Auch die rheinland-pfälzischen Grünen müssen sich nach der Landtagswahl im März neu aufstellen – die Ökopartei kam bei der Wahl nur auf 7,9 Prozent und landete in der Opposition. Spitzenkandidatin Katrin Eder wird neue Fraktionschefin im Mainzer Landtag, am Samstag suchten die Grünen nun eine Neuaufstellung sowie eine neue Landesspitze. Und erstmals wird der komplette Landesvorstand aus Frauen bestehen – eine von beiden neuen Landeschefinnen: Die Grüne Christian Sauer, Ortsvorsteherin in Hartenberg-Münchfeld.

Wahlplakat der grünen Spitzenkandidatin Katrin Eder. - Foto: Grüne RLP
Wahlplakat der grünen Spitzenkandidatin Katrin Eder. – Foto: Grüne RLP

Die rheinland-pfälzischen Grünen hatten im Landtagswahlkampf mit der Mainzer Umweltministerin und Spitzenkandidatin Katrin Eder stark auf klassische grüne Themen wie Klimaschutz und den Kampf gegen die AfD gesetzt, die Wähler goutierten das eher nicht: Die Grünen gaben 1,4 Prozentpunkte ab und landeten bei 7,9 Prozent – das bedeutete das Aus nach 15 Jahren Regierungsbeteiligung in der Mainzer Landesregierung.

Man sei „sehr stolz auf das Ergebnis“, sagte Spitzenkandidatin Eder dennoch am Wahlabend, man habe sich mit Erfolg dagegen gestemmt, mehr zu verlieren. Die Grünen halten nun im neuen Landtag zehn Sitze, Eder wurde zur neuen Fraktionschefin gewählt und kündigte an, man werde jetzt als Opposition „die Regierung vor uns hertreiben“. Eder selbst hatte sich im Wahlkampf zudem mit falschen Fischen geschmückt, als sie das Projekt „Schwarmkraftwerk“ mit Energy Fischen im Rhein als grünen Erfolg verkaufte – das Projekt hatte der Mainzer FDP-Politiker Volker Hans auf den Weg gebracht.

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Grüne wollen weiter Verantwortung für Rheinland-Pfalz übernehmen

Am Samstag trafen sich die rheinland-pfälzischen Grünen nun zum Parteitag in Idar-Oberstein, der scheidende Landesvorsitzende Paul Bunjes betonte dabei, es werde künftig die Aufgabe der Grünen sein, „denen eine Stimme zu geben, für die in der nächsten Regierung niemand mehr sprechen wird – für Themen, die unter den Tisch fallen, und für Menschen, die an den Rand gedrängt werden.“ Bunjes und seine bisherige Ko-Vorsitzende Natalie Cramme-Hill ziehen künftig als Landtagsabgeordnete ins Mainzer Parlament ein.

Neuer Landesvorstand der Grünen RLP (von links) mit den Landesvorsitzenden Carolin Cloos und Christin Sauer sowie Schatzmeisterin Rebecca Stallbaumer. - Foto: Grüne RLP
Neuer Landesvorstand der Grünen RLP (von links) mit den Landesvorsitzenden Carolin Cloos und Christin Sauer sowie Schatzmeisterin Rebecca Stallbaumer. – Foto: Grüne RLP

Man werde „mit klarer Haltung, neuer Rolle und dem Anspruch, weiter Verantwortung für Rheinland-Pfalz zu übernehmen“ in die Opposition starten, sagte Cramme-Hill: Opposition bedeute „nicht Verweigerung, sondern Zuhören, Verstehen und Gestalten.“ Man wolle noch energischer „raus zu den Menschen gehen – in Dörfer, Vereine, Schulen und Betriebe. Wir hören zu, bevor wir antworten.“ Die künftige Landesregierung wolle man mit harten inhaltlichen Auseinandersetzungen stellen, denn die Große Koalition drohe „Rheinland-Pfalz auf einen Weg des Rückschritts zu führen.“

Im Wahlkampf hatten die Grünen bereits gegen das Spitzenduell von SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer und CDU Herausforderer Gordon Schnieder polemisiert, und das TV-Duell der beiden Männer als „Mansplaining“ diffamiert – also als herabwürdigendes Verhalten von Männern gegenüber Frauen, die dabei die Expertise der Frauen in Frage stellen. Nun gongen die Grünen konsequent den nächsten Schritt – und wählten einen rein von Frauen zusammengesetzten Landesvorstand mit zwei Vorsitzenden einer Schatzmeisterin.

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Sauer mit 63 Prozent gewählt, Kollegin Cloos mit 72 Prozent

Die Grünen haben eine Doppelspitze, auf der eigentlich ein Mann und eine Frau die Partei führen sollen, für den Frauenplatz trat Carolin Cloos aus Worms an, sie wurde mit 72,28 Prozent der Stimmen gewählt gewählt – unter den 209 Delegierten und Gästen gab es 18,32 Prozent Nein-Stimmen und 9,41 Prozent Enthaltungen. Für den Männerplatz trat neben Holger Leydecker aus dem Kreisverband Rhein-Pfalz auch eine Mainzerin an: Christin Sauer.

Reines Frauenduo an der Spitze der rheinland-pfälzischen Grünen: Carolin Cloos und Christian Sauer. - Foto: Grüne RLP
Reines Frauenduo an der Spitze der rheinland-pfälzischen Grünen: Carolin Cloos und Christian Sauer. – Foto: Grüne RLP

Sauer setzte sich direkt im ersten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit durch und wurde mit 63,37 Prozent der Stimmen gewählt. Die 33-Jährige ist seit 2017 Mitglied der Mainzer Grünen und machte eine Blitzkarriere: 2018-2019 war sie Sprecherin der Grünen Jugend Mainz, seit 2019 ist sie Mitglied des Mainzer Stadtrats. Von Ende 2021 bis Frühjahr 2025 war sie Kreisvorsitzende der Mainzer Grünen, trat dann zurück, um für de Landtag zu kandidieren, was nicht klappte.

„Vertrauen für grüne Positionen erreichen wir nicht von oben herab“, sagte Sauer nun in ihrer Bewerbungsrede. Vertrauen erreiche man nur durch Begegnungen vor Ort und nur auf Augenhöhe. „Durch Zuhören, durch Respekt vor der Lebensrealität und den echten Sorgen der Menschen“, betonte Sauer, und gab als Devise aus: 2029 werde man um das Vertrauen in den Kommunen kämpfen, und es auch im Bund und zurückholen. „Und 2031 machen wir klar: Dieses Land wird wieder ökologisch, sozial und gerecht regiert – mit uns zurück in der Landesregierung!“

Info& auf Mainz&: Mehr zur grünen Haltung zu Männern könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:

Grüne in Mainz nennen TV-Duell „Mansplaining“, also herablassendes Verhalten gegenüber Frauen – Doppelmoral auch bei AfD