Das Mainzer Unternehmen Biontech arbeitet an einer neuen Version seines Corona-Impfstoffes, die auf die neue Delta-Mutante angepasst ist. Man entwickele derzeit eine angepasste Version des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoffs, in der das vollständige Spike-Protein der Delta-Variante verwendet werde, teilte Biontech in der Nacht zum Freitag mit. Die erste Charge der neuen mRNA-Wirkstoffe seien bereits für eine Studie in der Mainzer Produktionsstätte hergestellt worden. Zudem gebe es „ermutigende Daten“ zu einer dritten Auffrischungsimpfung: Diese könnte gegen alle Corona-Mutanten gut schützen.

Der Impfstoff von Biontech wird derzeit auch gegen die neuen Mutationen wie Delta angepasst-. - Foto: Biontech
Der Impfstoff von Biontech wird derzeit auch gegen die neuen Mutationen wie Delta angepasst-. – Foto: Biontech

Damit rückt wohl eine dritte Auffrischungsimpfung vor allem für alle Anfang des Jahres geimpften Menschen näher: Neue Studien des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer zeigen nun offenbar, dass eine Auffrischungsimpfung sechs Monate nach der zweiten Impfung eine hohe Antikörperreaktion hervorruft. Biontech hatte von Anfang an versichert, man erforsche den mRNA-Impfstoff weiter und sei sehr zuversichtlich, dass er sich auch leicht an künftige Mutationen anpassen lasse. Das liegt an dem Herstellungsverfahren mittels mRNA: die Messenger-RNA lässt sich – so Biontech – leicht auf Mutationen des Coronavirus anpassen, da bestimmte markante Bausteine des Virus leicht ausgetauscht werden können.

„Pfizer und BioNTech sind bestrebt, dem COVID-19 auslösenden Virus und zirkulierenden Mutationen stets einen Schritt voraus zu sein“, betonte das Mainzer Unternehmen nun am Freitag noch einmal. Derzeit werde eine angepasste Version des Pfizer-BioNTech COVID-19-Impfstoffs entwickelt, in dem die Unternehmen das vollständige Spike-Protein der Delta-Variante verwendeten. „Die erste Charge der neuen mRNA für die Studie wurde bereits in BioNTechs Produktionsstätte in Mainz hergestellt“, heißt es weiter. Man erwarte, dass die erste Studie im August dieses Jahres beginnen könne, das hänge aber von der regulatorischen Zulassung ab. Der neue Impfstoff muss neuerlich die Zulassungsverfahren der Arzneimittelbehörden durchlaufen.

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Biontech-Chef Ugur Sahin hatte sich schon Anfang des Jahres sicher gezeigt, dass sein Impfstoff an Mutationen angepasst werden kann. - Foto: gik
Biontech-Chef Ugur Sahin hatte sich schon Anfang des Jahres sicher gezeigt, dass sein Impfstoff an Mutationen angepasst werden kann. – Foto: gik

Daten aus Israel zeigten, dass die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und symptomatischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung sinke, teilte Biontech weiter mit. Tatsächlich hatten die Daten aus Israel gezeigt, dass die Wirksamkeit gegenüber der neuen, aggressiveren Delta-Variante stellenweise nur noch 60 Prozent beträgt. Der Impfschutz gegen schwere Verläufe bleibe aber weiterhin hoch, betonte Biontech, das decke sich auch mit laufenden Datenanalysen aus den Phase-3-Studien beider Unternehmen. Es werde aber „ein Rückgang der Wirksamkeit gegenüber symptomatischen Verläufen im Laufe der Zeit und das weitere Auftreten neuer Virusvarianten erwartet.“

„Deshalb sind wir nach wie vor der Ansicht, dass es auf Basis der uns bisher vorliegenden Daten wahrscheinlich ist, dass eine dritte Dosis innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“, heißt es in der Mitteilung weiter. Eine solche dritte Impfung könne „hilfreich sein kann, um den höchstmöglichen Schutz aufrecht zu erhalten.“ Inzwischen lägen dazu auch „ermutigende Daten“ aus einer laufenden Studie zu einer dritten Auffrischungsimpfung des bisherigen Impfstoffs BNT162b2 vor, danach zeige sich, dass eine dritte Dosis des Biontech-Impfstoffs „sechs Monate nach der zweiten Impfung als Auffrischung hohe neutralisierende Antikörpertiter gegen den Wildtyp-Virus und die Beta-Variante hervorruft, und gleichzeitig ein konsistentes Verträglichkeitsprofil aufweist.“

Wie das Coronavirus an eine Zelle andockt, in sie eindringt und sich dort vermehrt. – Grafik: covid19-pandemie.org
Wie das Coronavirus an eine Zelle andockt, in sie eindringt und sich dort vermehrt. – Grafik: covid19-pandemie.org

Die Antikörpertiter seien 5- bis 10-fach höher als nach den ersten beiden Impfungen, weitere Daten sollten bald in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert werden. Außerdem sei geplant, die Daten in den kommenden Wochen bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, der europäischen EMA sowie weiterer Zulassungsbehörden einzureichen.

Das bedeute aber nicht, dass der aktuell verwendete Impfstoff unwirksam gegen die Delta-Variante sei, betonte das Mainzer Unternehmen weiter: „Ergebnisse aus einer kürzlich veröffentlichten Nature Publikation zeigen außerdem, dass Immunseren, die kurz nach der zweiten BNT162b2-Impfung entnommen wurden, in Laborversuchen hohe neutralisierende Antikörpertiter gegen die Delta-Variante aufweisen“, so die Mitteilung. Man erwarte, dass eine dritte Dosis des Impfstoffs die Titer noch weiter steigern werde, vergleichbar mit Ergebnissen zur dritten Impfung gegenüber der Beta-Variante. „Pfizer und BioNTech führen aktuell präklinische und klinische Untersuchungen durch, um diese Hypothese zu bestätigen“, so das Unternehmen. Man erwarte, dass dritte Dosis BNT162b2 es möglich mache, „das höchste Level an schützender Wirksamkeit gegenüber allen bisher getesteten Varianten, einschließlich der Delta-Variante, zu erhalten.“

Info& auf Mainz&: Die genannte neue Biontech-Publikation findet Ihr hier bei der Zeitschrift Nature im Internet. Warum Biontech sich sicher ist, dass der mRNA-Impftstoff auch gegen Mutationen des Sars-CoV-2-Virus wirkt, und wie er an neue Mutanten angepasst werden kann, haben wir hier auf Mainz& erklärt. Mehr dazu, wie die mRNA-Impfung funktioniert, lest Ihr auch in dem neuen Corona-Impf-Comic der Mainzer Universitätsmedizin, mehr dazu hier auf Mainz&.

 

 

2 KOMMENTARE

    • Gute Frage, aber so wie wie wir das verstanden haben: Nein. Man muss sich wohl selbst kümmern, wenn man nicht in einem Heim wohnt. Die Heime organisieren das, alle anderen fragen wohl am besten ihren Hausarzt.

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