Die Corona-Pandemie hat in den Jahren 2020 und 2021 für eine klare Übersterblichkeit gesorgt: Gerade in den Monaten der schlimmsten Corona-Wellen starben in Rheinland-Pfalz bis zu 22 Prozent Menschen mehr als sonst üblich in diesen Monaten – bundesweit waren es sogar bis zu 32 Prozent, wie im Dezember 2020. Im Jahr 2021 starben in Rheinland-Pfalz insgesamt 50.417 Menschen – das waren mehr gestorbene Rheinland-Pfälzer in einem Jahr als jemals zuvor seit der Gründung des Landes vor 75 Jahren, wie nun das Statistische Landesamt mitteilte. Ende 2021 habe es mit der Delta-Welle erneut “eine stark überhöhte Sterblichkeit” im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 gegeben – positiv wirkten sich hingegen die Corona-Impfungen aus.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier rief im Januar 2021 zum Gedenken für die Corona-Toten auf, im April ludf er zur Trauerfeier - der bisher einzigen für die Toten der Corona-Pandemie. - Screenshot: gik
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier rief im Januar 2021 zum Gedenken für die Corona-Toten auf, im April lud er zur Trauerfeier – der bisher einzigen für die Toten der Corona-Pandemie. – Screenshot: gik

Die Frage, ob die Corona-Pandemie denn nun wirklich zu deutlich mehr Toten geführt hat, war von Anfang an eine hochpolitische: Wer die Pandemie herunterspielen oder die Gefährlichkeit des neuen Virus Sars-CoV-2 nicht wahrhaben wollte, behauptet bis heute gerne, das Virus sei doch überhaupt nicht so tödlich wie behauptet, die ganzen Todeszahlen “nur Panikmache” – gestorben werde schließlich immer. Die Zahlen, die das Statistische Landesamt, und wenige Tage zuvor das Statistische Bundesamt in Sonderauswertungen herausgaben, sprechen indes eine andere Sprache.

Danach belegen die Todesstatistiken für die Jahre 2020 und 2021 nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland im März 2020 eindeutig stark gestiegene Todeszahlen – die zudem exakt mit den einzelnen Corona-Wellen korrelieren. So starben etwa im Januar 2021, während einer der schlimmsten Corona-Wellen in Deutschland, 22 Prozent mehr Rheinland-Pfälzer als ein Jahr zuvor. Generell sei in den Wintermonaten des Jahres 2021 “eine stark überhöhte Sterblichkeit” gegenüber dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 festzustellen, berichtet nun das Statistische Landesamt.

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Grafik der Todesfälle in Rheinland-Pfalz in den Jahren 2020 (lila), 2021 (blau) sowie im Median der Jahre 2016-2019 (rot). - Grafik: Statistisches Landesamt RLP
Grafik der Todesfälle in Rheinland-Pfalz in den Jahren 2020 (lila), 2021 (blau) sowie im Median der Jahre 2016-2019 (rot). – Grafik: Statistisches Landesamt RLP

“Insgesamt fiel die Zahl der Sterbefälle 2021 in sieben der zwölf Kalendermonate höher aus als 2020”, stellten die Statistiker nun im Zuge einer Sonderauswertung der Todesstatistiken fest – und machen als eindeutige Ursache dafür das Coronavirus aus. Die Entwicklung der Sterbefallzahlen in den kreisfreien Städten und Landkreisen in Rheinland-Pfalz stehe für die Monate Januar bis August 2021 “in einem positiven statistischen Zusammenhang mit der Zahl der bestätigten COVID-19-Infektionen und der Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer COVID-19-Infektion”, heißt es im Statistiker-Deutsch, im Klartext: Wegen der Corona-Pandemie starben in den ersten acht Monaten des Jahres 2021 deutlich mehr Menschen in Rheinland-Pfalz durch eine Corona-Infektion.

Eine endgültige Einordnung des Einflusses der Corona-Pandemie auf die Entwicklung der Zahl der Sterbefälle sei zwar “derzeit noch nicht möglich”, da die Daten der Todesursachenstatistik noch nicht vollständig aufbereitet seien, betonen die Statistiker weiter. Doch die bisher vorliegenden Daten zeigten: die Zahl der Sterbefälle, die 2021 im Zeitraum März bis August an – und zwar wirklich “an” – COVID-19 verstarben, lagen in jedem Monat des Jahres 2020 höher als in 2020. “Von der Corona-Pandemie dürfte 2021 somit weiterhin ein starker eigenständiger Effekt auf die Entwicklung der Zahl der Sterbefälle in Rheinland-Pfalz ausgegangen sein”, konstatiert das Landesamt. Würden zusätzlich die Sterbefälle berücksichtigt, die COVID-19 als Begleiterkrankung aufwiesen, falle der Anstieg der Sterbefälle gegenüber 2020 sogar noch etwas höher aus.

Eine Kerze zum Gedenken an die Toten der Corona-Pandemie im Winter 2020-201. - Foto: gik
Eine Kerze zum Gedenken an die Toten der Corona-Pandemie im Winter 2020-201. – Foto: gik

Und dabei hatte schon das Jahr 2020 deutlich mehr Tote gesehen als sonst: In Folge der Corona-Pandemie sei die Zahl der Gestorbenen deutlich gestiegen, berichtet das Statistische Bundesamt. Erstmals habe sich Corona ab Ende März auf die Entwicklung der Sterbe­fallzahlen ausgewirkt, im April 2020 habe die Zahl der Gestorbenen dann 10 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre gelegen. Als im Mai die Covid-19-Todesfälle zurückgingen, hätten sich die Sterbe­fallzahlen wieder “etwa auf dem mittleren Niveau der vier Vorjahre bewegt.”

Ab Mitte Oktober 2020 aber sei die Differenz der Sterbe­fallzahlen dann im Vergleich zum mittleren Wert der Vorjahre erneut angewachsen – die zweite große Corona-Welle rauschte durch Deutschland, mit verheerenden Folgen: Deutschlandweit lag die Zahl der Gestorbenen im Dezember 2020 um 32 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre. Auch die Zahlend es Landesamtes Rheinland-Pfalz zeigen das deutlich: Von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2020 übersteigt die Zahl der Gestorbenen weit die der üblichen Größenordnungen.

Gräber auf dem Mainzer Hauptfriedhof. - Foto: gik
Gräber auf dem Mainzer Hauptfriedhof. – Foto: gik

So starben allein im Dezember 2020 und im Januar 2021 in Rheinland-Pfalz jeweils fast 1.200 Menschen, rund 80 Prozent davon an Covid-19, die übrigen mit einer Corona-Erkrankung als Begleitfolge. So starben im Januar 2021, dem schlimmsten Pandemie-Monat, 22 Prozent mehr Menschen als ein Jahr zuvor – im Januar 2020 hatte die Pandemie Deutschland noch nicht erreicht. Insgesamt habe die Zahl der Sterbefälle in allen vier Quartalen des Jahres 2021 höher gelegen als 2020, betonten die Statistiker weiter.

Die Übersterblichkeit lag demnach in den ersten drei Quartalen zwischen 2,6 und 4,5 Prozent über dem Vorjahreswert, im vierten Quartal stiegen die Todeszahlen hingegen nur leicht um plus 0,2 Prozent an. Die Experten führen das eindeutig auf die Corona-Impfung zurück: Mit dem Voranschreiten der Impfkampagne im Jahr 2021 habe die die Corona-Pandemie, die zuvor “maßgeblich zum Anstieg der Sterbefälle beitrug”, dann zunehmend an Einfluss auf die Entwicklung verloren. So sank die Zahl der Sterbefälle in den Monaten Februar bis April 2021 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2020 stetig – es waren genau die Monate, in den die älteren Rheinland-Pfälzer ihre Erst- und Zweitimpfungen gegen COVID-19 bekamen. So starben etwa im März 2021 9,9 Prozent weniger Menschen als im März 2020.

Kerze im Fenster des Bundespräsidenten zum Gedenken an die Corona-Toten im Januar 2021. - Screenshot: gik
Kerze im Fenster des Bundespräsidenten zum Gedenken an die Corona-Toten im Januar 2021. – Screenshot: gik

In den Sommermonaten glichen sich die Sterbezahlen dann wieder dem Durchschnitt früherer Jahre an, in den Wintermonaten aber fegte die Delta-Welle durchs Land – und mit ihr trat erneut “eine stark überhöhte Sterblichkeit” im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 auf, so die Statistiker: Im vierten Quartal 2021 starben demnach in Rheinland-Pfalz gut 15 Prozent mehr Menschen als üblich. Dabei gebe es große regionale Unterschiede, betonen die Statistiker: In Städten mit einem hohen Anteil älterer Menschen wie Pirmasens seien deutlich mehr Menschen gemessen an der Einwohnerzahl gestorben – in Pirmasens waren es 1.877 Sterbefälle pro 100.000 Einwohner – als in Städten mit einer jungen Bevölkerung wie Mainz: Hier starben “nur” 895 Menschen pro 100.000 Einwohner.

Auch für die Monate September bis Dezember 2021 könne “erwartet werden, dass die Corona-Pandemie die Zahl der Sterbefälle in Rheinland-Pfalz nachhaltig beeinflusst hat”, heißt es vom Statistikamt weiter. Wie sich die Zahl der Drittimpfungen auf den Verlauf ausgewirkt habe, werde voraussichtlich erst in einigen Wochen untersucht werden können. “Positiv mag allerdings stimmen, dass mit den zunehmenden Booster-Impfungen im Dezember 2021 knapp zehn Prozent weniger Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer starben als im Dezember 2020”, betonen die Statistiker.

Eine Kerze im Fenster zum Gedenken Aktion von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier im Januar 2021. - Screenshot: gik
Eine Kerze im Fenster zum Gedenken Aktion von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier im Januar 2021. – Screenshot: gik

Insgesamt starben in Deutschland bisher laut Robert-Koch-Institut 119.977 Menschen in der Folge einer Covid-19-Erkrankung, in Rheinland-Pfalz waren es bislang 4.869. Die Übersterblichkeit dürfte indes noch größer ausfallen, als berechnet berücksichtigt man etwa, dass in den Jahren 2020 und 2021 die Grippewellen wegen der Corona-Maßnahmen wie Lockdown und Maskentragen praktisch komplett ausfielen, und somit auch so gut wie niemand an der “normalen” Virus-Grippe starb.

Auch im Straßenverkehr kamen deutlich weniger Menschen ums Leben als in Vorjahren: Die Zahl der Verkehrstoten habe zum zweiten Mal in Folge einen “historischen Tiefstand” erreicht, sagte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) am Montag. Danach starben 2021 in Rheinland-Pfalz 117 Menschen durch Verkehrsunfälle, 2020 waren es noch 128 gewesen – und 2019 waren es 153. Auch die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Personen ging 2021 um rund sechs Prozent zurück, die Zahl der Schwerverletzten sogar um knapp elf Prozent auf 2735, und auch die Zahl der Unfälle mit Verletzten auf den Autobahnen sank – ganz ohne Tempolimit.

Info& auf Mainz&: Alle Zahlen und Grafiken zur Sonderauswertung des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz zu den Todeszahlen 2021 findet Ihr hier im Internet. Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes zu Sterbezahlen in der Corona-Pandemie für die Jahre 2020 und 2021 gibt es hier im Internet. Unseren Text zur Aktion #lichtfenster von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zum gedenken an die Corona-Toten im Januar 2021 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Damals zählte Deutschland gerade 50.000 Tote der Corona-Pandemie, heute sind es mehr als doppelt so viele.

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