzeiten reagiert werde, sei aber Sache der Schulen. Nadeshda zuckt da nur die Achseln. „Es sind Fehlzeiten“, sagt der 12-Jährige, „auf die wir stolz sein können.“

Info& auf Mainz&: Die Mainzer Initiative „Fridays for Future“ findet Ihr hier auf dieser Facebookseite.

 

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„Luftverschmutzung ist Gesundheitsrisiko Nummer eins“ – Wissenschaftler bekräftigen mit neuen Studien Gefahren durch Stickoxide und Feinstaub

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Mitten in der Debatte über Stickoxide und Grenzwerte, bekräftigen führende Wissenschaftler die Gesundheitsgefahren durch Luftschadstoffe. 8,8 Millionen Menschen sterben pro Jahr weltweit vorzeitig durch den schädlichen Einfluss von Luftschadstoffen, sagt Atmosphärenchemiker Jos Lelieveld vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Alleine durch Feinstaub seien es in Deutschland mehr als 120.000 Todesfälle im Jahr: „Luftverschmutzung ist damit schädlicher als schlechtes Wasser und eines der Top 5- Risiken weltweit.“ Und auch die Karlsruher Toxikologie-Expertin Andrea Hartwig bekräftigte am Freitag auf einer Tagung in Mainz: Stickoxide sind ein schädliches Reizgas, die Gesundheitsgefahren gut dokumentiert – der Grenzwert von 40 Mikrogramm sei wichtig und werde weiter benötigt. Auch auf den Vergleich zu höheren Grenzwerten am Arbeitsplatz ging Hartwig ein.

Wie gefährlich sind Luftschadstoffe wie Autoabgase, Feinstaub, Stickoxid? Hochgradig, sagen Wissenschaftler: Luftverschmutzung sei die Gesundheitsgefahr Nummer eins. – Foto: gik

Jos Lelieveld ist einer der führenden Atmosphärenchemiker und Professor des renommierten Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Im Oktober 2018 veröffentlichten er und sein Team eine Studie mit neuen Berechnungsmodellen für die Auswirkungen von Feinstaub auf die Gesundheit, die Ergebnisse sind alarmierend: Rund 2,8 Millionen Herzattacken und 1,4 Millionen Hirnschläge werden demnach jedes Jahr weltweit durch Luftschadstoffe ausgelöst. Dazu kommen 1,2 Millionen Lungenerkrankungen, 1,2 Millionen sonstige Krankheiten, 470.000 Fälle von Lungenkrebs und 1,2 Millionen akute Atemnotssyndrome bei Kindern.

Die MPI-Studie, die noch nicht in einem Fachblatt veröffentlicht wurde, konzentrierte sich vor allem auf Feinstaub, die winzigen Luftpartikel entstehen bei allen Verbrennungsprozessen, auch aus Flugzeugmotoren, in der Industrie und bei Kaminfeuern. Ein großes Problem sei das in Ländern wie China und Indien, sagte Lelieveld, aber nicht nur: Auch in Deutschland sei Feinstaub für mehr als 120.000 frühzeitige Todesfälle verantwortlich. „Es gibt eine kausale Verbindung zwischen Feinstaub und Erkrankungen“, betonte der Wissenschaftler, und das gelte auch für Lungenentzündungen, chronische Bronchitis, erhöhten Blutdruck, Diabetes und sogar Demenz. Mit den neuen Modellen errechneten Lelieveld und Team auch die Zahl von 8,8 Millionen frühzeitigen Sterbefällen durch giftige Luftschadstoffe neu – früher ging man von rund 5 Millionen vorzeitigen Sterbefällen aus.

Vorzeitige Todesfälle und verlorene Lebensjahre durch Luftschadstoffe in Europa pro Jahr – die Grundlage für die Karten sind neue Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Die Ergebnisse präsentierte MPI-Chef Jos Lelieveld am Freitag in Mainz. – Foto: gik

Die Methoden, die Sterblichkeit abzuschätzen, seien seriös und seit Jahren von Wissenschaftlern entwickelt, die Grundlage seien „Millionen von Probanden weltweit“, betonte Lelieveld am Freitag auf dem Symposium der Akademie der Wissenschaften in Mainz. Die sogenannte Gefährdungsrate werde von 41 Kohortenstudien in 16 Ländern abgeleitet, diese Daten seien bei den alten Prognosen nicht verfügbar gewesen. Die Probanden würden jahrelang begleitet und untersucht, „wir wissen, wann die Menschen sterben und wie sie sterben“, unterstrich Lelieveld, „da wird nicht geschummelt, das ist nicht manipulierbar.“

Früher habe man die Sterblichkeitsdaten auf dem Vergleich mit Passivrauchen oder Rauchen begründet, jetzt aber gebe es „eine robuste Datenlage“, erklärte Lelieveld. Zwar seien die Unsicherheiten bei den Hochrechnungen weltweit groß, „das macht die Zahlen aber nicht weniger brisant“, betonte er. Die Hochrechnungsmethode sei übrigens exakt dieselbe, mit der auch Todesfälle durch Rauchen und Passivrauchen berechnet würden, deshalb seien Aussagen wie die der 100 Lungenärzte kürzlich „einfach Unsinn“. Die Ärzte rund um den Lungenarzt Dieter Köhler hatten in einem Papier unter anderem behauptet, in ihren Praxen sähen sie zwar Tote durch Rauchen, durch Luftverschmutzung jedoch nie.

Die neuesten Zahlen und Fakten legten hingegen nah, dass der Einfluss der Umweltverschmutzung eben noch deutlich schlimmer als zuvor schon vermutet, sagte Lelieveld: Rund 790.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr durch Luftschadstoffe errechnete das MPI allein in Europa. Etwa 14 Millionen Lebensjahre so gingen durch den schädlichen Einfluss von Feinstaub pro Jahr in Europa verloren, sagte Lelieveld, durch Rauchen seien es 7,2 Millionen. Damit verliere jeder Europäer im Schnitt 2,2 Jahre seiner Lebenserwartung – in den USA sind es hingegen nur 1,6 Jahre, in Australien 0,8 Jahre, in China hingegen 4,1 Jahre.

Ursache für die 124.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland durch Luftschadstoffe und die globale Sterberate – Berechnungen des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie um Professor Jos Lelieveld. – Foto: gik

Auffällig auch: In Westeuropa hat Deutschland damit die schlechteste Rate an verlorenen Lebensjahren, in Frankreich, Spanien, Italien, Großbritannien und insbesondere in Skandinavien sind die Zahlen deutlich besser. In Deutschland, sagt die MPI-Studie, sind Luftschadstoffe für 124.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich – 20 Prozent davon durch Verkehr verursacht, 8 Prozent durch lokale Energieanlagen und 45 Prozent durch Ausdünstungen der Agrarindustrie. „Luftverschmutzung“, betonte Lelieveld denn auch, „ist ein echtes Gesundheitsproblem.“

Und genau das sei der Sinn geltender Grenzwerte, betonte Andrea Hartwig, Biochemikerin und Professorin am Karlsruher Institut für angewandte Biowissenschaften: Grenzwerte sollten Schädigungen verhindern, „eben bevor jemand tot umfällt.“ Hartwig ist Vorsitzende der sogenannten MAK-Kommission, die auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Grenzwerte für Schadstoffe vorschlägt. „Die Umweltverschmutzung gehört zu den größten Risikofaktoren für erhöhte Krankheitsanfälligkeit und vorzeitige Mortalität“, betonte auch Hartwig am Freitag in Mainz – und dazu gehöre auch das für Fahrverbote relevante Stickoxid.

„Stickoxid ist ein Reizgas, bei dem Salpetersäure gebildet wird, die zu irritativen Effekten beim Menschen führen kann“, sagte Hartwig. Kausale Effekte auf Lungen- und Asthmaerkrankungen seien „gut begründet.“ Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Atemwegssymptome bei asthmatischen Kindern durch Stickoxide verstärkt würden – und genau das sei der Grund für die Weltgesundheitsorganisation gewesen, den Grenzwert für Stickoxide auf 40 Mikrogramm zu legen.

Der Vergleich mit Grenzwerten, die für Arbeitsplätze gelten, sei dabei nicht sinnvoll: „Ja, es stimmt, die Arbeitsplatz-Grenzwerte sind viel höher“, sagte Hartwig. Arbeitsplatz-Grenzwerte nämlich würden für gesunde Personen im arbeitsfähigen Alter angesetzt, die sich acht Stunden am Tag in den Räumen aufhielten. Die allgemeinen Grenzwerte aber sollten vor allem Kinder, alte Leute und Menschen mit Vorschädigungen schützen, die gebe es am Arbeitsplatz nicht. Zwar sei die Schadstoffbelastung in Deutschland rückläufig, auch bei den Stickoxiden – gelöst sei sie aber noch nicht, sagte Hartwig. Und gerade in Städten und in „verkehrsnahen“ Lagen gebe es noch immer „Spitzen an Luftverschmutzung“. Der geltende Grenzwert von 40 Mikrogramm sei deshalb sinnvoll und richtig.

Info& auf Mainz&: Über die Gefahr durch Feinstaub und vor allem durch Ultrafeinstaub, insbesondere in Zusammenhang mit Flugverkehr, hat Mainz& schon mehrfach berichtet – nachlesen könnt Ihr das etwa in diesem Artikel auf Mainz&. Die Debatte um Stickoxide, Grenzwerte und das umstrittene Papier von Lungenarzt Köhler könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Mehr zur Messung von Stickoxiden, Luftmessstationen und dieser Debatte findet Ihr hier bei Mainz&.  Mehr zu Professor Jos Lelieveld findet Ihr hier im Internet, mehr zu seiner Studie über die unterschätzte Gefahr von Luftverschmutzung könnt Ihr hier nachlesen.

 

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Rosenmontag 2019 in Mainz: Narren trotzen Sturm und Regen – Mit dem KCK auf dem Aktivenwagen durch Mainz – Bischof Kohlgraf segnet Wagen

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Es war ein ungemütlicher und turbulenter Rosenmontag 2019 in Mainz, Sturm und Regen suchten die Narren beim 68. Mainzer Rosenmontagszug heim. Dabei hatte es zu Beginn noch richtig gut ausgesehen: Die Sonne kam heraus, Petrus schien mit den Narren mitzulachen, alles schien gut – doch das dicke Ende kam hinten raus. Ab etwa 14.00 Uhr brach ein wahres Unwetter über Mainz herein, es schüttete und windete immer wieder – der eisige Regen vertrieb die Narren am Ende in Scharen. Rund 450.000 Zuschauer kamen nach Angaben des Mainzer Carnevals-Vereine (MCV) nach Mainz, um den 117. Mainzer Rosenmontagszug zu sehen – den 68. nach dem Zweiten Weltkrieg. Das waren weniger als die Jahre zuvor, was womöglich am Wetter lag. Wegen der massiven Sturmwarnungen hatten die Verantwortlichen sogar eine Absage prüfen müssen – es kam Gott sei Dank nicht dazu. Mainz& hatte ohnehin einen besonderen Tag: Wir durften auf dem Aktivenwagen des Karneval Clubs Kastel (KCK) mitfahren – hier unsere Reportage.

Gute Stimmung auf dem KCK-Aktivenwagen mit Detlev Schönauer und dem „Deutschen Michel“ Bernhard Knab. – Foto: gik

„Kapp‘ fliegt!“ schallt der Warnruf durch den Wagen. Es ist kurz vor 12.00 Uhr, die Hände fliegen an die Kopfbedeckungen, die bangen Blicke gehen zum Himmel. Dort oben jagt Petrus gerade dunkle Wolken über den Mainzer Himmel, die Frage des Tages: hält das Wetter? Trotz Sturmwarnung entschloss sich der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) am Sonntagabend, den großen Mainzer Rosenmontagszug nicht abzusagen. „Richtig“, finden die Aktiven hier beim Karneval Club Kastel (KCK), alle sind gut gerüstet mit warmen Jacken.

„Helau“ schallt es durch die Mainzer Neustadt, am Aufstellungsort in der Goethestraße herrscht reger Betrieb. Man kennt sich, man grüßt sich – die Fastnachter sind eine einzige große Familie. Direkt gegenüber steht der Gonsenheimer Carnevals-Verein, der GCV präsentiert stolz seinen neuen Wagen: Nachdem eine Brandstiftung in Mainz-Bischofsheim den alten Wagen der GCV-Technik vernichtet hatte, erwarben die Gonsenheimer den alten fastnachtswagen der Konfettis. Nun steht das alte Gefährt in neuem Farbenkleid da und strahlt in der Sonne – Ende gut.

Da wartete die Zugente noch frohgemut auf ihren Einsatz – kurz nach ihrem Start machte sie allerdings wieder schlapp. – Foto: gik

Apropos Ende: Die Zugente steht zu diesem Zeitpunkt noch frohgemut am Eingang zur Boppstraße und wartet auf ihren Einsatz. Der VW-Käfer unter dem Entlein wurde runderneuert – dich Pustekuchen: Nach wenigen Hundert Metern gab das Innere auf, die Zugent(d)e wurde fortan schmerzlich vermisst. Was ein Malheur!

In der Goethestraße sammeln sich derweil die KCK-Aktiven um ein anderes Gefährt: Der Verein hat einen neuen Fastnachtswagen, der Nachthemdenwagen hatte an Fastnachtssamstag beim AKK-Umzug seinen Probelauf, nun steht die Jungfernfahrt bevor. Und eigens dafür ist der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gekommen – der oberste Mainzer Hirte segnet den neuen Fastnachtswagen. „Herr und Gott, segne diesen Wagen, der den Menschen Freude bringen soll“, betet Kohlgraf inmitten des Trubels, „und beschütze alle vor Unglück und Schaden, die ihn lenken und darauf bei den Fastnachtsumzügen mitfahren.“

Bischof Peter Kohlgraf segnet den KCK-Nachthemdenwagen. – Foto: gik

Und der Bischof findet genau die richtigen Worte für den Anlass: Gerade an einem Tage, wo das Wetter den Narren Kummer bereite, „spüren wir wie gut es ist, um den Segen Gottes zu bitten“, sagt Kohlgraf. Und dann betete er noch den Psalm 91, in dem es heißt: „Der Herr ist Deine Zuflucht, Du hast Dir den Höchsten als Schutz erwählt. Dir begegnet kein Unheil, kein Unglück naht Deinem Zelt.“ Es war ein fast schon prophetischer Spruch. Bischof Kohlgraf hatte sich aber nicht nur für die Segnung des Wagens ins Narrentreiben gestürzt, er fuhr auch auf dem Komiteewagen des KCK mit – und überwachte das bunte Treiben von höchster Warte aus sozusagen.

Sonne strahlt, Narren lachen, da war der Rosenmontagszug noch eine große Party – es freuten sich die Altrheinstromer Andreas Mayer, Uwe Hager und Thomas Wucher. – Foto: gik

„Wir fahren!“ ruft einer auf dem Aktivenwagen – tatsächlich: Es geht los! Vor uns in den Seitentaschen des Wagens liegt tonnenweise Wurfmaterial, Verpflegung ist auch reichlich an Bord. „Wenn’s rollt, winken wir, wenn wir stehen, trinken wir“, erklärt Uwe Hager, einer der drei Altrheinstromer, mit einem Augenzwinkern. Es ist eine gute Regel, denn das Trinken ist tatsächlich nötig: das viele Rufen und Winken macht die Kehle trocken, da ist Flüssigkeit hochwillkommen – und das durchaus auch jenseits des Alkohols. Schon in der Goethestraße donnern die Helaus, der Zug beginnt schon vor dem Zug – hier jubeln die Aktiven der anderen rund 8.600 Teilnehmer einfach sich gegenseitig zu.

Für die Altrheinstromer Uwe, Hager, Thomas Wucher und Andreas Mayer ist es ohnehin ein Festtag. Seit 27 Jahren steht das Gesangstrio schon gemeinsam auf der Fastnachtsbühne, ihr Markenzeichen sind die fantastischen Kostüme und natürlich gute Musik. Bei der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ waren sie dieses Jahr nicht dabei, macht ihnen das was aus? „Ach was“, sagt Andreas Mayer, „wir hatten so eine sensationelle Kampagne, waren schon 16 Mal im Fernsehen.“ Die Fahrt auf dem Aktivenwagen an Rosenmontag, neben der Bühne ein weiteres Highlight: „Wenn die da unten winken, Deinen Namen rufen, Deine Lieder singen – das ist das Höchste“, sagt Andreas.

Es lacht der Himmel, „Moguntia“ Johannes Bersch grüßt das Narrenvolk. – Foto: gik

Der Wagen rollt, die erste Kurve ist da – und schon hier sind die Straßen voller Menschen. Narren drängen sich, Arme strecken sich uns entgegen, das Helau will nicht enden. Die Süßigkeiten fliegen zick-zack, der Wind kommt in Böen, ein kleiner Ast landet zu unseren Füßen. „Die Sonne kommt raus, ich fass es nicht!“, ruft Andreas. Rund um die Christuskirche ist Narrenzeit pur, die Stimmung am Siedepunkt. Hinter uns die Guggemusik, vor uns rollt Angela Merkel mit dem lahmen GroKo-Gaul – jetzt ist Rosenmontag, Fassenacht in Mainz! „Geil“, sagt Fabian, der 14-Jöhrige ist zum ersten Mal dabei und half in der Kampagne beim Bühnenaufbau mit, „einfach nur geil.“

Das Vergnügen hält bis zum Dom: Ausgerechnet auf der Ludwigsstraße, direkt vor Fernsehkameras und Ehrentribüne, geht ein eisiger Schauer nieder, in Windeseile sind alle nass bis auf die Knochen. „Bäh“, sagt einer, „das hätte ich jetzt nicht gebraucht.“ Schlapp machen gilt nicht, unten stehen die Narren und jubeln uns zu, obwohl der Regen jetzt in dichten Schüben kommt. Die Jacken sind durchnässt, unten fliehen die Narren unter alles, was ein Dach hat – egal. Werfen, Winken, Werfen, Helau rufen. Nach dem Dom fliegen wir durch Rheinallee und die Altstadt-Tangente entlang, der Zug stockt jetzt nicht mehr, alles wird ein Rausch, ein Fliegen, ein Jubeln.

Am Ende trüben dunkle Wolken und viel Regen das Vergnügen – aber ach was: Fastnacht ist nur einmal im Jahr! – Foto: gik

Das Wetter, es wird nicht richtig besser. Dunkle Wolken am Himmel, patschnasse Straßen und Narren unten vor dem Wagen – wie schade. Keine Pferde, keine Fahnen hatte der MCV schon am Vortag aus Sicherheitsgründen beschlossen, am Ende blieben auch die Schwellköppe im Depot. Doch der Zug rollt, die Motivwagen halten Stand, die Narren feiern, trotz allem. „Es war richtig gut“, zog MCV-Sprecher Michael Bonewitz am frühen Nachmittag schon einmal Bilanz, „wir haben die Lage richtig eingeschätzt.“

Nass sei es gewesen, manchmal auch böig, doch es gab weder Unfälle noch große Windprobleme. Eine kurze Schrecksekunde ganz am Anfang, für die der Zug kurz gestoppt wurde, entpuppte sich als flatternde Plane – die Nachricht von einem herabgestürzten Dachziegel sie falsch gewesen, berichtete die Mainzer Polizei hinterher.

Großer Spaß, tolles Erlebnis: Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein durfte die KCK-Aktiven durch den Rosenmontagszug begleiten, hier mit Johannes Bersch. – Foto: gik

So blieb es zumindest während des Zuges vergleichbar ruhig, vielleicht lag auch das am Regen. Ab 15.00 Uhr vertrieben weitere eisige Schauer die Narren zunehmend vom Zugrand, auch die Ehrentribüne am Theater war leer gefegt. „Was für ein Wechselspiel“, seufzt ein KCK-Aktiver, die Nachbarin zuckt nur mit den Schultern: „Typisch Rosenmontag.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum 68. Mainzer Rosenmontagszug lest Ihr hier bei Mainz&, alles zu den Mainzer Motivwagen 2019 könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Ein Video von der Segnung des Nachthemdenwagens durch Bischof Kohlgraf haben wir hier auf unserer Facebookseite gepostet.

 

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5,81 Millionen Zuschauer bei „Mainz bleibt Mainz“ – Fernsehsitzung mit Tagessieg, aber Quotentief – Unmut bei Narren

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5,81 Millionen Menschen haben am Fastnachtsfreitag die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ gesehen. Damit sei die Fernsehfastnacht die meistgesehene Sendung an diesem Tag in Deutschland gewesen und auf einen Marktanteil von 22,7 Prozent gekommen, teilte der SWR mit. Allerdings waren die 5,8 Millionen zugleich die schwächste Einschaltquote bei „Mainz bleibt Mainz“ seit Jahren: zuletzt fielen die Zuschauerzahlen bei der Mutter aller Fernsehsitzungen im Jahr 2014 unter die 6-Millionen-Marke. 2018 hatten noch 6,42 Millionen bei „Mainz bleibt Mainz“ im ZDF eingeschaltet, jetzt landete die Sendung im Quotentief. Viel Kritik gab es in den sozialen Netzwerken vor allem an der Technik: Kameraführung und große Tonprobleme im ersten Drittel sorgten für harsche Kritik, ebenso das unsensible Abwürgen des Sassa-Hits am Ende der Sendung. Nicht gut kamen auch Redner wie Detlev Schönauer und Andy Ost an, bei ihnen fiel nach Mainz&-Informationen die Quote um mehrere Hunderttausend Zuschauer.

Johannes Bersch war mit seiner „Moguntia“ der Star von „Mainz bleibt Mainz“ 2019. – Foto: gik

Fakt ist: „Mainz bleibt Mainz“ bleibt der absolute Quotenhit im bundesdeutschen Fernsehen und auch weiter die meistgesehene Fastnachtssendung im Fernsehen. 5,81 Millionen Zuschauer meldete der Südwestrundfunk in diesem Jahr – das muss man erst einmal schaffen. 22,7 Prozent Marktanteil, das bedeutete den Tagessieg. Es sei „gelungen, eine Tradition erfolgreich fortzuführen und dabei neue Akzente zu setzen“, sagte Christoph Hauser, zuständiger Programmdirektor des Südwestrundfunks: „Mainz bleibt Mainz“ sei „eine moderne Kultsendung.“

„Wir haben bestens aufgelegte Akteure gesehen“, freute sich auch der verantwortliche SWR-Redakteur Günther Dudek, und sprach von einem „gelungenen Abend“. Man habe der Republik gezeigt, was die typische Mainzer Saalfastnacht ausmache, vor allem die politisch-literarischen Redner hätten geglänzt. Mit Johannes Bersch habe sich gezeigt, „dass immer wieder neue Gesichter den Weg auf die Bühne der Fernsehfastnacht finden“, betonte Dudek: „Er wird auch in den kommenden Jahren sicher eine Bereicherung für die Mainzer Fastnacht sein.“ Das „vielfältige, aktualisierte Programm, die Stimmung zwischen Bühne und Publikum, die Ausgelassenheit im Kurfürstlichen Schloss – all das hat die Zuschauer erneut begeistert“, meinte auch Hauser.

Stimmungsmäßig erneut kein Hit: „Lehrer“ Detlev Schönauer bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019. – Foto: gik

Das aber stimmte nur teilweise: Gleich zu Beginn der Fernsehsitzung hagelte es in den sozialen Netzwerken harsche Kritik am Ton: Der Sound aus dem Kurfürstlichen Schloss zu Mainz wurde weithin an den Fernsehgeräten als „sehr dumpf und sehr schlecht abgemischt“ empfunden – so ein Mainz&-Leser auf Twitter -, das sei „eher so Radio Eriwan Schwarzempfang mit nem Kochtopf und ner Angelschnur“, schrieb gar ein Kommentator. Für zahlreiche Scherze sorgte auch, dass gleich zu Beginn ein Kameramann dick im Bilde war, ein bislang von den Fernsehmachern eher unbekannter Patzer. Hektische Kameraschnitte zu Beginn sorgten ebenso für Kopfschütteln wie die Tatsache, dass der Zuschauer gar live mitverfolgen konnte,  wie sich Christian Schier und Michael Emrich als „grantelnde Alte“ am Komitee vorbei auf ihre Plätze zu schleichen versuchten.

Auf nicht so unbedingt viel Gegenliebe der Zuschauer stieß auch das spontan zusammengestellte Duo Florian Sitte als „Angela Merkel“ und Helmut Schlösser als „AKK“. Obwohl Sitte in der Kampagne in den Mainzer Sälen abräumte wie kaum ein anderer Redner, blieb er bei seinem abgeänderten Vortrag am Freitag blass – was von vielen kundigen Zuschauern als echter Verlust gesehen wurde. Auch das Duett mit Schlösser funkte trotz deutlicher Straffung im Vergleich zur Generalprobe am Mittwoch nicht wirklich – zum Highlight der Sendung wurden andere. Gefeiert wurde am Abend und danach vor allem Johannes Bersch, dessen „Moguntia“ als neuer Stern am politischen Narrenhimmel gefeiert wurde. Bisher habe es ja eine große Lücke nach dem Tode des „Bundestagsboten“ Jürgen Dietz gegeben, „heute ist sie ein großes Stück kleiner geworden“, schrieb Mainz&-Leser Matthias Slovig auf Twitter.

Reaktionen von Zuschauern auf das abrupte Ende von „Mainz bleibt Mainz“ 2019 – mitten im Kult-Lied „Sassa“. – Foto: gik

Viel Lob gab es auch für Protokoller Erhard Grom, auch Lars Reichow kam mit seinem Vortrag in diesem Jahr wieder sehr gut an. Einen Abbruch gab es hingegen bei Andy Ost: Hier schaltete nach Mainz&-Informationen eine erhebliche Menge von Zuschauern ab, obwohl Ost im Saal sehr gut ankam. Scharfe Kritik gab es danach an Kabarettist Detlev Schönauer: Dass der in reinstem Saarländisch in seinen Vortrag startete, wurde von vielen als ausgesprochen unpassend empfunden – es wurde im Verlauf nicht besser: „Schön-aua“, kommentierten die einen, „bitte nie wieder“, schrieben andere. „Ohne sein Schmalzlied am Ende wäre dieser Schönauer meines Erachtens nur abgesoffen“, kommentierte ein Mainzer auf Facebook: „Der bis dahin einzige Beitrag, bei dem die Leute eher zögerlich aufstanden, das sollte den TV-Leuten mal zu denken geben.“ Tatsächlich räumten praktisch alle anderen Redner Standing Ovations ab.

Eines aber erwies sich deutlich: Alle Vorträge, an denen auf Wunsch des Südwestrundfunks erhebliche Änderungen über die üblichen Kürzungen hinaus vorgenommen wurden, litten darunter. Das betraf Ost ebenso wie Sitte, aber auch die Prinzengarde mit ihrem Männerballett (die nicht zu ihrem gewohnten Marsch tanzen durfte) und die Schnorreswackler: Deren zwei Gesangseinlagen aus dem Saal heraus kamen zwar gut an, blieben aber weit hinter dem zurück, was der Gesangstruppe sonst an Ovationen entgegen schlägt. Dazu waren die Texte kaum zu verstehen, der SWR hatte es trotz vergleichbarer Probleme bei der Närrischen Generalprobe am Mittwoch nicht geschafft, die Probleme auszuräumen. Das Fazit vieler Fastnachter, mit denen Mainz& nach der Fernsehsitzung gesprochen hat, lautete: Gewisse Anpassungen ans die Notwendigkeiten des Fernsehens sind ja ok – aber solch große Eingriffe in Vorträge darf es nicht geben, schließlich sind die Redner keine Profis, sondern noch immer Laien.

Wurden bei ihrem ersten Auftritt bei „Mainz bleibt Mainz“ höchstens zur Hälfte gezeigt: das Prinzengardeballett. – Foto: gik

Keinerlei Tonprobleme gab es dann am Ende – bei „Obermessdiener“ Andreas Schmitt. Der wortgewaltige Schlussredner donnerte eine gewaltige predigt in den Saal, und riss die Zuschauer im Saal und an den Fernsehbildschirmen von den Stühlen. Minutenlang feierte gar das Publikum im Saal Schmitt mit „Oh wie ist das schön“-Ovationen, dass solche Sternstunden der Fernsehfastnacht gnadenlos abgewürgt werden, kam bei den Zuschauern gar nicht gut an. Besonders stark regten sich viele dann über den Abschluss auf: Dass der SWR mitten im Schlusslied „Sassa“ der Mainzer Hofsänger einfach abschaltete, sorgte fast schon für eine Revolte. „Seid Ihr denn verrückt, einfach auszublenden?“, fragte eine Zuschauerin entsetzt auf Twitter. „Bitte den unsensiblen Abwürger rauswerfen. Sassa muss sein“, forderte gar ein anderer. „Erst ausblenden, und dann irgendwelche blöden Trailer senden“, regte sich ein Dritter auf.

Fazit: In dieser Form wird „Mainz bleibt Mainz“ seine einstigen Spitzenzahlen bei den Zuschauern nicht halten können – von der Gewinnung neuer Zuschauer ganz zu schweigen. Auswertungen zufolge schalteten vor allem jüngere Zuschauern in Scharen ab oder gar nicht erst ein – kein Wunder, waren doch junge, fetzige Musikbeiträge, wie es sie in der Mainzer Fastnacht inzwischen zuhauf gibt, praktisch völlig außen vor geblieben.

Da half auch das Prinzengardeballett nicht wirklich: „Wäre schön gewesen, die bei ihrer Premiere auch mal zu sehen“, kommentierte eine Zuschauerin ironisch die Kameraführung, denn die konzentrierte sich über weite Strecken auf Sänger Thomas Neger. Zudem stellte sich die Frage, warum die Männertruppe auf „Meenz bleibt Meenz“ tanzen musste anstatt auf ihrem Gardemarsch – wenn die Fernsehmacher den Titelsong der Mainzer Fernsehfastnacht unbedingt drin haben wollen, könnten sie einfach darauf verzichten, das große Finale am Ende zu kastrieren. Insgesamt braucht „Mainz bleibt Mainz“ dringend ein Durchschütteln der Rednerriege, das Konzept des „Wir nehmen mal die Gleichen wie immer“ ist genauso wenig aufgegangen wie der Versuch, das Ganze mit zusätzlichen Inhalten aufzupeppen. Und ja, das war jetzt ein analytischer Kommentar 😉

Info& auf Mainz&: Mainz& war live bei der „Närrischen Generalprobe“ von „Mainz bleibt Mainz“ am Mittwoch zuvor dabei, unseren Bericht von dieser Sitzung, die ebenfalls als vollständige Sendung aufgezeichnet wird, findet Ihr hier – die Probleme vom Freitag gab es da bereits.

 

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„Der Gardisten bunte Pracht“ – Alles rund um den 68. Mainzer Rosenmontagszug 2019 – Rund 8.600 Teilnehmer, großflächiges Glasverbot

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Und natürllich durften die Musikgruppen der Garden nicht fehlen. - Foto: gik

Großes Aufatmen am Sonntag in Mainz: Der 68. Mainzer Rosenmontagszug findet statt! Nach tagelangem Bangen gaben die Verantwortlichen des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV) am Sonntag Entwarnung: Der große Narrenumzug kann pünktlich um 11.11 Uhr starten und fast wie geplant rollen. Lediglich Pferde, Fahnen und Schilder müssen zuhause bleiben. 8.665 Teilnehmer sind für den großen Mainzer Rosenmontagszug 2019 angemeldet, es ist der 68. Rosenmontagszug nach dem Zweiten Weltkrieg und der 117. in der Historie der Stadt insgesamt. Der Mainzer Umzug ist der Höhepunkt der Narrenzeit und gehört gemeinsam mit Köln und Düsseldorf zu den drei größten Narrenumzügen Deutschlands. In diesem Jahr lautet das Motto: „Der Gardisten bunte Pracht, erfreut ganz Meenz an Fassenacht.“

„Der Gardisten bunte Pracht“ – den Garden ist in diesem Jahr das Motto des 68. Mainzer Rosenmontagszuges gewidmet. – Foto: gik

Die Mainzer Garden entstanden im 19. Jahrhundert als Persiflage vor allem auf das preußische Militär, die älteste Mainzer Garde, die Ranzengarde, wurde bereits 1837 gegründet. Als Spottgarde auf die „Langen Kerls“ des preußischen Königs Friedrich I. schrieb man vor, dass die närrischen Gardisten mindestens sechs Fuß Bauchumfang haben müssen – auf Meenzerisch „Ranzen“ genannt. Bis heute geben die mehr als zwei Dutzend Mainzer Garden der Mainzer Fastnacht ein buntes Gesicht.

132 Zugnummern zählt der 68. Mainzer Rosenmontagszug in diesem Jahr, dabei rollen 157 närrische Wagen mit, gezogen zumeist von 142 Traktoren und Zugmaschinen. Die angemeldeten 100 Pferde werden nun nicht dabei sein, auch auf die traditionellen rund 50 Fahnenträger müssen die Zuschauer wegen der immer noch geltenden Sturmwarnungen verzichten. Ob die beliebten Mainzer Schwellköpfe, Wahrzeichen der Mainzer Fastnacht, mitlaufen können, will der MCV am Montagvormittag entscheiden. 8.660 Teilnehmer waren im Vorfeld angemeldet, das waren erneut weniger als im Vorjahr, als 8.800 Teilnehmer auf der Liste des Zugmarschalls standen.

7,2 Kilometer lang ist der Zugweg kreuz und quer durch die Mainzer Innenstadt. Los geht es um 11.11 Uhr an der Boppstraße in der Mainzer Neustadt, von dort führt der Zug die Kaiserstraße hinunter und um die Christuskirche, führt über die Bauhofstraße in die Große Bleiche und über die Große Langgasse zur Ludwigsstraße. Die Zugspitze erreicht die große Ehrentribüne auf der LU gegen 12.15 Uhr, dann beginnt dort auch die Fernsehübertragung. Mehr zum Zugweg des Mainzer Rosenmontagszuges samt einer genauen Karte und Tipps zu Standorten zum Gucken findet Ihr hier bei Mainz&. Den Abschluss des Zuges bildet traditionell die Zugente, das beliebte gelbe Entchen wurde runderneuert und rollt jetzt mit voller Power – mehr dazu hier.

Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt der Fastnacht, das rauschende Highlight der Narretei. – Foto: gik

Der Umzug setzt sich dann über die Domplätze zur Rheinstraße fort, umrundet die Mainzer Altstadt und erreicht gegen 13.30 Uhr Schillerplatz und Münsterplatz. Fünf Stunden lang tobt das Spektakel durch die Landeshauptstadt – wenn sich die Zugspitze am Münsterplatz bereits auflöst, sind die letzten Teilnehmer noch nicht einmal losgelaufen. Das Ende des Umzuges ist gegen 16.30 Uhr dann am Münsterplatz erreicht. Gut 450.000 Euro kostet das gesamte Spektakel den MCV inzwischen, zur Finanzierung sind deshalb die Zugplakettcher unerlässlich. Die kleinen Umhängefiguren gelten in Mainz als „Eintrittskarte“ – obwohl es natürlich keinen Eintritt in die Stadt gibt -, in diesem Jahr sind es natürlich drei Gardisten der Ranzen-, Füsilier und Prinzengarde.

Für die Sicherheit sorgen wieder zwei Kilometer an Sperrgittern, dazu rund 1.000 Polizisten im gesamten Mainzer Stadtgebiet. Wie schon in den Vorjahren, werden auch dieses Jahr wieder große Lkw oder Müllwagen an neuralgischen Punkten für Sperren gegen Amokfahrer sorgen. Für die gesamte Mainzer Innenstadt gilt zudem wieder ein Fahrverbot für Lkw ab 3,5 Tonnen von 8.00 Uhr morgens bis 19.00 Uhr. Auch für den Individualverkehr ist die Innenstadt ab etwa 8.00 Uhr morgens kaum noch zu durchfahren: Die ersten Gitter werden ab 7.00 Uhr morgens gestellt, von da an muss mit wachsenden Beeinträchtigungen im Verkehr gerechnet werden.

Aktuelle Karte für das Glasverbot an Rosenmontag 2019 in der Mainzer Innenstadt. – Grafik: Stadt Mainz

Die Rheinstraße ist wegen des Aufbaus von Gittern zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Salvatorstraße bereits um 8.15 Uhr geschlossen und wird voraussichtlich erst um 18.00 Uhr nach erfolgter Reinigung wieder geöffnet werden. Anwohner können als Anlieger vor/nach dem Zug die Altstadt aus Richtung Rathaus bis zur Templerstraße erreichen. Bis 10.00 Uhr ist dann die Stadt von der Holzhofstraße bis Kaiser-Karl-Ring vollständig für den Individualverkehr gesperrt, auch Parkhäuser sind dann nicht zu erreichen. Die Kaiserstraße ist dann ebenfalls bereits dicht, geöffnet wird die wichtige Durchfahrtstraße spätestens ab 18.00 Uhr wieder – wenn der riesige Reinigungstrupp der Stadt Mainz, das berühmte Müllmännerballett, die Straßen wieder frei von Dreck und Scherben hat. 123 städtische Mitarbeiter mit mehr als zwanzig Wagen, Reinigungsmaschinen und Radladern sind dafür am Rosenmontag im Einsatz, rund 75 Tonnen Abfall werden erwartet.

Das berühmte „Müllmännerballett“ des Mainzer Entsorgungsbetriebes sorgt unmittelbar nach dem Rosenmontagzug für die erste Beseitigung der Müllberge. – Foto: gik

450 schwere Gitter mit einer Gesamtlänge von 1350 Metern sowie 300 leichte Gitter (750 Meter) werden am „Tag der Tage“ für die Sicherheit aufgestellt. Es gilt übrigens auch ein Drohnenverbot für die Mainzer Innenstadt. Schon länger sind rund 310 Halteverbotsschilder im Innenstadtbereich aufgestellt – bitte beachtet die unbedingt, wenn Ihr nicht abgeschleppt werden wollt! Das gilt auch und insbesondere für die Mainzer Neustadt, denn hier stellt sich der gesamte Rosenmontagszug an Montagfrüh hintereinander auf. Ab 5.00 Uhr morgens kontrolliert die Stadt Mainz den Aufstellungsbereich, ab 6.15 Uhr rollt ein Lautsprecherwagen durch die Neustadt mit der Aufforderung „Steht auf, wenn Ihr Mainzer seid“ – also dazu, sein Auto jetzt bitte ultimativ wegzufahren. Ab 6.30 Uhr wird es teuer, dann wird abgeschleppt!

Rund 400 Sicherheitskräfte von Rotem Kreuz, Maltesern und anderen Hilfsdiensten sind zudem am Rosenmontag im Einsatz und sorgen entlang der Zugstrecke für Hilfe im Notfall. Der Zugweg selbst ist in 64 Hilfe-Sektoren eingeteilt, die Ihr an den großen Nummern erkennen könnt. An 17 Standorten sind zudem 32 Toilettenwagen aufgestellt, dazu acht Urinale und 18 Dixie-Toilettenkabinen. In der Altstadt findet Ihr noch einmal 14 Stehurinale und elf Dixies, dazu will der MCV noch zusätzliche 90 (!) Dixie-Toiletten quer durch die Stadt verteilt aufstellen. Man investiere einen zusätzlichen vierstelligen Betrag für Toiletten, betonte MCV-Präsident Reinhard Urban im Vorfeld und versuche wirklich alles, die Belastungen mit Müll und Wildpinklern so gering wie möglich zu halten.

Wenn die Zugente kommt, ist er vorbei, der 68. Mainzer Rosenmontagszug. – Foto: gik

Im Übrigen mahnen die Veranstalter eindringlich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen, Mainzer Mobilität und Deutsche Bahn haben zahlreiche Sonderfahrten insbesondere zum Mainzer Hauptbahnhof im Programm. Und weil wir das immer wieder gefragt werden: Für Auswärtige ist Parken schwierig. Die einzigen Parkhäuser, die einigermaßen gut zu erreichen sein werden, sind das Parkhaus Cityport am Bahnhof sowie das Parkhaus am Rheinufer – ansonsten bleibt nur, sich an die Innenstadt heranzupirschen und in Stadtteilen mit gutem Bus- oder Straßenbahnanschluss zu parken. Park & Ride-Angebote von großen Parkplätzen am Stadtrand von Mainz – etwa in Kombination mit Shuttleangeboten – sind erneut nicht ausgewiesen. Im Übrigen ist die Mainzer Innenstadt auch zwischen 9.30 Uhr und 18.00 Uhr für Busse gesperrt, alle Sonderfahrpläne findet Ihr hier bei der Mainzer Mobilität.

Vorsichtig sein sollten alle Narren unterwegs aber in jedem Fall, bittet der MCV: Die Sturmwarnungen gelten nach wie vor, jeder Besucher trage „ein gewisses Maß an Eigenverantwortung“. Auf dem Schillerplatz und der Ludwigsstraße, am Höfchen und in Teilen der Großen Langgasse gilt zudem im gesamten Feierbereich wieder ein Glasverbot – die unteren Domplätze sind davon allerdings ausgenommen.

Info& auf Mainz&: Der 68. Mainzer Rosenmontagszug setzt sich um 11.11 Uhr am Montag, den 4. März 2019 in Bewegung. Mehr zur Nicht-Absage des 68. Mainzer Rosenmontagszuges lest Ihr hier bei Mainz&, alles rund um die genaue Zugstrecke gibt es hier. Informationen über Sonderfahrpläne findet Ihr hier bei der Mainzer Mobilität. Zuginfos ins Rheinhessische gibt es hier beim RNN und beim RMV in Richtung Hessen.

 

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E I L — Mainzer Rosenmontagszug findet statt – Närrischer Lindwurm rollt mit Einschränkungen um 11.11 Uhr – Keine Pferde, keine Fahnen

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Den Narren gehört die Straße! - Foto: gik

Der Mainzer Rosenmontagszug wird morgen wie vorgesehen rollen. Der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) teilte am Sonntagnachmittag mit, man werde den Umzug trotz Sturmwarnungen stattfinden lassen. Die Prognosen seien „hin und her gegangen, mal Orkan, mal Sturm, mal Böe“, teilte der MCV mit. „In jedem Fall gab es bislang keine eindeutige Voraussage“, betonte MCV-Präsident Reinhard Urban. Der MCV habe deshalb gemeinsam mit Sicherheitsexperten und Meteorologen beraten und schließlich beschlossen, den Zug rollen zu lassen. Allerdings wird es wie auch in Köln Einschränkungen geben: Pferde müssen zuhause bleiben, auch Fahnen dürfen nicht mitgebracht werden.

Der 68. Mainzer Rosenmontagszug wird stattfinden, trotz Sturmwarnung soll der Umzug wie geplant rollen. – Foto: gik

Es war offenbar keine einfache Entscheidung: Seit Tagen hatten Meteorologen bereits vor einem Sturmtief über dem Atlantik gewarnt: „Bennet“ werde ausgerechnet am Rosenmontag von Westen her nach Deutschland hereinziehen, dann drohten sich abspaltende Tiefausläufer mit „verbreitet und wiederholt stürmischen Böen“ samt Schauern und Gewittern, die bis zu 100 Kilometer pro Stunde erreichen könnten, so etwa der Deutsche Wetterdienst. Das Problem: Die Vorhersagen blieben bis zuletzt reichlich unklar, vieles widersprach sich auch.

Während der Wetterdienst „Kachelmannwetter auf seinen Vorhersagekarten am Samstag für Mainz in Rheinhöhe noch von Wind bis zu 60 Stundenkilometern Stärke ausging, warnte Chef Jörg Kachelmann am Sonntagmittag auf Twitter vor Risiken: „Es ist ein Riesenscheiss, anders kann mans nicht sagen“, schrieb Kachelmann auf Twitter: „Es ist eine Frage der Bewertung.“ Die Veranstalter müssten entscheiden, ob sie ein Restrisiko tragen wollten oder nicht.

Entsprechend schwer tat sich der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) mit seiner Entscheidung: Erst um 15.40 Uhr teilte der Verein mit, der Mainzer Rosenmontagszug finde statt. Seit Tagen habe man sich in permanentem Austausch mit dem Deutschen Wetterdienst und mit den zuständigen Ämtern und Behörden befunden, hieß es vom Verein. Die Prognosen seien aber ständig hin und her gegangen. „Mal Orkan, mal Sturm, mal Böen – in jedem Fall gab es bislang keine eindeutige Voraussage“, sagte MCV-Präsident Reinhard Urban, „so dass wir nach jeder Prognose wieder neu beraten haben.“

Fahnen, Schilder und Pferde müssen allerdings in diesem Jahr zuhause bleiben beim 68. Mainzer Rosenmontagszug. – Foto: gik

Am Sonntagnachmittag dann die Entscheidung: Ja, der Zug findet statt. Um 11.11 Uhr wird er sich an der Boppstraße in Bewegung setzen, die Narren können aufatmen. „So, wie wir das einschätzen, glauben wir, dass wir den Zug durchführen können“, sagte MCV-Sprecher Michael Bonewitz gegenüber Mainz&. Der große Unterschied zur Absage 2016 sei: „Letztes Mal war Orkan gemeldet, jetzt ist Sturm angesagt, das sind andere Windstärken als 2016“, betonte Bonewitz. Auch seien vor drei Jahren gefährliche Fallwinde vorhergesagt gewesen, auch das sei dieses Mal nicht der Fall.

Für den MCV wäre eine Absage des Mainzer Rosenmontagszuges nichts weniger als eine Katastrophe gewesen: 2016 war der Umzug wegen Sturmtief Ruzicka abgesagt worden, 400.000 Euro hatte der Umzug damals gekostet – der Verein blieb auf einem Großteil des Geldes sitzen, unter anderem weil Sponsorengelder nicht flossen. 2018 geriet der MCV dann in erhebliche finanzielle Turbulenzen, der Verein schrieb drei Jahre in Folge rote Zahlen – auch wegen Missmanagement -, im Sommer 2018 drohte gar die Zahlungsunfähigkeit wegen fehlender Liquidität. Eine erneute Absage in diesem Jahr hätte dem schwer angeschlagenen Verein das Rückgrat brechen können – damit aber hätte die gesamte Mainzer Straßenfastnacht vor dem Aus gestanden.

Dass der Mainzer Rosenmontagszug nun stattfinden kann, dürfte deshalb für erhebliches Aufatmen im MCV-Haus sorgen. Allerdings beschloss der MCV, ebenso wie die Jecken in Köln, einige Einschränkungen vorzunehmen – denn Sturm ist noch immer angesagt. So wurde entschieden, auf die Mitnahme von Pferden ganz zu verzichten, in Mainz betrifft das vor allem die Prinzengarde, die traditionell mit einem großen Pferdecorps im Zug dabei ist. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte Harald Faerber, Generalfeldmarschall und Vizepräsident der Mainzer Prinzengarde: „Wir alle, die wir am Rosenmontagszug mitreiten, haben ein enges Verhältnis zu unseren Pferden und gerade weil wir uns dem Tierwohl verpflichtet fühlen, haben wir uns einstimmig dafür entschieden, die Tiere unter diesen Rahmenbedingungen nicht mitzunehmen.“

Erleichterung in Mainz: Der Rosenmontagszug 2019 kann rollen. – Foto: gik

Pferde scheuen leicht, ein durchgehendes Pferd wegen Windböen wollten die Verantwortlichen nicht riskieren. Zuhause bleiben müssen derweil auch alle Fahnen oder größeren Schilder: „Alles, was mit Wind in Problemen geraten kann“, dürfe nicht mitgenommen werden, sagte Bonewitz. Ob dass auch für die traditionellen Schwellköppe gilt, werde am Montagmorgen entschieden. Die elf Mainzer Motivwagen mit den politischen Karikaturen werden hingegen mitrollen: Die Mainzer Konstruktionen aus Styropor und Eisenstangen sind so robust gebaut, dass ihnen bei einfachen Sturmstärken keine Gefahr drohe, sagte Bonewitz.

Standbetreiber und Techniker hätten zudem in den vergangenen Tagen die Anweisung erhalten, sämtliche Buden, Stände, Bühnen, Tribünen, Zelte, Banner und Ähnliches entsprechend wetter- und windfest zu arretieren und anzuspannen. „Wir erweitern diesen Hinweis an alle Stand- und Budenbetreiber oder auch an Privatpersonen, die Zelte oder ähnliches entlang der Strecke aufstellen wollen, auch wenn diese nicht in den Verantwortungsbereich des MCV fallen“, sagte Urban. Es sei „ein Appell der Vernunft und ein Akt der Vorsorge“, alles, was durch eine Windböe losgerissen werden könne, entsprechend sicher zu befestigen. Ganz unabhängig von der Wetterlage, so der MCV weiter, trage jeder Besucher und jede Besucherin grundsätzlich ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit, Hinweise auf etwaige Gefahrenstellen seien ausdrücklich erwünscht.

„Wir wissen, dass viele der über 8.000 Teilnehmer am Rosenmontagszug auf diesen Tag das ganz Jahr hinfiebern“, betonte Bonewitz. Ob Garden, Vereine, Musikcorps oder Tanzgruppen, der Rosenmontagszug sei „eine wunderbare Brauchtumsveranstaltung, die ein Teil der Mainzer Lebensart verkörpert.“ Man wünsche sich deshalb dass auch der 117. Rosenmontagszug seit Gründung des Mainzer Carneval-Vereins 1838 e.V. sicher und närrisch die rund sieben Kilometer lange Strecke absolvieren werde.

Info& auf Mainz&: Mehr zum 68. Mainzer Rosenmontagszug nach dem Zweiten Weltkrieg lest Ihr in Kürze hier auf Mainz&. Dass die Mainzer Zugente runderneuert mitrollen wird, das könnt Ihr hier auf Mainz& schon mal nachlesen. Mehr über die Absage des Mainzer Rosenmontagszuges im Jahr 2016 lest Ihr hier.

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Mainzer Zugente runderneuert einsatzbereit – Liebling der Narrenschar macht am Rosenmontag traditionell den Abschluss des Zuges

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Mainz&-Kalender 2019: Es Zugentchen rollt und rollt und rollt.... - Foto: gik

Sie ist der Liebling des Narrenvolks, der heimliche Star des Mainzer Rosenmontagszuges: Seit 1990 markiert die Zugente den Abschluss des Mainzer Rosenmontagszuges. Was viele nicht wissen: Das große gelbe Entchen hat als Basis einen alten VW-Käfer – und der machte in den vergangenen Jahren das eine ums andere Mal schlapp. Kein Wunder, hat das tuckernde Gefährt doch Baujahr 1973, vor einigen Jahren stotterte deshalb der Motor so sehr, dass die Zugente sogar am Rosenmontag passen musste. Seither bangt Mainz jedes Jahr mit der Frage: Schafft die Zugente den Rosenmontagszug? In diesem Jahr gibt es Entwarnung: Ja, sie rollt – und sie ist sogar richtig fit!

Geliebter Schlusspunkt im Rosenmontagszug: Die Zugent(d)e darf einfach nicht fehlen! – Foto: gik

Im vergangenen Jahr habe sich die Firma Auto-Schmidt aus Meisenheim spontan bereit erklärt, den Motor wieder zum Laufen zu bringen, berichtete der Sprecher des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV), Michael Bonewitz nun. Und das sei dann auch geschehen: die Meisenheimer Werkstatt habe den Motor des alten Käfers komplett ausgebaut, generalüberholt, die Zündanlage erneuert und eine neue Kupplung eingebaut. „Nun schnurrt der Käfer unter der Ente und alle sind glücklich, dass die Ente in diesem Jahr runderneuert den Zugweg absolvieren darf“, teilte Bonewitz mit. Der MCV sage „Danke“ nach Meisenheim – dem schließen sich mit Sicherheit die Mainzer Narren an.

Ursprünglich habe den Abschluss des Rosenmontagszuges übrigens ein Schwellkopp in Entenform markiert, berichtet der MCV weiter. Irgendwann sei der Schwellkopp aber so schwer beschädigt gewesen, dass ein Ersatz her musste. Es war MCV-Wagenbauer Dieter Wenger, der die zündende Idee hatte: 1990 bekam er von seiner Sekretärin einen alten VW-Käfer geschenkt – und verwandelte ihn kurzerhand in die MCV-Zugente.

Ha! Da durfte das Zugentchen endlich einmal die Nummer 1 sein! 2016 war’s, beim Rheinhessenumzug im Mai. – Foto: gik

„Vom ersten Tag an war die Käfer-Ente der heimliche Star des Mainzer Rosenmontagszugs“, sagt Bonewitz. Bis heute müsse die Zugent(d)e immer mal wieder stehenbleiben, weil Besucher sich mit ihr zusammen fotografieren lassen wollten.

Und längst werden der Zugente närrische Denkmäler gesetzt: 2006 war sie das Zugplakettche für den Mainzer Rosenmontagszug, 2010 setzten ihr die Schnorreswackler ein wunderschönes musikalisches Denkmal: „Ich will nicht am Rosenmontag immer das Letzte sein, will am Rosenmontag auch mal ganz vorne sein….“, sangen die Gonsenheimer, hier ein Video auf Youtube aus „Mainz bleibt Mainz“.

2016 ging der Herzenswunsch in Erfüllung: Die Zugente eröffnete als Nummer 1 den Rheinhessen-Umzug, den Ersatz-Umzug für den ausgefallenen Rosenmontagszug. Und längst hat die Zugente auch ihre eigene Marketinglinie: Es gibt sie als Schlüsselanhänger, als Kuscheltier, als Spieluhr und natürlich auch als Badeente. Nun also tuckert der alte Käfer unter dem Entchen runderneuert daher – Mainz freut sich auf die Zugente! Und natürlich auf den 68. Mainzer Rosenmontagszug!

Info& auf Mainz&: Alles zum 68. Mainzer Rosenmontagszug lest Ihr nachher hier bei Mainz&. Wo der Zug entlang läuft, könnt Ihr hier schon mal nachlesen. Zugenten zum Kaufen gibt’s hier im MCV-Shop.

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„Wenn wir gut sind, sieht man uns nicht“ – Büttenschieber, Mikrofonträger, Regisseur, Hunderte heimliche Helfer tragen die Mainzer Fastnacht

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Wenn sich heute im Mainzer Schloss bei „Mainz bleibt Mainz“ alle Augen auf die Stars der Fernsehfastnacht richten, sind sie nicht zu sehen: die Büttenschieber und Requisitenbereitsteller, die Getränkehostessen und die Mikrofonträger. Seit Wochen tummeln sich Hunderte von Menschen jedes Wochenende in Mainz hinter Kulissen und Technikpulten, fahren Blumen oder reißen Eintrittskarten ab, organisieren Brötchen, Orden und das Bier. Applaus kriegen sie selten, und doch bliebe ohne sie die Bühne dunkel und stumm. Mainz& wollte wissen: Wie geht es hinter den Kulissen einer Fastnachtssitzung zu? Wer sind die heimlichen Helfer der Mainzer Fastnacht? Der Gonsenheimer Carnevals-Verein (GCV) hat uns ins Gedränge zwischen Maske, Requisite und Bühnenaufgang mitgenommen.

Der Gang hinter der großen Fastnachtsbühne: Beim GCV geht es hinter dem Vorhang familiär zu. – Foto: gik

„Diese Ecke hat schon viel gesehen“, sagt Stephan Schuth: Guddi Gutenberg stand hier schon und Herbert Bonewitz, Tobias Mann und Aca & Pella. Eben tigert Michael Emrich im engen Gang auf und ab, der Altmeister der Mainzer Fastnacht ist doch tatsächlich noch vor jedem Auftritt nervös. „Das muss so“, sagt Protokoller Erhard Grom, ebenfalls nicht gerade die Ruhe in Person, „man muss richtig angespannt sein, sonst wird das nix.“ Wir stehen in einem engen und sehr prosaischen Gang zwischen hohen Holzpanelen, kaum zwei Personen breit. Auf der anderen Seite der Wand: der Komiteetisch und die Bühne, ein Eigenbau. Jedes Jahr verwandelt das Bauteam des GCV die große Gonsenheimer Turnhalle in eine Narhalla mit Bühne, Gängen und Technikraum.

Links vom Gang eine niedrige Nische. Ein Schwebebalken steht da, und ein paar Fußballtore, daneben haben die Damen von der Maske drei winzige Tische geklemmt. Das Ballett wird schon mal geschminkt, dabei sind die Mädels erst in ein paar Stunden an der Reihe. „Hier ist immer ordentlich was los hinter der Bühne“, erklärt Schuth, Vorstandsmitglied beim GCV: „60 bis 70 Leute turnen hier den Abend über schon rum.“

Der GCV gehört zu den vier große Fastnachtsvereinen in Mainz, wer hier auftritt, gehört zur Crème der Mainzer Fastnachtsszene, hat sogar Chancen auf die Fernsehfastnacht. „Der Werner ist der wichtigste Mann hier“, sagt Schuth, „egal ob Ballettmädchen oder Rednerstar – beim Werner sind alle gleich.“

GCV-Sitzung läuft, Protokoller Erhard Grom lugt nervös durch den Vorhang auf die Bühne in der Gonsenheimer Turnhalle. – Foto: gik

Werner Weyreuther ist der Herrscher über die drei großen Kühlschränke und über den Provianttisch hinter der Bühne. Der 76-Jährige hat heute Geburtstag, trotzdem steht er hier in dem winzigen Kabuff und spült Gläser und sorgt sich, dass nichts fehlt. Wenn der Vortrag mal schief geht, ein Redner patzt, Werner hat immer eine hilfreiche Schulter. Klar stehe er hier hinter der Bühne, wo denn sonst, sagt der Jubilar fest: „Wir sind doch eine Familie hier.“

Noch ist der Vorhang zu, auf dem Komiteetisch legen sie jetzt die Sträuße zurecht. Unter dem Platz des Sitzungspräsidenten steht doch tatsächlich eine Thermoskanne, nanu? „Ich trinke heute Abend Tee“, sagt Sebastian Grom, der Mann an der Schelle kämpft gegen eine Erkältung an. Die Kampagne ist lang, acht Sitzungen veranstaltet allein der GCV. Draußen sammelt sich die Füsiliergarde, gleich ist Einmarsch. „Wo ist das Gebläse?“ fragt das „Einhorn“, Andreas Müller ist gleich beim Eröffnungsspiel mit dabei – danach wird er für den Rest des Abends Bütt und Zubehör auf die Bühne bringen, schnell, diskret und präzise.

Die Büttenschieber und Mikrofonträger vom Bühnenteam des GCV in Aktion. – Foto: gik

Elf Mann sind sie beim Team hinter der Bühne, jeder weiß hier genau, was wann passieren muss. „Es gibt vor allem eine Regel“, sagt Niklas Hohmann: „Wer was rausbringt, holt es auch wieder rein.“ Seit 15 Jahren schon ist er Mitglied des Bühnenteams beim GCV, mit 15 fing er damit an. „Wir bekommen viel Dank und Anerkennung“, sagt er stolz: „Die Aktiven wissen, sie können sich zu 100 Prozent auf uns verlassen, das vermittelt Sicherheit.“

19.23 Uhr, der Einmarsch ist im vollen Gange. Das winzige Treppenhaus dröhnt von den Trommeln der Garde, das Komitee hat Platz genommen. Regisseur Uli Jörg Hofmann beobachtet aufmerksam Bühne, Saal und Fernseher. Ein Saallicht hinten will nicht ausgehen, per Funk kommuniziert Hofmann mit dem Technikpult hinten im Saal. Letztes Jahr fiel mal die gesamte Lichtanlage aus, da war schnelles Agieren angesagt. „Unser Team ist so gut aufgestellt“, sagt Hofmann gelassen, „wir haben Elektriker und Ingenieure, da ist für jede Eventualität was dabei.“

Gut gelauntes GCV-Bühnenteam (von links): Patrick Hellmold, Andreas Müller, Frank Becker, Regisseur Uli Hofmann und Dennis Rosskopp. – Foto: gik

Hofmann lenkt die GCV-Sitzungen nun schon in seiner 10. Kampagne als Regisseur, im richtigen Leben ist der Diplom-Geograph Projektmanager. „Da ich nicht singen kann und Schreiben auch nicht mein Ding ist, mache ich das hier“, sagt Hofmann: „Die Orga, das ist mein Ding.“ Dutzende, Hunderte dieser Helfer hinter den Kulissen gibt es in der Mainzer Fastnacht. Ohne sie würde keine Sitzung stattfinden, kein Scheinwerferlicht erstrahlen, kein Zuschauer seinen Platz finden.

Wilfried Hellmold steht schon mittags um 14.00 Uhr in der Turnhalle. Die Tische müssen gerichtet werden, das Kartenteam klebt die Nummern auf die Sitzplätze, ordnet Deckchen, legt Programme aus. „Wir holen die Blumensträuße ab und die Präsente für die Aktiven“, erzählt Hellmold, „wir lotsen die Leute am Abend zu ihren Tischen und sagen dem Sitzungspräsidenten, welche Ehrengäste im Saal sind.“ Speditionskaufmann war Hellmold bis zur Rente, nun ist er Teil des sechsköpfigen Einlassteams. Da erlebe man so einiges, sagt Hellmold, einmal mussten sie sogar jemanden abweisen, der mit einer echten Axt in den Saal wollte.

Maske neben Schwebebalken und Fußballtor: Der Raum hinter der Bühne beim GCV ist eng. – Foto: gik

Beim Bühnenteam erlauben sie sich schon mal den einen oder anderen Streich. „Dem Betz haben wir bei der letzten Sitzung mal Gurkenwasser hingestellt“, erzählt Ohler mit einem Grinsen, „und dem Christoph Seib mal eine Schnabeltasse.“ Das beste Team der Stadt seien sie, sagen sie stolz, der GCV stellt deshalb auch das Regie- und Bühnenteam bei „Mainz bleibt Mainz“ hinter den Kulissen. „Da musst Du auf Kommando raus“, erzählt Jens Ohler, die stoppen richtig die Zeit, geben Dir ein Zeichen, wenn die Kamera woanders ist.“ Vor drei, vier Jahren klappte das Timing einmal nicht, Andreas Müller verbrachte den halben Vortrag von Lars Reichow genau hinter dessen großer Kulissenwand, mucksmäuschenstill, bis er davonhuschen konnte. „Wenn wir gut sind“, sagt Ohler, „dann sieht man uns nicht.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Fernsehfastnacht „Mainz bleibt Mainz“ lest Ihr hier bei Mainz&, unseren Bericht von der Sitzung des GCV im Jahr 2019 gibt es genau hier. Und ganz aktuell erreicht uns gerade noch das Bild hier: das komplette Bühnenteam vom GCV bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019!

Bühnenteam des GCV bei Mainz bleibt Mainz 2019 – Foto: GCV

 

 

 

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