Er war der Hingucker und Farbtupfer auf der abgesackten Salzbachtalbrücke, sein Schicksal bewegte die Rhein-Main-Region: Der gelb-rote Spezial-LKW muss nun doch nicht mit der kaputten Autobahnbrücke in den Untergang gesprengt werden. Das rund 32 Tonnen schwere Spezialfahrzeug wurde am Mittwochvormittag erfolgreich von dem maroden Brückenbauwerk geborgen. Lebensretter war in diesem Fall ein Kranführer mit seinem 330 Tonnen schweren Kran und einem bis zu 80 Meter ausfahrbaren Teleskopausleger.

Der gestrandete Spezial-Lkw auf der Salzbachtalbrücke Mitte Juni: Es drohte der Tod durch Sprengung. - Foto: gik
Der gestrandete Spezial-Lkw auf der Salzbachtalbrücke Mitte Juni: Es drohte der Tod durch Sprengung. – Foto: gik

Mitte Juni war die Autobahnbrücke der A66 über das Salzbachtal bei Wiesbaden überraschend abgesackt, nachdem ein Brückenlager aufgegeben hatte, seither ist die Brücke gesperrt und harrt ihrer Sprengung Ende Oktober oder Anfang November. Von Anfang an jedoch sorgte ein Farbtupfer auf der Brücke für Aufsehen: Ein riesiger Spezial-Lkw stand seither mitten auf der Brücke – das Spezialfahrzeug war beim Brücken-Crash dort oben schlicht gestrandet.

Das „Brückenuntersichtgerät“ war zu Wartungsarbeiten auf die ohnehin bereits gesperrte Salzbachtalbrücke gefahren worden, als die Brücke absackte, sperrten die Verantwortlichen das Bauwerk umgehend für jegliche Begehung oder Befahrung – die Salzbachtalbrücke erwies sich als dermaßen einsturzgefährdet, dass die Verantwortlichen der Autobahn West GmbH sich nicht trauten, auch nur ein Krümelchen auf der Brücke zu bewegen – geschweige denn einen rund 32 Tonnen schweren Lkw.

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Vorsichtiges Anheben des Spezial-Lkws aus der Salzbachtalbrücke. - Foto: Autobahn GmbH
Vorsichtiges Anheben des Spezial-Lkws aus der Salzbachtalbrücke. – Foto: Autobahn GmbH

So war guter Rat teuer: Ein Herunterfahren von der Brücke hätte die Statik des Bauwerks endgültig gefährden und die marode Struktur unkontrolliert zum Einsturz bringen können, so die Angst der Ingenieure. Dem Spezial-Lkw drohte gar der Tod durch Sprengung: notfalls müsse der Laster gemeinsam mit der Brücke untergehen, hieß es von Seiten der Autobahn GmbH. Am Mittwoch jedoch herrschte großes Aufatmen rund um die Brücke: „Das rund 700.000 Euro teure Gerät erleidet nicht das Sprengschicksal“, teilte die Autobahn GmbH mit: „Vielmehr ist es heute kontrolliert geborgen worden.“

„Lebensretter“ sei ein Kranführer mit seinem 330 Tonnen schweren Kran und einem bis zu 80 Meter ausfahrbaren Teleskopausleger gewesen, hieß es weiter. Positioniert worden habe man die Rettungsmannschaft vor dem südlichen Überbau der Brücke auf der Bundesstraße 263 in Fahrtrichtung Süden, Arbeiter befestigten schließlich die Halteseile an dem havarierten Gefährt auf der Brücke. Schließlich konnte das Brückenuntersichtgerät ganz vorsichtig angehoben und kontrolliert auf der B 263 neben dem Kran abgesetzt werden – eine spektakuläre Aktion, bei der das Tonnen schwere Gerät wie ein Spielzeugauto durch die Luft baumelte.

32 Tonnen am Haken: Bergung des Spezial-Lkws von der Salzbachtalbrücke. - Foto: Autobahn GmbH
32 Tonnen am Haken: Bergung des Spezial-Lkws von der Salzbachtalbrücke. – Foto: Autobahn GmbH

„Wir sind froh, dass die Bergung des Fahrzeugs noch vor der geplanten Sprengung abgeschlossen wurde“, sagte Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH, und versprach: „Wir werden weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, damit wir der Öffentlichkeit vor Ort schnellstmöglich wieder eine intakte Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stellen können.“ Doch das lässt bislang gehörig auf sich warten: Im August wollte die Autobahn GmbH ursprünglich das Brückenbauwerk mit seinen zwei Teilbrücken sprengen, doch die Pläne verzögerten sich eines ums andere Mal.

Vor allem die Sicherung des noch stehenden, maroden Brückenbauwerks gestalteten sich langwieriger als gedacht: Da musste der abgesackte Brückenpfeiler stabilisiert, die Brücke selbst durch zwei Gerüsttürme abgestützt und danach noch mit einem Spritzbetonkorsett stabilisiert werden – so soll ein unkontrolliertes, seitliches Umfallen von Pfeiler und Brücke verhindert werden. Das Problem der Ingenieure: Unter der Salzbachtalbrücke verlaufen nicht nur mehrere Straßen und ein Radweg, sondern auch die zentrale Bahntrasse zum Wiesbadener Hauptbahnhof, in der Nähe befinden sich zudem die Wiesbadener Kläranlage sowie weitere Gebäude.

Schwebend sicher zu Boden: Bergung des Spezial-LKWs von der Salzbachtalbrücke. - Foto: Autobahn GmbH
Schwebend sicher zu Boden: Bergung des Spezial-LKWs von der Salzbachtalbrücke. – Foto: Autobahn GmbH

Voraussetzung für einen Sprengtermin seien „optimale Abläufe in der Vorbereitung“, betont die Autobahn GmbH deshalb auch, dazu gehörten Sicherungsarbeiten an der Infrastruktur unter dem Bauwerk sowie eine Absicherung der Gleisanlagen – auch eine Kampfmittelsondierung auf womöglich noch im Boden schlummernde Weltkriegsbomben steht noch an. Die Sprengung ist nun frühestens für Ende Oktober, vielleicht auch erst Anfang November geplant – der Spezial-Lkw wird dann jedenfalls wenigstens nicht mehr mit in den Abgrund stürzen.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Crash der Salzbachtalbrücke lest Ihr hier auf Mainz&, unseren Text zur geplanten Sprengung Anfang Oktober findet Ihr hier. Das neuste in Sachen Brücken-Sprengung könnt Ihr hier auf Mainz& noch einmal nachlesen. Die beeindruckende Bergung wurde auch in kleinen Videos festgehalten, mehr dazu findet Ihr hier bei der Autobahn GmbH.

 

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